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Inkretin-Analogon: Exenatide

Wirkungsweise

Exenatide gehört zu den Inkretin-Analoga, die eine relativ neue Gruppe von Medikamenten zur Diabetesbehandlung bilden. Dazu gehören auch Dulaglutid und Liraglutid.

Inkretine sind Hormone, die von Zellen der Darmschleimhaut gebildet werden. Sie regen die entsprechenden Zellen in der Bauchspeicheldrüse zur Produktion und Freisetzung von Insulin an. Außerdem bewirken Inkretine, dass die Leber weniger Zucker an das Blut abgibt. Weil sie auch die Magenentleerung drosseln, gelangt der Zucker, der mit der Nahrung aufgenommen wurde, nur langsam in das Blut. Diese Wirkungen weist auch Exenatide auf. Dass die Substanz ähnlich aufgebaut ist wie natürliches Inkretin, wird durch den Zusatz Analogon (griechisch: ähnlich) ausgedrückt.

Die blutzuckersenkende Wirkung der Inkretin-Analoga ist belegt. Außerdem hat sich gezeigt, dass die damit Behandelten durchschnittlich zwei bis drei Kilogramm Gewicht verlieren.

Der Wirkstoff darf in Kombination mit einem anderen Diabetesmedikament einschließlich Insulin angewendet werden, wenn sich der Blutzucker mit diesen allein und in der höchsten individuell verträglichen Dosierung nicht zufriedenstellend senken lässt. Exenatide ist zudem zur Dreifachkombination vorgesehen.

Eine Behandlung mit Inkretinanaloga wie Exenatide brechen etwa 4 bis 5 von 100 Menschen aufgrund belastender Magen-Darm-Beschwerden, insbesondere Übelkeit, ab. Allerdings bessert sich die Übelkeit auch im Verlauf der Behandlung meist. Als weitere Nebenwirkung sind bei der Behandlung mit Inkretin-Analoga schwere Entzündungen der Bauchspeicheldrüse aufgetreten.

Für Exenatide liegen bisher keine Erkenntnisse darüber vor, ob das Mittel die möglichen Folgeerkrankungen eines Diabetes an Herz und Kreislauf, wie Herzinfarkt, Schlaganfall oder Gefäßschäden an Auge und Nieren, verhindern kann.

Der Wirkstoff ist auch nur mit Einschränkung geeignet, wenn er in Kombination mit anderen Antidiabetika angewendet wird. Für diese Art der Anwendung ist kein zusätzlicher Nutzen nachgewiesen.

Möglicherweise haben vor allem deutlich übergewichtige Personen einen Nutzen von der Behandlung mit Inkretin-Analoga. Sie benötigen oft sehr viel Insulin, um ihren Blutzucker in akzeptablen Grenzen zu halten. Dadurch nehmen viele aber weiter an Gewicht zu, was die Behandlung noch erschwert. Unter der Behandlung mit Inkretin-Analoga hingegen steigt das Gewicht nicht, sondern sinkt durchschnittlich um zwei bis drei Kilogramm.

Anwendung

Der Wirkstoff wird unter die Haut von Oberschenkel, Bauch oder Hüfte gespritzt.

Schnell freisetzendes Exenatide wird zweimal täglich vor den Hauptmahlzeiten gespritzt. Zwischen den Injektionen müssen mindestens sechs Stunden liegen. Nach dem Essen darf es selbst dann nicht angewendet werden, wenn die vor dem Essen eigentlich fällige Injektion vergessen wurde.

Die bei manchen Menschen anfänglich recht belastenden unerwünschten Wirkungen, wie z. B. Übelkeit, bessern sich oft im Laufe des ersten Monats. So lange sollte die Behandlung mindestens beibehalten werden. Wenn es notwendig ist, kann die Dosis danach gesteigert werden.

Exenatide in Depotform wird einmal wöchentlich, immer am selben Wochentag verabreicht. Wenn die Injektion vergessen wurde, soll diese möglichst bald nachgeholt werden. Der späteste Termin für das Nachholen einer Dosis liegt drei Tage vor der nächsten Injektion. Ist der zeitliche Abstand kürzer, soll die versäumte Injektion ausgelassen und die nächste Injektion zum vorgesehenen Termin vorgenommen werden.

Als Höchstmenge für Exenatide gelten zweimal täglich zehn Mikrogramm. Bei Depot-Exenatide liegt die Wochendosis bei zwei Milligramm.

Gegenanzeigen

Unter folgenden Bedingungen dürfen Sie das Mittel nicht anwenden:

Sie haben einen Insulinmangel. Dieser besteht bei Menschen mit Typ-1-Diabetes oder mit einer akuten Stoffwechselentgleisung (diabetischen Ketoazidose).

Unter folgenden Bedingungen muss der Arzt Nutzen und Risiken einer Anwendung besonders sorgfältig abwägen:

  • Die Funktionsfähigkeit Ihrer Nieren ist stark eingeschränkt.
  • Die Entleerung Ihres Magens ist gestört oder Sie haben eine andere schwere Magen- oder Darmerkrankung.

Wechselwirkungen

Wechselwirkungen mit Medikamenten

Exenatide verlangsamt die Magenentleerung. Dann kann es länger dauern, bis eingenommene Arzneimittel ins Blut übergetreten sind. Nach Möglichkeit sollten Sie andere Mittel eine Stunde vor dem Spritzen des Diabetesmedikaments einnehmen oder vier Stunden danach.

Inkretin-Analoga können Durchfall verursachen. Dann können andere Medikamente wie Antibiotika (bei bakteriellen Infektionen) und hormonelle Empfängnisverhütungsmittel nicht vollständig ins Blut aufgenommen werden und infolgedessen nicht richtig wirken.

Unbedingt beachten

Exenatide kann die Wirkung der gerinnungshemmenden Mittel Phenprocoumon und Warfarin verstärken, die bei erhöhter Thrombosegefahr als Tabletten eingenommen werden. Vor allem zu Beginn der Behandlung und bei jeder Änderung der Dosierung müssen Sie deshalb die Blutgerinnung häufiger als sonst selbst kontrollieren oder vom Arzt kontrollieren lassen und gegebenenfalls nach Absprache mit dem Arzt die Dosis der Gerinnungshemmer verringern. Näheres hierzu finden Sie unter Mittel zur Blutverdünnung: verstärkte Wirkung. Sie sollten die Blutgerinnung auch häufiger kontrollieren, wenn Sie neben der Einnahme von Phenprocoumon oder Warfarin mit einer Liraglutid-Behandlung beginnen. Nach dem bisherigen Wissen kann nicht sicher ausgeschlossen werden, dass auch Liraglutid die Blutgerinnung verstärkt. Gegebenenfalls muss in Absprache mit einem Arzt dann die Dosierung der gerinnungshemmenden Mittel angepasst werden.

Nebenwirkungen

Exenatide darf in Kombination mit Metformin, Sulfonylharnstoff oder Insulin angewendet werden. Näheres zu deren unerwünschten Wirkungen lesen Sie unter Metformin und unter Sulfonylharnstoffe sowie unter Humaninsulin oder Insulin-Analoga. Zusammen mit Sulfonylharnstoffen und Insulin kann das Risiko für Unterzuckerungen ansteigen. Bei Beginn einer Kombinationsbehandlung kann es daher notwendig sein, die Dosis des Sulfonylharnstoffs oder Insulins zu verringern.

Inkretin-Analoga sind eiweißähnliche Substanzen. Der Körper kann auf sie wie auf einen Fremdstoff reagieren und Antikörper entwickeln, um sie abzuwehren. Bei 40 von 100 mit Exenatide Behandelten ist das der Fall. Bei 3 von 100 führt das im Laufe der Zeit dazu, dass Exenatide nicht mehr wirkt.

Keine Maßnahmen erforderlich

Bei nahezu der Hälfte der mit Exenatide Behandelten, tritt mindestens einmal Übelkeit auf. 10 bis 19 von 100 Anwendern registrieren andere Magen-Darm-Beschwerden wie Erbrechen und Durchfall; bei bis zu 10 von 100 sind es Bauchschmerzen und Sodbrennen. Auch kann sich das Geschmacksempfinden verändern. Diese Beschwerden treten häufiger auf, wenn das Mittel in höherer Dosis gegeben wird. Im Laufe der Behandlung schwächen sie sich meist ab.

Kopfschmerzen treten bei bis zu 10 von 100 mit Exenatide Behandelten auf. Bis zu 10 von 100 Behandelten fühlen sich unruhig, schwach und schwitzen öfter als sonst.

1 bis 10 von 100 Personen, die dieses Mittel anwenden, berichten über leichte Reaktionen der Haut an der Injektionsstelle.

Muss beobachtet werden

Wenn Durchfall oder Erbrechen länger anhalten, verlieren Sie viel Flüssigkeit. Sie sollten dann reichlich trinken, die verloren gegangenen Salze mit einer Elektrolytmischung ersetzen und sich an einen Arzt wenden.

Wenn Beschwerden im Oberbauch andauern, sollten Sie dies ihrem Arzt mitteilen. Er kann ihre Pankreasenzymwerte (Lipase, Amylase) überprüfen und dann entscheiden, welche Maßnahmen erforderlich sind. Das gilt vor allem für Patienten, die an einer Erkrankung der Bauchspeicheldrüse leiden oder schon einmal erkrankt waren.

Das Mittel kann die Nieren schädigen, insbesondere wenn Ihre Nierenfunktion bereits eingeschränkt ist und Sie viel Flüssigkeit verlieren. Wenn Sie sich müde und schlapp fühlen, Schwellungen an den Unterschenkeln der Beine auftreten oder sich der Urin verfärbt, sollten Sie einen Arzt aufsuchen.

Wenn die Haut sich verstärkt rötet und juckt, reagieren Sie vermutlich allergisch auf das Mittel. Bei solchen Hauterscheinungen sollten Sie einen Arzt aufsuchen.

Sofort zum Arzt

Bei anhaltenden, schweren, oftmals stechenden Schmerzen im Bauchraum, die gürtelförmig in den Rücken ausstrahlen können und in der Regel von Übelkeit und Erbrechen und/oder fettigem Stuhlgang begleitet sind, kann es sich um eine Entzündung der Bauchspeicheldrüse handeln. Dann dürfen Sie die Mittel nicht mehr anwenden und müssen dringend einen Arzt aufsuchen.

Wenn starker Hautausschlag, Juckreiz, Herzrasen, Atemnot, Schwäche und Schwindel auftreten, müssen Sie die Anwendung sofort abbrechen und unverzüglich den Notarzt (Telefon 112) rufen, weil es sich um eine lebensbedrohliche Allergie handeln kann.

Besondere Hinweise

Für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren

Wirksamkeit und Unbedenklichkeit der Mittel sind für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren nicht nachgewiesen. Sie dürfen damit nicht behandelt werden.

Bei Kinderwunsch

Bereits vor einer geplanten Schwangerschaft sollte der Blutzucker mit Insulin eingestellt werden. Spätestens nachdem die Schwangerschaft festgestellt wurde, müssen Sie unbedingt zu Insulin wechseln, um Ihre Gesundheit und die des Kindes zu schützen.

Für Schwangerschaft und Stillzeit

Mit der Anwendung von Inkretin-Analoga in der Schwangerschaft und Stillzeit gibt es keine ausreichenden Erfahrungen. Risiken für das Kind können nicht sicher ausgeschlossen werden. In dieser Zeit sollten Sie den Diabetes mit Insulin behandeln.

Für ältere Menschen

Bei Menschen über 70 Jahre sollte die Dosierung von Exenatide besonders vorsichtig erhöht werden. Bei eingeschränkter Nierenfunktion – was im Alter häufig der Fall ist – werden die Inkretin-Analoga langsamer ausgeschieden. Damit kann sich ihre Wirkung verlängern und das Risiko für Nebenwirkungen ansteigen. Bei Menschen über 75 Jahre sollte der Arzt einen Einsatz genau überlegen. In dieser Altersgruppe ist das Mittel bisher kaum erprobt worden.

Zur Verkehrstüchtigkeit

Hinweise für Menschen mit Diabetes zur Teilnahme am Straßenverkehr finden Sie unter Diabetes und Straßenverkehr.

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