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Levodopa + Carbidopa (Kombination)

Wirkungsweise

Die Kombination von Levodopa und Carbidopa wird bei Parkinsonkrankheit als "geeignet" bewertet. Es soll dem Gehirn in möglichst hoher Menge und über längere Zeit den Botenstoff Dopamin zur Verfügung zu stellen. Da Dopamin selbst nicht vom Blut ins Gehirn aufgenommen werden kann, wird der Wirkstoff Levodopa (L-Dopa) verwendet. Für diesen gibt es einen "Transporter", der die Substanz ins Gehirn befördert. Dort setzt ein Enzym an den entsprechenden Nervenendigungen aus Levodopa Dopamin frei. Levodopa wird immer als Kombination gegeben, um die Aufnahme der Substanz im Gehirn zu verbessern.

Der zweite Wirkstoff dieser Kombination, Carbidopa, verhindert, dass Levodopa sofort nach der Aufnahme ins Blut von der Leber fast vollständig umgewandelt und abgebaut wird (Decarboxylasehemmer). Durch den Zusatz verläuft der Vorgang langsamer. Damit steht dem Gehirn mehr Levodopa zur Verfügung und die Nebenwirkungen in anderen Körperbereichen sind geringer.

Von allen Parkinsonmitteln verbessert Levodopa die gestörte Beweglichkeit am besten. Besonders bei jüngeren Kranken führt es aber schon nach relativ kurzer Anwendungszeit dazu, dass die Beweglichkeit stark zwischen Plus- und Minus-Symptomen schwankt und unwillkürliche Bewegungen auftreten. Nach mehreren Jahren lässt die Wirkung von Levodopa nach.

Neben den rasch freisetzenden Mitteln mit Levodopa stehen mittlerweile auch Präparate zur Verfügung, die Levodopa über einen längeren Zeitraum hinweg freisetzen (Retardtabletten). Damit sollen möglichst konstante Levodopa-Blutwerte erreicht werden. Dass diese verzögert freisetzenden Mittel gegenüber den rasch freisetzenden einen Vorteil bei der Behandlung der Parkinsonkrankheit haben, ist noch nicht ausreichend belegt. Sie sollen daher nicht zu einem frühen Zeitpunkt der Erkrankung zum Einsatz kommen. Aufgrund ihrer langen Wirkdauer können sie aber eingesetzt werden, um nächtliche Bewegungsstörungen zu behandeln. Auch zur Vermeidung von Wirkungsschwankungen (Fluktuationen) kann die Anwendung von langsam freigesetztem Levodopa sinnvoll sein. Es besteht die Hoffnung, dass diese damit verzögert werden können.

Anwendung

Damit sich der Körper langsam an das Medikament gewöhnt, beginnt die Therapie mit 100 bis 200 Milligramm Levodopa. Die Dosis wird alle drei bis sieben Tage um 50 bis 100 Milligramm gesteigert, bis die individuell notwendige Menge erreicht ist. Üblicherweise gelten 800 Milligramm als Obergrenze.

Den Zeitpunkt, zu dem Sie die Tabletten einnehmen, können Sie danach ausrichten, wann die Beschwerden am heftigsten sind. Dabei müssen Sie beachten, wie schnell Ihr Medikament zu wirken beginnt.

Zeitpunkt und Zusammensetzung der Mahlzeiten beeinflussen die Wirksamkeit von Levodopa. Wird es während oder unmittelbar nach einer Mahlzeit eingenommen oder enthält die Mahlzeit viel Eiweiß, wirkt Levodopa oft ungenügend. Am besten nehmen Sie das Medikament eine halbe Stunde vor oder eineinhalb Stunden nach den Mahlzeiten ein – es sei denn, der Arzt hat Ihnen ausdrücklich etwas anderes empfohlen.

Levodopakombinationen gibt es in verschiedenen Zubereitungsformen, die unterschiedlich rasch wirken. Nach Einnahme eines Standardprodukts vergehen bei fortgeschrittener Parkinsonkrankheit durchschnittlich 40 Minuten, bis es wirkt, und die Wirkung hält etwa 2,5 Stunden an. Produkte mit dem Zusatz "retard" geben den Wirkstoff dagegen über längere Zeit gleichmäßig verteilt ab.

Gegenanzeigen

Unter folgenden Bedingungen dürfen Sie das Mittel nicht anwenden:

  • Sie haben eine schwere Leberfunktionsstörung.
  • Sie leiden an einem Engwinkelglaukom (grüner Star).
  • Sie müssen den MAO-Hemmer Tranylcypromin (bei Depressionen) einnehmen.

Unter folgenden Bedingungen soll das Mittel nur nach besonders sorgfältigem Abwägen von Nutzen und Risiken eingenommen werden:

  • Es treten Herzrhythmusstörungen auf.
  • Sie haben eine schwere Herzerkrankung, etwa weil Sie schon einmal einen Herzinfarkt erlitten haben.
  • Es besteht eine schwere Erkrankung der Nieren und des Knochenmarks oder die Funktion der Leber ist leicht bis moderat eingeschränkt.
  • Es liegt eine Psychose vor.

Wechselwirkungen

Wechselwirkungen mit Medikamenten

Wenn Sie noch andere Medikamente nehmen, ist zu beachten:

  • In Kombination mit blutdrucksenkenden Mitteln kann es bei gleichzeitiger Anwendung des Parkinsonmittels zu einem spürbaren Blutdruckabfall kommen. Eventuell muss die Dosierung der Blutdrucksenker dann angepasst werden.
  • Phenytoin (bei Epilepsien), Neuroleptika – ausgenommen ist davon Clozapin – (bei Schizophrenien und anderen Psychosen) sowie Metoclopramid (bei Übelkeit und Erbrechen) verringern die Wirkung von Levodopa.

Unbedingt beachten

Bei gleichzeitiger Einnahme mit Tranylcypromin (bei Depressionen) kann der Blutdruck stark ansteigen. Eine Behandlung mit dem Depressionsmittel muss mindestens seit zwei Wochen beendet sein, bevor das Parkinsonmedikament eingenommen werden darf.

Nebenwirkungen

Bei der Behandlung mit diesem Kombinationsmittel ist es vorgekommen, dass die Betroffenen während Alltagstätigkeiten ohne vorherige Warnzeichen eingeschlafen sind. Darüber muss umgehend der Arzt informiert werden.

Keine Maßnahmen erforderlich

Besonders zu Beginn können Übelkeit, Erbrechen und Appetitlosigkeit auftreten. Auch Benommenheit, Müdigkeit, ein metallischer Geschmack im Mund und verschwommenes Sehen kommen vor.

Innere Unruhe, Schlafstörungen und Ängstlichkeit betreffen vornehmlich ältere Menschen.

All diese Beschwerden vergehen mit der Zeit.

Der Urin kann sich leicht rötlich oder dunkel färben. Das ist ungefährlich.

Muss beobachtet werden

Bei 1 bis 10 von 100 Kranken sinkt der Blutdruck ab. Das äußert sich durch Müdigkeit, Schwindel, "Anlaufschwierigkeiten" und Schwarzwerden vor den Augen. Um Stürze zu vermeiden, sollten Sie sich langsam aufrichten. Fühlen Sie sich durch diese Nebenwirkungen ernstlich beeinträchtigt, sollten Sie das mit dem Arzt besprechen. Werden Sie sogar bewusstlos, sollte der Arzt sofort informiert werden.

Wenn die Wirksamkeit von Levodopa nachlässt, kann die Beweglichkeit unkontrolliert schwanken. Näheres dazu unter Behandlung bei nachlassender Levodopawirkung.

Wenn Sie wiederholt befremdliche Dinge sehen und hören, die andere Menschen nicht bemerken (Halluzinationen), sollten Sie den Arzt darüber informieren. Das Gleiche gilt bei paranoidem Erleben; das bedeutet, Sie erleben und erklären die Wirklichkeit gänzlich anders, als andere es tun, und ziehen daraus Schlussfolgerungen, die andere befremden. Solche Episoden sollten Sie mit dem Arzt besprechen. Näheres dazu unter Behandlung einer Psychose infolge der Parkinsonbehandlung.

Schlafstörungen, grundlose Lustlosigkeit, Antriebsmangel, das Empfinden einer inneren Leere, Interesselosigkeit, Schuldgefühle und Selbsttötungsgedanken können auf einer Depression beruhen. Derartiges sollten die Betroffenen oder ihre Angehörigen umgehend dem Arzt mitteilen, damit er über das weitere Vorgehen entscheiden kann.

Wenn Sie sich längere Zeit abgeschlagen fühlen und häufig Infektionen oder Fieber haben, sollte der Arzt Ihr Blut untersuchen. Es könnte eine Blutbildungsstörung vorliegen. Das ist bei etwa 1 von 10 000 Anwendern der Fall.

Bei bis zu 10 von 100 Behandelten können verschiedene Arten von Bewegungsstörungen auftreten und sich die Parkinsonbeschwerden verstärken. Dann muss mit dem Arzt über die weitere Behandlung gesprochen werden. Gegebenenfalls muss er die Dosierung des Mittels anpassen.

Wenn die Haut sich verstärkt rötet und juckt, reagieren Sie möglicherweise allergisch auf das Mittel. Bei solchen Hauterscheinungen sollten Sie einen Arzt aufsuchen, um zu klären, ob es sich tatsächlich um eine allergische Hautreaktion handelt und Sie ein Alternativmedikament benötigen.

Durch das Mittel kann sich suchtartiges Verhalten entwickeln. Beispielsweise können sich das sexuelle Begehren und der Drang nach sexueller Betätigung suchtartig steigern. Auch Spielsucht, Kaufsucht und Essattacken können vorkommen. Die Veränderung ihres Verhaltens nehmen die Betroffenen selbst oftmals nicht wahr. Dann müssen Familienangehörige oder andere nahestehende Personen den Arzt auf die Verhaltensänderungen aufmerksam machen. *

Sofort zum Arzt

Es können Herzrhythmusstörungen auftreten. Manche Menschen registrieren dieses als störende oder unangenehm empfundene Herzschläge oder als unregelmäßigen Herzschlag. Die meisten merken jedoch nichts von dieser Nebenwirkung. Wiederholen sich bei Ihnen auffällige Herztätigkeiten, sollten Sie sich im Laufe des nächsten Tages an den Arzt wenden. Ist Ihr Herz bereits geschädigt oder treten Schwindel, Ohnmacht oder Krampfanfälle auf, ist sofort ärztliche Behandlung notwendig.

Es können Magen-Darm-Blutungen auftreten. Diese bleiben häufig unbemerkt, können sich aber auch in Magenschmerzen und einer Schwarzfärbung des Stuhls äußern. Je nachdem, wie heftig diese Beschwerden sind, sollten Sie sich umgehend oder innerhalb des nächsten Tages an den Arzt wenden.

Besondere Hinweise

Zur Empfängnisverhütung

Frauen sollten eine Schwangerschaft sicher verhüten, solange sie dieses Medikament einnehmen.

Für Schwangerschaft und Stillzeit

Über die Anwendung von Mitteln mit Levodopa und Carbidopa in der Schwangerschaft liegen zwar mittlerweile einige dokumentierte Erfahrungen vor, allerdings lassen sich von diesen noch keine abschließende Einschätzung ableiten. Dennoch halten Experten die Anwendung der Kombination während dieser Zeit vertretbar, wenn ein starker Kinderwunsch besteht und während der Schwangerschaft eine medikamentöse Behandlung der Patientin erforderlich ist.

Levodopa hat negative Auswirkungen auf die Milchbildung und kann die produzierte Milchmenge senken. Individuell kann diese dennoch für eine ausreichende Versorgung des Säuglings genügen. Im Einzelfall erscheint daher die Anwendung des Mittels bei moderater Dosierung vertretbar. Insgesamt liegen nur wenige dokumentierte Erfahrungen zur Kombination in dieser Zeit vor. Wird das Mittel während der Stillzeit angewendet, muss die Gewichtszunahme des Säuglings regelmäßig beobachtet werden.

Zur Verkehrstüchtigkeit

Wenn bei Ihnen überraschende Einschlafattacken auftreten, für die es keine Warnzeichen gibt, dürfen Sie nicht aktiv am Verkehr teilnehmen und nichts tun, was Sie und andere gefährden könnte. Darüber hinaus kann das Mittel unerwünschte Wirkungen haben, die ebenfalls die Sicherheit im Straßenverkehr beeinträchtigen.

Da die Parkinsonkrankheit das Reaktionsvermögen verlangsamt, sind viele Betroffene nicht fahrtüchtig. Wer mit Medikamenten stabil eingestellt ist, kann jedoch unter Umständen wieder am Straßenverkehr teilnehmen. Im Zweifelsfall kann in einer fachärztlichen Untersuchung die Reaktionszeit ermittelt werden.

* aktualisiert am 17.06.2021

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Anwendungsgebiete dieses Wirkstoffs