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Hormon: Melatonin

Wirkungsweise

Melatonin ist ein körpereigenes Hormon, das das Einschlafen erleichtern soll. Der Wirkstoff wird von der Zirbeldrüse, einem Teil des Zwischenhirns, produziert. Seine Synthese und Freisetzung werden durch Dunkelheit angeregt. Zwischen zwei und vier Uhr nachts ist die Melatoninkonzentration im Blut am höchsten. Fällt Tageslicht in die Augen, wird das Hormon nicht mehr ausgeschüttet. Auf diese Weise übermittelt Melatonin dem Körper die Botschaft, wann Tag und wann Nacht ist und beteiligt sich an der Regulierung von Körperfunktionen, die einem Tagesrhythmus unterworfen sind. Bis etwa zur Lebensmitte bleibt diese über 24 Stunden ungleiche Verteilung der Melatoninproduktion erhalten. Dann verringert sich die nächtliche Syntheserate, bis um das 70. Lebensjahr herum die Menge des Hormons im Blut nachts in etwa ebenso hoch ist wie am Tag. Damit verlieren die Tag-Nacht-Rhythmen im Alter ihre scharfe Abgrenzung. Allerdings sind diese Veränderungen individuell sehr unterschiedlich ausgeprägt. Auch gehen niedrige Melatoninwerte nicht automatisch mit Schlafstörungen einher.

Da die Melatoninkonzentration während der üblichen Schlafenszeit am größten ist, kam der Gedanke auf, dieses Hormon bei Schlafstörungen einzusetzen. Als Medikament eingenommen, wird aber der größte Teil des Melatonins sofort von der Leber abgebaut. So erreicht nur relativ wenig Wirkstoff den großen Blutkreislauf. Da die Aktivität der Leber aber mit dem Alter nachlässt, gelangt im Allgemeinen bei älteren Personen mehr Melatonin ins Blut als bei jüngeren. Aber auch dann ist die tatsächliche Menge von Person zu Person verschieden.

Melatonin soll die Schlafbereitschaft anregen. Nach den bisherigen Erfahrungen beeinträchtigt es den phasenhaften Aufbau des Schlafes nicht. Auch die Gefahr, von dem Mittel abhängig zu werden, besteht nach derzeitigem Wissen nicht.

Die Studien, in denen die Wirksamkeit von Melatonin geprüft wurde, erbrachten Hinweise, dass man nach seiner Einnahme tatsächlich etwas rascher einschläft. Die Zeit, in der die Behandelten noch wach lagen, verkürzte sich jedoch nur um durchschnittlich knapp 10 bis höchstens 20 Minuten. Ob das für die Schlafsuchenden wirklich eine entscheidende Verbesserung ist, beurteilen diese selbst sehr unterschiedlich. Insbesondere wenn es ohne Medikamente deutlich länger als eine Stunde dauerte, bis sie einschliefen, war das Urteil eher kritisch. Manche Anwender werteten ihren Schlaf allerdings als erholsamer ein als ohne das Medikament. Bisher lässt sich nicht sagen, für wen Melatonin wirklich eine Schlafhilfe sein kann. In jedem Fall sind die Effekte gering.

In Studien, die die Auswirkungen von Melatonin bei Patienten mit Demenz untersuchten, die häufig unter Schlafstörungen leiden, war Melatonin nicht besser wirksam als eine Scheinmedikation. Außerdem fehlen Vergleichsstudien von Melatonin zu den üblichen Schlafmitteln und Langzeituntersuchungen, anhand derer sich auch seltenere Nebenwirkungen besser abschätzen lassen.

Aus diesen Gründen wird Melatonin nicht grundsätzlich zur Behandlung von Schlafstörungen empfohlen. Circadin ist darüber hinaus nur zur Behandlung von Schlafstörungen bei Menschen über 55 Jahre gedacht. Es wird als "wenig geeignet" bewertet.

Anwendung

Ein bis zwei Stunden vor dem Schlafengehen wird von dem Mittel eine Tablette eingenommen. Das Schlafmittel kann bis zu drei Monate lang angewendet werden.

Gegenanzeigen

Unter folgenden Bedingungen sollten Sie Melatonin nur anwenden, wenn der Arzt Nutzen und Risiken besonders sorgfältig abgewogen hat:

  • Sie haben eine Autoimmunerkrankung, wie z. B. multiple Sklerose oder rheumatoide Arthritis, also eine Krankheit, bei der sich die Abwehrkraft des Körpers gegen die eigenen Gewebe richtet.
  • Ihre Nieren arbeiten nur unzureichend.
  • Die Funktionsfähigkeit Ihrer Leber ist eingeschränkt.

Wechselwirkungen

Wechselwirkungen mit Medikamenten

Wenn Sie noch andere Medikamente einnehmen, ist zu beachten:

  • Melatonin sollten Sie nicht gleichzeitig mit Fluvoxamin (bei Depressionen) und Ciprofloxacin (bei bakteriellen Infektionen) einnehmen. Diese Arzneimittel hemmen den Abbau von Melatonin durch die Leber. Dann kann das Hormon länger und stärker wirken.
  • Melatonin kann die schläfrig und benommen machende Wirkung anderer Arzneimittel verstärken. Zu diesen zählen Benzodiazepine, Zaleplon, Zopiclon und Zolpidem (bei Schlafstörungen) sowie Imipramin und Thioridazin (bei Depressionen). In der Folge lassen Aufmerksamkeit, Gedächtnis und Koordination nach.

Wechselwirkungen mit Speisen und Getränken

Durch Alkohol wirkt Melatonin schwächer.

Nebenwirkungen

Menschen, die viel rauchen, bauen Melatonin beschleunigt ab. Wer das Mittel einnimmt und dann zu rauchen aufhört, muss mit einer verstärkten Melatoninwirkung rechnen.

Keine Maßnahmen erforderlich

1 bis 10 von 1 000 Anwendern klagen über Bauchschmerzen, Sodbrennen und Mundtrockenheit. Wird das Medikament nicht mehr eingenommen, vergehen diese Beschwerden wieder.

1 bis 10 von 1 000 nehmen an Gewicht zu.

Die Einnahme von Melatonin kann zu nächtlichen Schweißausbrüchen führen. Bei Frauen können Hitzewallungen und Schweißausbrüche wie in den Wechseljahren auftreten.

Muss beobachtet werden

Bei 1 bis 10 von 10 000 Behandelten treten Schwindel, verminderte Sehschärfe und Orientierungslosigkeit auf. Vor allem ältere Personen sind dann gefährdet zu stürzen. Bei unsicheren Bewegungen sollten Sie einen Arzt aufsuchen.

Durch Melatonin kann sich die Stimmung ändern. Die Schwankungen können von Rastlosigkeit und Nervosität über Angst bis hin zu Schläfrigkeit und Lethargie reichen. Fühlen Sie sich dadurch in Ihrem Alltag stark beeinträchtigt, sollten Sie einen Arzt aufsuchen.

Melatonin kann bei 1 bis 10 von 1 000 Anwendern den Blutdruck erhöhen. Bei Menschen mit Herzerkrankungen können Rhythmusstörungen auftreten oder Beschwerden in der Brust, die bis in den Arm ausstrahlen. Wer bereits erhöhten Blutdruck oder Herzerkrankungen hat, sollte den Blutdruck häufiger kontrollieren, solange er Melatonin einnimmt.

Wenn die Haut sich verstärkt rötet und juckt, reagieren Sie möglicherweise allergisch auf das Mittel. Bei solchen Hauterscheinungen sollten Sie einen Arzt aufsuchen, um zu klären, ob es sich tatsächlich um eine allergische Hautreaktion handelt, Sie das Mittel ersatzlos absetzen können oder ein Alternativmedikament benötigen.

Sofort zum Arzt

Wenn sich schwere Hauterscheinungen mit Rötung und Quaddeln an Haut und Schleimhäuten sehr rasch (meist innerhalb von Minuten) entwickeln und zusätzlich Luftnot oder eine Kreislaufschwäche mit Schwindel und Schwarzsehen oder Durchfälle und Erbrechen auftreten, kann es sich um eine lebensbedrohliche Allergie bzw. einen lebensbedrohlichen allergischen Schock (anaphylaktischer Schock) handeln. In diesem Fall müssen Sie die Behandlung mit dem Medikament sofort stoppen und den Notarzt (Telefon 112) verständigen.

Bei der allergischen Reaktion kann auch das Unterhautgewebe anschwellen. Wenn dies Lippen und Zunge betrifft, droht Atemnot (Angioödem). Auch dann müssen Sie sofort den Notarzt rufen.

Besondere Hinweise

Für Schwangerschaft und Stillzeit

Da das Mittel nur für Personen über 55 Jahre gedacht ist, erübrigen sich Angaben zur Anwendung in Schwangerschaft und Stillzeit.

Für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren

Circadin ist nicht für die Anwendung bei Kindern und Jugendlichen zugelassen. Nähere Informationen zur Behandlung von Kindern mit Melatonin lesen Sie unter Melatonin bei Kindern – Nur in ganz engen Grenzen.

Zur Verkehrstüchtigkeit

Melatonin macht schläfrig. Nachdem Sie es eingenommen haben, dürfen Sie nicht mehr aktiv am Verkehr teilnehmen, keine Maschinen bedienen und keine Arbeiten ohne sicheren Halt verrichten.

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Anwendungsgebiete dieses Wirkstoffs