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Hormon: Tibolon

Wirkungsweise

Tibolon ist ein synthetisches Sexualhormon, das bei Wechseljahresbeschwerden eingesetzt wird. Wenn der Körper den Wirkstoff abbaut, entstehen Substanzen, die wie Östrogen wirken, solche, die wie Gestagen wirken, und solche, die wie männliche Hormone wirken.

Aufgrund der östrogenen Wirkung mildert Tibolon Wechseljahresbeschwerden wie Hitzewallungen und trockene Scheidenhaut – allerdings weniger gut als Präparate mit einer Kombination von Östrogen und Gestagen.

Die gestagene Wirkung soll verhindern, dass sich die Gebärmutterschleimhaut verdickt, oder sie soll dieses Wachstum zumindest verringern. Eine große Studie, in deren Verlauf bei nahezu einer Million Frauen kontrolliert wurde, wie sie Medikamente zur Behandlung von Wechseljahresbeschwerden vertrugen, hat Hinweise erbracht, dass sich bei der Anwendung von Tibolon die Gebärmutterschleimhaut dennoch verdickt – ähnlich wie bei Mitteln mit Östrogen allein. Die Frage, ob sich dadurch auch das Risiko erhöht, dass sich ein Gebärmutterschleimhautkrebs entwickelt, beantworten die derzeitigen Studien nicht eindeutig. Auffallend war die Risikoerhöhung vor allem bei normalgewichtigen Frauen. Im Durchschnitt hatten die Frauen Tibolon länger als drei Jahre angewendet.

Anders als bei der Behandlung mit Östrogen ist es bisher bei der Anwendung von Tibolon gemäß der Empfehlung des Herstellers nicht notwendig, zusätzlich ein Gestagen einzunehmen, durch das die Gebärmutterschleimhaut einmal im Monat abbluten kann. Ob sich das aufgrund der Studienergebnisse ändern wird, muss eine neue Risikobewertung durch die Zulassungsbehörde zeigen. Bis diese vorliegt, sollten Frauen, deren Gebärmutter nicht entfernt ist, ihr individuelles Risiko mit dem Arzt besprechen. Dieser kann dann gegebenenfalls in regelmäßigen Abständen anhand einer Ultraschalluntersuchung kontrollieren, ob sich die Gebärmutterschleimhaut verdickt hat.

Da das Risiko, an Gebärmutterschleimhautkrebs zu erkranken, mit der Dauer der Einnahme ansteigt, sollte eine Behandlung mit Tibolon nicht länger als höchstens drei Jahre dauern.

Der Hersteller gab zudem an, dass Tibolon den Stoffwechsel und die Knochendichte ähnlich positiv beeinflusst wie Östrogen – Tibolon ist aber nicht zur Behandlung von Osteoporose zugelassen –, jedoch nicht dessen negative Wirkungen auf das Brustgewebe hat. Die letzte Aussage lässt sich jedoch nicht mehr halten, seit die Ergebnisse der oben genannten Studie vorliegen: Sowohl bei einer Östrogentherapie als auch bei der mit Tibolon war das Risiko für Brustkrebs gegenüber Frauen, die diese Mittel nicht einnahmen, erhöht. Bei der Behandlung mit Tibolon bekam eine etwas größere Zahl von Frauen Brustkrebs als aus der Gruppe, die nur Östrogen ohne Gestagenzusatz eingenommen hatte. Für eine konventionelle Östrogen-Gestagen-Therapie war nach dieser Untersuchung das Brustkrebsrisiko am höchsten. Der Verdacht, dass Tibolon das Brustkrebsrisiko erhöht, erhärtete sich Anfang 2009. Um die Sicherheit von Tibolon nachzuweisen, wurde eine Untersuchung an Frauen durchgeführt, die Brustkrebs hatten. Es zeigte sich jedoch, dass der Brustkrebs bei mehr Frauen erneut auftrat, die Tibolon einnahmen, als unter denen, die diese Behandlung nicht erhielten.

Die Langzeitwirkungen von Tibolon im Hinblick auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind immer noch nicht ausreichend durch aussagekräftige Studien dokumentiert. Doch eine Studie zeigte bereits, dass Frauen, die durchschnittlich 2,4 Jahre mit Tibolon behandelt wurden, ein mehr als doppelt so hohes Risiko für einen Schlaganfall hatten wie die Frauen, die mit einem Scheinmedikament behandelt wurden. Aus all diesen Gründen wird das Mittel allenfalls bei Frauen, die seit mehr als einem Jahr keine Regelblutung mehr hatten, für einen begrenzten Zeitraum von ein bis drei Jahren für die Behandlung von belastenden Wechseljahresbeschwerden als "mit Einschränkung geeignet" bewertet. Für eine Daueranwendung ist das Mittel wenig geeignet.

Anwendung

Innerhalb weniger Wochen nach Behandlungsbeginn müssten die Beschwerden deutlich zurückgegangen sein. Sie können das Mittel ohne Unterbrechung einnehmen, sollten aber versuchen es abzusetzen, sobald Ihre Beschwerden nachgelassen haben. Wenn die Beschwerden dann erneut heftig auftreten, können Sie dem begegnen, indem Sie viel trinken, Ihre körperliche Aktivität steigern, Yoga oder Meditation praktizieren, sich Kühlung verschaffen und Ihren Kontakt zu anderen Menschen verstärken.

Beginnen sollten Sie mit der Einnahme allerdings erst ein Jahr nach der letzten Blutung. Vorher ist damit zu rechnen, dass der Körper noch selbst Östrogen bildet; zudem reagiert die Gebärmutterschleimhaut noch zu sehr auf die östrogene Wirkung von Tibolon und kann sich verstärkt aufbauen. Dann müssen Sie mit Blutungen rechnen.

Gegenanzeigen

Unter folgenden Bedingungen dürfen Sie Tibolon nicht einnehmen:

  • Sie haben Vaginalblutungen, deren Ursache nicht geklärt ist.
  • Sie haben Durchblutungsstörungen des Herzens, des Gehirns oder in den Beinen.
  • Die Funktion Ihrer Leber ist erheblich gestört oder Sie haben Leberkrebs.
  • Sie haben oder hatten einen Tumor, dessen Wachstum von Hormonen beeinflusst wird, wie etwa Brustkrebs oder Gebärmutterschleimhautkrebs.

Unter folgenden Bedingungen muss der Arzt Nutzen und Risiken der Anwendung besonders sorgfältig abwägen:

  • Sie haben Myome oder Endometriose. Wenn in dieser Situation Wechseljahreshormone angewendet werden, verringert sich der positive Effekt, den der Rückgang der natürlichen Östrogenproduktion auf diese Erkrankungen normalerweise hat.
  • Ihr Brustkrebsrisiko ist erhöht, was sich z. B. daran zeigt, dass Ihre Mutter oder eine Schwester Brustkrebs hat.
  • Sie haben hohen Blutdruck.
  • Sie haben eine Lebererkrankung.
  • Sie weisen Gallensteine auf.
  • Sie haben Diabetes.
  • Sie haben Asthma oder Epilepsie.
  • Sie leiden unter Migräne oder starken Kopfschmerzen.
  • Sie sind an Lupus erythematodes erkrankt, einer Autoimmunkrankheit, die sich an der Haut zeigt und auch die inneren Organe betrifft.
  • Sie haben eine spezielle Erkrankung der Knochen, die das Innenohr umgeben, was zur Schwerhörigkeit führt (Otosklerose).

Wechselwirkungen

Wechselwirkungen mit Medikamenten

Unbedingt beachten

Tibolon kann die Wirkung der gerinnungshemmenden Mittel Phenprocoumon und Warfarin, die bei erhöhter Thrombosegefahr als Tabletten eingenommen werden, verstärken. Näheres hierzu finden Sie unter Mittel zur Blutverdünnung: verstärkte Wirkung.

Nebenwirkungen

Das Mittel kann Ihre Leberwerte beeinflussen, was Zeichen einer beginnenden Leberschädigung sein kann. Sie selbst bemerken in der Regel davon nichts, sondern es fällt nur bei Laborkontrollen durch den Arzt auf. Ob und welche Konsequenzen dies für Ihre Therapie hat, hängt sehr vom individuellen Fall ab. Bei einem lebensnotwendigen Medikament ohne Alternative wird man es oft tolerieren und die Leberwerte häufiger kontrollieren, in den meisten anderen Fällen wird Ihr Arzt das Medikament absetzen oder wechseln.

Keine Maßnahmen erforderlich

Etwa 1 von 100 Frauen berichtet während der Behandlung von Sodbrennen und Verdauungsstörungen und nimmt an Gewicht zu. Bei manchen kommt es zu Kopfschmerzen und Muskeln sowie Gelenke schmerzen.

Muss beobachtet werden

Bei 1 bis 10 von 100 Frauen treten in den ersten Monaten der Behandlung erneut Blutungen auf. Diese kommen noch häufiger vor, wenn Sie die Behandlung anders als empfohlen früher als zwölf Monate nach der letzten Blutung beginnen.

Bei manchen Frauen verschlechtert sich der Zuckerstoffwechsel. Sie können darauf durch starken Durst und verstärktes nächtliches Wasserlassen aufmerksam werden. Um festzustellen, ob sich ein Diabetes entwickelt hat, sollten Sie Ihren Blutzuckerspiegel kontrollieren lassen.

Es kann Hautausschlag auftreten, eine Akne kann sich verstärken und die Gesichtsbehaarung zunehmen. Vergehen diese Hauterscheinungen nach zwei bis drei Tagen nicht, sollten Sie sich an einen Arzt wenden.

Es kann sich eine Depression entwickeln. Wenn Sie selbst oder Ihnen nahestehende Personen derartige Stimmungsänderungen bemerken, sollten Sie ärztlichen Rat einholen.

Sofort zum Arzt

Das Mittel kann die Leber schwer schädigen. Typische Anzeichen dafür sind eine dunkle Verfärbung des Urins, eine helle Verfärbung des Stuhlgangs oder es entwickelt sich eine Gelbsucht (erkennbar an einer Gelbfärbung der Augen), oft begleitet von starkem Juckreiz am ganzen Körper. Tritt eines dieser für einen Leberschaden charakteristischen Krankheitszeichen auf, müssen Sie sofort zum Arzt gehen.

Wenn sich Ihre Sehfähigkeit verschlechtert oder gar Teile des Gesichtsfelds dunkel erscheinen, sollten Sie sofort zum Arzt gehen. Es kann sich um eine Netzhautablösung handeln.

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Anwendungsgebiete dieses Wirkstoffs