Medikamente im Test

Kurzwirksames Anticholinergikum: Ipratropium

Wirkungsweise

Ipratropiumbromid gehört zur Gruppe der Anticholinergika und kann den Widerstand in den Atemwegen senken und verhindern, dass die Bronchien sich eng stellen. Der Wirkstoff hemmt die durch eine erhöhte Aktivität des Vagusnervs ausgelöste Verkrampfung der Bronchialmuskulatur. Er setzt den Spannungszustand (Tonus) der Muskulatur herab. Auf diese Weise nimmt der Widerstand in den Atemwegen ab und die Bronchien bleiben normal weit gestellt. Die Substanz wirkt fast ausschließlich lokal und wird kaum ins Blut aufgenommen.

Ipratropiumbromid ist eine kurzwirkende Substanz, die drei- bis viermal täglich angewendet werden muss.

Asthma

Bei Asthma ist zur Behandlung eines akuten Anfalls den kurzwirkenden Beta-2-Sympathomimetika der Vorzug zu geben, weil diese schneller und stärker wirken. Für diesen Anwendungsbereich ist Ipratropiumbromid mit Einschränkung geeignet und sollte nur eingesetzt werden, wenn das Inhalieren von kurzwirkenden Beta-2-Sympathomimetika nicht möglich ist (was nur sehr selten vorkommt). Darüber hinaus kann Ipratropiumbromid eingesetzt werden, wenn sich das Asthma akut verschlechtert und kurzwirkende Beta-2-Sympathomimetika allein nicht ausreichend wirken. Dann muss Atrovent hoch dosiert werden (250 bis 500 Mikrogramm), um die Bronchien zusätzlich zur Gabe von Beta-2-Sympathomimetika zu erweitern.

Chronisch obstruktive Bronchitis

Bei COPD ist Ipratropiumbromid bei akuten Beschwerden zur bedarfsweisen Inhalation geeignet. Der Wirkstoff senkt den Spannungszustand in der Bronchialmuskulatur, der bei chronisch obstruktiver Bronchitis meist anhaltend erhöht ist. Ipatropium verringert so die Atemnot, bessert die Leistungsfähigkeit und kann verhindern, dass sich die Krankheit verschlechtert. Seine Wirkung tritt im Vergleich zu Beta-2-Sympathomimetika etwas verzögert ein (erst nach 20 bis 30 Minuten), hält dafür aber mit bis zu acht Stunden länger an. Bei mittelschwerer und schwerer COPD kann der Wirkstoff prinzipiell auch zur Dauerbehandlung eingesetzt werden, wenn die bedarfsweise Anwendung nicht ausreichend wirksam ist. Allerdings sind hierfür länger wirkende Vertreter dieser Wirkstoffgruppe wie etwa Tiotropiumbromid sinnvoller, weil diese Wirkstoffe seltener angewendet werden müssen.

Anwendung

Sie inhalieren das Mittel nach Bedarf oder – bei einer kontinuierlichen Langzeitbehandlung – drei- bis viermal täglich. Es sollten pro Tag aber nicht mehr als zwölf Sprühstöße aus dem Dosieraerosol sein. Von der Inhalationslösung sollten Sie nicht mehr als zwei Milligramm täglich anwenden.

Achtung

Nach Ansicht von Suchtexperten kann der als Hilfsstoff in einigen Inhalaten und Dosieraerosolen verwendete Alkohol bei Menschen mit Alkoholproblemen eine einmal erreichte Entwöhnung wieder gefährden. Diese Personen sollten daher auf die Anwendung dieser Mittel verzichten. Ob das von Ihnen verwendete Mittel Alkohol enthält, steht in der Packungsbeilage.

Achten Sie unbedingt darauf, dass die Wirkstoffe bei der Anwendung nicht mit dem Auge in Berührung kommen, weil sonst unerwünschte Wirkungen auftreten können.

Wenn Sie ein Glaukom (grüner Star) haben und das Mittel inhalieren müssen, sollten Sie dies nicht mit einer Gesichtsmaske, sondern mit einem Mundstück tun. Dabei ist die Wahrscheinlichkeit geringer, dass versehentlich etwas Wirkstoff ans Auge gelangt.

Gegenanzeigen

Unter folgenden Bedingungen sollte der Arzt Nutzen und Risiken der Anwendung sorgfältig abwägen:

  • Die Herzfunktion ist stark beeinträchtigt, z. B. aufgrund eines erst wenige Monate vergangenen Herzinfarktes, einer instabilen Angina Pectoris oder einer schweren Herzinsuffizienz, die im Krankenhaus behandelt werden musste. Zum Einsatz des Mittels in diesen Situationen liegen keine ausreichenden Erfahrungen vor.
  • Der Augeninnendruck ist erhöht (Engwinkelglaukom).
  • Ihre Prostata ist vergrößert und Sie haben Schwierigkeiten beim Wasserlassen.

Wechselwirkungen

Wechselwirkungen mit Medikamenten

Wenn Sie noch andere Medikamente anwenden, ist zu beachten, dass Anticholinergika zum Einnehmen wie z. B. die Wirkstoffe Pirenzepin (bei Magenschleimhautentzündung), Biperiden (bei Parkinsonkrankheit) oder Dimenhydrinat (bei Übelkeit und Erbrechen sowie bei Reisekrankheit) sowohl die Wirkung als auch die unerwünschten Wirkungen der Mittel zum Inhalieren verstärken können. Sie sollten beide Mittel nicht gleichzeitig anwenden. Dies ist vor allem in höherem Lebensalter zu beachten, weil ältere Menschen besonders empfindlich auf die Nebenwirkungen dieser Mittel reagieren können.

Nebenwirkungen

Keine Maßnahmen erforderlich

Selten können die Wirkstoffe die Atemwege reizen und Husten auslösen. Bei 1 bis 10 von 100 Behandelten tritt Mundtrockenheit auf, und zwar vorwiegend nach den ersten Behandlungswochen. Bei einer Dauerbehandlung legt sich das meist wieder.

Bei etwa 1 bis 10 von 1 000 Behandelten kann sich die Stimme vorübergehend rau oder belegt anhören.

Muss beobachtet werden

Es kommt vor, dass sich die Atemfunktion unter der Therapie weiter verschlechtert und vermehrt Atemnot auftritt. Dann sollten Sie möglichst rasch einen Arzt aufsuchen und mit ihm besprechen, ob ein anderes Medikament sinnvoller ist.

Besteht eine Mundtrockenheit auch bei Daueranwendung weiter, kann dies das Risiko von Zahnkaries erhöhen. Dann ist eine regelmäßige Mundhygiene besonders wichtig. Wenn aufgrund von Mundtrockenheit vermehrt Entzündungen der Mundschleimhaut auftreten, sollten Sie dies mit einem Arzt besprechen.

Bei etwa 1 von 100 Behandelten können Kopfschmerzen und Verdauungsstörungen aufgrund verlangsamter Magen- und Darmtätigkeit auftreten. Diese Beschwerden verschwinden wieder, wenn das Mittel abgesetzt wird.

Bei etwa 1 von 1 000 Behandelten kann es vorkommen, dass der Herzschlag unregelmäßig wird oder das Herz grundlos plötzlich sehr schnell schlägt (mit mehr als 100 Schlägen pro Minute). Halten diese Beschwerden mehrere Minuten oder gar Stunden an, sollten Sie einen Arzt aufsuchen.

Wenn Ihre Prostata vergrößert ist, kann es zu Schwierigkeiten beim Wasserlassen kommen. Haben Sie Schmerzen im Unterbauch, verändert sich der Harnfluss oder lässt sich die Blase nicht mehr vollständig entleeren, sollten Sie möglichst bald einen Arzt aufsuchen. Dann besteht der Verdacht auf einen akuten Harnverhalt. Das Risiko dafür ist im ersten Therapiemonat am größten.

Sofort zum Arzt

Wenn der Wirkstoff beim Vernebeln oder Sprühen aus Versehen ins Auge gelangt, kann es vorkommen, dass sich die Pupille erweitert und das Auge sich nicht mehr gut an das Fern- und Nahsehen anpassen kann. Auch kann der Augeninnendruck ansteigen. Wenn Sie Sehstörungen oder Schmerzen im Auge spüren, sollten Sie sofort einen Augenarzt aufsuchen.

In sehr seltenen Einzelfällen kann eine allergische Unverträglichkeitsreaktion auftreten, die sich in einem starken Hautausschlag, Juckreiz, Herzrasen, Atemnot, Schwäche und Schwindel äußert. Dann müssen Sie die Anwendung sofort abbrechen und unverzüglich den Notarzt (Telefon 112) rufen, weil diese Allergie rasch lebensbedrohlich werden kann.

Eine allergische Reaktion kann sich auch durch Schwellungen im Gesicht bemerkbar machen (Angioödem). Wenn Zunge, Rachen- und Kehlkopfbereich anschwellen und Atemnot droht, müssen Sie die Anwendung abbrechen und einen Notarzt rufen (Telefon 112).

Besondere Hinweise

Für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren

Dieses Mittel ist auch bei der obstruktiven Bronchitis des Säuglings und Kleinkindes in den ersten beiden Lebensjahren gut wirksam. Es kann mit einem Feuchtinhalationsgerät (Vernebler) inhaliert werden.

Für Schwangerschaft und Stillzeit

Ipratropiumbromid können Sie in Schwangerschaft und Stillzeit anwenden.

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Anwendungsgebiete dieses Wirkstoffs