Medikamente im Test

Hormon: Dienogest

Wirkungsweise

Dieses Mittel enthält das Gestagen Dienogest. Verschiedene Studien haben die Wirksamkeit von Dienogest bei Endometriose belegt. Bei 37 von 100 Frauen verringerten sich die Endometrioseschmerzen um mehr als die Hälfte. Bei den Frauen, die mit einem Scheinmedikament behandelt wurden, waren es nur knapp 20 von 100. Tabletten mit Dienogest scheinen ebenso wirksam zu sein wie die ebenfalls gegen Endometriose eingesetzen GnRH-Analoga. Diese müssen als Nasenspray oder Injektion verabreicht werden, wohingegen Visanne als Tabletten eingenommen werden kann.

Eine Studie mit rund 330 Frauen, die über ein Jahr lang Dienogest einnahmen, ergab, dass Schmerzen und Blutungen im Verlauf der Behandlung abnehmen. Schwerwiegende unerwünschte Ereignisse wurden über einen Zeitraum von 15 Monaten nicht beobachtet. Als häufigste Nebenwirkung sind in den ersten drei Monaten bei etwa einem Drittel der Frauen Zwischenblutungen aufgetreten. Allerdings war die Zahl der Frauen in dieser Studie recht gering. So ist beispielsweise noch die Frage offen, ob sich beim Langzeiteinsatz von Dienogest allein die Knochendichte absenkt und damit das Bruchrisiko ansteigt.

Außerdem kann man mit den bisherigen wissenschaftlichen Untersuchungen noch nicht beurteilen, wie groß das Risiko für Thrombosen und Lungenembolien im Vergleich zu anderen Gestagenen ist. Dabei ist allerdings zu berücksichtigen, dass derzeit in Deutschland nur Dienogest eine Zulassung für die Behandlung von Endometriose besitzt.

Insgesamt wird das Gestagen Dienogest als verträglicher für eine längere Behandlung der Endometriose eingeschätzt als GnRH-Analoga.

Darüber hinaus wird der Wirkstoff schon seit längerem – allein oder in Kombination – zur Empfängnisverhütung (Pille) oder zur Behandlung von Wechseljahresbeschwerden eingesetzt.

Anwendung

Sie nehmen jeden Tag möglichst zur selben Zeit eine Tablette ein. Wie lange die Einnahme erfolgen soll, muss der Arzt individuell entscheiden. Erfahrungen für die Endometriosebehandlung liegen für maximal 15 Monate vor.

Falls Sie drei bis vier Stunden nach der Einnahme der Tablette erbrechen müssen oder Durchfall bekommen, kann die Wirksamkeit verringert sein, weil das Mittel noch nicht in den Körper aufgenommen wurde. Dann sollten Sie eine weitere Tablette einnehmen. Am nächsten Tag nehmen Sie dann die nächste Tablette wie gewohnt ein.

Achtung

Wenn Sie ein hormonelles Verhütungsmittel anwenden (Pille, Minipille) müssen Sie dies vor der Anwendung absetzen und auf eine andere Verhütungsmethode (z. B. Kondome oder ein Diaphragma) umsteigen.

Wenn Sie dazu neigen, bei UV-Bestrahlung braune Flecken zu entwickeln, sollten Sie Sonnenbäder und Solarienbestrahlung vermeiden, solange Sie das Mittel einnehmen.

Gegenanzeigen

Unter folgenden Bedingungen dürfen Sie das Mittel nicht anwenden:

  • Sie haben Vaginalblutungen, deren Ursache sich nicht klären lässt.
  • Sie haben einen Tumor, dessen Wachstum durch Hormone beeinflusst wird oder es besteht der Verdacht auf einen solchen Tumor. Das kann beispielsweise bei Brustkrebs der Fall sein.
  • Sie haben eine Lebererkrankung oder eine schwerwiegende Leberfunktionsstörung oder der Abfluss der Galle ist gestört.

Unter folgenden Bedingungen muss der Arzt Nutzen und Risiken einer Behandlung besonders sorgfältig abwägen:

  • Sie hatten schon einmal eine Thrombose oder eine Thromboembolie. Wenn in Ihrer Familie jemand davon betroffen ist, sollte vor der Behandlung die Gerinnungsfähigkeit Ihres Blutes bestimmt werden.
  • Sie hatten während einer Schwangerschaft einen lang anhaltenden, juckenden Hautausschlag am ganzen Körper (Herpes gestationis) oder eine Gelbsucht.
  • Sie leiden an Herz- oder Nierenerkrankungen, Epilepsie oder Asthma. Weil der Körper durch Gestagene vermehrt Wasser einlagert, können sich diese Krankheiten verschlimmern.
  • Sie leiden unter Depressionen oder waren in der Vergangenheit davon betroffen. Diese können unter der Behandlung wieder auftreten oder sich verschlimmern.
  • Wenn Sie während einer Schwangerschaft einen Diabetes entwickelt oder ein Kind von mehr als 4 000 Gramm geboren haben, wenn Sie selbst übergewichtig oder mehrere nahe Verwandte Diabetiker sind, sind das Hinweise, dass Sie selbst einmal Diabetikerin werden könnten. Wenn Sie dann ein Gestagen anwenden, kann es sein, dass der Diabetes zum Ausbruch kommt.

Wechselwirkungen

Wechselwirkungen mit Medikamenten

Wenn Sie noch andere Medikamente nehmen, ist zu beachten:

  • Gestagene wirken schwächer, wenn Sie gleichzeitig Medikamente einnehmen, die den Abbau von Gestagenen beschleunigen. Dazu zählen z. B. Phenytoin, Phenobarbital oder Carbamazepin (bei Epilepsien), Rifampicin (bei Tuberkulose), oder Griseofulvin (innerlich bei Pilzinfektionen) oder Johanniskraut (bei vorübergehenden depressiven Verstimmungszuständen). Eventuell muss die Dosierung von Dienogest bei gleichzeitiger Anwendung dieser Mittel angepasst werden. Der Abbau des Gestagens kann auch bis zu vier Wochen nach der letzten Einnahme eines der genannten Mittel noch beschleunigt sein.
  • Auch Medikamente bei HIV-Infektion (z. B. Nelfinavir, Nevirapin und Ritonavir) oder Hepatitis C-Infektionen (z. B. Boceprevir und Telaprevir) können die Wirksamkeit der Gestagene verändern, so dass sie stärker oder schwächer wirken.
  • Wenn Sie Kohlepräparate einnehmen, um einen Durchfall zu stoppen, kann der Körper das Gestagen nicht komplett aufnehmen. Es wirkt dann schwächer.
  • Frauen mit Diabetes müssen bei einer Gestagentherapie eventuell mehr Insulin spritzen oder die Dosierung der Tabletten, mit denen der Diabetes behandelt wird, erhöhen. Sie sollten daher sorgfältig ihren Blutzucker kontrollieren.

Nebenwirkungen

Immer wieder wird die Frage diskutiert, ob die Daueranwendung von Mitteln, die nur Gestagen enthalten, das Brustkrebsrisiko geringfügig erhöhen können. Dazu gibt es aber widersprüchliche Studienergebnisse. Derzeit kann jedenfalls nicht ausgeschlossen werden, dass auch bei Anwendung von Gestagenpräparaten das Brustkrebsrisiko ähnlich ansteigt wie bei der Einnahme von empfängnisverhütenden Pillen, die Östrogen und Gestagen enthalten. Bei diesen Mitteln ist es während der Einnahme leicht erhöht, verringert sich nach dem Absetzen aber allmählich. Nach zehn pillenfreien Jahren gleicht es sich wieder dem von Frauen an, die keine Pille eingenommen haben.

Wenn man für sich persönlich Risiko und Nutzen der Mittel gegeneinander abwägt, ist auch zu bedenken, dass viele Körpergewebe auf die Zufuhr der Hormone reagieren. So ist bekannt, dass Gestagene das Risiko von Eierstockkrebs und Gebärmutterkrebs absenken können.

Keine Maßnahmen erforderlich

Mindestens 1 von 100 Frauen nimmt bei Einnahme von Gestagenen an Gewicht zu, weil einerseits der Appetit wächst und andererseits der Körper durch das Hormon in seinen Geweben mehr Wasser einlagert.

Es können Magen-Darm-Beschwerden wie Verstopfung, Übelkeit und Bauchschmerzen auftreten.

Bei mehr als 10 von 100 Frauen gibt es Zwischenblutungen, die zu Beginn der Behandlung über Monate hinweg immer wieder auftreten können.

Die Lust auf Sex kann sich verringern.

Bei 1 bis 10 von 1 000 Frauen kann sich eine Akne entwickeln und die Brust kann spannen und/oder schmerzen. Auch Haarausfall kann auftreten.

Muss beobachtet werden

Wenn sich die Haut rötet und juckt, reagieren Sie vermutlich allergisch auf das Mittel. Bei solchen Hauterscheinungen sollten Sie einen Arzt aufsuchen.

Etwa jede zehnte Frau bekommt Kopfschmerzen. In der Regel legen sich diese bald wieder. Treten sie jedoch ungewöhnlich häufig auf oder sind sie besonders stark, sollten Sie einen Arzt aufsuchen.

Durch Wassereinlagerungen im Gewebe können sich Herz- und Nierenerkrankungen, Epilepsien, Asthma und Migräne verschlimmern. Davon sollten Sie bald dem Arzt berichten.

Bei einer Anwendung über längere Zeit können sich Erkrankungen der Leber und der Gallenwege einstellen. Treten Übelkeit, Erbrechen und/oder dunkel gefärbter Urin auf und ist der Stuhl auffällig hell, sollten Sie einen Arzt aufsuchen.

Wenn Unterbauchschmerzen erstmalig oder erneut auftreten, kann dies ein Zeichen dafür sein, dass sich an einem Eierstock eine Zyste (gutartige, mit Flüssigkeit gefüllte Geschwulst) gebildet hat. Das kann ein Frauenarzt mittels Ultraschall feststellen.

Gestagene können den Blutdruck ansteigen lassen. Normalerweise bemerken Sie das nur, wenn Sie ihn regelmäßig messen. Steigt der Blutdruck über 140/90 mmHg an, sollten Sie einen Arzt aufsuchen.

Gestagene können starke Stimmungsschwankungen auslösen und die Ausbildung einer Depression begünstigen. Wenn Sie bei sich oder nahestehende Personen bei Ihnen entsprechende Anzeichen bemerken, sollten Sie ärztliche Hilfe suchen.

Sofort zum Arzt

Schmerzen in den Beinen oder im Brustkorb, Atemnot, akute Seh- und Hörstörungen und migräneartige Kopfschmerzen, die zum ersten Mal auftreten, können Anzeichen einer Thrombose oder einer Embolie sein. Diese ist lebensgefährlich. Bei den ersten Warnzeichen sollten Sie sich sofort an einen Arzt wenden.

Durch Gestagene kann sich die Stoffwechselkrankheit Porphyrie entwickeln. Darauf können Sie aufmerksam werden, wenn Urinflecken in der Unterwäsche auffallend dunkel gefärbt sind oder wenn Ihr Urin dunkler aussieht als vor der Behandlung und Sie Bauchbeschwerden haben. Suchen Sie dann umgehend einen Arzt auf.

Besondere Hinweise

Für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren

Junge Mädchen, die schwanger werden können und Endometriosebeschwerden haben, können mit dem Mittel behandelt werden. Allerdings gibt es Hinweise, dass sich eine Gestagenbehandlung bei Jugendlichen negativ auf die Knochendichte auswirken kann.

Zur Empfängnisverhütung

Dienogest kann die Wirkung männlicher Sexualhormone abschwächen. Das kann bei männlichen Embryonen dazu führen, dass sich die Merkmale, deren Ausprägung auf diese Hormone angewiesen sind, weniger stark ausbilden. Darum sollte vor der Behandlung mit Dienogest eine Schwangerschaft ausgeschlossen werden, während der Behandlung sollte sie verhindert werden. Verhütungsmittel, deren Wirkung auf Hormonen beruht, eignen sich dafür nicht; die Pille scheidet somit aus. In Frage kommen beispielsweise Kondome oder ein Diaphragma.

Für Schwangerschaft und Stillzeit

Sind Sie trotz aller Vorsichtsmaßnahmen im Laufe der Behandlung schwanger geworden, sollten Sie das Medikament sofort absetzen. Eine versehentliche Anwendung in der Frühschwangerschaft ist aber nach bisherigen Erkenntnissen für das ungeborene Kind unproblematisch.

Während der Behandlung mit Dienogest sollten Sie nicht stillen. Nach tierexperimentellen Untersuchungen geht Dienogest in die Muttermilch über. Ob und in welchem Ausmaß das auch beim Menschen der Fall ist, ist noch nicht ausreichend untersucht. Wenn eine Behandlung mit Dienogest unabdingbar ist, sollten Sie daher vorsichtshalber abstillen.

Beim Tragen von Kontaktlinsen

Die Mittel können die Zusammensetzung der Tränenflüssigkeit verändern. Dann werden Kontaktlinsen oft schlechter vertragen.

Sie sehen nun nur noch Informationen zu: ${filtereditemslist}.

Anwendungsgebiete dieses Wirkstoffs