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Insektizid: Ivermectin

Aktuelles April 2020

Anfang April vermeldeten australische Forscher erste Ergebnisse aus einem präklinischen Experiment mit Ivermectin gegen das Corona-Virus SARS-CoV-2. In der präklinischen Phase werden Arzneistoffe an Tieren oder Zellmodellen geprüft. In Australien zeigte der Versuch an Zellkulturen, so die Experten, dass Ivermectin das Corona-Virus SARS-CoV-2 innerhalb von 48 Stunden so gut wie vollständig eliminierte. Ob diese Ergebnisse sich auch auf den Menschen übertragen lassen, ist noch nicht untersucht.

Für belastbare Äußerungen zur therapeutischen Wirksamkeit und Verträglichkeit einer Anwendung und konkrete Anwendungsempfehlungen sind noch weitere Studien – insbesondere aber klinische Studien am Menschen – erforderlich. Besonders das Dosierungsschema von Ivermectin ist problematisch, dies zeigte erst kürzlich der versuchsweise Einsatz von Ivermectin gegen Dengue-Fieber in Thailand: Das Mittel wurde in der verabreichten Einmaldosis zwar gut vertragen, zeigte aber keine Wirksamkeit. Über die Entwicklungen bei der Forschung zu Medikamenten gegen Covid-19 lesen Sie Aktuelles unter test.de beim Stichwort Corona – Behandlung.

Wirkungsweise

Ivermectin lähmt die Nerven- und Muskelzellen von Krätzmilben und tötet diese so zuverlässig ab. Die therapeutische Wirksamkeit dieses Wirkstoffs ist in Studien ausreichend nachgewiesen. Ivermectin ist das einzige Mittel gegen Krätze, das als Tabletten zur Verfügung steht. Die einfache Anwendung kann die Therapie erleichtern, insbesondere, wenn sehr viele Skabieserkrankte gleichzeitig behandelt werden sollen. Bei vereinzelt auftretender Krätze, wie sie in Deutschland üblicherweise vorkommt, wird in aller Regel zunächst Permethrin-Creme eingesetzt. Um zu vermeiden, dass die Krätzmilben rasch unempfindlich gegen den Wirkstoff werden, ist Ivermectin nicht das Mittel der ersten Wahl. Es soll erst dann zum Einsatz kommen, wenn eine Behandlung mit Permethrin-Creme nicht ausreichend wirksam war, wenn es sich um eine sehr schwere Form der Krätze handelt oder wenn das Eincremen des gesamten Körpers mit Permethrin nicht möglich ist. Das Mittel wird als "mit Einschränkung geeignet" bewertet.

Anwendung

Ivermectin wird nur einmal eingenommen. Die Dosis ist abhängig vom Körpergewicht und beträgt 200 Mikrogramm pro Kilogramm Körpergewicht. Das entspricht bei einem Erwachsenen mit 75 kg Körpergewicht fünf Tabletten. Damit das Mittel gut in den Organismus aufgenommen wird, sollten Sie vor und nach der Einnahme zwei Stunden lang nichts essen.

Der Juckreiz kann sich zu Beginn der Behandlung vorübergehend verschlimmern. Ob das Mittel gewirkt hat, lässt sich erst nach vier Wochen beurteilen. Wenn nach dieser Zeit keine deutliche Besserung aufgetreten ist, sollten Sie sich erneut an einen Arzt wenden. Lediglich bei besonders schweren Erkrankungsfällen (Skabies crustosa) kann bereits zu einem früheren Zeitpunkt eine zweite Behandlung durchgeführt werden.

Achtung

Wenn die Krätze sicher diagnostiziert wurde, sollten alle Kontaktpersonen, insbesondere Familienmitglieder und Partner, ebenfalls untersucht und gegebenenfalls mitbehandelt werden. Bei engem Kontakt kann es sinnvoll sein, die Kontaktpersonen vorbeugend zu behandeln, auch wenn sich noch keine Hauterscheinungen zeigen.

Gegenanzeigen

Wenn die Funktion der Leber schwer beeinträchtigt ist, sollte der Arzt Nutzen und Risiken der Anwendung besonders sorgfältig abwägen.

Wechselwirkungen

Wechselwirkungen mit Medikamenten

Ob Ivermectin die Wirkung anderer Arzneimittel, die gleichzeitig damit angewendet werden, verändert, oder diese die Wirkungen von Ivermectin beeinflussen, ist noch nicht gut erforscht. Wechselwirkungen sind aber denkbar. So könnten die Blutspiegel von Ivermectin ansteigen, wenn es gemeinsam mit Makroliden wie Erythromycin (bei bakteriellen Infektionen), Antipilzmitteln wie Fluconazol und Ketoconazol (bei Pilzinfektionen) oder HIV-Protease-Inhibitoren wie Ritonavir (bei Aids) eingesetzt wird. Das Mittel könnte zudem verstärkt in das Gehirn aufgenommen werden, wenn es gemeinsam mit Verapamil (bei hohem Blutdruck) eingesetzt wird. Durch erhöhte Blut- oder Gewebespiegel steigt zugleich das Risiko für unerwünschte Wirkungen.

Ob Ivermectin die blutgerinnungshemmende Wirkung von Mitteln wie Warfarin oder Phenprocoumon erhöht und damit das Risiko für Blutungen, ist noch nicht ausreichend untersucht.

Wenn Sie während der Behandlung mit Ivermectin eines dieser Arzneimittel einnehmen, sollte der Arzt Nutzen und Schaden der gemeinsamen Anwendung besonders sorgfältig abwägen.

Wechselwirkungen mit Speisen und Getränken

Zusammen mit einer fettreichen Mahlzeit wird das Mittel vermehrt in den Körper aufgenommen. Es wird daher empfohlen, das Mittel zwei Stunden vor oder nach einer Mahlzeit einzunehmen.

Nebenwirkungen

Das Mittel kann Ihre Leberwerte beeinflussen, was Zeichen einer beginnenden Leberschädigung sein kann. Sie selbst bemerken davon in der Regel nichts, vielmehr fallen die Funktionsänderungen nur bei Laborkontrollen durch den Arzt auf. Ob und welche Konsequenzen dies für Ihre Therapie hat, hängt sehr vom Einzelfall ab. Bei einem lebensnotwendigen Medikament ohne Alternative wird man solche Leberwerte oft tolerieren und sie häufiger kontrollieren, in den meisten anderen Fällen wird Ihr Arzt das Medikament absetzen und eventuell zu einem anderen Mittel wechseln.

Keine Maßnahmen erforderlich

Zu Beginn der Behandlung kann sich bei 1 bis 10 von 100 Behandelten der mit der Erkrankung einhergehende Juckreiz vorübergehend verstärken.

Muss beobachtet werden

Auch die Nieren können Schaden nehmen. Wenn Sie Blut im Urin feststellen, sollten Sie dies baldmöglichst von einem Arzt kontrollieren lassen.

Sofort zum Arzt

Das Mittel kann die Leber schwer schädigen. Typische Anzeichen dafür sind eine dunkle Verfärbung des Urins, eine ungewöhnlich helle Verfärbung des Stuhlgangs oder es entwickelt sich eine Gelbsucht (erkennbar an einer Gelbfärbung der Augen) – oft begleitet von starkem Juckreiz am ganzen Körper. Tritt eines dieser für einen Leberschaden charakteristischen Krankheitszeichen auf, müssen Sie sofort zum Arzt gehen.

In Einzelfällen, insbesondere wenn der Wirkstoff vermehrt aus dem Blut in das Gehirn übertritt, kann das Gehirn geschädigt werden. Wenn Kopfschmerzen und Übelkeit auftreten, verbunden mit Sehstörungen und Krampfanfällen bis hin zu Bewusstseinseinschränkungen, sollten Sie sich von einem Arzt untersuchen lassen.

In Einzelfällen kann es zu schweren allergischen Hautreaktionen (toxisch epidermale Nekrolyse und Stevens-Johnson-Syndrom) kommen: Haut und Schleimhaut bilden kleine rote Flecken, die zunehmend größer werden und zusammenfließen. Hinzu kommt ein Zustand wie bei einem akuten grippalen Infekt mit Fieber und Abgeschlagenheit. Diese Hautreaktionen müssen bereits in diesem Stadium umgehend ärztlich behandelt werden. Später entstehen Blasen und die Haut beginnt sich abzulösen.

Besondere Hinweise

Für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren

Säuglinge und Kleinkinder, die weniger als 15 kg wiegen, dürfen nicht mit dem Mittel behandelt werden. Für sie fehlen ausreichende Daten zur Verträglichkeit von Ivermectin. Da in diesem Alter die Blut-Hirn-Schranke noch nicht ausreichend entwickelt ist, ist das Risiko für nervenschädigende unerwünschte Wirkungen erhöht.Die Tabletten können zur Erleichterung der Einnahme auch zerkleinert werden.

Für Schwangerschaft und Stillzeit

Es liegen keine ausreichenden Erfahrungen vor, ob das Mittel während Schwangerschaft und Stillzeit verträglich ist. In der Schwangerschaft und Stillzeit sollten Sie Ivermectin daher nur anwenden, wenn es unbedingt erforderlich ist. Negative Auswirkungen auf das Kind können nicht sicher ausgeschlossen werden.

In tierexperimentellen Untersuchungen wurden Fehlbildungen bei den Nachkommen festgestellt. Ob diese Ergebnisse auf den Menschen zu übertragen sind, ist allerdings unklar. Die bisher überschaubaren Erfahrungen bei schwangeren Frauen, die das Mittel in den ersten Schwangerschaftsmonaten eingenommen hatten, weisen jedenfalls nicht auf ein erhöhtes Fehlbildungsrisiko hin.

Für ältere Menschen

Für Menschen über 65 Jahren liegen nur begrenzte Studiendaten vor. Bei ihnen ist das Risiko, dass weitere Erkrankungen vorliegen, höher als bei jüngeren Patienten. Die Verträglichkeit von Ivermectin im höheren Alter ist somit nicht sicher abzuschätzen. Insbesondere, wenn bei älteren Menschen die Funktionsfähigkeit von Leber, Niere oder Herz bereits eingeschränkt ist, sollte der Arzt daher Nutzen und Schaden einer Behandlung mit Ivermectin besonders sorgfältig abwägen.

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Anwendungsgebiete dieses Wirkstoffs