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Interferon: Peginterferon alfa-2a

Wirkungsweise

Bei Leberentzündungen werden auch Interferone eingesetzt, speziell Abkömmlinge von Interferon alfa. Die Wirkung beruht darauf, dass Interferon die Herstellung von Eiweißstoffen in den Hepatitisviren blockiert.

Interferone sind Eiweißstoffe, die in verschiedenen Zellen des Lymphsystems produziert werden. Durch seine Wirkung hemmt oder verlangsamt Interferon das Wachstum der Viren. Außerdem aktiviert Interferon die Abwehrkraft des Immunsystems, sodass der Organismus die Virusinfektion besser bekämpfen kann.

Peginterferon ist Interferon in "pegylierter" Form. Das heißt, der Wirkstoff ist an Polyethylenglycol (abgekürzt PEG) gebunden. Eine solche Pegylierung führt dazu, dass das Mittel nicht so rasch abgebaut wird, also länger im Körper verweilt und dadurch seltener verabreicht werden muss. Die Wirksamkeit von pegyliertem Interferon ist der des normalen Interferons vergleichbar.

Bei chronischer Hepatitis B sollte zunächst überprüft werden, ob eine Behandlung mit Peginterferonen aussichtsreich ist. Eine dauerhafte Heilung lässt sich häufiger erzielen, wenn es sich um Hepatitis-B-Viren vom Genotyp A handelt, wenn eine geringe Viruslast besteht und wenn als Zeichen für eine hohe Krankheitsaktivität deutlich erhöhte Leberwerte auftreten.

Anwendung

Wie lange Peginterferone gegeben werden, richtet sich nach dem Alter des Patienten, dem Ausmaß und der Art der Leberentzündung.

Alle Mittel werden einmal wöchentlich unter die Haut (subcutan) gespritzt, beispielsweise am Bauch oder am Oberschenkel.

Wegen der möglichen unerwünschten Wirkungen auf die Schilddrüse muss der Arzt vor Beginn der Therapie das Blut auf Schilddrüsenantikörper untersuchen und die Schilddrüsenfunktion während der gesamten Therapie regelmäßig überwachen.

Während einer Behandlung kann der Blutzuckerspiegel schwanken. Der Arzt sollte diesen Wert deshalb immer wieder kontrollieren.

Auch müssen die Leberwerte, die Nierenfunktion und das Blutbild kontinuierlich überprüft werden.

Achtung

Wenn der Blutdruck zu hoch ist oder wenn Sie Diabetes haben, müssen Sie vor Beginn der Behandlung die Augen untersuchen lassen, da Netzhautblutungen vorkommen können und sich die Durchblutung der Netzhaut verschlechtern kann.

Wenn Sie mit einem transplantierten Organ leben, kann eine Interferonbehandlung das Risiko für eine Abstoßungsreaktion erhöhen.

Achten Sie darauf, dass Sie während der gesamten Behandlungszeit ausreichend trinken (mindestens zwei Liter täglich), um zu verhindern, dass der Blutdruck aufgrund eines Flüssigkeitsmangels absinkt.

Gegenanzeigen

Unter folgenden Bedingungen dürfen Sie nicht mit Peginterferonen behandelt werden:

  • Die Funktion der Leber oder der Nieren ist stark eingeschränkt.
  • Sie haben oder hatten in den sechs Monaten vor Beginn der Behandlung eine schwere Herzerkrankung.
  • Sie haben aufgrund einer Autoimmunreaktion eine Hepatitis entwickelt und sind vor Kurzem deshalb mit Arzneimitteln behandelt worden, die das Immunsystem unterdrücken.
  • Die Funktion Ihrer Schilddrüse ist gestört und medikamentös nicht ausreichend gut reguliert.

Wenn Sie Diabetes haben, muss der Arzt Nutzen und Risiken einer Interferontherapie sehr sorgfältig abwägen. Das gilt auch, wenn Sie eine Autoimmunerkrankung haben (wie rheumatoide Arthritis, multiple Sklerose, Psoriasis oder Sarkoidose) und mit Peginterferonen behandelt werden sollen.

Wenn Sie an Depressionen oder anderen psychiatrischen Erkrankungen leiden, können Peginterferone den Krankheitszustand bis hin zu Selbsttötungsgedanken verschlechtern. Wenn Ihnen oder Ihren Angehörigen auffällt, dass Ihre Stimmungen unvorhersehbar und ohne äußeren Anlass schwanken und diese Gemütsänderungen mit Verwirrung, Manien oder Aggression einhergehen, sollten Sie einen Arzt zu Rate ziehen.

Wenn die Nierenfunktion nur leicht gestört ist, muss der Arzt die Dosis verringern und die Nierenfunktion engmaschig kontrollieren. Treten unerwünschte Wirkungen auf, sollte die Dosis gegebenenfalls noch weiter herabgesetzt werden.

Wenn Sie bereits an einer Herzerkrankung leiden, muss der Arzt Nutzen und Risiken einer Interferonbehandlung ebenfalls sorgfältig abwägen. Verschlimmern sich die Beschwerden während der Behandlung, sollte die Therapie abgebrochen werden. Das gilt auch, wenn vor der Behandlung bereits gefäßbedingte Sehstörungen vorliegen.

Wechselwirkungen

Wechselwirkungen mit Medikamenten

Wenn Sie noch andere Medikamente nehmen, ist zu beachten, dass Peginterferone die Wirkung und auch die Nebenwirkungen von Theophyllin (bei Asthma) verstärken können (z. B. Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Herzrasen).

Unbedingt beachten

Peginterferon alfa dürfen Sie nicht zusammen mit Telbivudin (bei Hepatitis B) anwenden, weil es dann zu einer Schädigung der peripheren Nerven kommen kann.

Sie leben mit einem transplantierten Organ und nehmen deswegen ein Immunsuppressivum ein. Dann kann eine Interferonbehandlung das Risiko für eine Organabstoßung erhöhen.

Nebenwirkungen

Keine Maßnahmen erforderlich

Bei 15 bis 30 von 100 Behandelten kommt es zu Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen, Durchfall.

Leichter bis mäßiger Haarausfall tritt bei etwa 20 von 100 Behandelten auf, der noch einige Wochen nach Absetzen des Mittels weiter bestehen kann. Danach wachsen die Haare wieder normal.

Interferone können leichte Reaktionen an der Einstichstelle verursachen, dies tritt bei mehr als 50 von 100 Behandelten auf. Bei 2 bis 10 von 100 können sie auch schwerere Hautveränderungen, Schmerzen oder Entzündungen an der Einstichstelle der Injektionsnadel auslösen.

Muss beobachtet werden

Grippeähnliche Symptome wie Müdigkeit, Schüttelfrost, Fieber, Kopf-, Muskel- und Gelenkschmerzen treten bei 15 bis 30 von 100 Behandelten auf. Wenn Fieber einsetzt und nicht innerhalb von drei Tagen wieder sinkt, sollten Sie einen Arzt aufsuchen, um eine schwere Infektion – die Sie sich unter einer Interferonbehandlung zuziehen können – frühzeitig erkennen zu können. Ist eine schwere Infektion ausgeschlossen, ist es möglich, die grippeähnlichen Symptome durch die Behandlung zu mildern, indem Sie eine halbe Stunde vor der Gabe von Peginterferonen ein Schmerzmittel wie Acetylsalicylsäure, Paracetamol oder Ibuprofen einnehmen.

Die Mittel können Angst, Reizbarkeit, Schlaflosigkeit, Konzentrationsschwäche, Gefühlsschwankungen und Verwirrtheit hervorrufen. Wenn derartige Beschwerden einsetzen, müssen Sie den Arzt informieren und besprechen, ob die weitere Therapie vertretbar ist.

Wenn Sehstörungen auftreten oder sich die Sehschärfe verändert (bei 1 bis 10 von 100 Behandelten), sollten Sie die Augen möglichst bald augenärztlich untersuchen lassen.

Es kann zu Gewichtsabnahme und Magersucht (bei bis zu 30 von 100) kommen. In diesem Fall sollten Sie den Arzt informieren.

Wenn Herzrhythmusstörungen (bei 1 bis 10 von 100) oder kurze Ohnmachten (Synkopen) auftreten, sollte der Arzt ein EKG schreiben.

Wenn Husten, Fieber und Atemnot auftreten, sollte der Arzt die Lungen röntgen. Bei Lungenfunktionsstörungen und sichtbaren Veränderungen des Lungengewebes im Röntgenbild (Lungeninfiltrate) muss der Arzt abwägen, ob die Therapie weiterhin vertretbar ist. Die Symptome können sich wieder bessern, nachdem die Behandlung abgebrochen und Glucocorticoide gegeben wurden.

Das Blutbild kann sich verändern, insbesondere kann die Anzahl der weißen Blutkörperchen und der Blutplättchen abnehmen. Deshalb muss der Arzt zwei und vier Wochen nach Beginn der Behandlung und auch im weiteren Verlauf der Behandlung immer wieder Bluttests vornehmen. Sinkt die Zahl der Blutkörperchen und -plättchen unter einen bestimmten Grenzwert, muss der Arzt abwägen, ob die Dosis reduziert oder die Therapie abgebrochen werden muss.

Es können sich Antikörper gegen körpereigenes Gewebe bilden (Autoantikörper). Dadurch steigt das Risiko, dass der Organismus eigene Gewebestrukturen angreift und sich eine Autoimmunerkrankung ausbildet. Am häufigsten scheint die Schilddrüse betroffen zu sein. Wenn Sie auffällig müde sind, sich schlecht konzentrieren können und ein allgemeines Leistungstief haben, kann dies auf eine Schilddrüsenunterfunktion hindeuten. Suchen Sie dann einen Arzt auf.

Wenn die Haut sich verstärkt rötet und juckt, reagieren Sie möglicherweise allergisch auf das Mittel. Bei solchen Hauterscheinungen sollten Sie einen Arzt aufsuchen, um zu klären, ob es sich tatsächlich um eine allergische Hautreaktion handelt und Sie ein Alternativmedikament benötigen.

Sofort zum Arzt

Wenn sich Anzeichen einer Depression zeigen, wie keine Freude mehr an Hobbys, Lustlosigkeit und Antriebsmangel, innere Leere, Schuldgefühle oder wenn Aggressionen entstehen, die sich gegen sich selbst oder andere richten (Selbsttötung, Mordgedanken), müssen Sie dies umgehend dem Arzt mitteilen. Auch Angehörige sollten auf solche Anzeichen achten und gegebenenfalls den Arzt informieren. Es ist dann zu überlegen, ob die weitere Behandlung mit Peginterferonen noch vertretbar ist. Diese Anzeichen treten manchmal auch erst bis zu sechs Monate nach der Behandlung auf. Dann sollten Sie einen Arzt aufsuchen, der über die notwendigen Maßnahmen (z. B. psychiatrische Behandlung) entscheidet.

Wenn sich schwere Hauterscheinungen mit Rötung und Quaddeln an Haut und Schleimhäuten sehr rasch (meist innerhalb von Minuten) entwickeln und zusätzlich Luftnot oder eine Kreislaufschwäche mit Schwindel und Schwarzsehen, oder Durchfälle und Erbrechen auftreten, kann es sich um eine lebensbedrohliche Allergie bzw. einen lebensbedrohlichen allergischen Schock (anaphylaktischer Schock) handeln. In diesem Fall müssen Sie die Behandlung mit dem Medikament sofort stoppen und den Notarzt (Telefon 112) verständigen. Eine solche starke Reaktion tritt bei 2 bis 10 von 10 000 Behandelten auf.

Stellt der Arzt eine Sarkoidose fest, muss die Behandlung abgebrochen werden. Diese Krankheit betrifft die inneren Organe und besteht in einer erhöhten Immunaktivität des Gewebes. Betroffen sind vorwiegend die Lymphknoten im Brustraum sowie Lunge, Leber und Milz. Hinweise sind geschwollene Lymphknoten, Reizhusten und Atemnot bei Belastung.

Besondere Hinweise

Zur Empfängnisverhütung

Über die Sicherheit der Anwendung von Peginterferonen während der Schwangerschaft liegen nur wenige Erfahrungen vor. Daher sollten Sie eine Schwangerschaft während einer Interferonbehandlung möglichst sicher verhindern.

Für Schwangerschaft und Stillzeit

Wenn Sie schwanger geworden sind, während Sie mit Peginterferonen behandelt wurden, müssen Sie sofort den Arzt informieren und das weitere Vorgehen besprechen.

Wenn Sie schwanger sind und mit diesen Peginterferonen behandelt werden sollen, muss der Arzt Nutzen und Risiken sehr sorgfältig abwägen. Zwar gibt es bisher keinen Hinweis darauf, dass die Wirkstoffe das Ungeborene schädigen, insgesamt sind die Erfahrungen aber auch noch nicht ausreichend, um ein mögliches Risiko besser abschätzen zu können.

Während der Behandlung mit Peginterferonen sollten Sie möglichst nicht stillen. Es liegen keine ausreichenden Daten darüber vor, ob und gegebenenfalls in welcher Menge die Mittel in die Muttermilch übergehen.

Für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren

Peginterferon alfa darf nicht an Kinder unter 3 Jahren verabreicht werden. Auch nicht an Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren, die an einer schweren psychischen Erkrankung leiden oder schon einmal den Versuch einer Selbsttötung unternommen. Die Interferondosis hängt von der Körperoberfläche des Kindes ab, die Dauer der Behandlung wiederum vom Virustyp.

Während der Behandlung mit Peginterferonen (als alleiniges Mittel oder auch in Kombination mit antiviralen Mitteln) kommt es bei 1 bis 10 von 100 Kindern zu Gewichtsverlust und einer Wachstumsverzögerung. Es ist ungewiss, dass ein Rückstand im Längenwachstum nach Behandlungsende wieder aufgeholt wird. Ob eine Behandlung mit Peginterferon alfa Auswirkungen auf die sexuelle Reife des behandelten Kindes hat, ist nicht untersucht. Nutzen und Risiken der Behandlung von Kindern und Jugendlichen – insbesondere vor dem Wachstumsschub in der Pubertät – müssen daher vom Arzt besonders sorgfältig abgewogen werden.

Kinder mit Hepatitis B dürfen ab einem Alter von drei Jahren Pegasys bekommen.

Zur Verkehrstüchtigkeit

Wenn Peginterferone Sie müde und unkonzentriert machen, sollten Sie nicht aktiv am Verkehr teilnehmen, keine Maschinen bedienen und keine Arbeiten ohne sicheren Halt verrichten.

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Anwendungsgebiete dieses Wirkstoffs