Medikamente im Test
  • Über 9 000 Medikamente
  • Geprüft durch unabhängige Experten
  • Ständig aktualisiert

Hormon: konjugierte Östrogene

Wirkungsweise

Konjugierte Östrogene werden bei Wechseljahresbeschwerden eingesetzt, da sie im Vergleich zu den üblicherweise in den empfängnisverhütenden Pillen enthaltenen Östrogenen schwächer wirken. Somit unterscheiden sich auch Art und Stärke der unerwünschten Wirkungen der Wechseljahresprodukte von denen der Pille.

Konjugierte Östrogene sind ein Gemisch aus Hormonen, die im weiblichen Körper so nicht vorkommen. Die Substanzen werden aus dem Harn trächtiger Stuten gewonnen. Sie wirken ähnlich wie das Hormon Estradiol, das die menschlichen Eierstöcke produzieren. Weil sie aber langsamer abgebaut werden, ist ihre Wirkung stärker.

Gegen die Verwendung von Stuten-Östrogenen erheben Tierschützer seit langem vehement Einspruch. In großer Menge kann man diese Hormone nur gewinnen, wenn man gezielt dafür sorgt, dass Stuten trächtig werden. Die daraus resultierende große Anzahl Fohlen braucht jedoch niemand; sie werden kurz nach der Geburt "beseitigt" – und das, obwohl keinerlei Notwendigkeit besteht, Stutenharn als Östrogenquelle zu verwenden.

Konjugierte Östrogene in Tablettenform werden üblicherweise in einer Dosierung zwischen 0,3 und 0,625 Milligramm eingesetzt. Diese Östrogenpräparate gelten für Frauen unter 60 Jahren, deren Gebärmutter entfernt wurde, als "geeignet", um Wechseljahresbeschwerden zu lindern. Voraussetzung ist, dass keine Gegenanzeigen für den Einsatz der Mittel bestehen: Die Frau darf nicht an koronarer Herzkrankheit leiden, nicht an Brustkrebs erkrankt sein, keine tiefe Beinvenenthrombose oder Lungenembolie in der Vorgeschichte aufweisen und keine Lebererkrankung haben.

Für Frauen mit Gebärmutter sind die Mittel – solange die Gegenanzeigen sorgfältig überprüft wurden – geeignet, wenn die Frau während des Behandlungszyklus mindestens 10, besser aber 12 bis 14 Tage lang zusätzlich ein Gestagen einnimmt. Warum das notwendig ist, lesen Sie unter Behandlung mit Medikamenten.

Grundsätzlich sollen die Hormonpräparate nur über einen begrenzten Zeitraum genutzt werden. Zur Langzeitbehandlung gelten die Produkte als "wenig geeignet". Der Grund ist, dass eine große Studie vorzeitig gestoppt wurde, als sich zeigte, dass bei langdauernder Behandlung von Wechseljahresbeschwerden mit Östrogen das Risiko steigt, einen Schlaganfall zu erleiden. Das Risiko für Herzerkrankungen blieb unbeeinflusst.

Osteoporose

Bei Osteoporose werden die Hormone zur Vorbeugung bei Frauen nach den Wechseljahren eingesetzt, um den Knochenabbau zu bremsen und das Risiko für Knochenbrüche zu verringern.

Der Einsatz von Östrogenmonopräparaten bei Frauen ohne Gebärmutter zur Vorbeugung gegen eine Osteoporose wird aufgrund des negativen Verhältnisses von Nutzen und Risiken nicht empfohlen. Da die Mittel zur Osteoporoseprophylaxe ebenfalls über lange Zeiträume eingesetzt werden müssen, steigt mit einer Behandlung das Risiko für einen Schlaganfall an. Frauen, die keine Gebärmutter mehr haben, können eine Hormonanwendung zur Osteoporosevorbeugung allenfalls nach sorgfältiger individueller Prüfung erwägen, wenn sie ein erhöhtes Risiko für Osteoporose aufweisen und geeignete Mittel nicht einsetzen können oder nicht vertragen. Darüber hinaus ist nicht geklärt, wie lange es nach der letzten Blutung noch sinnvoll ist, Östrogene einzusetzen; etwa zehn Jahre nach der letzten Blutung endet der erhöhte Knochenmasseverlust.

Anwendung

Verschiedene Fachgesellschaften fordern übereinstimmend, eine Hormontherapie zur Behandlung von Wechseljahresbeschwerden nur noch in der niedrigsten wirksamen Dosierung und so kurz wie möglich durchzuführen. Es gibt also kein festgelegtes Dosierungsschema. Viele Frauen finden die für sie individuell richtige Dosierung selbst heraus. Tabletten können beispielsweise halbiert oder nur jeden zweiten Tag eingenommen werden.

Von Zeit zu Zeit ist es sinnvoll, die Dosierung des Mittels nach Rücksprache mit dem Arzt schrittweise zu verringern und es dann ganz wegzulassen, um zu prüfen, ob der Körper bereits wieder zu einem Gleichgewicht zurückgefunden hat. Wird das Mittel abrupt abgesetzt, können allerdings die alten Beschwerden erneut heftig auftreten. Dem können Sie begegnen, indem Sie viel trinken, Ihre körperliche Aktivität steigern, Yoga oder Meditation praktizieren, sich Kühlung verschaffen und Ihren Kontakt zu anderen Menschen intensivieren.

Damit der Hormonspiegel über den Tag hinweg möglichst wenig schwankt, sollten Sie das Mittel immer zur gleichen Tageszeit anwenden.

Osteoporose

Bei Osteoporose kommen konjugierte Östrogene ab 0,625 Milligramm Tagesdosis infrage.

Achtung

Manche Frauen, die diese Östrogene über lange Zeit einnehmen, entwickeln Pigmentveränderungen (Chloasma). Sie bekommen vor allem im Gesicht dunkle Flecken, die sich durch Sonnenbestrahlung intensivieren. Diese Pigmentflecken vergehen häufig nicht wieder. Sie können versuchen, den Färbungen vorzubeugen, indem Sie das Mittel abends einnehmen und tagsüber Sonnenschutzmittel auftragen.

Östrogene sollten Sie sechs Wochen vor einer geplanten Operation, nach der Sie längere Zeit liegen müssen, absetzen. Durch Bewegungsmangel und längeres Liegen steigt das Thromboserisiko.

Gegenanzeigen

Unter folgenden Bedingungen dürfen Sie kein Östrogen einnehmen:

  • Sie haben oder hatten Brust- oder Gebärmutterschleimhautkrebs oder die Schleimhaut Ihrer Gebärmutter ist verdickt.
  • Sie haben Vaginalblutungen, deren Ursache nicht geklärt ist.
  • Sie hatten schon einmal eine Thrombose oder eine Lungenembolie.
  • Sie haben eine akute Lebererkrankung. Liegt die Erkrankung schon länger zurück, dürfen Sie Östrogen nur einnehmen, wenn sich Ihre Leberwerte inzwischen wieder normalisiert haben.
  • Sie haben Angina Pectoris oder hatten vor Kurzem einen Herzinfarkt.

Unter folgenden Bedingungen muss der Arzt Nutzen und Risiken der Anwendung besonders sorgfältig abwägen:

  • Sie haben Myome oder Endometriose. Wenn in dieser Situation Wechseljahreshormone angewendet werden, verringert sich der positive Effekt, den der Rückgang der natürlichen Östrogenproduktion auf diese Erkrankungen normalerweise hat.
  • Ihr Brustkrebsrisiko ist erhöht, was sich z. B. daran zeigt, dass Ihre Mutter oder eine Schwester Brustkrebs hat.
  • Sie haben hohen Blutdruck.
  • Sie haben eine Lebererkrankung.
  • Sie weisen Gallensteine auf.
  • Sie haben Diabetes.
  • Sie haben Asthma oder Epilepsie.
  • Sie leiden unter Migräne oder starken Kopfschmerzen.
  • Sie sind an Lupus erythematodes erkrankt, einer Autoimmunkrankheit, die sich an der Haut zeigt und auch die inneren Organe betrifft.
  • Sie haben eine spezielle Erkrankung der Knochen, die das Innenohr umgeben, was zur Schwerhörigkeit führt (Otosklerose).

Wechselwirkungen

Wechselwirkungen mit Medikamenten

Wenn Sie folgende Medikamente einnehmen, ist zu beachten, dass die Wechseljahreshormone dann nicht mehr so zuverlässig wirken wie gewohnt und vielleicht leichte Blutungen auftreten:

  • Kohlepräparate (bei Durchfall) können verhindern, dass die Hormone komplett ins Blut gelangen.
  • Rifampicin und Rifabutin (bei Tuberkulose), Carbamazepin, Phenobarbital, Phenytoin und Primidon (bei Epilepsien), Medikamente bei HIV-Infektion (z. B. Nelfinavir, Ritonavir) und möglicherweise Griseofulvin (innerlich bei Pilzinfektionen) beschleunigen den Hormonabbau durch die Leber. Das kann bis zu vier Wochen nach der letzten Einnahme anhalten.
  • Johanniskrautextrakt (bei Depressionen) kann besonders bei Einnahme über lange Zeit die Wirkung der Wechseljahreshormone beeinträchtigen.
  • Frauen mit Diabetes müssen während einer Hormontherapie eventuell mehr Insulin spritzen oder die Dosierung der Tabletten, mit denen der Diabetes behandelt wird, erhöhen.
  • Wenn Sie Ropinirol (bei Parkinsonkrankheit) einnehmen und eine Hormontherapie beginnen, können die Wirkung und Nebenwirkungen von Ropinirol verstärkt werden. Dann sollte der Arzt die Dosierung überprüfen. Beenden Sie dagegen die Hormontherapie, muss die Dosierung von Ropinirol eventuell erhöht werden, damit es ausreichend wirkt.

Nebenwirkungen

Das Mittel kann Ihre Leberwerte beeinflussen, was Zeichen einer beginnenden Leberschädigung sein kann. Sie selbst bemerken in der Regel davon nichts, sondern es fällt nur bei Laborkontrollen durch den Arzt auf. Ob und welche Konsequenzen dies für Ihre Therapie hat, hängt sehr vom individuellen Fall ab. Bei einem lebensnotwendigen Medikament ohne Alternative wird man es oft tolerieren und die Leberwerte häufiger kontrollieren, in den meisten anderen Fällen wird Ihr Arzt das Medikament absetzen oder wechseln.

Keine Maßnahmen erforderlich

Die Brust kann spannen und es kann Ausfluss auftreten. Halten diese Beschwerden an, ist das Östrogen wahrscheinlich zu hoch dosiert. Ob Sie es reduzieren können, muss der Arzt entscheiden.

Muss beobachtet werden

Kopfschmerzen, Migräne, Übelkeit und Blähungen können auftreten, haben sich nach zwei bis drei Monaten aber meist wieder gelegt.

Wenden Sie sich an den Arzt, wenn der Blutdruck längere Zeit über 140/90 mmHg steigt.

Sie können an Gewicht zulegen, weil Ihr Gewebe Wasser einlagert. Bemerken Sie jedoch Wasser in den Beinen, das innerhalb von sechs Wochen nicht zurückgeht, sollten Sie einen Arzt aufsuchen. Wahrscheinlich ist die Östrogendosis zu hoch.

Durch Wassereinlagerungen im Gewebe können sich Herz- und Nierenerkrankungen, Epilepsien, Asthma und Migräne verschlimmern. Wenn Sie an einer dieser Erkrankungen leiden und sich Ihre Beschwerden mit der Einnahme dieses Hormonpräparates verschlimmern, sollten Sie dies bald dem Arzt berichten.

Wenn wiederholt unregelmäßig Zwischenblutungen auftreten, muss ein Arzt abklären, ob sich dahinter ein Gebärmutterschleimhautkrebs verbirgt. Dieses Risiko ist bei Frauen um das 4- bis 14-fache erhöht, wenn sie die Östrogenbehandlung nicht mit der Einnahme von Gestagenen kombinieren.

Das Risiko, dass sich in der Galle Steine bilden oder sich eine Entzündung entwickelt, ist bei einer Hormonbehandlung erhöht. Von 10 000 Frauen, die ein Jahr lang Östrogen und Gestagen kombiniert anwenden, bekommen 55 durch die Behandlung eine Gallenblasenerkrankung. Bei Frauen, deren Gebärmutter entfernt wurde und die deshalb zu dem Östrogen nicht noch zusätzlich ein Gestagen brauchen, ist das Risiko höher. Von 10 000 dieser Frauen bekommen nach einjähriger Behandlung 78 eine Gallenblasenerkrankung. Diese kann sich durch Bauchschmerzen und -krämpfe bemerkbar machen. Bei derartigen Beschwerden, sollten Sie einen Arzt aufsuchen.

Darüber, wie sich die Anwendung von Östrogenpräparaten in den Wechseljahren auf das Brustkrebsrisiko auswirkt, liegen Zahlen aus den USA vor. Dort werden aber teilweise anders zusammengesetzte Präparate eingesetzt als in Deutschland. Für Frauen in Deutschland gibt es zu dieser Frage noch keine verlässlichen Zahlen. In einer im Februar 2004 vorzeitig abgebrochenen großen amerikanischen Studie, in der Frauen ohne Gebärmutter nach den Wechseljahren nur mit Östrogen – ohne Gestagenzusatz – behandelt wurden, war das Brustkrebsrisiko nicht erhöht. Angaben zum Risiko für Frauen, die Östrogen kombiniert mit einem Gestagen einnehmen müssen, finden Sie unter Behandlung mit Medikamenten.

Den Frauen wird derzeit geraten, ihre Brust regelmäßig selbst abzutasten, sich zweimal jährlich untersuchen und – insbesondere im Alter zwischen 50 und 69 Jahren – alle zwei Jahre eine Mammografie machen zu lassen. Die Gefahr, einen möglichen Tumor erst recht spät zu entdecken, bleibt groß, weil das Brustgewebe durch die Östrogeneinnahme ähnlich "dicht" bleibt wie vor den Wechseljahren. Kleine Knoten sind dann schlecht zu tasten, und Krebsherde sind in der Röntgenaufnahme einer solchen Brust schwieriger zu finden. In dieser Situation kann eine zusätzliche Ultraschalluntersuchung das Risiko verringern, einen Krebsherd im dichten Brustgewebe zu übersehen.

Der Verdacht, dass die Östrogenanwendung – egal, ob mit oder ohne Gestagenzusatz – das Risiko für Eierstockkrebs erhöht, ist inzwischen durch Studien bestätigt. Durch Symptome wird man auf Eierstockkrebs erst sehr spät aufmerksam. Deshalb sollten Frauen, die Wechseljahreshormone – entgegen der derzeitigen Empfehlung – dauerhaft anwenden, während der Behandlung und in den ersten Jahren danach gezielt auf Veränderungen an den Eierstöcken untersucht werden, z. B. mit einer Ultraschalluntersuchung durch die Scheide.

Sofort zum Arzt

Migräneartige Kopfschmerzen, die zum ersten Mal auftreten oder ungewöhnlich stark sind, Sehstörungen oder Flimmern vor den Augen und Hörschwäche, Schmerzen in der Leistenbeuge oder Kniekehle zusammen mit einem Schwere- oder Stauungsgefühl in den Beinen deuten auf eine Thrombose im Bein oder eine Embolie hin. Bei diesen Beschwerden sollten Sie sofort zum Arzt gehen.

Wenn sich schwere Hauterscheinungen mit Rötung und Quaddeln an Haut und Schleimhäuten sehr rasch (meist innerhalb von Minuten) entwickeln und zusätzlich Luftnot oder eine Kreislaufschwäche mit Schwindel und Schwarzsehen oder Durchfälle und Erbrechen auftreten, kann es sich um eine lebensbedrohliche Allergie bzw. einen lebensbedrohlichen allergischen Schock (anaphylaktischer Schock) handeln. In diesem Fall müssen Sie die Behandlung mit dem Medikament sofort stoppen und den Notarzt (Telefon 112) verständigen.

Bekommen Sie am ganzen Körper einen stark juckenden Nesselausschlag und treten Schwellungen im Gesicht, im Mund und an der Zunge begleitet von Luftnot auf, muss der Notarzt gerufen werden (Telefon 112).

Die Mittel können die Leber schwer schädigen. Typische Anzeichen dafür sind eine dunkle Verfärbung des Urins, eine helle Verfärbung des Stuhlgangs oder es entwickelt sich eine Gelbsucht (erkennbar an einer Gelbfärbung der Augen), oft begleitet von starkem Juckreiz am ganzen Körper. Tritt eines dieser für einen Leberschaden charakteristischen Krankheitszeichen auf, müssen Sie sofort zum Arzt gehen.

Sie sehen nun nur noch Informationen zu: ${filtereditemslist}.