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Inkretin-Analogon: Dulaglutid

Wirkungsweise

Dulaglutid gehört zu den Inkretin-Analoga, die eine relativ neue Gruppe von Medikamenten zur Diabetesbehandlung bilden. Außerdem gehören Exenatide und Liraglutid zu dieser Wirkstoffgruppe.

Inkretine sind Hormone, die von Zellen der Darmschleimhaut gebildet werden. Sie regen die entsprechenden Zellen in der Bauchspeicheldrüse zur Produktion und Freisetzung von Insulin an. Außerdem bewirken Inkretine, dass die Leber weniger Zucker an das Blut abgibt. Weil sie auch die Magenentleerung drosseln, gelangt der Zucker, der mit der Nahrung aufgenommen wurde, nur langsam in das Blut. Diese Wirkungen weist auch Dulaglutid auf. Dass die Substanz ähnlich aufgebaut ist wie natürliches Inkretin, wird durch den Zusatz Analogon (griechisch: ähnlich) ausgedrückt.

Die blutzuckersenkende Wirkung der Inkretin-Analoga ist belegt. Außerdem hat sich gezeigt, dass die damit Behandelten durchschnittlich zwei bis drei Kilogramm Gewicht verlieren.

Dulaglutid darf in Kombination mit anderen Diabetesmedikamenten einschließlich Insulin angewendet werden, wenn sich der Blutzucker mit diesen allein und in der höchsten individuell verträglichen Dosierung nicht zufriedenstellend senken lässt. Dulaglutid kann auch allein zur Blutzuckersenkung eingesetzt werden, wenn Metformin nicht vertragen wird oder nicht eingenommen werden darf und nichtmedikamentöse Maßnahmen nicht ausreichend wirken.

Eine Behandlung mit Inkretin-Analoga wie Dulaglutid brechen etwa 4 bis 5 von 100 Menschen aufgrund belastender Magen-Darm-Beschwerden, insbesondere Übelkeit, ab. Allerdings bessert sich die Übelkeit auch im Verlauf der Behandlung meist. Als weitere Nebenwirkung sind bei der Behandlung mit einem Inkretin-Analogon auch schwere Entzündungen der Bauchspeicheldrüse aufgetreten.

Ende 2019 wurde erstmals eine Studie veröffentlicht, in der bei Menschen mit Diabetes, die teilweise auch schon einen Herzinfarkt oder Schlaganfall erlitten hatten, untersucht wurde, ob die zusätzliche Anwendung von Dulaglutid zu anderen blutzuckersenkenden Mitteln einen Nutzen bringt. Tatsächlich traten unter der Behandlung insgesamt weniger Herz-Kreislauf-Ereignisse auf, in erster Linie aber weniger Schlaganfälle. Ob auch Herzinfarkte oder Todesfälle aufgrund der Zusatzbehandlung verhindert werden, ist noch nicht sicher zu sagen. Auch ob das Mittel ebenso gut wirksam ist wie Liraglutid ist unklar, da direkte Vergleichsuntersuchungen fehlen. Daher ist Dulaglutid in der Kombinationsbehandlung – insbesondere bei Menschen mit einem hohen Risiko für Folgeerkrankungen – "auch geeignet".

Wenn das Mittel in Kombination mit Insulin eingesetzt wird, gibt eine wissenschaftliche Untersuchung ebenfalls Hinweise für einen geringfügigen Vorteil. Im Vergleich zu einer täglichen Verabreichung eines langwirkenden Insulin-Analogons könnten bei der einmal wöchentlichen Behandlung mit Dulaglutid etwas weniger schwere unerwünschte Wirkungen wie beispielsweise schwere Unterzuckerungen auftreten. Demgegenüber stehen allerdings die Nebenwirkungen im Magen-Darm-Trakt, die auch häufig zum Abbruch der Behandlung führen können.

Für den Einsatz als alleiniges Mittel zur Behandlung eines Typ-2-Diabetes wird Dulaglutid dagegegen nur als "mit Einschränkung geeignet" bewertet, bis weitere Studien die Effekte auf Folgeerkrankungen und die Langzeitverträglichkeit besser belegen.

Möglicherweise haben vor allem deutlich übergewichtige Personen einen Nutzen von der Behandlung mit Inkretin-Analoga. Sie benötigen oft sehr viel Insulin, um ihren Blutzucker in akzeptablen Grenzen zu halten. Dadurch nehmen viele aber weiter an Gewicht zu, was die Behandlung noch erschwert. Unter der Behandlung mit Dulaglutid hingegen steigt das Gewicht nicht, sondern sinkt durchschnittlich um zwei bis drei Kilogramm.

Anwendung

Der Wirkstoff wird unter die Haut von Oberschenkel, Bauch oder Hüfte gespritzt. Dulaglutid wird einmal wöchentlich gespritzt.

Wenn die Injektion vergessen wurde, soll diese möglichst bald nachgeholt werden. Der späteste Termin für das Nachholen einer Dosis liegt drei Tage vor der nächsten Injektion. Ist der zeitliche Abstand kürzer, soll die versäumte Injektion ausgelassen und die nächste Injektion zum vorgesehenen Termin vorgenommen werden.

Wird Dulaglutid als einziges blutzuckersenkendes Medikament angewendet, liegt die Wochendosis bei 0,75 Milligramm; wird eine Kombination von Dulaglutid mit anderen Antidiabetika eingesetzt, liegt sie bei 1,5 Milligramm.

Die bei manchen Menschen anfänglich recht belastenden unerwünschten Wirkungen, wie z. B. Übelkeit, bessern sich oft im Laufe des ersten Monats. So lange mindestens sollte die Anfangsdosis der Behandlung beibehalten werden. Wenn es notwendig ist, kann die Dosis danach gesteigert werden.

Gegenanzeigen

Unter folgenden Bedingungen dürfen Sie die Mittel nicht anwenden:

Sie haben einen Insulinmangel. Dieser besteht bei Menschen mit Typ-1-Diabetes oder mit einer akuten Stoffwechselentgleisung (diabetischen Ketoazidose).

Unter folgenden Bedingungen muss der Arzt Nutzen und Risiken einer Anwendung von Dulaglutid besonders sorgfältig abwägen:

  • Die Funktionsfähigkeit Ihrer Nieren ist stark eingeschränkt.
  • Die Entleerung Ihres Magens ist gestört oder Sie haben eine andere schwere Magen- oder Darmerkrankung.

Wechselwirkungen

Wechselwirkungen mit Medikamenten

Dulaglutid verlangsamt die Magenentleerung. Dann kann es länger dauern, bis eingenommene Arzneimittel ins Blut übergetreten sind. Nach Möglichkeit sollten Sie andere Mittel eine Stunde vor dem Spritzen des Diabetesmedikaments einnehmen oder vier Stunden danach.

Das Mittel kann Durchfall verursachen. Dann können andere Medikamente wie Antibiotika (bei bakteriellen Infektionen) und hormonelle Empfängnisverhütungsmittel nicht vollständig ins Blut aufgenommen werden und infolgedessen nicht richtig wirken.

Nebenwirkungen

Dulaglutid darf in Kombination mit Metformin, Sulfonylharnstoff oder Insulin angewendet werden. Näheres zu deren unerwünschten Wirkungen lesen Sie unter Metformin und unter Sulfonylharnstoffe sowie unter Humaninsulin oder Insulin-Analoga. Zusammen mit Sulfonylharnstoffen und Insulin kann das Risiko für Unterzuckerungen ansteigen. Bei Beginn einer Kombinationsbehandlung kann es daher notwendig sein, die Dosis des Sulfonylharnstoffs oder des Insulins zu verringern.

Inkretin-Analoga sind eiweißähnliche Substanzen. Der Körper kann auf sie wie auf einen Fremdstoff reagieren und Antikörper entwickeln, um sie abzuwehren. Eine Behandlung mit Dulaglutid führt bei 2 von 100 Personen zur Bildung von Antikörpern. Ein Wirksamkeitsverlust ist dadurch bisher noch nicht beobachtet worden.

Keine Maßnahmen erforderlich

Bei rund einem Sechstel der mit Dulaglutid Behandelten tritt mindestens einmal Übelkeit auf. 10 bis 19 von 100 Anwendern registrieren andere Magen-Darm-Beschwerden wie Erbrechen und Durchfall; bei bis zu 10 von 100 sind es Bauchschmerzen und Sodbrennen. Auch kann sich das Geschmacksempfinden verändern. Diese Beschwerden treten vor allem in den ersten 4 bis 6 Behandlungswochen häufiger auf und wenn das Mittel in höherer Dosis gegeben wird. Im Laufe der Behandlung schwächen sie sich meist ab.

Bis zu 10 von 100 mit Dulaglutid Behandelte fühlen sich erschöpft.

1 bis 10 von 100 Personen, die das Mittel anwenden, berichten über leichte Reaktionen der Haut an der Injektionsstelle.

Muss beobachtet werden

Wenn Durchfall oder Erbrechen länger anhalten, verlieren Sie viel Flüssigkeit. Sie sollten dann reichlich trinken, die verloren gegangenen Salze mit einer Elektrolytmischung ersetzen und sich an einen Arzt wenden.

Wenn Beschwerden im Oberbauch andauern, sollten Sie dies Ihrem Arzt mitteilen. Er kann Ihre Pankreasenzymwerte (Lipase, Amylase) überprüfen und dann entscheiden, welche Maßnahmen erforderlich sind. Das gilt vor allem für Patienten, die an einer Erkrankung der Bauchspeicheldrüse leiden oder schon einmal erkrankt waren.

Beginnende Schäden der Nieren kann der Arzt nur durch gezielte diagnostische Maßnahmen feststellen. Bei vermehrter oder verminderter Harnausscheidung, wenn die Haut nach Urin riecht, bei neu auftretenden oder sich verschlimmernden Wasseransammlungen z. B. in den Beinen (Ödeme) oder Schmerzen in der Nierengegend sollten Sie in den nächsten Tagen den Arzt aufsuchen und gezielt von ihm die Nieren untersuchen lassen.

Wenn die Haut sich verstärkt rötet und juckt, reagieren Sie möglicherweise allergisch auf das Mittel. Bei solchen Hauterscheinungen sollten Sie einen Arzt aufsuchen, um zu klären, ob es sich tatsächlich um eine allergische Hautreaktion handelt, Sie das Mittel ersatzlos absetzen können oder ein Alternativmedikament benötigen.

Dulaglutid kann den Puls erhöhen oder die Reizleitung am Herzen beeinflussen. Wenn Ihr Puls sich deutlich erhöht oder extrem verlangsamt, sollten Sie dies baldmöglichst einem Arzt mitteilen.

Sofort zum Arzt

Bei anhaltenden, schweren, oftmals stechenden Schmerzen im Bauchraum, die gürtelförmig in den Rücken ausstrahlen können und in der Regel von Übelkeit und Erbrechen und/oder fettigem Stuhlgang begleitet sind, kann es sich um eine Entzündung der Bauchspeicheldrüse handeln. Dann dürfen Sie das Mittel nicht mehr anwenden und müssen dringend einen Arzt aufsuchen.

Wenn sich schwere Hauterscheinungen mit Rötung und Quaddeln an Haut und Schleimhäuten sehr rasch (meist innerhalb von Minuten) entwickeln und zusätzlich Luftnot oder eine Kreislaufschwäche mit Schwindel und Schwarzsehen oder Durchfälle und Erbrechen auftreten, kann es sich um eine lebensbedrohliche Allergie bzw. einen lebensbedrohlichen allergischen Schock (anaphylaktischer Schock) handeln. In diesem Fall müssen Sie die Behandlung mit dem Medikament sofort stoppen und den Notarzt (Telefon 112) verständigen.

Besondere Hinweise

Bei Kinderwunsch

Bereits vor einer geplanten Schwangerschaft sollte der Blutzucker mit Insulin eingestellt werden. Spätestens nachdem die Schwangerschaft festgestellt wurde, sollten Sie zu Insulin wechseln, um Ihre Gesundheit und die des Kindes zu schützen.

Für Schwangerschaft und Stillzeit

Mit der Anwendung von Inkretin-Analoga in der Schwangerschaft und Stillzeit gibt es keine ausreichenden Erfahrungen. Risiken für das Kind können nicht sicher ausgeschlossen werden. In dieser Zeit sollten Sie den Diabetes mit Insulin behandeln.

Für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren

Wirksamkeit und Unbedenklichkeit der Mittel sind für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren nicht nachgewiesen. Sie dürfen damit nicht behandelt werden.

Für ältere Menschen

Ob das Medikament bei Menschen über 75 Jahre eingesetzt werden kann, sollte der Arzt genau überlegen. An ihnen ist der Wirkstoff bisher kaum erprobt worden.

Zur Verkehrstüchtigkeit

Hinweise für Menschen mit Diabetes zur Teilnahme am Straßenverkehr finden Sie unter Diabetes und Straßenverkehr.

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