Medikamente im Test

Hormon: Dydrogesteron

Wirkungsweise

Dydrogesteron ist ein künstlich hergestelltes Gestagen, das ähnlich wirkt wie Progesteron und bei Zyklusstörungen eingesetzt wird.

Künstlich hergestellte Gestagene weisen gegenüber dem natürlichen Progesteron Unterschiede in der gestagenen Wirkung und bei den unerwünschten Wirkungen auf. Je nachdem welche Veränderung an dem jeweiligen künstlichem Molekül vorliegen, ergeben sich unterschiedliche Effekte. Einflüsse auf den Stoffwechsel und die Leberfunktion können darauf beruhen. Dydrogesteron weist im Gegensatz zu anderen Wirkstoffen keine Restwirkung männlicher Hormone auf und wirkt diesen auch nicht entgegen.

Es kann Zyklusstörungen beeinflussen. Für Dydrogesteron weist eine Untersuchung auf ein im Vergleich zu allen anderen Gestagenen geringeres Risiko für Thombosen hin. In Expertenkreisen werden diesem Gestagen Eigenschaften zugesprochen, die natürlichem Progesteron vergleichbar sind. Daher werden Präparate mit Dydrogesteron bei Zyklusstörungen als "geeignet" bewertet.

Anwendung

Üblicherweise werden von Dydrogesteron 10 bis 20 Milligramm pro Tag eingenommen.

Gestagene zum Einnehmen werden nur in der zweiten Zyklushälfte eingesetzt. Wenn Sie die tägliche Medikamentendosis auf einmal einnehmen sollen, ist es sinnvoll, das am Abend zu tun, da Gestagene mehr oder weniger müde machen können.

Wenn Sie mehrmals vergessen, Ihre Tabletten einzunehmen, fällt der Gestagenspiegel im Blut ab. Dadurch kann sich eine leichte Blutung einstellen.

Zwei bis fünf Tage nach der letzten Tablette tritt eine Blutung auf. Sie dauert zwei bis vier Tage.

Die Behandlung wird meist bis zu drei Monate lang durchgeführt. Danach sollte pausiert werden, um zu prüfen, ob der Zyklus auch ohne medikamentöse Unterstützung normal verläuft. In dieser Zeit sollten Sie die morgendliche Aufwachtemperatur messen, um festzustellen, ob ein Eisprung stattfindet.

Gegenanzeigen

Unter folgenden Bedingungen dürfen Sie Dydrogesteron nicht anwenden:

  • Sie haben Vaginalblutungen, deren Ursache nicht geklärt ist.
  • Bei Ihnen besteht eine Lebererkrankung oder eine schwerwiegende Leberfunktionsstörung oder der Abfluss der Galle ist gestört.
  • Sie haben einen Tumor, dessen Wachstum durch Gestagen gefördert wird (z. B. Meningiom).

Unter folgenden Bedingungen muss der Arzt Nutzen und Risiken einer Behandlung besonders sorgfältig abwägen:

  • Sie hatten schon einmal eine Thrombose oder eine Thromboembolie. Wenn in Ihrer Familie jemand davon betroffen ist, sollte vor der Behandlung die Gerinnungsfähigkeit Ihres Blutes bestimmt werden.
  • Sie hatten während einer Schwangerschaft einen lang anhaltenden, juckenden Hautausschlag am ganzen Körper (Herpes gestationis) oder eine Gelbsucht.
  • Sie leiden an Herz- oder Nierenerkrankungen, Epilepsie oder Asthma. Weil der Körper durch Gestagene vermehrt Wasser einlagert, können sich diese Krankheiten verschlimmern.
  • Sie leiden unter Depressionen oder waren in der Vergangenheit davon betroffen. Diese können unter der Behandlung wieder auftreten oder sich verschlimmern.
  • Wenn Sie während einer Schwangerschaft einen Diabetes entwickelt oder ein Kind von mehr als 4 000 Gramm geboren haben, wenn Sie selbst übergewichtig oder mehrere nahe Verwandte Diabetiker sind, sind das Hinweise, dass Sie selbst einmal Diabetikerin werden könnten. Wenn Sie dann ein Gestagen anwenden, kann es sein, dass der Diabetes zum Ausbruch kommt.

Wechselwirkungen

Wechselwirkungen mit Medikamenten

Wenn Sie noch andere Medikamente nehmen, ist zu beachten:

  • Dydrogesteron wirkt schwächer, wenn Sie gleichzeitig Medikamente einnehmen, die den Abbau von Gestagenen beschleunigen. Dazu zählen z. B. Phenytoin, Phenobarbital oder Carbamazepin (bei Epilepsien), Rifampicin (bei Tuberkulose), Griseofulvin (innerlich bei Pilzinfektionen) oder Johanniskraut (bei vorübergehenden depressiven Verstimmungszuständen). Eventuell muss die Dosierung des Hormons bei gleichzeitiger Anwendung dieser Mittel angepasst werden. Der Abbau von Dydrogesteron kann auch bis zu vier Wochen nach der letzten Einnahme eines der genannten Mittel noch beschleunigt sein.
  • Auch Medikamente bei HIV-Infektion (z. B. Nelfinavir, Nevirapin und Ritonavir) oder Hepatitis-C-Infektionen (z. B. Boceprevir und Telaprevir) können die Wirksamkeit des Mittels verändern, so dass sie stärker oder schwächer wirken.
  • Wenn Sie Kohlepräparate einnehmen, um einen Durchfall zu stoppen, kann der Körper das Gestagen nicht komplett aufnehmen. Es wirkt dann schwächer.
  • Frauen mit Diabetes müssen bei einer Gestagentherapie eventuell mehr Insulin spritzen oder die Dosierung der Tabletten, mit denen der Diabetes behandelt wird, erhöhen. Sie sollten daher sorgfältig ihren Blutzucker kontrollieren.

Nebenwirkungen

Immer wieder wird die Frage diskutiert, ob die Daueranwendung von Mitteln, die nur Gestagen enthalten, das Brustkrebsrisiko geringfügig erhöhen können. Dazu gibt es widersprüchliche Studienergebnisse. Zwei Studien, die der Hersteller einer Gestagenspirale in Auftrag gab, finden kein gesteigertes Risiko; eine industrieunabhängige Studie hingegen schon. Derzeit kann jedenfalls nicht ausgeschlossen werden, dass auch bei Anwendung von Gestagenpräparaten das Brustkrebsrisiko ähnlich ansteigt wie bei der Einnahme von empfängnisverhütenden Pillen, die Östrogen und Gestagen enthalten. Bei diesen Mitteln ist es während der Einnahme leicht erhöht, verringert sich nach dem Absetzen aber allmählich. Nach zehn pillenfreien Jahren gleicht es sich wieder dem von Frauen an, die keine Pille eingenommen haben.

Wenn man für sich persönlich Risiko und Nutzen der Mittel gegeneinander abwägt, ist zu bedenken, dass viele Körpergewebe auf die Zufuhr der Hormone reagieren. So ist bekannt, dass Gestagene das Risiko von Eierstockkrebs und Gebärmutterkrebs absenken können.

Keine Maßnahmen erforderlich

Mindestens 1 von 100 Frauen nimmt bei Einnahme von Gestagenen an Gewicht zu, weil einerseits der Appetit wächst und andererseits der Körper durch das Hormon in seinen Geweben mehr Wasser einlagert.

Es können Magen-Darm-Beschwerden wie Verstopfung, Übelkeit und Bauchschmerzen auftreten.

Bei mehr als 10 von 100 Frauen gibt es Zwischenblutungen, die zu Beginn der Behandlung über Monate hinweg immer wieder auftreten können.

Die Lust auf Sex kann sich verringern.

Bei 1 bis 10 von 1 000 Frauen kann sich eine Akne entwickeln und die Brust kann spannen und/oder schmerzen. Auch Haarausfall kann auftreten.

Muss beobachtet werden

Wenn sich die Haut rötet und juckt, reagieren Sie vermutlich allergisch auf das Mittel. Bei solchen Hauterscheinungen sollten Sie einen Arzt aufsuchen.

Etwa jede zehnte Frau bekommt Kopfschmerzen. In der Regel legen sich diese bald wieder. Treten sie jedoch ungewöhnlich häufig auf oder sind sie besonders stark, sollten Sie einen Arzt aufsuchen.

Durch Wassereinlagerungen im Gewebe können sich Herz- und Nierenerkrankungen, Epilepsien, Asthma und Migräne verschlimmern. Davon sollten Sie bald dem Arzt berichten.

Bei Anwendung über längere Zeit können sich Erkrankungen der Leber und der Gallenwege einstellen. Treten Übelkeit, Erbrechen und/oder dunkel gefärbter Urin auf und ist der Stuhl auffällig hell, sollten Sie einen Arzt aufsuchen.

Wenn Unterbauchschmerzen erstmalig oder erneut auftreten, kann dies ein Zeichen dafür sein, dass sich an einem Eierstock eine Zyste (gutartiges, mit Flüssigkeit gefülltes Geschwulst) gebildet hat. Das kann ein Frauenarzt mittels Ultraschall feststellen.

Gestagene können den Blutdruck ansteigen lassen. Normalerweise bemerken Sie das nur, wenn Sie ihn regelmäßig messen. Steigt der Blutdruck über 140/90 mmHg an, sollten Sie einen Arzt aufsuchen.

Gestagene können starke Stimmungsschwankungen auslösen und die Ausbildung einer Depression begünstigen. Wenn Sie bei sich oder nahestehende Personen bei Ihnen entsprechende Anzeichen bemerken, sollten Sie ärztliche Hilfe suchen.

Sofort zum Arzt

Schmerzen in den Beinen oder im Brustkorb, Atemnot, akute Seh- und Hörstörungen und migräneartige Kopfschmerzen, die zum ersten Mal auftreten, können Anzeichen einer Thrombose oder einer Embolie sein. Diese ist lebensgefährlich. Bei den ersten Warnzeichen sollten Sie sich sofort an einen Arzt wenden.

Durch Gestagene kann sich die Stoffwechselkrankheit Porphyrie entwickeln. Darauf können Sie aufmerksam werden, wenn Urinflecken in der Unterwäsche auffallend dunkel gefärbt sind oder wenn Ihr Urin dunkler aussieht als früher und Sie Bauchbeschwerden haben. Suchen Sie dann umgehend einen Arzt auf.

Besondere Hinweise

Für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren

Wegen nicht ausreichender Erfahrungen wird die Anwendung bei Frauen unter 18 Jahren nicht empfohlen.

Für Schwangerschaft und Stillzeit

Sind Sie während einer Behandlung mit Dydrogesteron schwanger geworden, ist das trotz der obigen Warnung kein Grund zur Sorge. Wenn Sie auf den Umstand aufmerksam werden, weil die nächste Blutung ausbleibt, haben Sie das Gestagen höchstens zehn Tage lang in der Frühschwangerschaft eingenommen. In dieser Zeit hat der Embryo noch keinen Kontakt zu Ihrem Blut, sodass ihn das Gestagen nicht erreichen konnte.

Sie sehen nun nur noch Informationen zu: ${filtereditemslist}.