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Karboanhydrasehemmer: Acetazolamid (innerlich)

Wirkungsweise

Acetazolamid hemmt die Karboanhydrase, ein Enzym das im Auge bestimmte Funktionen wahrnimmt. Durch die Hemmung des Enzyms produzieren die Augen weniger Kammerwasser und der Augeninnendruck sinkt. Neben den Augen kommt die Karboanhydrase auch in den Nieren vor. Es steuert, wie viel Wasser die Zellen aufnehmen, und wirkt sich auf den Kaliumhaushalt aus.

Acetazolamid ist das einzige Medikament, mit dem sich ein Glaukom innerlich behandeln lässt. Für diese Anwendung ist das Mittel geeignet. Besonders nützlich ist es als Injektionslösung, um bei einem akuten Engwinkelglaukom den Druck rasch zu senken.

Anwendung

Wie hoch Acetazolamid dosiert wird, richtet sich nach den individuellen Bedingungen. Bei einem akuten Engwinkelglaukom kann es injiziert werden oder Sie nehmen anfänglich 500 Milligramm und anschließend im Abstand von vier bis sechs Stunden 125 bis 250 Milligramm als Tabletten ein. Bei einer Dauerbehandlung liegt die Dosierung zwischen 125 bis 500 Milligramm pro Tag.

Bei einer Glaukombehandlung sollten Sie den Augeninnendruck regelmäßig alle drei Monate durch einen Augenarzt kontrollieren lassen.

Achtung

Durch Acetazolamid scheiden Sie viel Kalium aus. Bei einer Langzeitbehandlung müssen Sie diesen Verlust ausgleichen, indem Sie reichlich Gemüse, Bananen und getrocknete Aprikosen essen oder ein Kaliumpräparat einnehmen.

Gegenanzeigen

Unter folgenden Bedingungen dürfen Sie nicht mit Acetazolamid behandelt werden:

  • Sie reagieren allergisch auf Sulfonamide (bei bakteriellen Infektionen).
  • Sie haben eine Leberfunktionsstörung.
  • Sie leiden an einer schweren Nierenfunktionsstörung. Acetazolamid kann den Flüssigkeitshaushalt erheblich beeinträchtigen.
  • Sie leiden an einer Elektrolytstörung im Blut (hyperchlorämische Azidose).
  • Bei Ihnen besteht eine Stoffwechselstörung, durch die der Gehalt an Mineralstoffen oder Harnsäure (Gicht) im Blut gestört ist.

Wechselwirkungen

Wechselwirkungen mit Medikamenten

Wenn Sie noch andere Medikamente nehmen, ist zu beachten:

  • Bei der gleichzeitigen Anwendung von Karboanhydrasehemmern in Augentropfen (z. B. Brinzolamid, Dorzolamid) und als Tabletten erhöht sich das Risiko für Störungen im Wasser-Salz-Haushalt des Körpers.
  • Acetazolamid kann die unerwünschten Wirkungen von Salicylsäuresalzen (z. B. Acetylsalicylsäure, bei Schmerzen) und Glucocorticoiden (bei Entzündungen, Immunreaktionen) verstärken.
  • Acetazolamid kann die blutzuckersenkende Wirkung von Tabletten, mit denen Diabetes behandelt wird, verändern. Zu Beginn der Einnahme des Glaukommittels und bei einer Dosiserhöhung sollten Sie Ihren Blutzucker häufiger kontrollieren.
  • Durch Acetazolamid kann sich die Wirkung von Mitteln zur Senkung des Blutdrucks verstärken. Zu Beginn der Einnahme des Glaukommittels und bei einer Dosiserhöhung sollten Sie Ihren Blutdruck häufiger kontrollieren.
  • Acetazolamid kann die Wirkung von Lithium (bei manisch-depressiver Erkrankung) verringern. Wenn Sie das Glaukommittel und Lithium längere Zeit zusammen einnehmen, sollte der Lithiumgehalt im Blut sorgfältig überwacht werden.

Unbedingt beachten

Mittel mit Digitalis (bei Herzschwäche) können in Kombination mit Acetazolamid stärker wirken. Näheres hierzu finden Sie unter Mittel bei Herzschwäche: verstärkte Wirkung.

Nebenwirkungen

Keine Maßnahmen erforderlich

Viele Menschen fühlen sich bei der Behandlung mit Acetazolamid unwohl und müde. Sie klagen über Geschmacksstörungen, verringerten Appetit und Gewichtsverlust.

Es kommt vor, dass der Blutdruck absinkt.

Muss beobachtet werden

Bei 1 bis 10 von 100 Behandelten können Hände und Füße kribbeln und sich taub anfühlen. Oft vergehen diese Beschwerden nach einigen Tagen. Wenn diese Beschwerden aber anhalten und zur Belastung werden, sollten Sie mit dem Arzt besprechen, ob Sie zu einem anderen Arzneimittel wechseln können.

Müdigkeit und Muskelschwäche, Herzklopfen, Atemstörungen und Verstopfung weisen darauf hin, dass der Kaliumgehalt des Blutes durch die Behandlung stark abgesunken ist. Das tritt zwar nur selten auf, doch wenn die Beschwerden zwei bis drei Tage lang anhalten, sollten Sie sich an einen Arzt wenden, damit dieser den Kaliumspiegel bestimmt.

Beginnende Nierenschäden kann der Arzt nur durch gezielte diagnostische Maßnahmen feststellen. Bei vermehrter oder verminderter Urinproduktion, Geruch der Haut nach Urin, neu auftretenden oder sich verschlimmernden Wasseransammlungen zum Beispiel in den Beinen (Ödeme) oder Schmerzen in der Nierengegend sollten Sie in den nächsten Tagen einen Arzt aufsuchen und gezielt die Nieren untersuchen lassen.

Sofort zum Arzt

In Einzelfällen kann es zu schweren Hautreaktionen und -ausschlägen (Steven-Johnson-Syndrom, toxische Nekrolyse der Haut, DRESS-Syndrom) kommen. Wenn sich Ihre Haut rötet, sich vielleicht auch Blasen bilden, sollten Sie sofort einen Arzt aufsuchen, eventuell sogar den Notarzt (Telefon 112) rufen.

Bei starken, kolikartigen Bauchschmerzen, die mit Erbrechen und einer starken Gasansammlung im Darm verbunden sind, sollten Sie sofort einen Arzt aufsuchen, eventuell sogar den Notarzt rufen. Es kann sich um einen Darmverschluss handeln. Das Arzneimittel dürfen Sie dann nicht mehr einnehmen.

Sind Sie über längere Zeit erschöpft, müde oder wiederholt krank, sollte der Arzt Ihr Blut untersuchen. Acetazolamid kann selten zu Blutbildveränderungen führen.

Besondere Hinweise

Für Schwangerschaft und Stillzeit

Die Erfahrungen mit diesem Mittel während Schwangerschaft und Stillzeit sind gering. Insbesondere in den ersten drei Schwangerschaftsmonaten sollte das Mittel nicht eingesetzt werden, da es den Wasserhaushalt des Kindes gefährlich stören kann. Auch während der Stillzeit sollte das Mittel nur eingesetzt werden, wenn besser erprobte Wirkstoffe nicht angewendet werden können.

Für ältere Menschen

Beim Tragen von Kontaktlinsen

Acetazolamid kann den Wassergehalt der Hornhaut beeinflussen. Möglicherweise kann sich dadurch das Risiko vergrößern, dass Kontaktlinsen die Hornhaut schädigen.

Zur Verkehrstüchtigkeit

Aufgrund der beschriebenen unerwünschten Wirkungen kann das Mittel Ihre Reaktionsfähigkeit beeinträchtigen. Sie sollten darum nicht aktiv am Verkehr teilnehmen, keine Maschinen bedienen und keine Arbeiten ohne sicheren Halt verrichten.

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Anwendungsgebiete dieses Wirkstoffs