Medikamente im Test

Hormone: Ethinylestradiol + Gestoden (Kombination)

Wirkungsweise

Die zwei weiblichen Sexualhormone Ethinylestradiol und Gestoden dienen der Empfängnisverhütung. Als Östrogen wird das synthetisch hergestellte und gegenüber natürlichem Östrogen chemisch etwas veränderte und stärker wirkende Ethinylestradiol eingesetzt. Gestoden ist ein Gestagen.

Die hier besprochenen Produkte sind Einphasenpräparate. Das bedeutet, dass die Frau mit jeder wirkstoffhaltigen Pille während der gesamten Einnahmezeit immer die gleiche Menge der beiden Hormone Östrogen und Gestagen einnimmt. Alessia enthält gegen Ende der Einnahmezeit wirkstofffreie Pillen, die durch eine andere Färbung gekennzeichnet sind. Die Pillen über 28 Tage hinweg einzunehmen, soll der Frau die Gewohnheit der Pilleneinnahme erhalten und so die Einnahmesicherheit erhöhen.

Die empfängnisverhütende Wirkung beruht auf drei Effekten: Zum einen sorgt Ethinylestradiol dafür, dass die Hirnanhangdrüse jene Hormone nicht mehr ausschüttet, die die Tätigkeit der Eierstöcke anregen. Auf diese Weise reift kein Ei und es gibt keinen Eisprung. Zum Zweiten verändert Gestoden den Schleimpfropf am Muttermund so, dass ihn die Spermien nur schwer durchdringen können. Und zum Dritten sorgt das Gestagen dafür, dass sich die Schleimhaut der Gebärmutter umbaut. Selbst wenn ein Ei gereift und befruchtet worden ist, kann es sich in dieser Schleimhaut kaum einnisten.

Die hier besprochenen Einphasenpräparate gelten als gering dosiert. Sie enthalten weniger als 40 Mikrogramm Ethinylestradiol pro Tablette. Allesia enthält mit 15 Mikrogramm einen besonders geringen Östrogenanteil. Die Östrogenkomponente möglichst gering zu halten ist wünschenswert, weil das Risiko für Thrombosen in den Beinvenen und für Lungenembolien mit der Östrogendosierung steigt. Allerdings kann es bei sehr niedrigem Östrogengehalt eher Zwischenblutungen geben.

Das Risiko für thromboembolische Komplikationen wird aber auch von dem Gestagen mitbestimmt. Internationale Studien haben gezeigt, dass bei Pillen mit Gestoden im Vergleich zu Pillen mit Levonorgestrel etwa doppelt so viele Frauen Beinvenenthrombosen und Lungenembolien erleiden (9 bis 12 von 10 000). Daher werden diese Pillen als "wenig geeignet" beurteilt.

Das Risiko für eine Venenthrombose ist generell im ersten Jahr der Pilleneinnahme und nach einer Anwendungspause von mehr als vier Wochen größer als in der folgenden Zeit. Es steigt zudem mit dem Alter an und ist größer bei Frauen, die rauchen, viel wiegen, Bluthochruck oder Diabetes oder Familienangehörige mit Thrombosen haben.

Anwendung

Die erste Pille nehmen Sie am ersten Tag der Regel ein, der zugleich der erste Tag des neuen Zyklus ist. So sind Sie bereits in diesem Zyklus vor einer Schwangerschaft geschützt. Je nach Präparat schlucken Sie nun 21 oder 28 Tage lang jeden Tag eine Pille. Ob morgens, mittags oder abends, ist gleich. Nur sollten zwischen zwei Pillen immer etwa 24 Stunden liegen. Besonders bei den niedrig dosierten Pillen hängt die Sicherheit wesentlich davon ab, dass Sie sie immer zur selben Zeit einnehmen, damit der Hormonspiegel gleichmäßig hoch bleibt.

Nach drei Wochen folgen sieben pillenfreie Tage. In der pillenfreien Zeit bzw. während der Einnahme der wirkstofffreien Pillen setzt normalerweise die Blutung ein. Sie ist meist schwächer als die gewohnte Regelblutung. Nach den Tagen ohne Hormoneinnahme fangen Sie mit der nächsten Packung an. Auf diese Weise beginnen Sie immer am gleichen Wochentag mit der Pille und Sie bekommen immer am gleichen Tag Ihre Blutung.

Manchmal bleibt die Blutung in der Einnahmepause aus. Trotzdem können Sie die Einnahme wie gewohnt mit der nächsten Packung fortsetzen, sofern es unwahrscheinlich ist, dass Sie schwanger sind. Das ist anzunehmen, wenn Sie im vorigen Zyklus weder eine Tablette vergessen haben, noch Erbrechen oder Durchfall aufgetreten sind oder Sie ein neues Medikament eingenommen haben, das die Wirksamkeit der Pille beeinträchtigen kann. Besteht allerdings die Möglichkeit einer Schwangerschaft, dürfen Sie keine Pille mehr einnehmen und Sie sollten sich an Ärztin oder Arzt wenden.

Bleibt auch die zweite Blutung aus, sollten Sie auf jeden Fall ärztlichen Rat einholen. Es kann sein, dass diese Pillensorte für Sie zu viel Gestagen enthält.

Gelegentlich treten während der ersten Einnahmezyklen der Pille Zwischenblutungen auf. Meist gibt sich das nach einigen Monaten. Erst nach etwa drei Zyklen lässt sich beurteilen, ob eine Pille den individuellen Erfordernissen entspricht oder nicht.

Haben Sie die Pille einmal vergessen einzunehmen, können Sie das innerhalb von zwölf Stunden nachholen, ohne dass die Verhütungssicherheit leidet. Mehr als 36 Stunden dürfen zwischen der Einnahme von zwei wirkstoffhaltigen Pillen aber keinesfalls vergehen. Haben Sie die Einnahme innerhalb dieser Frist versäumt, wird der Empfängnisschutz unsicher. Wie wahrscheinlich eine Schwangerschaft dann ist, hängt auch davon ab, in welcher Einnahmewoche Sie die Pille vergessen haben.

Haben Sie in der ersten Einnahmewoche mehr als 36 Stunden keine Pille eingenommen, müssen Sie in den folgenden sieben Tagen unbedingt ein mechanisches Verhütungsmittel (Kondom, Diaphragma) verwenden, wenn Sie keine Schwangerschaft riskieren wollen. Während dieser Zeit und danach nehmen Sie Ihre Pille wie gewohnt weiter ein, damit Sie in Ihrem gewohnten Blutungsrhythmus bleiben. Hatten Sie an einem der Tage vor dem Einnahmefehler allerdings Sex, ist eine Schwangerschaft nicht mehr sicher auszuschließen. Dann können Sie zusätzlich zur Pille die "Pille danach" einsetzen.

Ereignet sich der Einnahmefehler in der zweiten Woche, ist eine Schwangerschaft relativ unwahrscheinlich, sofern in der Zeit davor kein Einnahmefehler passiert ist. Zusätzliche mechanische Verhütungsmittel sind dann nicht unbedingt erforderlich, können aber Ihr Sicherheitsgefühl erhöhen. Haben Sie die Pille in der dritten Einnahmewoche vergessen, gilt dies ebenso, Sie beginnen aber mit der nächsten Pillenpackung direkt im Anschluss an die vorige. Die sonst meist übliche Einnahmepause von sieben Tagen entfällt also in diesem Fall.

Haben Sie mehr als eine wirkstoffhaltige Pille vergessen einzunehmen, sollten Sie in diesem Zyklus während der restlichen Einnahmezeit zusätzlich Kondome oder ein Diaphragma zur Verhütung verwenden.

Früher gab es die Empfehlung, nach längerer Zeit eine Pillenpause zu machen. Das ist jedoch nicht notwendig. Wer will, kann jahrelang mit der Pille verhüten. Allerdings sollten Sie zusammen mit dem Arzt das Nutzen-Risiko-Verhältnis jedes Jahr neu beurteilen. Ihr Gesundheitszustand verändert sich mit zunehmendem Alter und es haben sich vielleicht Gründe ergeben, die Pille besser nicht mehr zu nehmen.

Setzen Sie die Pille ab, stellt sich der normale Zyklus meist sofort wieder ein. Manchmal dauert es allerdings zwei bis drei Monate, bis wieder regelmäßige Blutungen auftreten. Bis Sie schwanger werden, kann es allerdings etwas länger dauern als bei Frauen, die eine nichthormonelle Verhütungsmethode praktiziert haben. Im Durchschnitt werden Frauen, die die Pille absetzen, um ein Kind zu bekommen, nach sechs Monaten schwanger.

Achtung

Wenn Sie die Pille korrekt einnehmen, sind Sie zu mehr als 99 Prozent vor einer Schwangerschaft geschützt. Doch selbst wenn Sie bei der Einnahme etwas falsch gemacht haben, hat die Pille noch eine Sicherheit von durchschnittlich 97 Prozent.

Folgende Faktoren beeinträchtigen die Sicherheit jeder Pille:

  • Erbrechen. Wenn zwischen Pilleneinnahme und Erbrechen weniger als drei Stunden liegen, müssen Sie innerhalb der nächsten zwölf Stunden die Einnahme wiederholen. Übergeben Sie sich mehrmals, wird der Schutz in diesem Monat unsicher.
  • Durchfall. Wenn Sie mehrmals täglich dünnflüssige Stühle haben, ist nicht sicher, dass die Hormone wirklich aufgenommen werden. Dann sollten Sie für die Zeit bis zur nächsten Regel zusätzlich eine andere Art der Verhütung benutzen.
  • Bestimmte Medikamente. Näheres hierzu lesen Sie unter Wechselwirkungen mit Medikamenten.

Durch das in den Geweben vermehrt eingelagerte Wasser können sich Herz- und Nierenerkrankungen, Epilepsien, Asthma und Migräne verschlimmern. Wenn Sie an einer dieser Erkrankungen leiden, sollte der Arzt Ihren Gesundheitszustand regelmäßig kontrollieren.

Sechs Wochen vor einer geplanten Operation sollten Sie die Pille absetzen. Durch Bewegungsmangel und längeres Liegen steigt das Thromboserisiko.

Manche Frauen, die die Pille über lange Zeit einnehmen, entwickeln Pigmentveränderungen (Chloasma). Sie bekommen vor allem im Gesicht dunkle Flecken, die sich durch Sonnenbestrahlung intensivieren. Diese Pigmentflecken vergehen häufig nicht wieder. Sie können versuchen, den Färbungen vorzubeugen, indem Sie Sonnenschutzmittel auftragen. Genügt das nicht, bleibt Ihnen nur, zu einer anderen Verhütungsmethode zu wechseln.

Gegenanzeigen

Unter folgenden Bedingungen dürfen Sie die Pille nicht oder nur nach sorgfältiger Abwägung von Nutzen und Risiken einnehmen:

  • Sie sind Raucherin. Das gilt ganz besonders für Frauen über 35 Jahre. Frauen im Alter zwischen 25 und 49 Jahren, die bis zu 24 Zigaretten am Tag rauchen und die Pille einnehmen, erleiden fast viermal so oft einen Herzinfarkt wie Frauen, die nicht rauchen und keine Pille einnehmen. Frauen, die mehr als 24 Zigaretten am Tag rauchen, haben ein vierzigmal so großes Risiko.
  • Sie haben deutliches Übergewicht (BMI über 30).
  • Sie haben Vaginalblutungen, deren Ursache nicht geklärt ist.
  • Ihr Blutdruck liegt über 160/95 mmHg.
  • Die Durchblutung Ihrer Beinarterien ist gestört oder Sie dürfen sich – beispielsweise nach einer Operation – nicht bewegen.
  • Sie hatten schon einmal eine Thrombose, einen Schlaganfall oder einen Herzinfarkt. Wenn bei mehreren Familienmitgliedern Derartiges vorgekommen ist, sollten Sie die Gerinnungsfähigkeit Ihres Blutes auf Störungen, besonders auf angeborene, untersuchen lassen. Eventuell verbietet sich dann die Einnahme der Pille.
  • Ihre Blutwerte für Cholesterin und andere Fettstoffe sind stark erhöht, es liegt also eine Fettstoffwechselstörung vor.
  • Die Bildung Ihrer roten Blutkörperchen ist gestört (Sichelzellenanämie).
  • Sie haben eine Lebererkrankung oder eine schwerwiegende Leberfunktionsstörung oder der Abfluss der Galle ist gestört.
  • Ihre Nierenfunktion ist stark eingeschränkt.
  • Sie sind Diabetikerin und die Krankheit hat bereits die Blutgefäße geschädigt. Wenn Sie während einer Schwangerschaft einen Diabetes entwickelt oder ein Kind von mehr als 4 000 Gramm geboren haben. Wenn Sie selbst übergewichtig oder mehrere nahe Verwandte Diabetiker sind, sind das Hinweise, dass Sie selbst einmal Diabetikerin werden können. Verhüten Sie dann mit der Pille, kann es sein, dass der Diabetes zum Ausbruch kommt.
  • Sie leiden unter Migräne und haben während eines Anfalls Sehstörungen oder Lähmungserscheinungen in Armen und Beinen.
  • Sie hatten während einer Schwangerschaft einen lang anhaltenden, juckenden Hautausschlag am ganzen Körper (Herpes gestationis) oder eine Gelbsucht.
  • Sie haben Brust- oder Gebärmutterkrebs.
  • Durch die Hormonanwendung können sich die chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen Morbus Crohn und Colitis ulzerosa verschlimmern.

Wechselwirkungen

Wechselwirkungen mit Medikamenten

Wenn Sie Medikamente einnehmen und mit der Pille verhüten, ist zu beachten:

  • Frauen mit Diabetes müssen eventuell mehr Insulin spritzen oder der Arzt muss die Dosierung der Tabletten, mit denen sie ihren Diabetes behandeln, erhöhen. Frauen mit Diabetes sollten daher sorgfältig ihren Blutzucker kontrollieren.
  • Die Pille kann die Wirkung von blutdrucksenkenden Medikamenten abschwächen. Regelmäßige Kontrollen des Blutdrucks decken das auf.
  • Die Pille kann die Wirkung von Lamotrigin (bei Epilepsien) abschwächen. Dann kann das Risiko für Krampfanfälle steigen. Bei einer kombinierten Anwendung dieser Medikamente muss der Arzt den Blutspiegel von Lamotrigin kontrollieren. Eventuell muss Lamotrigin höher dosiert werden.
  • Durch die Pille kann sich die Wirkung von Ciclosporin (nach Organtransplantationen) verstärken. Wenn Sie Ciclosporin einnehmen und später mit der Pilleneinnahme beginnen, muss der Arzt möglicherweise die Dosis von Ciclosporin verringern.

Unbedingt beachten

Wenn sie Dasabuvir, Ombitasvir oder Paritaprevir (alle bei Hepatitis C) anwenden, dürfen Sie eine Schwangerschaft nicht mit einem Präparat verhüten, das Ethinylestradiol enthält. Das sind die meisten empfängnisverhütenden Pillen und Vaginalringe. Die gleichzeitige Anwendung kann die Leberfunktion beeinträchtigen. Bevor eine Hepatitis-C-Behandlung mit diesen Medikamenten beginnt, sollte zu einem Verhütungsmittel gewechselt werden, das nur ein Gestagen enthält, oder zu einer nichthormonellen Methode.

Nebenwirkungen

Muss beobachtet werden

Im ersten Einnahmemonat klagt bis zu jede zehnte Frau über Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Gewichtszunahme durch Wassereinlagerung in den Geweben und Brustspannen. Diese Beschwerden beruhen auf dem Östrogenanteil der Pille.

Der Gestagenanteil wird für gesteigerten Appetit, Müdigkeit, geringe Lust auf Sex, Akne und Hautveränderungen verantwortlich gemacht. Je nach Präparat entwickelt bis zu einem Drittel der Frauen depressive Verstimmungen.

Wenn eine dieser unerwünschten Wirkungen Sie länger als drei Monate sehr belastet, sollten Sie mit dem Arzt besprechen, ob Sie nicht zu einem Präparat mit niedrigerem Hormongehalt wechseln können. Hinsichtlich der Gewichtszunahme gelten zwei bis drei Kilogramm als normal.

Zwischenblutungen, die in den ersten zehn Tagen auftreten, deuten darauf hin, dass der Östrogenanteil der Pille zu niedrig ist; in der zweiten Einnahmehälfte lassen sie einen zu geringen Gestagenanteil vermuten. Nach längerer Einnahme hören die Blutungen meist von selbst auf. Halten sie jedoch an, müssen Sie mit dem Arzt sprechen.

Sind Sie über längere Zeit abgeschlagen, müde oder wiederholt krank, sollte der Arzt Ihr Blut untersuchen. Die Pille kann zu Blutbildveränderungen führen.

Der Zuckerstoffwechsel kann sich verschlechtern. Sie können darauf durch starken Durst und häufigeres nächtliches Wasserlassen aufmerksam werden. Um festzustellen, ob sich ein Diabetes entwickelt hat, sollten Sie Ihren Blutzuckerspiegel kontrollieren lassen. Frauen mit Diabetes können durch den veränderten Zuckerstoffwechsel unerwartet in eine akute Überzuckerung hineingeraten. Sie sollten dann mit Ihrem Arzt über die Diabetesbehandlung sprechen.

Durch die Pille kann der Blutdruck und das Risiko für Herz-Kreislauf-Ereignisse wie Herzinfarkt und Schlaganfall ansteigen. Haben Sie bereits erhöhten Blutdruck, sollten Sie ihn regelmäßig kontrollieren. Liegen die Werte dauerhaft über 140/90 mmHg, sollten Sie die Pille nicht mehr einnehmen und mit einem Arzt über eine andere Verhütungsmethode beraten.

Durch Wassereinlagerungen im Gewebe können sich Herz- und Nierenerkrankungen, Asthma und Migräne verschlimmern. Das sollten Sie bald einem Arzt mitteilen.

Nach jahrelanger Einnahme der Pille können sich Leber- und Gallenwegserkrankungen einstellen. Bei Schmerzen in der rechten Körperseite und auffallend hellem Stuhl oder ungewöhnlich dunklem Urin sollten Sie einen Arzt aufsuchen.

Wenn sich die Haut verstärkt rötet und juckt, reagieren Sie vermutlich allergisch auf das Mittel. Bei solchen Hauterscheinungen sollten Sie einen Arzt aufsuchen.

Die Pille kann bei Frauen mit Epilepsie die Anfallneigung verstärken.

Depressionen können sich bei Einnahme der Pille verschlimmern. Bei derartigen Veränderungen sollten Sie sich an einen Arzt wenden.

Bei Frauen mit chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen (Colitis ulcerosa, Morbus Crohn) können sich die Krankheitsschübe häufen oder verstärken. Dann sollten Sie mit dem Arzt über eine andere Verhütungsmethode beraten.

Sofort zum Arzt

Zu den schwerwiegenden unerwünschten Wirkungen der Pille gehören Thrombose, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Brustkrebs und Gewebewucherungen in der Leber. Vieles davon spielt für junge Frauen kaum eine Rolle. Ab 30 Jahre nehmen diese Probleme aber an Bedeutung zu; auch die Dauer der Einnahme spielt eine Rolle. So rufen zum Beispiel Veränderungen bei den Blutfetten erst dann Herz-Kreislauf-Erkrankungen hervor, wenn sie längere Zeit bestehen.

Die Pille erhöht das Risiko für Thrombosen. Sie treten vor allem im ersten Anwendungsjahr auf. Hierbei bildet sich in den Venen ein Blutpfropf (Thrombus). Das Gerinnsel verstopft entweder den Blutweg oder es wird mit dem Blutstrom aus der Vene zum Herzen und von dort zur Lunge fortgetragen, bis es in einem Lungengefäß stecken bleibt und zu einer lebensbedrohlichen Lungenembolie führt.

Sehr selten kann sich eine Thrombose im Gehirn entwickeln. Diese kann sich durch plötzliche ungewöhnlich starke Kopfschmerzen, Krampfanfälle und Bewusstseinsstörungen bemerkbar machen.

Auch ein Herzinfarkt kann auftreten. Das Risiko dafür ist besonders bei Raucherinnen erhöht.

Das Schlaganfallrisiko erhöht sich durch die Pilleneinnahme bei Frauen unter 30 Jahren kaum. Anders ist es bei Frauen, die älter sind als 35 Jahre, rauchen, unter Migräne leiden oder hohen Blutdruck haben und schon lange die Pille einnehmen. Laut einer WHO-Studie von 1996 dürften in Europa etwa 13 von 100 Schlaganfallereignissen bei Frauen zwischen 20 und 44 Jahren auf die Pille zurückzuführen sein.

Die Diskussionen um das Brustkrebsrisiko der Pille sind immer noch nicht entschieden. Eine Auswertung von 54 Studien ergab, dass während der Einnahme der Pille ein etwas erhöhtes Risiko besteht. Es verringert sich im Laufe der Zeit kontinuierlich und gleicht sich zehn Jahre nach dem Ende der Pilleneinnahme dem von Frauen an, die keine Pille eingenommen haben. Die Risikoerhöhung besteht vor allem bei Frauen, die mit der Pilleneinnahme begannen, bevor sie 20 waren. Demgegenüber schützt die langjährige Einnahme der Pille, vor allem solcher mit hohem Gestagenanteil, vor gutartigen Brusterkrankungen sowie vor Eierstock- und Gebärmutterschleimhautkrebs.

Eine 2014 in der Fachzeitschrift "British Medical Journal" erschienene Untersuchung, die die Auswirkungen der Pille auf verschiedene Gewebe und die Lebenserwartung untersuchte, bestätigt dies noch einmal. Danach senkt die Pille die Sterblichkeit durch Eierstockkrebs – erhöht aber die durch Brustkrebs. Beruhigend: Laut der Untersuchung, die einen Zeitraum von 36 Jahren umfasst, hat die Pille insgesamt aber keinen Einfluss die Sterblichkeit.

Bei 3 bis 4 von 100 000 Frauen, die mit der Pille verhüten, treten gutartige Gewebewucherungen in der Leber auf, noch seltener sind bösartige Veränderungen. Vereinzelt hat sich daraus eine lebensbedrohliche Blutung in die Bauchhöhle entwickelt.

Wenn sich zusätzlich zu einer Hautrötung Atemnot, Schwindel und Herzrasen einstellen, im Gesicht- und Halsbereich Schwellungen (Angioödem) auftreten oder sich auf der Haut großflächig Blasen bilden, die sich ablösen, sollten Sie sofort den Notarzt (Telefon 112) rufen. Es kann sich um eine lebensgefährliche Allergie handeln.

Bemerken Sie eine der folgenden Beschwerden, sollten Sie die Pille sofort absetzen und sich mit einem Arzt in Verbindung setzen:

  • Sie bekommen migräneartige Kopfschmerzen – zum ersten Mal oder ungewohnt stark.
  • Sie sehen Doppelbilder, es flimmert vor den Augen, starker Schwindel setzt ein oder Sie können plötzlich nicht mehr hören.
  • Sie spüren stechende Schmerzen im Brustkorb, verbunden mit plötzlichem Husten und Atemnot.
  • Es treten sehr starke Schmerzen im Brustraum auf, die gelegentlich in die linke Schulter ausstrahlen oder wie starkes Sodbrennen erscheinen.
  • Es treten Lähmungen auf.
  • Schmerzen in der Leistenbeuge und Kniekehle, zusammen mit einem Schwere- und Stauungsgefühl in den Beinen.
  • Sie bekommen einen stark juckenden Nesselausschlag am ganzen Körper. Es kann auch sein, dass der Juckreiz mit einer Gelbsucht verbunden ist.
  • Sie haben extrem starke Schmerzen im Oberbauch.

Besondere Hinweise

Für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren

Auch für Mädchen unter 14 Jahren ist die Pille geeignet, wenn sie eine sichere Verhütung brauchen.

Bei Kinderwunsch

Frauen, die das Verhütungsmittel absetzen, um schwanger zu werden, sollten ein Präparat mit dem Vitamin Folsäure einnehmen. Es kann sein, dass das Blut durch die Einnahme der Pille wenig Folsäure enthält. Bei einer ungenügenden Versorgung mit diesem Vitamin treten aber beim sich entwickelnden Kind bestimmte Fehlbildungen häufiger auf. Die Folsäureeinnahme noch vor Eintritt einer Schwangerschaft soll diesen Fehlbildungen vorbeugen.

Zur Empfängnisverhütung

Die folgenden Medikamente können, wenn sie in derselben Zeit wie die Pille eingenommen werden, deren Verhütungssicherheit beeinträchtigen. Ist diese Kombination nur kurzzeitig notwendig, sollten Sie während der Behandlung und ein bis zwei Monate danach auf nichthormonelle Verhütungsmethoden ausweichen, um keine unerwünschte Schwangerschaft zu riskieren.

Müssen Sie die Medikamente über lange Zeit einnehmen, sollten Sie mit dem Arzt besprechen, ob Sie auf hormonhaltige Verhütungsmittel mit mehr als 30 Mikrogramm (μg) Östrogen umstellen können.

Antibiotika, Nitrofurantoin und Sulfonamide (bei bakteriellen Infektionen) können die Darmflora beeinträchtigen. Dann werden die Hormone nicht mehr zuverlässig aufgenommen. Auch wenn Sie Kohlepräparate einnehmen, um einen Durchfall zu stoppen, gelangen die Hormone nicht komplett ins Blut.

Rifampicin und Rifabutin (bei Tuberkulose), Carbamazepin, Phenobarbital, Primidon und Phenytoin (bei Epilepsien), Modafinil (bei krankhaften Schlafattacken, Narkolepsie) und möglicherweise Griseofulvin (innerlich bei Pilzinfektionen) beschleunigen den Hormonabbau durch die Leber. Bis zu vier Wochen nach der letzten Einnahme kann das die Wirkung der Pille beeinträchtigen.

Johanniskrautextrakt (bei Depressionen) kann, vor allem bei Einnahme über lange Zeit, die Wirkung der Hormone in der Pille vermindern. Ein Zeichen für die verringerte Hormonwirkung können Zwischenblutungen sein.

Auch Medikamente bei HIV-Infektion (z. B. Nelfinavir, Ritonavir) können die Sicherheit hormoneller Empfängnisverhütungsmittel beeinträchtigen. Für HIV-positive Frauen empfehlen sich daher eher nichthormonelle Maßnahmen. Bei der Wahl der Methode sollte die Frau bedenken, dass nur Kondome davor schützen können, die HIV-Infektion beim Sex an den Partner weiterzugeben.

Für Schwangerschaft und Stillzeit

Haben Sie in den ersten Wochen einer unbemerkten Schwangerschaft die Pille genommen, braucht Sie das nicht zu beunruhigen. Dauerte die Einnahme jedoch länger als zwei Monate nach Ausbleiben der Regel, sollten Sie das Mittel absetzen und das weitere Vorgehen mit dem Arzt besprechen.

Während der Stillzeit kann das Östrogen der Pille die Milchproduktion verringern und möglicherweise die Zusammensetzung der Muttermilch verändern. Darum sollten Sie während der Stillzeit anderen Verhütungsmethoden den Vorzug geben. Möglich sind beispielsweise Barrieremethoden wie Diaphragma und Kondom und die Einnahme der Minipille. Sechs bis acht Wochen nach der Geburt können Sie sich auch eine Spirale legen lassen.

Beim Tragen von Kontaktlinsen

Die Hormone der Pille können die Zusammensetzung der Tränenflüssigkeit verändern. Dann sitzen Kontaktlinsen oft schlechter und werden schlechter vertragen.

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Anwendungsgebiete dieses Wirkstoffs

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