Medikamente im Test

Intrauterinpessar: Kupfer

Wirkungsweise

Intrauterinpessare (abgekürzt IUP) sind zwei bis vier Zentimeter große Gebilde aus flexiblem Kunststoff, die in die Gebärmutter eingelegt werden, um eine Schwangerschaft zu verhüten. Sie können dort über Jahre liegen bleiben. Die Bezeichnung Spirale tragen sie, weil ihre ersten Vertreter die Form eines gewundenen S (Lippes-Schleife) oder eines Widderhorns (Safe-T-Coil) hatten. Die hier besprochenen IUP bringen Kupfer in die Gebärmutter ein: Bei Femena, Flexi T und NOVA T ist um den Kunststoffschaft ein dünner Kupferfaden gewickelt, bei GyneFIX handelt es sich um eine Art Kupferkette und bei IUB handelt es sich um ein ballförmiges, verformbares Implantat, das Kupferperlen trägt.

Zur besseren Wiederauffindbarkeit sind bei femena, Flexi T und NOVA T Stoffe wie Bariumsalze, Silber oder Gold zugesetzt, die bei Ultraschall oder Röntgenuntersuchungen sichtbar werden. So kann das IUP jederzeit geortet werden, wenn es nicht mehr dort ist, wo der Arzt es sucht.

Die kupferhaltigen IUP wirken rein mechanisch. Die Gebärmutterschleimhaut reagiert mit einer Art Entzündung auf den Fremdkörper IUP. In einer so veränderten Schleimhaut kann sich eine befruchtete Eizelle weder einnisten noch fortentwickeln. Außerdem verändert sich aufgrund der im Genitaltrakt kontinuierlich austretenden Kupferionen, die Zusammensetzung der Sekrete in der Gebärmutter und den Eileitern so, dass sich die Spermien nicht mehr gut bewegen können. So wird es relativ unwahrscheinlich, dass sie eine Eizelle befruchten.

Da die kupferhaltige IUPs somit rein physikalisch wirken und keine pharmakologischen Wirkeffekte entfalten, können sie als Medizinprodukte angeboten werden.

Wenn das IUP entfernt wird, bilden sich diese Veränderungen zurück. Schon im nächsten Zyklus ist eine Schwangerschaft möglich.

Die Spirale ist ein relativ sicheres Verhütungsmittel. Sie gilt seit langem als geeignet für Frauen, die bereits geboren haben, und für Frauen über 35 Jahre, deren Fruchtbarkeit dem Alter entsprechend langsam abnimmt. Aber auch Frauen, die noch nicht geboren haben, können sich eine Spirale einsetzen lassen, wenn diese Art der Verhütung für sie vorteilhaft ist. Voraussetzung für einen guten und sicheren Sitz ist, dass bei der Auswahl der Spirale das individuelle Uterusvolumen berücksichtigt wird. Die Kupferspirale ist zudem eine Alternative für diejenigen, die die Pille nicht einnehmen dürfen oder wollen. Das gilt auch für stark übergewichtige Frauen, bei denen hormonelle Verhütungsmittel nicht so zuverlässig wirken.

Anwendung

Die Form und Größe einer Gebärmutter ist von Frau zu Frau unterschiedlich. Bevor der Arzt eine Spirale einlegt, bestimmt er daher die Gebärmuttergröße, um eine passende Spirale auswählen zu können. Zudem nimmt er einen Abstrich, um mögliche akute Infektionen im Genitalbereich auszuschließen.

Ein IUP wird durch den Arzt unter sterilen Bedingungen in die Gebärmutter eingelegt. Die Produkte sind mit ein oder zwei dünne Fäden fest verbunden, die, wenn das IUP richtig positioniert ist, aus dem Muttermund in die Scheide hineinragen. Beim Sex sind die Fäden nicht zu spüren. Sie können aber zur Kontrolle ertastet werden.

Gynefix wird in der Gebärmuttermuskulatur fest verankert. Es kann nur durch einen geschulten Arzt eingesetzt werden.

Der günstigste Zeitpunkt, um sich ein IUP legen zu lassen, sind die letzten Tage der Regelblutung. In dieser Zeit gelingt das Einführen leichter, weil der Gebärmutterhals etwas erweitert ist. Außerdem ist es dann am wenigsten wahrscheinlich, dass Sie schwanger sind.

Nach einer Entbindung sollten Sie mindestens sechs Wochen abwarten, bevor Sie sich ein IUP legen lassen. So lange braucht die Gebärmutter, bis sie sich wieder vollständig zurückgebildet hat.

Die empfängnisverhütende Wirkung eine IUP beginnt sofort.

Nach der ersten Regelblutung sollte der Arzt mit Ultraschall prüfen, ob das IUP richtig liegt. Die ärztliche Kontrolle ist – je nach Produkt – nach etwa drei bis sechs Monaten zu wiederholen. Von da ab ist ein halbjährlicher bis jährlicher Abstand zur Kontrolle ausreichend.

Sie können selbst nach jeder Menstruation fühlen, ob die Fäden, die mit dem IUP verbunden sind, noch in der Scheide zu tasten sind. Ist das nicht der Fall, sollten Sie umgehend den Arzt aufsuchen. Das gilt ebenso, wenn Sie als Trägerin von Femena, Flexi T oder NOVA T neben den Rückholfäden auch harten Kunststoff ertasten. Dann liegt die Spirale nicht mehr richtig.

Die hier genannten Sorten von IUP können maximal fünf Jahre lang in der Gebärmutter liegen bleiben und sollten dann von einem Arzt entfernt werden. Das kann an jedem Tag des Zyklus geschehen, sofern Sie mindestens sechs Tage vorher keinen Geschlechtsverkehr hatten. Wird das IUP in der Zyklusmitte entfernt, sollten Sie bedenken, dass Sie schwanger werden können, wenn Sie in dieser Zeit ungeschützten Geschlechtsverkehr haben. Wenn direkt nach der Entfernung der Spirale eine neue gesetzt wird, bleibt der Empfängnisschutz allerdings bestehen.

Achtung

Wenn Sie bereits an einem angeborenen Herzfehler oder an einer schweren Funktionsstörung der Herzklappen leiden, soll der Arzt während des Einlegens und Entfernens des IUP ein Antibiotikum verordnen. Es besteht eine erhöhte Infektionsgefahr der Herzinnenhau.

Für die Kupferkette Gynefix gelten zusätzlich folgende Hinweise, um das Risiko für Nachblutungen und das von Infektion zu minimieren. In den ersten sieben Tagen sollten Sie

  • keine Tampons verwenden,
  • keinen Geschlechtsverkehr haben,
  • keine Sauna besuchen, kein heißes Bad nehmen oder eine Wärmflasche auf den Unterleib legen, sowie
  • keinen Extremsport betreiben.

Gegenanzeigen

Unter folgenden Bedingungen darf kein IUP eingelegt werden:

  • Sie sind schwanger oder könnten es möglicherweise sein.
  • Sie hatten in den letzten drei Monaten eine Gebärmutter- und/oder Eileiterentzündung.
  • Sie hatten schon einmal eine Eileiterschwangerschaft oder es liegen bei Ihnen Bedingungen vor, die eine solche ektope Schwangerschaft begünstigen.
  • Sie haben Gebärmutter- oder Gebärmutterhalskrebs oder es besteht der Verdacht auf einen solchen Krebs.
  • Ihre Gebärmutter oder der Gebärmutterhals ist fehlgebildet oder hat eine ungewöhnliche Lage.
  • Sie haben sehr große oder zahlreiche Myome.
  • Sie haben häufig Entzündungen der Scheide (ausgenommen Pilzinfektionen) oder des Gebärmutterhalses, z. B. durch Chlamydien, oder waren im vergangenen Jahr an einer sexuell übertragbaren Krankheit erkrankt.
  • Bei Ihnen treten außerhalb der Menstruation Blutungen auf.

Darüber hinaus dürfen Sie diese IUPs bei einer Kupferallergie nicht eingesetzt bekommen.

In den folgende Fällen ist eine besonders sorgfältige Abwägung vom Nutzen der Spirale und ihren Risiken erforderlich:

Sie leiden an Epilepsie. Dann besteht ein erhöhtes Risiko, dass sich beim Einlegen einer Spirale ein Krampfanfall ereignet.

Für Frauen, die noch kein Kind geboren haben, ist vor dem Einsatz zu bedenken, dass durch die Spirale ein erhöhtes Risiko für eine Beckenentzündung besteht, insbesondere wenn zugleich eine Infektionen im Genitaltrakt, z. B. eine Chlamydieninfektion besteht. Eine Entzündung des unteren Beckens kann Auswirkungen auf die Fruchtbarkeit der Frau haben. Vor dem Legen einer Spirale sollte der Arzt daher die Frau auf bestehende Genitalinfektionen untersuchen.

Für Frauen, die häufig wechselnde Sexualpartner haben, gilt es zu bedenken, dass sie ein erhöhtes Risiko für sexuell übertragbare Erkrankungen haben. Damit steigt auch das Risiko für eine Beckenentzündung.

GyneFIX, IUB: Die Hersteller dieser IUPs geben an, dass sich dieses auch bei Frauen eignen, die noch kein Kind geboren haben. Begründet wird das bei Gynefix mit der im Vergleich zu anderen IUP deutlich geringeren Größe. Es ist aber bislang nicht hinreichend belegt, dass GyneFIX bei Frauen, die noch nicht geboren haben, seltener zu Entzündungen, Perforationen und ungewollter Ausstoßung aus der Gebärmutter führt als die bisher gebräuchlichen Spiralen. Der Hersteller des Kupferperlenballs betont, dass dieser IUP gut einzulegen sei, da er keinen starren Rahmen hat und nur ein sehr dünnes Röhrchen zur Einführung benötigt.

IUB: Wenn Sie gegen Nickel allergisch sind, dürfen Sie dieses IUP nicht einsetzen lassen.

Unter folgenden Bedingungen muss der Arzt das Risiko, das sich mit dem Einlegen aller dieser kupferhaltigen IUP verbindet, besonders sorgfältig abwägen:

  • Ihr Kupferstoffwechsel ist gestört (Wilson-Krankheit).
  • Sie haben einen ausgeprägten Mangel an roten Blutkörperchen oder äußerst starke Regelblutungen.
  • Sie haben sehr schmerzhafte Regelblutungen.
  • Sie haben eine gestörte Blutgerinnung oder nehmen gerinnungshemmende Arzneimittel ein.
  • Sie haben Narben in der Gebärmutter, die durch andere Operationen als einen Kaiserschnitt entstanden sind, oder Sie haben schon einmal eine Gebärmutterdurchstoßung überstanden.

Wechselwirkungen

Wechselwirkungen mit Medikamenten

Wenn Sie Medikamente einnehmen, die die Abwehrkräfte verringern, z. B. Ciclosporin oder Methotrexat (bei Schuppenflechte, rheumatoider Arthritis), Infliximab (bei Schuppenflechte, rheumatoider Arthritis und chronisch-entzündlicher Darmerkrankung), oder Tacrolimus (bei Neurodermitis), oder wenn Sie über längere Zeit Glucocorticoide (bei Entzündungen, Immunreaktionen) oder nichtsteroidale Antirheumatika (bei Rheuma, Schmerzen) einnehmen müssen, kann das die Sicherheit von kupferhaltigen IUP herabsetzen. Dann sollten Sie zu einer anderen Verhütungsmethode wechseln. Wenn Sie derartige Medikamente bereits längere Zeit einnehmen, sollten Sie sich kein IUP einsetzen lassen.

Nebenwirkungen

Keine Maßnahmen erforderlich

Kurz nach dem Einlegen des IUP können Schmerzen und Krämpfe im Unterbauch auftreten, die aber bald vergehen.

Muss beobachtet werden

Besonders bei Frauen, die noch kein Kind geboren haben, kann sich bei Manipulationen an der Gebärmutter die Herztätigkeit so verlangsamen, dass sie ohnmächtig werden. Nach dem Einsetzen der Spirale sollten Sie daher so lange in der ärztlichen Praxis bleiben, bis sich Ihr Kreislauf stabilisiert hat.

Schmerzhafte, starke und lang anhaltende Blutungen kommen vor allem in den ersten drei Monaten vor. Treten solche starken Blutungen dann monatlich auf, kann dadurch eine Blutarmut entstehen. Fühlen Sie sich schwach und sehen Sie blass aus, wenden Sie sich an den Arzt.

Es kann vorkommen, dass das IUP unbemerkt ausgestoßen wird. Wenn Sie die Fäden des IUP in der Scheide nicht mehr tasten können, sollten Sie seinen Sitz ärztlich mithilfe einer Ultraschalluntersuchung kontrollieren lassen. Ist sie damit nicht zu lokalisieren, kann der Arzt aufgrund von Metallbestandteilen oder von Zusätzen die Spirale auch mit Hilfe eines Röntgenbilds wieder auffinden.

Das Risiko einer Beckenentzündung mit all ihren Folgen ist in den ersten Monaten für kinderlose Frauen und solche mit häufig wechselnden Sexualpartnern erhöht. Ihre Gebärmutter ist offenbar empfänglicher für Bakterien. Die Entzündung kann die Gebärmutter, die Eileiter und/oder die Eierstöcke erfassen. Dann können folgende Symptome auftreten: Der untere Bauchraum wird druckempfindlich und schmerzt, es treten Fieber und starker Ausfluss auf, die Regel ist ungewöhnlich stark und hält lange an. Dann müssen Sie unbedingt den Arzt aufsuchen, der je nach Situation eine Behandlung mit Antibiotika einleitet, das IUP entfernt oder Sie ins Krankenhaus einweist.

Durch eine solche Entzündung können sich die Eileiter verengen oder verschließen. Manchmal muss ein Eileiter oder sogar die Gebärmutter entfernt werden, um das Leben der Frau zu retten. Solche Entzündungsfolgen verringern die Wahrscheinlichkeit, dass Sie schwanger werden, oder machen es sogar ganz unmöglich. Sie vergrößern zudem das Risiko, dass es zu einer Eileiterschwangerschaft kommt.

Sofort zum Arzt

Wenn Sie trotz IUP schwanger werden, kann sich das Ei eher als sonst außerhalb der Gebärmutter einnisten. Dann kann sofort ein operativer Eingriff notwendig werden. Um eine solche Eileiterschwangerschaft frühzeitig zu erkennen, sollten Sie bei einer unvermittelt ausbleibenden Blutung oder dem plötzlichen Wiederauftreten einer Blutung nach längerer blutungsfreier Zeit in Verbindung mit Schmerzen im Unterbauch zügig die ärztliche Praxis aufsuchen. Bei einer unerkannten Eileiterschwangerschaft kann es zu einer lebensbedrohenden Blutung in den Bauchraum kommen.

Auch geübten Ärzten kann es passieren, dass sie beim Einsetzen des IUP die Gebärmutter durchstoßen. Die Gefahr ist in den ersten sechs Monaten nach der Geburt eines Kindes oder während des Stillens erhöht. Wenn die Schmerzen nach dem Legen der Spirale nicht besser werden oder sich sogar verstärken, gehen Sie unverzüglich zum Arzt. Es kann eine Blutung im Unterbauch vorliegen, die lebensgefährlich werden kann.

Die Spirale kann wandern. Dann kann es vorkommen, dass das IUP sich durch die Gebärmutterwand bohrt (bei 1 von 1 000 Trägerinnen). Die Spirale muss in diesem Fall schnellstens entfernt werden. Anzeichen für ein Eindringen in die Gebärmutterwand können starke Schmerzen im Unterbauch nach dem Einsetzen, aber auch Monate später, sein, ebenso anhaltende Schmerzen oder eine verstärkte Monatsblutung und Schmerzen beim Geschlechtsverkehr. Das Risiko, dass das IUP in die Gebärmutterwand eindringt, war in Untersuchungen in den ersten neun Monaten nach einer Entbindung im Vergleich zu einer Einlage des IUP zu einem späteren Zeitpunkt erhöht.

Besondere Hinweise

Bei Kinderwunsch

Alle Spiralen können jederzeit vom Arzt entfernt werden. Danach kehrt die normale Empfängnisbereitschaft sofort wieder zurück.

Für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren

Kupferhaltige Spiralen wurden auch an Frauen erprobt, die noch nicht geboren haben. Nach den bisherigen Daten verhindern sie bei dieser Gruppe eine Schwangerschaft wirksam.

Auch bei jungen Frauen kann eine Spirale eingesetzt werden. Da bei Frauen, die noch nicht geboren haben, die Gebärmutter eng ist, muss die Größe der Spirale dem individuellen Uterusvolumen angepasst sein. Ob die Kupferkette im Vergleich zu den (kleineren) konventionellen IUP hier einen Vorteil bietet, ist noch nicht ausreichend untersucht.

Vor der Entscheidung für eine Spirale, sollten Frauen, die noch keine Kinder geboren haben, bedenken, dass die Risiken, die sich mit einem IUP verbinden, auch die Fruchtbarkeit gefährden können. Frauen, die noch nie geboren haben, berichten zudem häufiger über Schmerzen beim Einsetzen der Spirale. Außerdem werden Kupferspiralen bei jungen Frauen häufiger ausgestoßen als bei älteren.

Für Schwangerschaft und Stillzeit

Wenn Sie trotz Spirale schwanger geworden sind, muss je nach Sitz der Spirale und des Embryos entschieden werden, ob das IUP entfernt werden kann. Beim Entfernen besteht das Risiko, dass die Schwangerschaft vorzeitig endet. Kann die Spirale nicht entfernt werden und die Schwangerschaft wird fortgesetzt, gilt sie als Risikoschwangerschaft und wird dementsprechend betreut.

Nach den bisherigen Erfahrungen erhöht sich durch die Spirale das Risiko, dass das Kind fehlgebildet ist, nicht.

Falls es während der Einlage eines IUPs zu einer Schwangerschaft kommt, muss der Arzt untersuchen, ob es sich um eine Schwangerschaft handelt, die sich außerhalb der Gebärmutter zu entwickeln beginnt, z. B. in den Eileitern. Diese muss ärztlich beendet werden.

Während der Stillzeit stellen kupferhaltige IUP kein Problem für das gestillte Kind dar.

Bisherige Daten deuten allerdings darauf hin, dass bei stillenden Frauen das Risiko, dass das IUP die Gebärmutter durchstößt (Perforation), sechs bis zehnmal höher liegt als bei Frauen, die nicht stillen. Das Risiko, dass die Spirale aus der Gebärmutter ausgestoßen wird, liegt dagegen während der Stillzeit nicht höher.

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