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Humaninsulin

Wirkungsweise

Das Hormon Insulin ist ein Eiweiß. Es muss bei vielen Menschen mit Diabetes von außen zugeführt werden, da deren Bauchspeicheldrüse kein Insulin mehr freisetzen kann. Im Verdauungstrakt wird Insulin wie andere Eiweiße auch abgebaut und damit unwirksam. Darum kann es nicht geschluckt werden, sondern wird unter die Haut (subkutan) gespritzt. Nur im Notfall wird das Hormon auch in die Vene gespritzt.

Am gebräuchlichsten ist heute Humaninsulin. Alle Menschen mit Diabetes, die zum ersten Mal Insulin spritzen, sollten die Behandlung mit diesem Insulin beginnen. Humaninsulin ist mit dem vom menschlichen Körper produzierten Hormon identisch. Es kann auf zwei Wegen hergestellt werden. Bei der halbsynthetischen Produktion tauscht man in Schweine-Insulin einen Baustein gegen jenen aus, wie er im menschlichen Insulin vorkommt. Beim gentechnischen Verfahren werden Bakterien oder Hefen so manipuliert, dass sie menschliches Insulin produzieren.

Darüber hinaus gibt es Insulin-Analoga. Mit dem Begriff Analogon (griechisch: ähnlich) soll ausgedrückt werden, dass diese gentechnischen Produkte etwas anders aufgebaut sind als das Insulin von Menschen.

Alle Humaninsuline werden als "geeignet" bewertet, um bei Diabetes vom Typ-1 oder Typ-2 Insulin zuzuführen.

Von Insulin gibt es verschiedene Zubereitungen, die sich in ihrer Wirkdauer unterscheiden. Mit ihnen wird die körpereigene Insulinversorgung nachgeahmt.

Schnellwirkendes Insulin

Normalinsulin (früher "Altinsulin"), das unter die Haut gespritzt wird, beginnt nach etwa einer halben Stunde zu wirken. Seine maximale Wirkung ist nach ein bis vier Stunden erreicht, nach sechs bis acht Stunden ist es weitgehend abgebaut.

Mit schnellwirkendem Insulin lassen sich vor allem Blutzuckerspitzen abfangen, wie sie nach dem Essen auftreten.

Mittellangwirkendes Insulin

Im Verzögerungsinsulin (Basalinsulin, NPH-Insulin) ist das Hormon an einen Stoff gebunden, der es verzögert an das Blut abgibt. Ein solches Insulin beginnt ungefähr ein bis zwei Stunden nach der Injektion zu wirken und lässt erst nach 12 bis 16 Stunden deutlich nach. Hiermit bekommt der Körper seine "Basalrate" an Insulin, die Menge, die er für sein Funktionieren immer braucht – auch dann, wenn keine Kohlenhydrate aufgenommen werden.

Kombinationen

In vielen Produkten sind kurz und verzögert wirkende Insuline gemischt. Folgende Mischungsverhältnisse sind vertreten: 15 Prozent Normalinsulin und 85 Prozent Verzögerungsinsulin, 25 Prozent normal und 75 Prozent verzögert, 30 Prozent normal und 70 Prozent verzögert sowie je zur Hälfte Normal- und Verzögerungsinsulin. Mit diesen Insulinmischungen können sowohl der Grundbedarf an Insulin über mehrere Stunden als auch der zur Mahlzeit kurzfristig notwendige Insulinbedarf gedeckt werden.

Solche festen Mischungen aus Normal- und Verzögerungsinsulin werden heute vorwiegend bei Menschen mit Typ-2-Diabetes angewendet. Typ-1-Diabetiker spritzen die jeweiligen Insulinsorten je nach Bedarf getrennt.

Anwendung

Insulin kann mit einer Spritze mit aufgeschweißter Kanüle oder mit einem Injektionsgerät, dem Pen, gespritzt werden. Als dritte Möglichkeit kann es von einer Pumpe in den Körper geleitet werden.

Spritze und Kanüle

Beide sind als Einmalartikel erhältlich. Das Insulin ziehen Sie aus einer Ampulle in die Spritze auf. Die Ampullen enthalten normalerweise 100 internationale Einheiten (I.E.) Insulin in einem Milliliter. Manchmal sind es auch nur 40 I.E. Die Skala auf den Spritzen ist auf diese Konzentration abgestimmt.

Pen

Üblicherweise wird Insulin heutzutage mit einem Pen gespritzt. Dieses Injektionsgerät gleicht einem Federhalter und spritzt auf Knopfdruck eine vorher einstellbare Menge Insulin unter die Haut. Das Hormon befindet sich in speziellen Patronen, die 100 I.E. Insulin/Milliliter enthalten. Von Insulin degludec gibt es auch Patronen, die 200 I.E. Insulin pro Milliliter sowie von Insulin glargin auch solche, die 300 IE Insulin pro Milliliter enthalten. Damit es nicht zu Fehldosierungen kommt, muss die Injektion immer mit dem jeweils zur Insulinkonzentration passenden Pen erfolgen.

Pumpe

Dieses Gerät ist kleiner als eine Zigarettenschachtel und wird außen am Körper getragen. Durch einen dünnen Plastikschlauch mit einer Kanüle an der Spitze pumpt ein Motor ständig eine geringe Menge Normalinsulin oder kurzwirksames Analoginsulin in das Fettgewebe am Bauch. Zu den Mahlzeiten kann der Pumpenträger per Tastendruck das notwendige Insulin abgeben. Die Menge Normalinsulin richtet sich danach, was und wie viel gegessen werden soll und wie hoch der aktuelle Blutzuckerwert ist. Demnach ist eine Diabetesbehandlung mit einer Insulinpumpe immer eine intensivierte Therapie. Diese recht aufwendige Blutzuckereinstellung ist besonders geeignet für Patienten mit Typ-1-Diabetes und morgendlichem Dämmerungsphänomen. Dabei steigt der Blutzucker in der zweiten Nachthälfte stark an.

Für alle Insulininjektionen gilt

  • Es ist nicht nötig, die Haut vor dem Spritzen zu desinfizieren (Ausnahme: Anlegen des Katheters bei einer Insulinpumpe). Es besteht keine Infektionsgefahr.
  • Die Körperregion, in die das Insulin gespritzt wird, und die Stichtiefe beeinflussen die Geschwindigkeit, mit der es wirkt. In den Bauch injiziertes Insulin geht schneller ins Blut über als in den Oberschenkel gespritztes. Daher wird üblicherweise empfohlen, das kurz wirksame Insulin in den Bauch und das lang wirksame in den Oberschenkel zu spritzen. Wenn Sie eine Hautfalte hochziehen und dort im Winkel von 45° hineinstechen, gelangt das Insulin dorthin, wohin es soll: ins Unterhautfettgewebe. Spritzen Sie es tiefer, ins Muskelgewebe, wirkt es schneller, aber weniger lange. Wenn Sie Kanülen von fünf bis sechs mm Länge verwenden, sind versehentliche Injektionen in den Muskel seltener.
  • Sie sollten innerhalb derselben Körperregion – möglichst nach einem festen Schema – jedes Mal die Einstichstelle wechseln. Wenn Sie in einen anderen Körperteil stechen, verändert sich die Wirkgeschwindigkeit. Spritzen Sie jedoch immer in dieselbe Stelle, können sich am Spritzort kleine Fettpolster bilden, aus denen das Insulin nach einiger Zeit nur verzögert ins Blut aufgenommen wird.
  • Bei trüben Insulinen – das sind NPH-Verzögerungsinsulin und Kombinationsinsuline – befindet sich das Insulin im Bodensatz; die klare Flüssigkeit darüber ist nahezu insulinfrei. Deshalb müssen diese Insuline durchmischt werden. Dazu schwenken Sie die Patrone oder Flasche 20-mal, bis der Inhalt gleichmäßig trübe ist.
  • Bisher wurde Menschen mit Diabetes geraten, Insulin je nach Typ und gemessenem Blutzuckerwert 10 bis 60 Minuten vor dem Essen zu spritzen, die schnellwirkenden Insulin-Analoga unmittelbar vor oder beim Essen. Für diese Empfehlung gibt es jedoch keinen wissenschaftlichen Beleg. Daher lautet die Maßgabe heute: In der Regel können alle Insuline unmittelbar vor dem Essen gespritzt werden. Nach Meinung von Experten ist ein Spritz-Ess-Abstand nur den Personen anzuraten, deren Blutzucker nach einer kleinen bis mittelgroßen Mahlzeit ohne schnellresorbierbare Kohlenhydrate um mehr als vier bis sechs mmol/l ansteigt und deren HbA1c-Wert nicht in dem Zielbereich liegt, den sie sich vorgenommen haben.

Da der Insulinbedarf variabel sein kann, sollten Sie in einer Schulung gelernt haben, wie Sie auf die unterschiedlichen Situationen reagieren können.

Ärztliche Kontrollen der Stoffwechseleinstellung sind mindestens alle drei Monate notwendig.

Wer als Typ-1-Diabetiker Insulin spritzt, muss dieses in aller Regel bis zum Lebensende tun – außer es wurde eine Pankreastransplantation erfolgreich vorgenommen. Manchmal geht kurz nach der Diabetesdiagnose im Anschluss an die anfängliche Einstellung mit Insulin der Bedarf sehr weit zurück oder das Hormon wird sogar ganz überflüssig. Das ist jedoch eine vorübergehende Erscheinung, an deren Ende immer die lebenslange Insulintherapie steht.

Achtung

Die zu spritzende Lösung enthält außer Insulin noch andere Stoffe, z. B. Konservierungsmittel oder die Substanz, die die verzögerte Abgabe bewirkt. Wenn Sie auf einen dieser Begleitstoffe überempfindlich reagieren, muss der Arzt ein Produkt finden, das anders zusammengesetzt ist. Ob es sich eignet, lässt sich unter anderem mit einem Hauttest feststellen.

Wechselwirkungen

Wechselwirkungen mit Medikamenten

Eine Reihe von Arzneimitteln beeinflusst entweder die Konzentration von Zucker im Blut oder die Wirkkraft von Insulin. Das kann sich geringfügig oder gravierend auswirken. Feste Regeln für die gleichzeitige Verwendung von Insulin und anderen Medikamenten gibt es nicht. Es ist aber ratsam, den Blutzucker häufiger zu kontrollieren, wenn Sie ein neues Medikament anwenden. Das gilt sowohl für Mittel, die Sie vom Arzt verschrieben bekommen, als auch für solche, die Sie ohne Rezept kaufen können.

Das Risiko einer Überzuckerung steigt durch Thiazide (bei hohem Blutdruck), Glucocorticoide (bei Entzündungen, Immunreaktionen), Östrogene und Gestagene (zur Empfängnisverhütung, bei Wechseljahresbeschwerden), weil sie die Wirkung von Insulin abschwächen können.

Unbedingt beachten

Zu den Medikamenten, die Insulin stärker wirken lassen, sodass das Risiko einer Unterzuckerung steigt, gehören Tabletten zur Diabetesbehandlung, ACE-Hemmer wie Captopril und Enalapril (bei hohem Blutdruck), SSRI wie Fluoxetin (bei Depressionen), der MAO-Hemmer Tranylcypromin (bei Depressionen), Chinolone und Sulfonamide (bei bakteriellen Infektionen) sowie das Schmerzmittel Acetylsalicylsäure in hoher Dosierung. Näheres hierzu finden Sie unter Mittel zur Blutzuckersenkung: verstärkte Wirkung.

Betablocker – insbesondere nichtselektiv wirkende wie Propranolol (bei hohem Blutdruck, zur Migränevorbeugung) – können in hoher Dosierung eine durch Insulin verursachte Unterzuckerung verschlimmern und verlängern. Außerdem können Betablocker die Warnsignale einer Unterzuckerung verschleiern.

Wechselwirkungen mit Speisen und Getränken

Alkohol unterdrückt die Zuckerneubildung in der Leber und kann so den Blutzuckerspiegel senken. Wenn Sie Alkohol trinken wollen, sollten Sie das vorzugsweise im Rahmen einer Mahlzeit tun und sich mit einer geringen Menge begnügen.

Nach erheblichem Alkoholkonsum kann es zu schweren Unterzuckerungen kommen.

Nebenwirkungen

Muss beobachtet werden

Es können Unterzuckerungen auftreten.

Bei 1 von 100 Personen bilden sich an der Injektionsstelle Verhärtungen und kleine Entzündungen. Das lässt sich am ehesten vermeiden, indem Sie regelmäßig die Injektionsstelle wechseln. Auch schadhafte oder abgenutzte Injektionsnadeln können derartige Gewebeveränderungen begünstigen.

Wenn sich die Einstichstellen dennoch verstärkt röten und jucken, reagieren Sie vermutlich allergisch auf das Präparat. Wenden Sie sich bei solchen Hauterscheinungen dann an einen Arzt. In Einzelfällen kann bei einer solchen Allergie auch Fieber auftreten.

Im Gewebe kann sich Flüssigkeit einlagern. Betrifft das die Augenlinse, ändert sich die Sehschärfe. Meist normalisiert sich das im Laufe der Behandlung innerhalb einiger Wochen von selbst.

Sofort zum Arzt

Wenn starker Hautausschlag, Juckreiz, Herzrasen, Atemnot, Schwäche und Schwindel auftreten, müssen Sie die Anwendung sofort abbrechen und unverzüglich den Notarzt (Telefon 112) rufen, weil es sich um eine lebensbedrohliche Allergie handeln kann.

Besondere Hinweise

Für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren

Die Therapie von Kindern und Jugendlichen entspricht der von Erwachsenen. Sie sollten so früh wie möglich an ein selbstständiges Management ihrer Krankheit herangeführt werden. Dafür gibt es spezielle, auf die jeweilige Altersgruppe zugeschnittene Schulungen.

Bei Kinderwunsch

Als Frau mit Diabetes sollten Sie sich schon vor einer geplanten Schwangerschaft um eine möglichst optimale Blutzuckereinstellung bemühen. Später ist sie dringend geboten, um Sie und das Kind zu schützen.

Für Schwangerschaft und Stillzeit

Eine schwangere Frau mit Diabetes ist darauf angewiesen, dass sie ein diabeteserfahrener Gynäkologe intensiv betreut, am besten gemeinsam mit einem Diabetologen. Dennoch kann sie – wenn sie gut geschult ist – ihre Einstellung weiterhin selbst in der Hand behalten.

Der Insulinbedarf schwankt in der Schwangerschaft stark: Im ersten Drittel verringert er sich meist ein wenig, steigt dann an und ist zur Zeit der Geburt bis doppelt so hoch wie zu Beginn. Während der Geburt sinkt er rapide und pegelt sich dann langsam wieder auf das alte Niveau ein.

Selbstverständlich müssen und können stillende Frauen mit Diabetes Insulin spritzen.

Für ältere Menschen

Sie bemerken manchmal die Anzeichen einer herannahenden Unterzuckerung schlechter. Bei manchen Menschen ist das altersbedingt, bei anderen liegt es an der langen Diabetesdauer.

Zur Verkehrstüchtigkeit

Vor allem zu Beginn der Insulinbehandlung können Sehstörungen die Verkehrstüchtigkeit beeinträchtigen.

Insuline können zu Unterzuckerungen führen. Hinweise für Menschen mit Diabetes zur Teilnahme am Straßenverkehr finden Sie unter Diabetes und Straßenverkehr.

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Anwendungsgebiete dieses Wirkstoffs