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Hormon: Estradiol/Estradiolvalerat

Wirkungsweise

Estradiol ist ein Östrogen, das bei Wechseljahresbeschwerden und zur Vorbeugung einer Osteoporose eingesetzt wird. Neben vielen anderen Wirkungen hemmt es auch die Tätigkeit der knochenabbauenden Zellen. Infolge können Knochenbrüche verhindert werden. Estradiolvalerat wird im Körper rasch zu Estradiol umgebaut, sodass es ebenso wirkt wie reines Estradiol. Der Wirkstoff wird in unterschiedlichen Darreichungsformen angeboten, als Tabletten, als Gel oder transdermales Pflaster und zur lokalen Anwendung als Vaginalgel.

Bei der Anwendung während der Wechseljahre oder zur Vorbeugung von Osteoporose werden im Vergleich zu den üblicherweise in den empfängnisverhütenden Pillen enthaltenen Östrogenen schwächer wirkende Verbindungen eingesetzt. Daher unterscheiden sich Art und Stärke der unerwünschten Wirkungen der Wechseljahresprodukte von denen der Pille.

Zum Einnehmen

Estradiol sowie Estradiolvalerat werden als Tabletten üblicherweise in einer Dosierung zwischen ein und zwei Milligramm eingesetzt. Diese Östrogenpräparate gelten für Frauen unter 60 Jahren, deren Gebärmutter entfernt wurde, als "geeignet", um Wechseljahresbeschwerden für eine begrenzte Zeit zu lindern. Voraussetzung dafür ist, dass keine Gegenanzeigen für den Einsatz der Mittel bestehen: Die Frau darf nicht an koronarer Herzkrankheit leiden, nicht an Brustkrebs erkrankt sein, keine tiefe Beinvenenthrombose oder Lungenembolie in der Vorgeschichte aufweisen und keine Lebererkrankung haben.

Für Frauen mit Gebärmutter sind sie – solange die Gegenanzeigen sorgfältig überprüft wurden – nur geeignet, wenn während des Behandlungszyklus mindestens 10 Tage, besser aber 12 bis 14 Tage lang zusätzlich ein Gestagen eingenommen wird.

Präparate zum Einnehmen mit vier Milligramm Estradiol beziehungsweise Estradiolvalerat kommen allenfalls bei sehr starken Wechseljahresbeschwerden infrage, die sich anders nicht bessern lassen. Sie werden daher als "mit Einschränkung geeignet" beurteilt.

Grundsätzlich sollen die Mittel aber nur über einen begrenzten Zeitraum genutzt werden. Zur Langzeitbehandlung gelten die Mittel zum Einnehmen als "wenig geeignet". Der Grund ist, dass eine große Studie vorzeitig gestoppt wurde, als sich zeigte, dass bei langdauernder Behandlung von Wechseljahresbeschwerden mit Östrogen das Risiko steigt, einen Schlaganfall zu erleiden. Das Risiko für Herzerkrankungen blieb unbeeinflusst.

Pflaster/Gel

Pflaster und Gel mit Estradiol werden ebenso bewertet wie die Mittel zum Einnehmen. Auch bei diesen Anwendungsformen besteht ein erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf- und weitere Erkrankungen. Bisher konnten hochwertige klinische Studien gegenüber Mitteln zum Einnehmen keine günstigeren Effekte für Gele und Pflaster belegen.

Auch Hinweise, dass bei der Anwendung von Pflastern ein geringeres Risiko für Venenthrombosen und Lungenembolien besteht als bei der Einnahme von Tabletten, sind noch nicht hinreichend geklärt. Allerdings wird Frauen mit einem erhöhten Risiko für derartige Ereignisse sicherheitshalber zu Pflasterzubereitungen empfohlen.

Das Besondere an diesen Darreichungsformen ist, dass die Hormone äußerlich angewendet werden, aber dennoch im ganzen Körper wirken.

Bei Östrogenpflastern tritt das Hormon durch die Haut (transdermal) direkt ins Blut über und wird sofort im Körper verteilt. Das Gel gelangt ebenfalls über die Haut in den Blutkreislauf. Erst danach erreicht es die Leber, die es abbaut. Dadurch kann das Hormon niedriger dosiert werden als bei Tabletten, aus denen das Hormon im Magen-Darm-Bereich ins Blut übertritt und dann als Erstes die Leber passiert und dort zu Teilen verändert wird. Pflaster können auch jene Frauen anwenden, die wegen Erkrankungen des Magen-Darm-Traktes, der Leber, Galle oder Bauchspeicheldrüse kein Östrogen einnehmen sollen.

Beschwerden in den Wechseljahren

In niedriger oder mittlerer Dosierung gelten die Pflaster- und Gelprodukte als "geeignet", um Wechseljahresbeschwerden für kurze Zeit zu behandeln. Die höher dosierten Produkte sind allenfalls bei sehr starken Wechseljahresbeschwerden angebracht, die sich mit einem schwächer dosierten Präparat nicht bessern. Mit der Östrogendosis steigt das Risiko für Thrombosen in den Beinen und für Lungenembolien. Für eine Langzeittherapie werden alle Präparate als "wenig geeignet" bewertet, da die Risiken den Nutzen bei der Behandlung von Wechseljahresbeschwerden überwiegen.

Osteoporose

Der Einsatz von Östrogenmonopräparaten bei Frauen ohne Gebärmutter zur Vorbeugung gegen eine Osteoporose wird daher aufgrund des negativen Verhältnisses von Nutzen und Risiken nicht empfohlen. Diese Frauen können die Anwendung allenfalls nach sorgfältiger individueller Prüfung erwägen, wenn sie ein erhöhtes Risiko für Osteoporose aufweisen und geeignete Mittel nicht einsetzen können oder nicht vertragen. Darüber hinaus ist nicht geklärt, wie lange nach der letzten Blutung es noch sinnvoll ist, Östrogene einzusetzen; etwa zehn Jahre nach der letzten Blutung endet der erhöhte Knochenmasseverlust.

Vaginalcreme (lokale Anwendung)

Beschwerden in den Wechseljahren

Zur lokalen Anwendung gibt es eine Vaginalcreme mit Estradiol. Sie kann nach der Menopause eingesetzt werden, wenn Beschwerden im Genitalbereich auf der geringer gewordenen Hormonproduktion beruhen. Estradiol gilt als "auch geeignet". Es wirkt stärker als das normalerweise eingesetzte Estriol und unerwünschte Hormonwirkungen treten eher auf. In Blutuntersuchungen konnte festgestellt werden, dass bei Verwendung von Linoladiol als Vaginalcreme sich ähnliche Östrogenmengen im Blut finden wie nach der Einnahme von Östrogentabletten. Bei hoher Dosierung und langdauernder Anwendung sind somit die gleichen unerwünschten Wirkungen zu erwarten wie bei Hormontabletten: verstärktes Wachstum der Gebärmutterschleimhaut (Endometriumhyperplasie), Brust- und Eierstockkrebs, Thrombosen in den Beinen oder Lungenembolien. Die Zulassungsbehörde hat deshalb den Gebrauch von Linoladiol N eingeschränkt. Das Mittel darf nur vier Wochen lang angewendet werden. Außerdem soll es nicht gemeinsam mit anderen östrogenhaltigen Mitteln (wie Tabletten, Pflaster) zum Einsatz kommen.

Anwendung

Verschiedene Fachgesellschaften fordern übereinstimmend, eine Hormontherapie zur Behandlung von Wechseljahresbeschwerden nur noch in der niedrigsten wirksamen Dosierung und so kurz wie möglich durchzuführen. Es gibt also kein festgelegtes Dosierungsschema. Viele Frauen finden die für sie individuell richtige Dosierung selbst heraus. Tabletten können beispielsweise halbiert oder nur jeden zweiten Tag eingenommen werden. Auch Pflaster können meist einfach durchgeschnitten werden. Bei einer Gelanwendung ist es einfach individuell zu dosieren.

Damit der Hormonspiegel über den Tag hinweg möglichst wenig schwankt, sollten Sie Tabletten oder Gel immer zur gleichen Tageszeit anwenden.

Von Zeit zu Zeit ist es sinnvoll, die Dosierung des Mittels, egal welcher Anwendungsform, nach Rücksprache mit dem Arzt schrittweise zu verringern und es dann ganz wegzulassen, um zu prüfen, ob der Körper bereits wieder zu einem Gleichgewicht zurückgefunden hat. Wird das Mittel abrupt abgesetzt, können allerdings die alten Beschwerden erneut heftig auftreten. Dem können Sie begegnen, indem Sie viel trinken, Ihre körperliche Aktivität steigern, Yoga oder Meditation praktizieren, sich Kühlung verschaffen und Ihren Kontakt zu anderen Menschen intensivieren.

Frauen mit Gebärmutter, die mit einem estradiolhaltigen Mittel behandelt werden, nehmen mindestens in den letzten 12 bis 14 Tagen des Einnahmezyklus zusätzlich ein Präparat mit einem Gestagen ein. Sie können in dieser Zeit auch eine Sorte Pflaster, das beide Hormone enthält, aufkleben. Warum das notwendig ist, lesen Sie unter Behandlung mit Medikamenten.

Osteoporose

Bei Osteoporose kommen Estradiol-Tabletten ab 2 Milligramm und Estradiol im Pflaster ab 0,05 Milligramm in Frage.

Pflaster/Gel

Die Wirkstoffmenge von DERMESTRIL und Estramon reicht eine halbe Woche lang. Damit Sie den Zeitpunkt nicht versäumen, an dem Sie nach drei oder vier Tagen das Pflaster wechseln müssen, sollten Sie sich zwei Tage der Woche als Pflasterklebetage aussuchen.

DERMESTRIL-Septem, Estramon uno und Fem7 werden einmal wöchentlich erneuert.

Drei Wochen lang kleben Sie die Pflaster wie angegeben, dann folgt in der Regel eine Woche ohne Pflaster. Näheres zur korrekten Anwendung von Arzneipflastern lesen Sie unter Wirkstoffpflaster: Wie Sie medizinische Pflaster richtig anwenden.

Das Gel ist in einer Tube mit Dosiervorrichtung enthalten. Sie tragen es auf den Unterleib oder einen Oberschenkel auf. Am besten wechseln Sie die Auftragestelle täglich. Lassen Sie das Gel antrocknen und waschen Sie die Stelle eine Stunde lang nicht.

Vaginalcreme

Von Linoladiol N führen Sie in der ersten Woche jeden zweiten Abend eine Applikatorfüllung Creme ein, danach nur noch zweimal pro Woche. Bei manchen Frauen genügt eine Anwendung pro Woche. Linoladiol N darf nicht länger als vier Wochen angewendet werden, da sonst das Risiko für unerwünschte Wirkungen im gesamten Körper ansteigt.

Achtung

Manche Frauen, die diese Mittel über lange Zeit einnehmen, entwickeln Pigmentveränderungen (Chloasma). Sie bekommen vor allem im Gesicht dunkle Flecken, die sich durch Sonnenbestrahlung intensivieren. Diese Pigmentflecken vergehen häufig nicht wieder. Sie können versuchen, den Färbungen vorzubeugen, indem Sie das Mittel abends einnehmen und tagsüber Sonnenschutzmittel auftragen.

Östrogene sollten Sie sechs Wochen vor einer geplanten Operation, nach der Sie längere Zeit liegen müssen, absetzen. Durch Bewegungsmangel und längeres Liegen steigt das Thromboserisiko.

Wenn Sie Estradiol-Pflaster verwenden, beachten Sie, dass durch die Bestrahlung mit UV-Licht der Wirkstoff schneller abgebaut wird. Darum sollten Sie die Klebestelle nie direkt dem Sonnen- oder Solariumlicht aussetzen. Als Schutz genügt ein Stück Stoff.

Bei den Vaginalcremes handelt es sich um Medikamente, die – regelmäßig angewendet – die Beschaffenheit der Scheidenhaut verbessern sollen. Sie eignen sich nicht, um bei Bedarf als Gleitmittel eingesetzt zu werden. Bei Gebrauch über lange Zeit und häufigem Verkehr können beim Partner Wirkungen der weiblichen Hormone auftreten, z. B. Brustwachstum.

Gegenanzeigen

Unter folgenden Bedingungen dürfen Sie kein Östrogen einnehmen und auch nicht als Pflaster oder Gel auf der Haut anwenden:

  • Sie haben oder hatten Brust- oder Gebärmutterschleimhautkrebs oder die Schleimhaut Ihrer Gebärmutter ist verdickt.
  • Sie haben Vaginalblutungen, deren Ursache nicht geklärt ist.
  • Sie hatten schon einmal eine Thrombose oder eine Lungenembolie.
  • Sie haben eine akute Lebererkrankung. Liegt die Erkrankung schon länger zurück, dürfen Sie Östrogen nur einnehmen, wenn sich Ihre Leberwerte inzwischen wieder normalisiert haben.
  • Sie haben Angina Pectoris oder hatten vor Kurzem einen Herzinfarkt.

Unter folgenden Bedingungen muss der Arzt Nutzen und Risiken der Anwendung von Tabletten, Pflaster bzw. Gel besonders sorgfältig abwägen:

  • Sie haben Myome oder Endometriose. Wenn in dieser Situation Wechseljahreshormone angewendet werden, verringert sich der positive Effekt, den der Rückgang der natürlichen Östrogenproduktion auf diese Erkrankungen normalerweise hat.
  • Ihr Brustkrebsrisiko ist erhöht, was sich z. B. daran zeigt, dass Ihre Mutter oder eine Schwester Brustkrebs hat.
  • Sie haben hohen Blutdruck.
  • Sie haben gutartige Zellveränderungen in der Leber (Leberadenom).
  • Sie weisen Gallensteine auf.
  • Sie haben Diabetes.
  • Sie haben Asthma oder Epilepsie.
  • Sie leiden unter Migräne oder starken Kopfschmerzen.
  • Sie sind an Lupus erythematodes erkrankt, einer Autoimmunkrankheit, die sich an der Haut zeigt und auch die inneren Organe betrifft.
  • Sie haben eine spezielle Erkrankung der Knochen, die das Innenohr umgeben, was zur Schwerhörigkeit führt (Otosklerose).

Wechselwirkungen

Wechselwirkungen mit Medikamenten

Wenn Sie folgende Medikamente einnehmen, ist zu beachten, dass die hormonhaltigen Mittel zum Einnehmen dann nicht mehr so zuverlässig wirken wie gewohnt und vielleicht leichte Blutungen auftreten.

  • Kohlepräparate (bei Durchfall) können verhindern, dass die Hormone komplett ins Blut gelangen.
  • Rifampicin und Rifabutin (bei Tuberkulose), Carbamazepin, Phenobarbital, Phenytoin und Primidon (bei Epilepsien), Medikamente bei HIV-Infektion (z. B. Nelfinavir, Ritonavir) und möglicherweise Griseofulvin (innerlich bei Pilzinfektionen) beschleunigen den Hormonabbau durch die Leber. Das kann bis zu vier Wochen nach der letzten Einnahme anhalten.
  • Johanniskrautextrakt (bei Depressionen) kann besonders bei Einnahme über lange Zeit die Wirkung der Wechseljahreshormone beeinträchtigen.
  • Frauen mit Diabetes müssen während einer Hormontherapie eventuell mehr Insulin spritzen oder die Dosierung der Tabletten, mit denen der Diabetes behandelt wird, erhöhen.
  • Wenn Sie Ropinirol (bei Parkinsonkrankheit) einnehmen und eine Hormontherapie beginnen, können die Wirkung und Nebenwirkungen von Ropinirol verstärkt werden. Dann sollte der Arzt die Dosierung überprüfen. Beenden Sie dagegen die Hormontherapie, muss die Dosierung von Ropinirol eventuell erhöht werden, damit es ausreichend wirkt.

Wenn Sie bereits eine Hormontherapie mit Präparaten zum Einnehmen durchführen oder Pflaster oder Gels mit Hormonen dafür nutzen, sollten Sie nicht gleichzeitig eine hormonhaltige Vaginalcreme anwenden.

Nebenwirkungen

Alle folgenden Angaben gelten auch für die estradiolhaltige Vaginalcreme. Die Wirkungen sind aber sehr viel seltener und schwächer ausgeprägt.

Das Mittel kann Ihre Leberwerte beeinflussen, was Zeichen einer beginnenden Leberschädigung sein kann. Sie selbst bemerken in der Regel davon nichts, sondern es fällt nur bei Laborkontrollen durch den Arzt auf. Ob und welche Konsequenzen dies für Ihre Therapie hat, hängt sehr vom individuellen Fall ab. Bei einem lebensnotwendigen Medikament ohne Alternative wird man es oft tolerieren und die Leberwerte häufiger kontrollieren, in den meisten anderen Fällen wird Ihr Arzt das Medikament absetzen oder wechseln.

Keine Maßnahmen erforderlich

Die Brust kann spannen und es kann Ausfluss auftreten. Halten diese Beschwerden an, ist das Östrogen wahrscheinlich zu hoch dosiert. Ob Sie es reduzieren können, muss der Arzt entscheiden.

Bei Anwendung von Pflastern rötet sich bei 1 von 100 Frauen die Haut unter dem Pflaster oder sie juckt.

Bei der vaginalen Verwendung kann die Scheide sich röten, brennen und jucken. Halten diese Beschwerden länger an oder beginnt die Scheide zu schmerzen, sollten Sie mit dem Arzt besprechen, ob ein anderes Präparat für Sie geeigneter ist.

Muss beobachtet werden

Kopfschmerzen, Migräne, Übelkeit und Blähungen können auftreten, legen sich nach zwei bis drei Monaten aber meist wieder.

Wenden Sie sich an einen Arzt, wenn der Blutdruck längere Zeit über 140/90 mmHg steigt.

Sie können an Gewicht zulegen, weil Ihr Gewebe Wasser einlagert. Bemerken Sie jedoch Wasser in den Beinen, das innerhalb von sechs Wochen nicht zurückgeht, sollten Sie einen Arzt aufsuchen. Wahrscheinlich ist die Östrogendosis zu hoch.

Durch Wassereinlagerungen im Gewebe können sich Herz- und Nierenerkrankungen, Epilepsien, Asthma und Migräne verschlimmern. Wenn Sie an einer dieser Erkrankungen leiden und sich Ihre Beschwerden mit der Einnahme dieses Hormonpräparates verschlimmern, sollten Sie dies bald dem Arzt berichten.

Wenn wiederholt unregelmäßig Zwischenblutungen auftreten, muss ein Arzt abklären, ob sich dahinter ein Gebärmutterschleimhautkrebs verbirgt. Dieses Risiko ist bei Frauen um das 4- bis 14-fache erhöht, wenn sie die Östrogenbehandlung nicht mit der Einnahme von Gestagenen kombinieren.

Das Risiko, dass sich in der Galle Steine bilden oder sich eine Entzündung entwickelt, ist bei einer Hormonbehandlung erhöht. Von 10 000 Frauen, die ein Jahr lang Östrogen und Gestagen kombiniert anwenden, bekommen 55 durch die Behandlung eine Gallenblasenerkrankung. Bei Frauen, deren Gebärmutter entfernt wurde und die deshalb zu dem Östrogen nicht noch zusätzlich ein Gestagen brauchen, ist das Risiko höher. Von 10 000 dieser Frauen bekommen nach einjähriger Behandlung 78 eine Gallenblasenerkrankung. Diese kann sich durch Bauchschmerzen und -krämpfe bemerkbar machen. Bei derartigen Beschwerden, sollten Sie einen Arzt aufsuchen.

Darüber, wie sich die Anwendung von Östrogenpräparaten in den Wechseljahren auf das Brustkrebsrisiko auswirkt, liegen Zahlen aus den USA vor. Dort werden aber teilweise anders zusammengesetzte Präparate eingesetzt als in Deutschland. Für Frauen in Deutschland gibt es zu dieser Frage noch keine verlässlichen Zahlen. In der im Februar 2004 vorzeitig abgebrochenen großen amerikanischen Studie, in der Frauen ohne Gebärmutter nach den Wechseljahren nur mit Östrogen – ohne Gestagenzusatz – behandelt wurden, war das Brustkrebsrisiko nicht erhöht. Angaben zum Risiko für Frauen, die Östrogen kombiniert mit einem Gestagen einnehmen müssen, finden Sie unter Behandlung mit Medikamenten.

Den Frauen wird derzeit geraten, ihre Brust regelmäßig selbst abzutasten, sich zweimal jährlich untersuchen und – insbesondere im Alter zwischen 50 und 69 Jahren – alle zwei Jahre eine Mammografie machen zu lassen. Die Gefahr, einen möglichen Tumor erst recht spät zu entdecken, bleibt groß, weil das Brustgewebe durch die Östrogeneinnahme ähnlich "dicht" bleibt wie vor den Wechseljahren. Kleine Knoten sind dann schlecht zu ertasten, und Krebsherde sind in der Röntgenaufnahme einer solchen Brust schwieriger zu finden. In dieser Situation kann eine zusätzliche Ultraschalluntersuchung das Risiko verringern, einen Krebsherd im dichten Brustgewebe zu übersehen.

Der Verdacht, dass die Östrogenanwendung – egal, ob mit oder ohne Gestagenzusatz – das Risiko für Eierstockkrebs erhöht, bestand schon länger. Nun hat eine weitere Untersuchung aus dem Jahr 2009 dieses bestätigt. Durch Symptome wird man auf Eierstockkrebs erst sehr spät aufmerksam. Deshalb sollten Frauen, die Wechseljahreshormone – entgegen der derzeitigen Empfehlung – dauerhaft anwenden, während der Behandlung und in den ersten Jahren danach gezielt auf Veränderungen an den Eierstöcken untersucht werden, z. B. mit einer Ultraschalluntersuchung durch die Scheide.

In Einzelfällen kann sich bei einer Pflasteranwendung eine schmerzhafte Hautentzündung mit oder ohne Blasen entwickeln.

Sofort zum Arzt

Migräneartige Kopfschmerzen, die zum ersten Mal auftreten oder ungewöhnlich stark sind, Sehstörungen oder Flimmern vor den Augen und Hörschwäche, Schmerzen in der Leistenbeuge oder Kniekehle zusammen mit einem Schwere- oder Stauungsgefühl in den Beinen deuten auf eine Thrombose im Bein oder eine Embolie hin. Bei diesen Beschwerden sollten Sie sofort zum Arzt gehen.

Wenn sich schwere Hauterscheinungen mit Rötung und Quaddeln an Haut und Schleimhäuten sehr rasch (meist innerhalb von Minuten) entwickeln und zusätzlich Luftnot oder eine Kreislaufschwäche mit Schwindel und Schwarzsehen oder Durchfälle und Erbrechen auftreten, kann es sich um eine lebensbedrohliche Allergie bzw. einen lebensbedrohlichen allergischen Schock (anaphylaktischer Schock) handeln. In diesem Fall müssen Sie die Behandlung mit dem Medikament sofort stoppen und den Notarzt (Telefon 112) verständigen.

Bekommen Sie am ganzen Körper einen stark juckenden Nesselausschlag und treten Schwellungen im Gesicht, im Mund und an der Zunge begleitet von Luftnot auf, muss der Notarzt gerufen werden (Telefon 112).

Die Mittel könne die Leber schwer schädigen. Typische Anzeichen dafür sind eine dunkle Verfärbung des Urins, eine helle Verfärbung des Stuhlgangs oder es entwickelt sich eine Gelbsucht (erkennbar an einer Gelbfärbung der Augen), oft begleitet von starkem Juckreiz am ganzen Körper. Tritt eines dieser für einen Leberschaden charakteristischen Krankheitszeichen auf, müssen Sie sofort zum Arzt gehen.

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