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Hormone: Estradiol + Norethisteron (Kombination)

Wirkungsweise

Gemeinsam werden das Östrogen Estradiol und das Gestagen Norethisteron bei Wechseljahresbeschwerden eingesetzt. Sie sind zur Anwendung für begrenzte Zeit gedacht. Beurteilt wird die Kombination insbesondere im Hinblick auf ihr Risiko für Beinvenenthrombosen und Lungenembolien.

Dieses Risiko hängt zum einen vom Östrogenanteil ab. Dessen Dosierung sollte zwei Milligramm Estradiol nicht überschreiten. Eine höhere Östrogendosis ist allenfalls angebracht, wenn sich sehr starke Beschwerden mit einem geringer dosierten Mittel nicht bessern. Generell sollte die Östrogendosis so niedrig wie möglich gewählt werden.

Doch auch ein zweiter Faktor, das jeweils eingesetzte Gestagen, trägt zum Thromboembolierisiko bei. Bei Norethisteron wird es als gering eingestuft. Der Wirkstoff ist außerdem schon lange in Gebrauch – vor allem in Empfängnisverhütungsmitteln –, die Nebenwirkungen gut bekannt und die Ergebnisse entsprechender Studien rechtfertigen eine positive Bewertung.

Diese Kombinationspräparate werden als "geeignet" bewertet, wenn belastende Wechseljahresbeschwerden über ein bis zwei Jahre behandelt werden sollen.

"Wenig geeignet" sind sie allerdings für Frauen, deren Gebärmutter entfernt wurde, denn für sie ist der Gestagenzusatz nicht notwendig. "Wenig geeignet" sind sie auch für eine Behandlung, die länger als zwei Jahre dauert. Näheres hierzu lesen Sie unter Behandlung mit Medikamenten.

Je nachdem, ob alle Tabletten des Präparats Estradiol und Norethisteron gemeinsam enthalten oder ob die beiden Hormone unterschiedlich auf die Tabletten verteilt sind, werden die Produkte als Ein-, Zwei- oder Dreiphasenpräparate bezeichnet.

  • Einphasenpräparate: Alle Tabletten enthalten Östrogen und Gestagen in festgelegter Kombination. Ein solches Mittel verwenden Sie kontinuierlich jeden Tag. Regelmäßige Blutungen gibt es dann nicht mehr, bei den meisten Frauen bleibt mit der Zeit die Blutung ganz aus. Allerdings können Sie, besonders zu Beginn der Behandlung, zwischendurch leicht bluten.
  • Zweiphasenpräparate. Sie enthalten mindestens elf Tabletten mit Östrogen und mindestens zehn Tabletten mit Östrogen und Gestagen. Bei diesem Einnahmeschema nehmen Sie das Gestagen nur in der zweiten Phase ein.
  • Dreiphasenpräparate. Mit einem solchen Präparat nehmen Sie zunächst Tabletten nur mit Östrogen ein, dann solche mit Östrogen und Gestagen zusammen, dann wieder einige Tabletten nur mit Östrogen.

Produkte, die mindestens 10 bis 14 Tabletten mit Gestagen enthalten, gelten als besonders günstig, nachdem sich herausgestellt hat, dass das durch die Östrogenbehandlung erhöhte Risiko für Gebärmutterschleimhautkrebs umso geringer ist, je länger zusätzlich ein Gestagen angewendet wird.

Zwei- und Dreiphasenpräparate sind besonders geeignet für Frauen, deren Wechseljahre gerade erst beginnen. Da ihre Gebärmutterschleimhaut auf Östrogen noch relativ stark reagiert, sind die regelmäßigen Abbruchblutungen für sie besonders wichtig.

Einphasenpräparate eignen sich demgegenüber besonders für Frauen, die schon längere Zeit keine Blutungen mehr hatten und bei denen Kontrolluntersuchungen ergeben haben, dass sich ihre Gebärmutterschleimhaut nur noch geringfügig aufbaut. Nehmen Frauen, die gerade in die Wechseljahre kommen, diese Produkte, können sie vermehrt Zwischenblutungen bekommen.

Pflaster

Neben der Einnahme von Tabletten stehen auch transdermale Arzneimittelpflaster mit dieser Hormonkombination zur Verfügung. Die Behandlung mit diesen Pflastern entspricht der kontinuierlichen Einnahme eines Einphasenpräparates. Allerdings können die Hormone bei der Anwendung als Pflaster geringer dosiert werden als in den Mitteln zum Einnehmen. Ob dies aber auch zu weniger unerwünschten Wirkungen führt ist, unklar. Bisher ist jedenfalls durch klinische Studien nicht belegt, dass bei der Anwendung der Hormone als Pflaster kein erhöhtes Risiko für Herzinfarkt, Schlaganfall oder Krebserkrankungen besteht, wie es für die Hormonanwendung sonst bekannt ist. Daher erhalten diese Pflaster dieselben Bewertungen wie Mittel zum Einnehmen.

Osteoporosebehandlung

Osteoporose

Mit einer Kombination aus Östrogen und Gestagen wurde eine große Studie durchgeführt, bei der sich zeigte, dass bei Langzeiteinnahme – und eine solche ist zur Vorbeugung osteoporosebedingter Knochenbrüche notwendig – die Zahl der Frauen, bei denen Herz-Kreislauf-Erkrankungen (z. B. Herzinfarkt und Schlaganfall), Gallenwegserkrankungen und Brustkrebs auftreten, größer ist als die Zahl derer, die mit einer Osteoporosevorbeugung Knochenbrüche vermeiden. Zudem weisen einige Studien darauf hin, dass durch eine dauerhafte Einnahme der Hormonkombination das Risiko für Eierstockkrebs ansteigen kann. Dass bei dieser Behandlung einige Frauen weniger an Dickdarmkrebs erkranken, wiegt den Nachteil der Behandlung nicht auf.

Aus diesem Grund wird die Kombination aus Östrogen und Gestagen als "wenig geeignet" bewertet, um einer Osteoporose vorzubeugen oder sie zu behandeln. Allenfalls Frauen, die ein hohes Risiko für Osteoporose haben und geeignete Mittel nicht anwenden dürfen oder nicht vertragen, können nach sorgfältiger individueller Prüfung die Anwendung erwägen.

Anwendung

Die Tabletten nehmen Sie in der Reihenfolge ein, wie sie durch die Packung vorgegeben ist.

Von Zeit zu Zeit ist es sinnvoll, die Dosierung des Mittels, egal ob als Mittel zum Einnehmen oder als Pflaster, nach Rücksprache mit dem Arzt schrittweise zu verringern und es dann ganz wegzulassen, um zu prüfen, ob der Körper bereits wieder zu einem Gleichgewicht zurückgefunden hat. Wird das Mittel abrupt abgesetzt, können die alten Beschwerden erneut heftig auftreten. Dem können Sie begegnen, indem Sie viel trinken, Ihre körperliche Aktivität steigern, Yoga oder Meditation praktizieren, sich Kühlung verschaffen und Ihren Kontakt zu anderen Menschen verstärken.

Pflaster

Estramon conti-Pflaster wird alle drei bis vier Tage gewechselt (zweimal wöchentlich).

Näheres zur korrekten Anwendung von Pflastern lesen Sie unter Arzneipflaster richtig anwenden. Das Pflaster darf nicht auf die Brüste oder in ihrer unmittelbaren Nähe aufgeklebt werden.

Die Pflaster tragen Sie vier Wochen lang. Insbesondere zu Behandlungsbeginn kann es noch zu leichten Blutungen kommen. Nach etwa drei Monaten Behandlung bleibt die Regel dann üblicherweise aus.

Achtung

Manche Frauen, die diese Mittel über lange Zeit einnehmen, entwickeln Pigmentveränderungen (Chloasma). Sie bekommen vor allem im Gesicht dunkle Flecken, die sich durch Sonnenbestrahlung intensivieren. Diese Pigmentflecken vergehen häufig nicht wieder. Sie können versuchen, den Färbungen vorzubeugen, indem Sie das Mittel abends einnehmen und tagsüber Sonnenschutzmittel auftragen.

Aufgrund des Östrogenanteils sollten Sie die Mittel sechs Wochen vor einer geplanten Operation, nach der Sie längere Zeit liegen müssen, absetzen. Durch Bewegungsmangel und längeres Liegen steigt das Thromboserisiko.

Gegenanzeigen

Wann Sie die Mittel nicht anwenden dürfen, lesen Sie unter Estradiol und unter Progesteron.

Wechselwirkungen

Wechselwirkungen mit Medikamenten

Was bei der gleichzeitigen Behandlung mit diesen und anderen Medikamenten zu beachten ist, lesen Sie unter Estradiol und unter Progesteron.

Nebenwirkungen

Es gelten die Angaben zu Estradiol und Progesteron.

In einem Pflaster sind die Hormone niedriger dosiert als bei Mitteln zum Einnehmen. Es ist aber noch nicht nachgewiesen, dass dadurch weniger unerwünschte Wirkungen auftreten.

Darüber hinaus gilt:

Keine Maßnahmen erforderlich

Wenden Sie die Hormone als Pflaster an, gilt:

Bei etwa 20 von 100 Frauen rötet sich die Haut unter dem Pflaster oder sie juckt. Das vergeht in der Regel innerhalb von zwei bis drei Tagen, nachdem das Pflaster entfernt wurde. Bessern sich die Hautsymptome nicht, sollten Sie das mit einem Arzt besprechen.

Bis zu ein Drittel der Frauen hat im ersten Behandlungsjahr noch unregelmäßige Blutungen. Behalten sie die Pflasteranwendung bei, werden diese seltener. Wenn Sie derartige Blutungen nicht mehr akzeptieren mögen, sollten Sie mit dem Arzt über eine andere Möglichkeit der Behandlung Ihrer Wechseljahresbeschwerden sprechen.

Muss beobachtet werden

Dem erhöhten Brustkrebsrisiko versucht man zu begegnen, indem man den Frauen rät, ihre Brust regelmäßig selbst abzutasten, sich zweimal jährlich untersuchen und – insbesondere im Alter zwischen 50 und 69 Jahren – alle zwei Jahre eine Mammografie machen zu lassen. Die Gefahr, einen Tumor erst recht spät zu entdecken, bleibt dennoch groß, weil das Brustgewebe durch die Östrogeneinnahme "dicht" bleibt wie vor den Wechseljahren. Kleine Knoten sind dann schlecht zu tasten, und Krebsherde sind in der Röntgenaufnahme einer solchen Brust schwieriger zu finden. In dieser Situation kann eine zusätzliche Ultraschalluntersuchung das Risiko verringern, einen Krebsherd im dichten Brustgewebe zu übersehen.

Der Verdacht, dass die Östrogenanwendung – egal, ob mit oder ohne Gestagenzusatz – das Risiko für Eierstockkrebs erhöht, bestand schon länger. Nun hat eine Untersuchung, die 2009 veröffentlicht wurde, dieses bestätigt. Durch Symptome wird man auf Eierstockkrebs erst sehr spät aufmerksam. Deshalb sollten Frauen, die Wechseljahrshormone einnehmen, während der Behandlung und in den ersten Jahren danach gezielt auf Veränderungen an den Eierstöcken untersucht werden, zum Beispiel mit einer Ultraschalluntersuchung durch die Scheide.

Das Risiko, dass sich in der Galle Steine bilden oder sich Entzündungen entwickeln, ist bei einer Hormonbehandlung erhöht. Von 10 000 Frauen, die ein Jahr lang Östrogen und Gestagen kombiniert anwenden, bekommen 55 durch die Behandlung eine Gallenblasenerkrankung.

Bei Pflastern kann sich in Einzelfällen eine schmerzhafte Hautentzündung mit oder ohne Blasen entwickeln.

Sofort zum Arzt

Besonders im ersten Behandlungsjahr ist das Risiko für Thrombosen in den Beinvenen und Lungenembolien doppelt so hoch wie bei Frauen, die keine Hormone einnehmen. Nähere Angaben zum Thromboserisiko für Frauen, die Östrogen kombiniert mit einem Gestagen einnehmen müssen, finden Sie unter Behandlung mit Medikamenten.

Besondere Hinweise

Zur Empfängnisverhütung

Diese Hormonkombination wirkt nicht empfängnisverhütend. Frauen, die noch schwanger werden können, müssen während der Behandlung eine nichthormonelle Verhütungsmethode, z. B. Kondome, Diaphragma oder spermientötende Mittel, anwenden.

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Anwendungsgebiete dieses Wirkstoffs
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