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Immunsuppressivum: Pimecrolimus und Tacrolimus

Wirkungsweise

Pimecrolimus und Tacrolimus sind Immuntherapeutika, die bestimmte Abwehrreaktionen des Körpers unterdrücken und bei Neurodermitis die entzündliche Hautreaktion abschwächen können. Tacrolimus wird darüber hinaus in Tablettenform nach einer Organtransplantation eingesetzt, um eine Abstoßungsreaktion zu unterdrücken. Als Creme kann Pimecrolimus die entzündliche Hautreaktion bei leichter bis mittelschwerer, Tacrolimus bei mittelschwerer bis schwerer Neurodermitis abschwächen. Allerdings wirken beide Mittel nicht besser als die Standardtherapie mit Glucocorticoiden.

Ein Vorteil von Pimecrolimus und Tacrolimus besteht darin, dass beide Mittel auch in Hautfalten und im Gesicht angewendet werden können. Dort sollten Glucocorticoide nicht eingesetzt werden, weil die Gefahr besteht, dass die Haut sonst zu dünn wird oder vermehrt unerwünschte Wirkungen auftreten, wie die Entwicklung einer Rosazea oder einer Mundrose (perioralen Dermatitis). Pimecrolimus und Tacrolimus beeinträchtigen die Barrierefunktion der Haut kaum und sind deshalb auch vorteilhaft, wenn die Haut – z. B. an den Händen – bei der Arbeit nicht anders vor dem Einfluss schädigender Stoffe geschützt werden kann.

Studien weisen darauf hin, dass beide Mittel nach Abheilen der Hautentzündung auch als langfristige Therapie (zweimal wöchentlich über einen Zeitraum von maximal einem Jahr) eingesetzt werden können, um bei häufig wieder auftretender Neurodermitis die Rückfallquote zu verringern.

Beide Wirkstoffe stehen nach Tierversuchen und einigen Berichten zur Anwendung bei Menschen im Verdacht, krebserregend zu wirken. Das ist vor allem für die Langzeitbehandlung bei schwerer Neurodermitis von Bedeutung. Die bislang vorliegenden Untersuchungsdaten lassen zum jetzigen Zeitpunkt aber keine definitive Aussage hierzu zu. Auch ist unklar, wie sich die Mittel auf die Entwicklung des Immunsystems bei Kindern auswirken, wenn diese länger damit behandelt werden. In einer Studie über fünf Jahre hatten Kinder, die mit Pimecrolimus behandelt wurden, geringfügig mehr leichte Haut- und Atemwegsinfektionen als Kinder, die cortisonhaltige Mittel anwendeten. Beide Wirkstoffe sind deshalb mit Einschränkung geeignet. Sie sollten nur eingesetzt werden, wenn Glucocorticoide die Hautausschläge nicht ausreichend eindämmen oder nicht angewendet werden können.

Anwendung

Sie tragen die Creme oder Salbe zweimal täglich (morgens und abends) über einen Zeitraum von ein bis drei Wochen dünn auf den erkrankten Hautbereich auf. Sobald die Hautausschläge abgeklungen sind, sollten Sie das Mittel mit immer geringerer Dosierung langsam ausschleichend absetzen. Ist nach zwei (Tacrolimus) beziehungsweise sechs Wochen (Pimecrolimus) noch keine Besserung zu erkennen, sollten die Mittel nicht weiter angewendet werden.

Wenn sich die Neurodermitis häufiger als viermal jährlich akut verschlechtert, können Sie Tacrolimus als Dauertherapie zweimal wöchentlich anwenden. Allerdings ist die Unbedenklichkeit dieser Anwendungsform nur für einen Zeitraum von zwölf Monaten ausreichend untersucht.

Achten Sie darauf, dass die Mittel nicht mit Schleimhäuten in Kontakt kommen. Nach der Anwendung sollten Sie sich deshalb sorgfältig die Hände waschen. Auch sollten Sie die Mittel nicht auf Stellen auftragen, die hautkrebsverdächtig sein könnten (z. B. sehr dunkle und in ihrer Größe sich verändernde Leberflecke).

Achtung

Während der Anwendung sollten Sie die Haut nicht der Sonne aussetzen und auch nicht ins Solarium gehen, weil unklar ist, ob die Wirkstoffe die Haut empfindlicher für UV-Strahlung machen. Wenn Sie sich an sonnigen Tagen im Freien aufhalten, sollten Sie ein Sonnenschutzmittel mit ausreichend hohem Lichtschutzfaktor auftragen.

Sonnencremes und andere Kosmetika dürfen Sie aber nicht innerhalb von zwei Stunden vor und nach der Anwendung von Pimecrolimus oder Tacrolimus auftragen.

Diese Mittel werden mitunter auch auf ärztliche Verordnung bei Schuppenflechte eingesetzt, auch wenn sie bisher keine Zulassung dafür haben. Dann dürfen Sie nicht gleichzeitig eine Therapie mit UV-B- oder UV-A-Strahlen in Kombination mit dem Wirkstoff Psoralen (PUVA-Therapie) durchführen.

Unter abgeschlossenen Verbänden sollten Sie beide Wirkstoffe nicht anwenden, weil die Mittel dann verstärkt in die Haut eindringen und die Gefahr unerwünschter Wirkungen steigt.

Gegenanzeigen

Wenn Sie auf eine bestimmte Art von Antibiotika (Makrolide, dazu gehört z. B. der Wirkstoff Erythromycin, bei bakteriellen Infektionen) allergisch reagieren, dürfen Sie die Mittel nicht anwenden.

Unter folgenden Bedingungen sollte der Arzt Nutzen und Risiken einer Anwendung von Pimecrolimus oder Tacrolimus sorgfältig abwägen:

  • Sie leiden an einer angeborenen Immunschwäche oder Sie bekommen – beispielsweise aufgrund einer Organtransplantation – Medikamente, die das Immunsystem unterdrücken, um Abstoßungsreaktionen zu vermeiden. Es gibt Hinweise, dass die Mittel das Risiko für Lymphdrüsenkrebs (Lymphom) erhöhen.
  • Deshalb ist generell Vorsicht geboten, wenn Ihre Lymphknoten über längere Zeit geschwollen sind und einfache Infektionen als Ursache ausgeschlossen werden können.
  • Ihre Leberfunktion ist beeinträchtigt.
  • Ihre Haut ist außergewöhnlich durchlässig (Netherton-Syndrom).
  • Sie neigen zu Herpesinfektionen.

Wechselwirkungen

Wechselwirkungen mit Medikamenten

Zu Beginn und bis zu zwei Wochen nach Abschluss der Behandlung sollten Sie sich nicht impfen lassen, weil beide Wirkstoffe die Wirksamkeit des Impfstoffes stark abschwächen oder ganz zunichte machen können.

Wechselwirkungen mit Speisen und Getränken

Wenn Sie Alkohol trinken, können sich die unerwünschten Wirkungen auf die Haut verstärken.

Nebenwirkungen

Keine Maßnahmen erforderlich

Bei etwa der Hälfte der Behandelten kann sich auf der Haut ein Wärmegefühl entwickeln, die Haut kann sich röten oder brennen. Diese Hautreizung ist leicht bis mäßig stark ausgeprägt und klingt meist innerhalb der ersten Behandlungswoche wieder ab.

Muss beobachtet werden

Wenn die Haut sich verstärkt rötet und juckt, reagieren Sie vermutlich allergisch auf das Mittel. Bei solchen Hauterscheinungen sollten Sie einen Arzt aufsuchen.

Das Risiko für Hautinfektionen, wie beispielsweise Herpesinfektionen, Akne, Impetigo oder Entzündungen am Haarbalg, steigt. Wenn sich wässrige Bläschen oder Pickel bilden, sollten Sie mit dem Arzt besprechen, ob Sie die Behandlung fortsetzen sollen.

Auch wenn sich die Hautstelle, auf die die Creme aufgetragen wird, taub anfühlt, kribbelt oder schmerzt, sollten Sie dem Arzt davon berichten.

Treten Muskelschmerzen auf, die Sie nachhaltig beeinträchtigen, sollten Sie einen Arzt um Rat fragen.

Wenn Lymphknoten im Bereich des Halses oder des Unterkiefers anschwellen oder schmerzen und diese Beschwerden über mehr als zwei Wochen andauern, sollten Sie den Arzt aufsuchen. Können Sie auf die geschwollenen Stellen Druck ausüben, ohne dass dies schmerzt, sollten Sie ebenfalls zum Arzt gehen.

Außerdem sollten Sie den Arzt kontaktieren, wenn Sie Veränderungen auf der Hautoberfläche feststellen oder wenn sich bereits vorhandene Leberflecken verändern. Es lässt sich nicht ausschließen, dass die beiden Wirkstoffe bei langfristiger Anwendung Lymphdrüsenkrebs oder Hautkrebs einschließlich seiner Frühformen (aktinische Keratose) verursachen können.

Besondere Hinweise

Für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren

Zur Anwendung bei Kindern unter zwei Jahren fehlen für beide Mittel ausreichende Erfahrungen. Sie sollten daher bei ihnen nicht eingesetzt werden.

Tacrolimus: Die Salbe mit der niedrigen Dosierung darf zwar bei Kindern ab zwei Jahre eingesetzt werden, allerdings ist nicht bekannt, wie sich die Behandlung auf das noch unreife Immunsystem der Kinder auswirkt.

Für Schwangerschaft und Stillzeit

Da für die Anwendung in Schwangerschaft und Stillzeit keine ausreichenden Erkenntnisse vorliegen, sollten Sie die Mittel sicherheitshalber nicht anwenden.

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Anwendungsgebiete dieses Wirkstoffs