Medikamente im Test

Hormone: Estradiol + Dienogest (Kombination)

Wirkungsweise

Die Kombination enthält das Östrogen Estradiolvalerat und das Gestagen Dienogest.

Empfängnis­verhütung

Das Präparat wirkt empfängnisverhütend und wird als Pille eingesetzt. Darüber hinaus ist Qlaira zur Behandlung von starken Menstruationsblutungen zugelassen. Qlaira ist ein Vierstufenpräparat. Das bedeutet, dass der Östrogen- und Gestagenanteil in verschiedenen festgelegten Schritten variiert. Die Wirkung des Mittels beruht auf der Kombination der beiden Hormone.

Die Östrogenwirkung des in Qlaira verwendeten Estradiolvalerats ist schwächer als die von Ethinylestradiol, das in empfängnisverhütenden Pillen sonst eingesetzt wird. Daher muss das Östrogen in Qlaira höher dosiert werden, um eine ausreichend hemmende Wirkung auf die Hirnanhangdrüse zu erreichen und damit eine sichere empfängnisverhütende Wirkung zu entfalten. Für das enthaltene Gestagen Dienogest liegen seit Ende 2018 Hinweise vor, dass mit ihm das Risiko für Thrombosen in den Beinvenen und Lungenembolien ansteigt. Daher wird das Mittel als wenig geeignet bewertet.

Eine Untersuchung hat gezeigt, dass die Verhütungssicherheit dieser Pille der von Einphasenpräparaten entspricht. Das setzt aber voraus, dass die Einnahmeempfehlungen des Herstellers genau eingehalten werden. Bei Abweichungen kann die Verhütungssicherheit geringer sein. Näheres hierzu und worauf die empfängnisverhütende Wirkung beruht, lesen Sie unter Ethinylestradiol + Levonorgestrel.

Prämenstruelles Syndrom, Zyklusstörungen und -beschwerden

Die Wirksamkeit von Qlaira bei starken Menstruationsblutungen beruht wahrscheinlich im Wesentlichen auf dem Gestagen. Studien haben gezeigt, dass das Mittel die Blutungen deutlich besser beeinflusst als eine Scheinbehandlung.

Für das enthaltende Gestagen Dienogest liegen aber Hinweise vor, dass es in Kombination mit Östrogen das Risiko für Thrombosen in den Beinvenen und Lungenembolien ansteigen lässt. Qlaira gilt daher als wenig geeignet, um starke Menstruationsblutungen zu verbessern.

Besser geeignete Alternativen bei starken Blutungen können Pillen mit niedriger Östrogendosis (20 Mikrogramm) und Levonorgestrel als Gestagen sein oder eine Spirale, die das Gestagen Levonorgestrel abgibt. Diese Mittel werden seit Langem verwendet und haben sich als sicher erwiesen.

Beschwerden in den Wechseljahren

Die Einnahme des Mittels soll helfen, Wechseljahresbeschwerden zu lindern. Das Mittel ist zur Einnahme für begrenzte Zeit von maximal ein bis zwei Jahren gedacht. Beurteilt wird es insbesondere im Hinblick auf das Risiko für Beinvenenthrombosen und Lungenembolien.

Dieses Risiko hängt zum einen vom Östrogenanteil ab. Dessen Dosierung sollte zwei Milligramm Estradiol nicht überschreiten.

Doch auch ein zweiter Faktor, das eingesetzte Gestagen, trägt zum Thromboembolierisiko bei. Für Dienogest liegen Hinweise vor, dass es – bei kombinierter Einnahme mit einem Östrogen – im Vergleich zu einem anderen Gestagen (Levonorgestrel) das Risiko für Thrombosen in den Beinvenen und Lungenembolien erhöht. Daher wird die Kombinatio für eine Behandlung von Wechseljahresbeschwerden als "wenig geeignet" beurteilt. Näheres hierzu lesen Sie unter Behandlung mit Medikamenten.

Lafamme ist ein Einphasenpräparat, das heißt, alle Tabletten enthalten Östrogen und Gestagen in festgelegter Kombination. Einphasenpräparate eignen sich besonders für Frauen, die schon längere Zeit keine Blutungen mehr hatten und bei denen Kontrolluntersuchungen ergeben haben, dass sich ihre Gebärmutterschleimhaut nur noch geringfügig aufbaut. Das Mittel verwenden sie kontinuierlich jeden Tag. Regelmäßige Blutungen gibt es dann nicht mehr, bei den meisten Frauen bleibt mit der Zeit die Blutung ganz aus. Nehmen Frauen, die gerade in die Wechseljahre kommen, diese Produkte, können sie allerdings vermehrt Zwischenblutungen bekommen.

Anwendung

Empfängnis­verhütung und Prämenstruelles Syndrom, Zyklusstörungen und -beschwerden

Die Tabletten müssen unbedingt in der vorgegebenen Reihenfolge eingenommen werden. Das ist nicht nur für die Verhütungssicherheit wichtig, sondern auch bei der Behandlung von Zyklusstörungen.

Die erste Pille nehmen Sie am ersten Tag der Regel ein, der zugleich der erste Tag des neuen Zyklus ist. So sind Sie bereits in diesem Zyklus vor einer Schwangerschaft geschützt. Nun schlucken Sie 28 Tage lang jeden Tag eine Pille in der vorgegebenen Reihenfolge. Mit der Einnahme aus der nächsten Packung beginnen Sie ohne Unterbrechung sofort, nachdem die vorherige Packung aufgebraucht ist.

Üblicherweise setzt während der Einnahme der letzten Tablette die Regel ein. Manchmal beginnt sie auch erst, wenn bereits die ersten Tabletten der neuen Packung eingenommen werden. Meist ist die Blutung schwächer als gewohnt. Bleibt die Blutung einmal aus, setzen Sie die Einnahme trotzdem wie gewohnt fort. Bleibt auch die nächste Blutung aus, sollten Sie einen Schwangerschaftstest durchführen. Ist dieser positiv, sollten Sie keine weitere Tablette mehr einnehmen und sich an einen Arzt wenden.

Zwischen der Einnahme der Tabletten sollen möglichst genau 24 Stunden liegen. Haben Sie einmal vergessen, eine der farbigen Tabletten einzunehmen, sollten Sie das innerhalb von zwölf Stunden nachholen und die nächste Tablette wie gewohnt einnehmen. Haben Sie diesen Zeitpunkt verpasst oder sogar mehr als eine Tablette vergessen einzunehmen, wird der Empfängnisschutz unsicher. Dann sollten Sie während des restlichen Zyklus zusätzlich mit Kondom oder Diaphragma verhüten, um keine ungewollte Schwangerschaft zu riskieren. Die restlichen Tabletten nehmen Sie dennoch wie gewohnt weiter ein, damit Sie in Ihrem gewohnten Blutungsrhythmus bleiben.

Betrifft der Einnahmefehler eine weiße Tablette, brauchen Sie die Einnahme nicht nachzuholen, weil diese beiden Tabletten keinen Wirkstoff enthalten. Sie lassen die vergessene Tablette einfach aus und fahren wie gewohnt mit der Einnahme fort.

Beschwerden in den Wechseljahren

Die Tabletten nehmen Sie in der Reihenfolge ein, wie sie durch die Packung vorgegeben ist.

Von Zeit zu Zeit ist es sinnvoll, die Dosierung des Mittels nach Rücksprache mit dem Arzt schrittweise zu verringern und es dann ganz wegzulassen, um zu prüfen, ob der Körper bereits wieder zu einem Gleichgewicht zurückgefunden hat. Wird das Mittel abrupt abgesetzt, können die alten Beschwerden erneut heftig auftreten. Dem können Sie begegnen, indem Sie viel trinken, Ihre körperliche Aktivität steigern, Yoga oder Meditation praktizieren, sich Kühlung verschaffen und Ihren Kontakt zu anderen Menschen verstärken.

Achtung

Manche Frauen, die diese Mittel über lange Zeit einnehmen, entwickeln Pigmentveränderungen (Chloasma). Sie bekommen vor allem im Gesicht dunkle Flecken, die sich durch Sonnenbestrahlung intensivieren. Diese Pigmentflecken vergehen häufig nicht wieder. Sie können versuchen, den Färbungen vorzubeugen, indem Sie das Mittel abends einnehmen und tagsüber Sonnenschutzmittel auftragen.

Aufgrund des Östrogenanteils sollten Sie die Mittel vier Wochen vor einer geplanten Operation, nach der Sie längere Zeit liegen müssen, absetzen. Durch Bewegungsmangel und längeres Liegen steigt das Thromboserisiko.

Empfängnis­verhütung

Wenn Sie die Pille korrekt einnehmen, sind Sie zu mehr als 99 Prozent vor einer Schwangerschaft geschützt. Doch selbst wenn Sie bei der Einnahme etwas falsch gemacht haben, hat die Pille noch eine Sicherheit von durchschnittlich 97 Prozent.

Folgende Faktoren beeinträchtigen die Sicherheit jeder Pille:

  • Erbrechen. Wenn zwischen Pilleneinnahme und Erbrechen weniger als drei Stunden liegen, müssen Sie innerhalb der nächsten zwölf Stunden die Einnahme wiederholen. Übergeben Sie sich mehrmals, wird der Schutz in diesem Monat unsicher.
  • Durchfall. Wenn Sie mehrmals täglich dünnflüssige Stühle haben, ist nicht sicher, dass die Hormone wirklich aufgenommen werden. Dann sollten Sie für die Zeit bis zur nächsten Regel zusätzlich eine andere Art der Verhütung benutzen.
  • Bestimmte Medikamente. Näheres hierzu lesen Sie unter Wechselwirkungen bei Ethinylestradiol + Dienogest (Kombination).

Durch das in den Geweben vermehrt eingelagerte Wasser können sich Herz- und Nierenerkrankungen, Epilepsien, Asthma und Migräne verschlimmern. Wenn Sie an einer dieser Erkrankungen leiden, sollte der Arzt Ihren Gesundheitszustand regelmäßig kontrollieren.

Gegenanzeigen

Wann Sie die Mittel nicht anwenden dürfen, lesen Sie unter Ethinylestradiol + Dienogest zum Einnehmen.

Wechselwirkungen

Wechselwirkungen mit Medikamenten

Was bei der Einnahme anderer Medikamente zu beachten ist, lesen Sie unter Ethinylestradiol + Dienogest zum Einnehmen.

Beschwerden in den Wechseljahren

Die gelisteten Medikamente, die bei gemeinsamer Anwendung mit einem hormonhaltigen Verhütungsmittel dessen Verhütungssicherheit beeinträchtigen, können auch die Wirksamkeit dieser Hormone bei Wechseljahrsbeschwerden abschwächen. Nehmen Sie die Mittel gleichzeitig ein, können unter Umstände Wechseljahrsbeschwerden wieder vermehrt auftreten. Sprechen Sie dann mit Ihrem Arzt, ob Sie die Hormone höher dosieren müssen.

Nebenwirkungen

Empfängnis­verhütung und Prämenstruelles Syndrom, Zyklusstörungen und -beschwerden

Welche unerwünschten Wirkungen durch die Vierphasenpille grundsätzlich auftreten können, lesen sie unter Ethinylestradiol + Dienogest. Darüber hinaus beachten Sie:

Die schweren unerwünschten Wirkungen, die unter Sofort zum Arzt aufgeführt werden, sind überwiegend bei Pillen aufgefallen, die Ethinylestradiol als Östrogenkomponente enthalten. Es ist nicht bekannt, inwieweit sie auch für Estradiol gelten. Allerdings können vergleichbare Probleme nicht ausgeschlossen werden.

Ergänzend zu den Angaben bei den Einphasenpräparaten können durch die Einnahme von Qlaira bei bis zu 15 von 100 Frauen die Regelblutung ausbleiben, ohne dass die Frauen schwanger sind. Es kann sogar sein, dass die Blutungen erst dann wieder einsetzen, wenn die Frauen diese Pillensorte nicht mehr einnehmen.

Beschwerden in den Wechseljahren

Es gelten die Angaben zu Estradiol und Dienogest. Darüber hinaus gilt:

Muss beobachtet werden

Beschwerden in den Wechseljahren

Darüber, wie sich die Anwendung von Östrogenpräparaten in den Wechseljahren auf das Brustkrebsrisiko auswirkt, liegen Zahlen aus den USA vor. Dort werden aber teilweise anders zusammengesetzte Präparate eingesetzt als in Deutschland. Für Frauen in Deutschland gibt es zu dieser Frage noch keine verlässlichen Zahlen. In einer im Jahr 2002 vorzeitig abgebrochenen großen amerikanischen Studie, in der Frauen mit Gebärmutter nach den Wechseljahren mit einer Kombination aus Östrogen und Gestagen behandelt wurden, war das Brustkrebsrisiko erhöht. Nähere Angaben zum Brustkrebsrisiko für Frauen, die Östrogen kombiniert mit einem Gestagen einnehmen müssen, finden Sie unter Behandlung mit Medikamenten.

Dem erhöhten Brustkrebsrisiko versucht man zu begegnen, indem man den Frauen rät, ihre Brust regelmäßig selbst abzutasten, sich zweimal jährlich untersuchen und – insbesondere im Alter zwischen 50 und 69 Jahren – alle zwei Jahre eine Mammografie machen zu lassen. Die Gefahr, einen Tumor erst recht spät zu entdecken, bleibt dennoch groß, weil das Brustgewebe durch die Östrogeneinnahme "dicht" bleibt wie vor den Wechseljahren. Kleine Knoten sind dann schlecht zu tasten und Krebsherde sind in der Röntgenaufnahme einer solchen Brust schwieriger zu finden. In dieser Situation kann eine zusätzliche Ultraschalluntersuchung das Risiko verringern, einen Krebsherd im dichten Brustgewebe zu übersehen.

Der Verdacht, dass die Östrogenanwendung – egal, ob mit oder ohne Gestagenzusatz – das Risiko für Eierstockkrebs erhöht, bestand schon länger. Nun hat eine Untersuchung, die 2009 veröffentlicht wurde, dieses bestätigt. Durch Symptome wird man auf Eierstockkrebs erst sehr spät aufmerksam. Deshalb sollten Frauen, die Wechseljahrshormone einnehmen, während der Behandlung und in den ersten Jahren danach gezielt auf Veränderungen an den Eierstöcken untersucht werden, z. B. mit einer Ultraschalluntersuchung durch die Scheide.

Das Risiko, dass sich in der Galle Steine bilden oder sich Entzündungen entwickeln, ist bei einer Hormonbehandlung erhöht. Von 10 000 Frauen, die ein Jahr lang Östrogen und Gestagen kombiniert anwenden, bekommen 55 durch die Behandlung eine Gallenblasenerkrankung.

Sofort zum Arzt

Beschwerden in den Wechseljahren

Migräneartige Kopfschmerzen, die zum ersten Mal auftreten oder ungewöhnlich stark sind, Sehstörungen oder Flimmern vor den Augen und Hörschwäche, Schmerzen in der Leistenbeuge oder Kniekehle, zusammen mit einem Schwere- oder Stauungsgefühl in den Beinen deuten auf eine Thrombose hin. Bei diesen Beschwerden sollten Sie sofort zum Arzt gehen.

Besonders im ersten Einnahmejahr ist das Risiko für Thrombosen in den Beinvenen und Lungenembolien doppelt so hoch wie bei Frauen, die keine Hormone einnehmen. Nähere Angaben zum Thromboserisiko für Frauen, die Östrogen kombiniert mit einem Gestagen einnehmen müssen, finden Sie unter Behandlung mit Medikamenten.

Besondere Hinweise

Zur Empfängnisverhütung

Empfängnis­verhütung und Prämenstruelles Syndrom, Zyklusstörungen und -beschwerden

Beachten Sie die Wechselwirkungen bei diesen Mitteln, da einige Medikamenten, die Verhütungssicherheit der Pille beeinträchtigen können.

Beschwerden in den Wechseljahren

Die Hormonkombination wirkt in dieser Dosierung nicht empfängnisverhütend. Frauen, die noch schwanger werden können, müssen während der Behandlung eine nichthormonelle Verhütungsmethode, z. B. Kondome, Diaphragma oder spermientötende Mittel, anwenden.

Für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren

Empfängnis­verhütung und Prämenstruelles Syndrom, Zyklusstörungen und -beschwerden

Diese Pillensorte sollten Mädchen und Frauen unter 18 Jahren nicht einnehmen, da zu ihrer Anwendung noch keine ausreichenden Erkenntnisse vorliegen. Vor allem ist noch unklar, ob das relativ schwach wirkende Östrogen Estradiol im Körper die gleichen Östrogenwirkungen entfalten kann wie das stärkere Ethinylestradiol. Besonderes Augenmerk richtet sich dabei auf den Aufbau von Knochensubstanz, für den Östrogen unerlässlich ist.

Bei älteren Menschen

Beschwerden in den Wechseljahren

Wie sich das Mittel auf die Gesundheit bei Frauen über 65 Jahren auswirkt ist nicht gut untersucht. Sie sollten das Mittel in diesem Alter nicht einnehmen. Ohnehin gilt aufgrund der damit verbundenen Risiken für Herz und Kreislauf, dass nach den Wechseljahren eine Hormontherapie nur ein bis zwei Jahre zum Einsatz kommen soll.

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