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Hormon: Chlormadinon

Wirkungsweise

Chlormadinon ist ein synthetisches Gestagen, das ähnlich wirkt wie das körpereigene Gestagen Progesteron. Im Gegensatz zu diesem wirkt Chlormadinon aber zusätzlich noch den männlichen Hormonen entgegen.

Beschwerden in den Wechseljahren

Der Wirkstoff wird eingenommen, wenn Frauen mit Gebärmutter wegen Wechseljahresbeschwerden Östrogene einnehmen. Normalerweise muss jede Östrogenbehandlung durch die Einnahme eines Gestagens ergänzt werden. Warum das notwendig ist, lesen Sie unter Behandlung mit Medikamenten. Nur Frauen, deren Gebärmutter entfernt wurde oder die den Wirkstoff Estriol in geringer Dosierung vaginal anwenden, brauchen kein zusätzliches Gestagen.

Prämenstruelles Syndrom, Zyklusstörungen und -beschwerden

Der Wirkstoff kann Zyklusstörungen beeinflussen.

Beschwerden in den Wechseljahren und Prämenstruelles Syndrom, Zyklusstörungen und -beschwerden

Chlormadinon eignet sich besonders für Frauen, in deren Hormonmuster von Natur aus die männliche Komponente betont ist. Sichtbar wird das an einer eher fettigen Haut, die zu Akne neigt, an einer stärkeren Gesichtsbehaarung und der Neigung zu Haarausfall. Diesen Symptomen kann Chlormadinon entgegenwirken. Allerdings kann es in den Stoffwechsel und die Leberfunktion stärker eingreifen als natürliches Progesteron. Obwohl Chlormadinon schon relativ lange angewendet wird, finden sich über sein Risiko für Venenthrombosen und Lungenembolien keine aussagekräftigen Untersuchungen. Deshalb ist keine verlässliche Risiko-Schaden-Bilanz möglich. Produkte mit Chlormadinon werden daher sowohl für die Behandlung von Wechseljahresbeschwerden als auch bei Zyklusstörungen als "mit Einschränkung geeignet" bewertet.

Anwendung

Beschwerden in den Wechseljahren

Für die kombinierte Anwendung von Östrogen und Gestagen in den Wechseljahren gibt es verschiedene Anwendungsweisen. Welche Dosierung und welches Schema für die Frau infrage kommen, hängt davon ab, wie stark ihre Gebärmutterschleimhaut auf Östrogen reagiert und ob sie sich weiterhin mit Blutungen abfinden möchte. Derzeit ist es gebräuchlich, das Gestagen während der letzten zehn Tage zusätzlich zu dem Östrogen einzunehmen. Besser ist eine Einnahmedauer von 12, 14 oder noch mehr Tagen, um das Risiko für Gebärmutterschleimhautkrebs gering zu halten. Untersuchungen weisen darauf hin, dass das durch die Östrogenbehandlung erhöhte Risiko umso geringer ist, je länger zusätzlich ein Gestagen angewendet wird.

Die Kombinationsbehandlung mit Östrogen und Gestagen aus getrennten Präparaten kann auf zweierlei Art erfolgen:

  • Es wird ein Zyklus imitiert. Dazu werden 21 Tage lang Östrogentabletten eingenommen oder -pflaster aufgeklebt. In den letzten 10 bis 14 Tagen des Behandlungszyklus werden zusätzlich Tabletten oder Pflaster verwendet, die Gestagen enthalten. Anschließend folgt eine hormonfreie Woche, in der sich meist eine leichte Blutung einstellt, bei der die Gebärmutterschleimhaut abgestoßen wird. Nach sieben Tagen beginnt der neue Einnahmezyklus – auch dann, wenn die Blutung noch anhält. Diese Anwendung eignet sich für Frauen, die noch Blutungen haben und denen es nichts ausmacht, dass sie noch eine Weile andauern.
  • Bei der alternativen Behandlungsart werden von Anfang an beide Hormone gemeinsam angewendet. So baut sich die Gebärmutterschleimhaut gar nicht erst stark auf. Vor allem bei Frauen, die schon ein bis zwei Jahre lang keine spontanen Blutungen mehr hatten, verdickt sich die Gebärmutterschleimhaut dann kaum, sodass die Blutung komplett ausbleibt. Diese Frauen können die Kombination durchgängig einnehmen. Nach den vorliegenden Daten ist das Risiko für Gebärmutterschleimhautkrebs bei einer kontinuierlichen Einnahme von Östrogen und Gestagen nicht erhöht. Allerdings müssen die Frauen öfter mit leichten Zwischenblutungen rechnen.

Gestagene machen müde. Am besten nehmen Sie die Tabletten daher abends ein.

Prämenstruelles Syndrom, Zyklusstörungen und -beschwerden

Gegen Zyklusstörungen wird Chlormadinon üblicherweise in einer Dosis von zwei bis sechs Milligramm pro Tag eingenommen.

Das Mittel wird nur in der zweiten Zyklushälfte eingesetzt. Wenn Sie die tägliche Medikamentendosis auf einmal einnehmen sollen, ist es sinnvoll, das am Abend zu tun, da Gestagene mehr oder weniger müde machen können.

Wenn Sie mehrmals vergessen, Ihre Tabletten einzunehmen, fällt der Gestagenspiegel im Blut ab. Dadurch kann sich eine leichte Blutung einstellen.

Zwei bis fünf Tage nach der letzten Tablette tritt eine Blutung auf. Sie dauert zwei bis vier Tage.

Die Behandlung wird meist bis zu drei Monate lang durchgeführt. Danach sollte pausiert werden, um zu prüfen, ob der Zyklus auch ohne medikamentöse Unterstützung normal verläuft. In dieser Zeit sollten Sie die morgendliche Aufwachtemperatur messen, um festzustellen, ob ein Eisprung stattfindet.

Gegenanzeigen

Unter folgenden Bedingungen dürfen Sie keine Gestagene anwenden:

  • Sie haben Vaginalblutungen, deren Ursache nicht geklärt ist.
  • Bei Ihnen besteht eine Lebererkrankung oder eine schwerwiegende Leberfunktionsstörung oder der Abfluss der Galle ist gestört.
  • Sie haben einen Tumor, dessen Wachstum durch Gestagen gefördert wird (z. B. Meningiom).
  • Insbesondere bei kombinierter Anwendung mit einem Östrogen: Sie hatten schon einmal eine Krebserkrankung der Brust oder der Eierstöcke.
  • Sie hatten schon einmal eine Thrombose oder eine Thromboembolie oder Ihr Risiko für eine Thrombose ist erhöht, z. B. weil Sie längere Zeit liegen mussten oder Sie stark übergewichtig sind.

Unter folgenden Bedingungen muss der Arzt Nutzen und Risiken der Anwendung besonders sorgfältig abwägen:

  • Wenn ein Verwandter ersten Grades bereits in jungen Jahren eine Thromboembolie entwickelt hat, sollte vor der Behandlung die Gerinnungsfähigkeit Ihres Blutes bestimmt werden.
  • Sie hatten während einer Schwangerschaft einen lang anhaltenden, juckenden Hautausschlag am ganzen Körper (Herpes gestationis) oder eine Gelbsucht.
  • Sie leiden an Herz- oder Nierenerkrankungen, Epilepsie oder Asthma. Weil der Körper durch Gestagen vermehrt Wasser einlagert, können sich diese Krankheiten verschlimmern.
  • Sie leiden unter Depressionen oder waren in der Vergangenheit davon betroffen. Diese können unter der Behandlung wieder auftreten oder sich verschlimmern.
  • Wenn Sie während einer Schwangerschaft einen Diabetes entwickelt oder ein Kind von mehr als 4 000 Gramm geboren haben, wenn Sie selbst übergewichtig oder mehrere nahe Verwandte Diabetiker sind, sind das Hinweise, dass Sie selbst einmal Diabetikerin werden könnten. Wenn Sie dann ein Gestagen anwenden, kann es sein, dass der Diabetes zum Ausbruch kommt.
  • Sie hatten schon mal einen Schlaganfall. Dann sollten Sie das Mittel gemeinsam mit einem Östrogen nur niedrig dosiert einnehmen.

Wechselwirkungen

Wechselwirkungen mit Medikamenten

Wenn Sie noch andere Medikamente nehmen, ist zu beachten:

  • Gestagene wirken schwächer, wenn Sie gleichzeitig Medikamente einnehmen, die den Abbau von Gestagenen beschleunigen. Dazu zählen z. B. Phenytoin, Phenobarbital oder Carbamazepin (bei Epilepsien), Rifampicin (bei Tuberkulose), Griseofulvin (innerlich bei Pilzinfektionen) oder Johanniskraut (bei Depressionen). Eventuell muss die Dosierung des Hormons bei gleichzeitiger Anwendung dieser Mittel angepasst werden. Der Abbau des Gestagens kann auch bis zu vier Wochen nach der letzten Einnahme eines der genannten Mittel noch beschleunigt sein.
  • Auch Medikamente bei HIV-Infektion (z. B. Nelfinavir, Nevirapin und Ritonavir) oder Hepatitis-C-Infektionen (z. B. Boceprevir und Telaprevir) können die Wirksamkeit der Gestagene verändern, so dass sie stärker oder schwächer wirken.
  • Wenn Sie Kohlepräparate einnehmen, um einen Durchfall zu stoppen, kann der Körper das Gestagen nicht komplett aufnehmen. Es wirkt dann schwächer.
  • Frauen mit Diabetes müssen bei einer Gestagentherapie eventuell mehr Insulin spritzen oder die Dosierung der Tabletten, mit denen der Diabetes behandelt wird, erhöhen. Sie sollten daher sorgfältig ihren Blutzucker kontrollieren.

Nebenwirkungen

Das Mittel kann Ihre Leberwerte beeinflussen, was Zeichen einer beginnenden Leberschädigung sein kann. Sie selbst bemerken in der Regel davon nichts, sondern es fällt nur bei Laborkontrollen durch den Arzt auf. Ob und welche Konsequenzen dies für Ihre Therapie hat, hängt sehr vom individuellen Fall ab. Bei einem lebensnotwendigen Medikament ohne Alternative wird man es oft tolerieren und die Leberwerte häufiger kontrollieren, in den meisten anderen Fällen wird Ihr Arzt das Medikament absetzen oder wechseln.

Keine Maßnahmen erforderlich

1 bis 10 von 1 000 Frauen nehmen bei Einnahme von Gestagenen an Gewicht zu, in der Hauptsache, weil der Körper durch das Hormon in seinen Geweben mehr Wasser einlagert.

Es können Magen-Darm-Beschwerden wie Verstopfung, Übelkeit und Bauchschmerzen auftreten.

Die Lust auf Sex kann sich verändern.

Bei 1 bis 10 von 100 Frauen gibt es Zwischenblutungen, die zu Beginn der Behandlung über Monate hinweg immer wieder auftreten können.

Beschwerden in den Wechseljahren

Das Brustgewebe verdichtet sich, wenn Gestagene eingenommen werden. Wenn ein Arzt eine Mammographie macht, sollten Sie ihn über die Einnahme des Mittels informieren.

Muss beobachtet werden

Wenn die Haut sich verstärkt rötet und juckt, reagieren Sie möglicherweise allergisch auf das Mittel. Bei solchen Hauterscheinungen sollten Sie einen Arzt aufsuchen, um zu klären, ob es sich tatsächlich um eine allergische Hautreaktion handelt, Sie das Mittel ersatzlos absetzen können oder ein Alternativmedikament benötigen.

Etwa jede zehnte Frau bekommt Kopfschmerzen. In der Regel legen sich diese bald wieder. Treten sie jedoch ungewöhnlich häufig auf oder sind sie besonders stark, sollten Sie einen Arzt aufsuchen.

Durch Wassereinlagerungen im Gewebe können sich Herz- und Nierenerkrankungen, Epilepsien, Asthma und Migräne verschlimmern. Davon sollten Sie bald dem Arzt berichten.

Gestagene können den Blutdruck ansteigen lassen. Normalerweise bemerken Sie das nur, wenn Sie ihn regelmäßig selbst messen. Steigt der Blutdruck über 140/90 mmHg an, sollten Sie einen Arzt aufsuchen.

Gestagene können starke Stimmungsschwankungen auslösen und die Ausbildung einer Depression begünstigen. Wenn Sie bei sich oder nahestehende Personen bei Ihnen entsprechende Anzeichen bemerken, sollten Sie ärztliche Hilfe suchen.

Sofort zum Arzt

Das Mittel kann die Leber vereinzelt schwer schädigen. Typische Anzeichen dafür sind: eine dunkle Verfärbung des Urins, eine helle Verfärbung des Stuhlgangs oder es entwickelt sich eine Gelbsucht (erkennbar an einer gelb verfärbten Augenbindehaut), oft begleitet von starkem Juckreiz am ganzen Körper. Tritt eines dieser für einen Leberschaden charakteristischen Krankheitszeichen auf, müssen Sie sofort zum Arzt gehen.

Schmerzen in den Beinen oder im Brustkorb, Atemnot, akute Seh- und Hörstörungen und migräneartige Kopfschmerzen, die zum ersten Mal auftreten, können Symptome einer Thrombose in den Beinvenen oder einer Embolie sein. Dies ist lebensgefährlich. Bei den ersten Warnzeichen sollten Sie das Mittel nicht noch einmal einnehmen und sich sofort an einen Arzt wenden.

Durch Gestagene kann sich die Stoffwechselkrankheit Porphyrie entwickeln. Darauf können Sie aufmerksam werden, wenn Urinflecken in der Unterwäsche auffallend dunkel gefärbt sind oder wenn Ihr Urin dunkler aussieht als früher und Sie Bauchbeschwerden haben. Suchen Sie dann umgehend einen Arzt auf.

Besondere Hinweise

Zur Empfängnisverhütung

Prämenstruelles Syndrom, Zyklusstörungen und -beschwerden

Chlormadinon kann die Wirkung männlicher Sexualhormone abschwächen. Das kann bei männlichen Embryonen dazu führen, dass sich die Merkmale, deren Ausprägung auf diese Hormone angewiesen sind, weniger stark ausbilden. Darum muss vor der Behandlung mit Chlormadinon eine Schwangerschaft ausgeschlossen sein, während der Behandlung muss sie verhindert werden. Hierfür kommen beispielsweise Kondome oder ein Diaphragma infrage, aber keine hormonellen Mittel.

Für Schwangerschaft und Stillzeit

Prämenstruelles Syndrom, Zyklusstörungen und -beschwerden

Sind Sie während einer Behandlung mit Chlormadinon schwanger geworden, ist das trotz der obigen Warnung kein Grund zur Sorge. Wenn Sie auf den Umstand aufmerksam werden, weil die nächste Blutung ausbleibt, haben Sie das Gestagen nur wenige Tage lang in der Frühschwangerschaft eingenommen. In dieser Zeit hat der Embryo noch keinen Kontakt zu Ihrem Blut, sodass ihn das Gestagen nicht erreichen konnte.

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