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Hormon: Estriol

Wirkungsweise

Estriol ist ein schwach wirkendes Östrogen, mit dem sich leichte Wechseljahresbeschwerden behandeln lassen.

Bei Wechseljahresbeschwerden werden im Vergleich zu den üblicherweise in den empfängnisverhütenden Pillen enthaltenen Östrogenen solche schwächer wirkende Verbindungen eingesetzt. Daher unterscheiden sich Art und Stärke der unerwünschten Wirkungen der Wechseljahrsprodukte von denen der Pille.

In einer Dosierung bis zwei Milligramm täglich eingenommen regt Estriol die Gebärmutterschleimhaut kaum zum Wachsen an. Die Frau braucht in aller Regel also kein zusätzliches Gestagen einzunehmen.

Daher gelten diese Tabletten als "geeignet" für Frauen ohne Gebärmutter, um leichte Wechseljahresbeschwerden für ein bis zwei Jahre zu behandeln. Zur Langzeitbehandlung gelten die Produkte als "wenig geeignet". Der Grund ist, dass 2004 eine große Studie vorzeitig gestoppt wurde, als sich zeigte, dass bei langdauernder Behandlung von Wechseljahresbeschwerden mit Östrogen das Risiko steigt, einen Schlaganfall zu erleiden. Das Risiko für Herzerkrankungen blieb unbeeinflusst.

Mit estriolhaltigen Vaginalcremes, -zäpfchen und -tabletten lassen sich Beschwerden im Genitalbereich bessern, wenn sie auf der geringer gewordenen Hormonproduktion beruhen. Produkte mit Estriol werden für eine solche vaginale Anwendung als "geeignet" angesehen.

Anwendung

Verschiedene Fachgesellschaften fordern übereinstimmend, eine Hormontherapie zur Behandlung von Wechseljahresbeschwerden nur noch in der niedrigsten wirksamen Dosierung und so kurz wie möglich durchzuführen. Es gibt also kein festgelegtes Dosierungsschema. Viele Frauen finden die für sie individuell richtige Dosierung selbst heraus. Tabletten können beispielsweise halbiert oder nur jeden zweiten Tag eingenommen werden.

Von Zeit zu Zeit ist es sinnvoll, die Dosierung des Mittels nach Rücksprache mit dem Arzt schrittweise zu verringern und es dann ganz wegzulassen, um zu prüfen, ob der Körper bereits wieder zu einem Gleichgewicht zurückgefunden hat. Wird das Mittel abrupt abgesetzt, können allerdings die alten Beschwerden erneut heftig auftreten. Dem können Sie begegnen, indem Sie viel trinken, Ihre körperliche Aktivität steigern, Yoga oder Meditation praktizieren, sich Kühlung verschaffen und Ihren Kontakt zu anderen Menschen intensivieren.

Damit der Hormonspiegel über den Tag hinweg möglichst wenig schwankt, sollten Sie das Mittel immer zur gleichen Tageszeit anwenden.

Für das schwach wirkende Östrogen, dessen Tabletten ein oder zwei Milligramm Estriol enthalten, gibt es einen Einnahmemodus, der sich nach den Beschwerden richtet, die behandelt werden sollen: Wenn Sie Hitzewallungen oder Probleme einer trockenen Scheide lindern wollen, nehmen Sie in der ersten Woche drei Milligramm täglich, in der zweiten Woche zwei Milligramm und in der dritten Woche ein Milligramm Estriol täglich. Geht es Ihnen ausschließlich darum, Beschwerden im Genitalbereich zu bessern, genügt oft ein Milligramm täglich.

Bei diesem Einnahmeschema brauchen Sie nach Angaben des Herstellers kein zusätzliches Gestagen einzunehmen. In der letzten Zeit gibt es jedoch Hinweise darauf, dass es auch bei der Einnahme von Estriol – selbst bei einer Dosierung zwischen ein und zwei Milligramm – ratsam sein kann, zusätzlich ein Gestagen einzunehmen, wenn die Behandlung länger dauert. Sie sollten mit dem Arzt besprechen, ob Sie auf eine zusätzliche Gestageneinnahme verzichten können. Er kann dies davon abhängig machen, ob sich Ihre Gebärmutterschleimhaut noch stark aufbaut und wie lange die Behandlung dauern soll.

Warum eine Gestageneinnahme für Frauen mit Gebärmutter bei der Behandlung mit Östrogenen notwendig ist, lesen Sie unter Behandlung mit Medikamenten.

Vaginale Anwendung

In den ersten ein bis zwei Wochen führen Sie jeden Abend eine Applikatorfüllung Creme oder ein Scheidenzäpfchen ein, wobei das Mittel jeweils so dosiert ist, dass täglich 0,5 Milligramm Estriol wirken. Danach genügt es, wenn Sie zweimal pro Woche 0,5 Milligramm Estriol einführenManche Frauen kommen auch mit einmal 0,5 Milligramm Estriol pro Woche aus.

Nach zwei oder drei Monaten können Sie das Mittel absetzen, um zu sehen, ob sich die Beschwerden so gebessert haben, dass Sie nun ohne das Mittel auskommen. Wenn Sie einen Monat später feststellen, dass die Beschwerden wieder auftreten – was häufiger der Fall ist –, können Sie erneut mit der Therapie beginnen. Gegen eine Daueranwendung einmal pro Woche gibt es keine Einwände, solange Sie einmal jährlich zum Frauenarzt zur Kontrolle gehen.

Achtung

Manche Frauen, die dieses Mittel über lange Zeit einnehmen, entwickeln Pigmentveränderungen (Chloasma). Sie bekommen vor allem im Gesicht dunkle Flecken, die sich durch Sonnenbestrahlung intensivieren. Diese Pigmentflecken vergehen häufig nicht wieder. Sie können versuchen, den Färbungen vorzubeugen, indem Sie das Mittel abends einnehmen und tagsüber Sonnenschutzmittel auftragen.

Estriol sollten Sie sechs Wochen vor einer geplanten Operation, nach der Sie längere Zeit liegen müssen, absetzen. Durch Bewegungsmangel und längeres Liegen steigt das Thromboserisiko.

Bei den Vaginalcremes handelt es sich um Medikamente, die, regelmäßig angewendet, die Beschaffenheit der Scheidenhaut verbessern sollen. Sie eignen sich nicht, um bei Bedarf als Gleitmittel eingesetzt zu werden. Bei Gebrauch über lange Zeit und häufigem Verkehr können beim Partner Wirkungen der weiblichen Hormone auftreten, z. B. Brustwachstum.

Gegenanzeigen

Unter folgenden Bedingungen dürfen Sie kein Estriol einnehmen:

  • Sie haben oder hatten Brust- oder Gebärmutterschleimhautkrebs
  • Sie haben Vaginalblutungen, deren Ursache nicht geklärt ist.
  • Die Schleimhaut Ihrer Gebärmutter ist verdickt.
  • Sie hatten schon einmal eine Thrombose oder eine Lungenembolie.
  • Sie haben eine akute Lebererkrankung. Liegt die Erkrankung schon länger zurück, dürfen Sie Östrogen nur einnehmen, wenn sich Ihre Leberwerte inzwischen wieder normalisiert haben.
  • Sie haben eine Angina Pectoris oder hatten einen Herzinfarkt.

Vaginale Anwendung

Unter folgenden Bedingungen dürfen Sie Estriol nicht vaginal anwenden:

  • Sie haben Vaginalblutungen, deren Ursache nicht geklärt ist.
  • Sie haben oder hatten Brust- oder Gebärmutterkrebs.

Unter den folgenden Bedingungen dürfen Sie Estriol in einer Dosierung von mehr als 0,5 Milligramm täglich nur mit Vorsicht über längere Zeit anwenden:

  • Sie hatten schon einmal eine Thrombose oder eine Lungenembolie. Wenn bei mehreren Familienmitgliedern Derartiges vorgekommen ist, sollten Sie die Gerinnungsfähigkeit Ihres Blutes auf Störungen, besonders auf angeborene, untersuchen lassen.
  • Ihre Leber ist geschädigt oder arbeitet nicht einwandfrei. Sie haben Probleme mit der Galle. Sie hatten während einer Schwangerschaft einen lang anhaltenden, juckenden Hautausschlag am ganzen Körper oder eine Gelbsucht.
  • Sie haben Myome oder Endometriose. Wenn in dieser Situation Wechseljahrshormone angewendet werden, verringert sich der positive Effekt, den der Rückgang der natürlichen Östrogenproduktion auf diese Erkrankungen normalerweise hat.

Unter folgenden Bedingungen muss der Arzt Nutzen und Risiken der Einnahme von Estrioltabletten besonders sorgfältig abwägen:

  • Sie haben Myome oder Endometriose. Wenn in dieser Situation Wechseljahrshormone angewendet werden, verringert sich der positive Effekt, den der Rückgang der natürlichen Östrogenproduktion auf diese Erkrankungen normalerweise hat.
  • Ihr Brustkrebsrisiko ist erhöht, was sich z. B. daran zeigt, dass Ihre Mutter oder eine Schwester Brustkrebs hat.
  • Sie haben hohen Blutdruck.
  • Sie haben Diabetes.
  • Sie haben Asthma oder Epilepsie.
  • Sie leiden unter Migräne oder starken Kopfschmerzen.
  • Sie weisen Gallensteine auf.
  • Sie sind an Lupus erythematodes erkrankt, einer Autoimmunkrankheit, die sich an der Haut zeigt und auch die inneren Organe betrifft.
  • Sie haben eine spezielle Erkrankung der Knochen, die das Innenohr umgeben, was zur Schwerhörigkeit führt (Otosklerose).

Wechselwirkungen

Wechselwirkungen mit Medikamenten

Wenn Sie folgende Medikamente einnehmen, ist zu beachten, dass die Wechseljahrshormone dann nicht mehr so zuverlässig wirken wie gewohnt und vielleicht leichte Blutungen auftreten.

  • Kohlepräparate (bei Durchfall) können verhindern, dass die Hormone komplett ins Blut gelangen.
  • Rifampicin und Rifabutin (bei Tuberkulose), Carbamazepin, Phenobarbital, Phenytoin und Primidon (bei Epilepsien), Medikamente bei HIV-Infektion (z. B. Nelfinavir, Ritonavir) und möglicherweise Griseofulvin (innerlich bei Pilzinfektionen) beschleunigen den Hormonabbau durch die Leber. Das kann bis zu vier Wochen nach der letzten Einnahme anhalten.
  • Johanniskrautextrakt (bei Depressionen) kann besonders bei Einnahme über lange Zeit die Wirkung der Wechseljahrshormone beeinträchtigen.
  • Frauen mit Diabetes müssen während einer Hormontherapie eventuell mehr Insulin spritzen oder die Dosierung der Tabletten, mit denen der Diabetes behandelt wird, erhöhen.
  • Wenn Sie Ropinirol (bei Parkinsonkrankheit) einnehmen und eine Hormontherapie beginnen, können die Wirkung und Nebenwirkungen von Ropinirol verstärkt werden. Dann sollte der Arzt die Dosierung überprüfen. Beenden Sie dagegen die Hormontherapie, muss die Dosierung von Ropinirol eventuell erhöht werden, damit es ausreichend wirkt.

Vaginale Anwendung

Bei einer vaginalen Anwendung ist erst dann mit Wechselwirkungen zu rechnen, wenn Sie über lange Zeit täglich mehr als 0,5 Milligramm Estriol anwenden.

Nebenwirkungen

Alle folgenden Angaben gelten auch für vaginal angewendete Mittel, die Wirkungen sind aber sehr viel seltener und schwächer ausgeprägt.

Keine Maßnahmen erforderlich

Die Brust kann spannen und es kann Ausfluss auftreten. Halten diese Beschwerden an, ist das Östrogen wahrscheinlich zu hoch dosiert. Ob Sie es reduzieren können, muss der Arzt entscheiden.

Bei einer vaginalen Anwendung kann die Scheide sich röten, brennen und jucken. Halten diese Beschwerden länger an oder beginnt die Scheide zu schmerzen, sollten Sie mit dem Arzt besprechen, ob ein anderes Präparat für Sie geeigneter ist.

Muss beobachtet werden

Kopfschmerzen, Migräne, Übelkeit und Blähungen können auftreten, haben sich nach zwei bis drei Monaten aber meist wieder gelegt.

Wenden Sie sich an den Arzt, wenn der Blutdruck längere Zeit über 140/90 mmHg steigt.

Sie können an Gewicht zulegen, weil Ihr Gewebe Wasser einlagert. Bemerken Sie jedoch Wasser in den Beinen, das innerhalb von sechs Wochen nicht zurückgeht, sollten Sie einen Arzt aufsuchen. Wahrscheinlich ist die Östrogendosis zu hoch.

Wenn wiederholt unregelmäßig Zwischenblutungen auftreten, muss ein Arzt abklären, ob sich dahinter ein Gebärmutterschleimhautkrebs verbirgt. Dieses Risiko ist bei Frauen um das 4- bis 14-Fache erhöht, wenn sie die Östrogenbehandlung nicht mit der Einnahme von Gestagenen kombinieren.

Das Risiko, dass sich in der Galle Steine bilden oder sich eine Entzündung entwickelt, ist bei einer Hormonbehandlung erhöht. Von 10 000 Frauen, die ein Jahr lang Östrogen und Gestagen kombiniert anwenden, bekommen 55 durch die Behandlung eine Gallenblasenerkrankung. Bei Frauen, deren Gebärmutter entfernt wurde und die deshalb zu dem Östrogen nicht noch zusätzlich ein Gestagen brauchen, ist das Risiko höher. Von 10 000 dieser Frauen bekommen nach einjähriger Behandlung 78 eine Gallenblasenerkrankung. Diese kann sich durch Bauchschmerzen und -krämpfe bemerkbar machen. Bei derartigen Beschwerden, sollten Sie einen Arzt aufsuchen.

Darüber, wie sich die Anwendung von Östrogenpräparaten in den Wechseljahren auf das Brustkrebsrisiko auswirkt, liegen Zahlen aus den USA vor. Dort werden aber teilweise anders zusammengesetzte Präparate eingesetzt als in Deutschland. Für Frauen in Deutschland gibt es zu dieser Frage noch keine verlässlichen Zahlen. In der im Februar 2004 vorzeitig abgebrochenen großen amerikanischen Studie, in der Frauen ohne Gebärmutter nach den Wechseljahren nur mit Östrogen – ohne Gestagenzusatz – behandelt wurden, war das Brustkrebsrisiko nicht erhöht. Angaben zum Risiko für Frauen, die Östrogen kombiniert mit einem Gestagen einnehmen müssen, finden Sie unter Behandlung mit Medikamenten.

Den Frauen wird derzeit geraten, ihre Brust regelmäßig selbst abzutasten, sich zweimal jährlich untersuchen und – insbesondere im Alter zwischen 50 und 69 Jahren – alle zwei Jahre eine Mammografie machen zu lassen. Die Gefahr, einen möglichen Tumor erst recht spät zu entdecken, bleibt groß, weil das Brustgewebe durch die Östrogeneinnahme ähnlich "dicht" bleibt wie vor den Wechseljahren. Kleine Knoten sind dann schlecht zu tasten, und Krebsherde sind in der Röntgenaufnahme einer solchen Brust schwieriger zu finden. In dieser Situation kann eine zusätzliche Ultraschalluntersuchung das Risiko verringern, einen Krebsherd im dichten Brustgewebe zu übersehen.

Der Verdacht, dass die Östrogenanwendung – egal, ob mit oder ohne Gestagenzusatz – das Risiko für Eierstockkrebs erhöht, bestand schon länger. Nun hat eine weitere Untersuchung aus dem Jahr 2009 dieses bestätigt. Durch Symptome wird man auf Eierstockkrebs erst sehr spät aufmerksam. Deshalb sollten Frauen, die Wechseljahrshormone – entgegen der derzeitigen Empfehlung – dauerhaft anwenden, während der Behandlung und in den ersten Jahren danach gezielt auf Veränderungen an den Eierstöcken untersucht werden, z. B. mit einer Ultraschalluntersuchung durch die Scheide.

Sofort zum Arzt

Migräneartige Kopfschmerzen, die zum ersten Mal auftreten oder ungewöhnlich stark sind, Sehstörungen oder Flimmern vor den Augen und Hörschwäche, Schmerzen in der Leistenbeuge oder Kniekehle zusammen mit einem Schwere- oder Stauungsgefühl in den Beinen deuten auf eine Thrombose im Bein oder eine Embolie hin. Bei diesen Beschwerden sollten Sie sofort zum Arzt gehen.

Bei Epileptikerinnen können Krampfanfälle häufiger vorkommen.

Bekommen Sie stark juckenden Nesselausschlag am ganzen Körper oder Luftnot mit Schwindel, muss der Notarzt gerufen werden (Telefon 112).

Die Mittel können die Leber schwer schädigen. Wenn sich die Haut gelb färbt – möglicherweise begleitet von starkem Juckreiz am ganzen Körper –, sollten Sie sofort einen Arzt aufsuchen.

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