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Herzmittel: Ranolazin

Wirkungsweise

Die Wirkung von Ranolazin beruht vermutlich darauf, dass es den Einstrom von Natrium in die Herzmuskelzellen hemmt. Das bringt mit sich, dass auch weniger Calcium in die Zellen gelangt, wodurch sich der Herzmuskel entspannt und die Durchblutung sich verbessert.

Ranolazin kann bei stabiler Angina Pectoris die Belastbarkeit etwas verbessern, wenn es alleine oder zusätzlich zu Betablockern oder Calciumantagonisten gegeben wird. Allerdings ist der Effekt nicht allzu groß. Die Angina-Pectoris-Anfälle gehen nicht nennenswert zurück (im Vergleich mit einem Scheinmedikament tritt innerhalb von zweieinhalb Wochen etwa eine Attacke weniger auf) und auch die Belastbarkeit auf dem Fahrradergomenter nimmt nicht sehr deutlich zu (rund 24 Sekunden mehr als mit einem Scheinmedikament).

Ranolazin ist zur Behandlung von stabiler Angina Pectoris im Rahmen einer koronaren Herzkrankheit nur mit Einschränkung geeignet. Es sollte nur eingesetzt werden, wenn Betablocker und Calciumantagonisten nicht angewendet werden können oder nicht ausreichend wirken. Die Anwendung birgt aufgrund der vielen Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln erhebliche Risiken.

Nur bei sehr schwerem Krankheitsverlauf (z. B. Herzinfarkt mit einem hohen Wert für einen bestimmten Eiweißstoff im Blut, das B-Typ natriuretische Protein, abgekürzt BNP) gibt es aus einer Studie Hinweise darauf, dass Ranolazin als zusätzliches Medikament die Komplikations- und Sterberate verringern kann. Für diese Indikation ist das Mittel aber bisher noch nicht zugelassen.

Anwendung

Sie nehmen die Tabletten zweimal täglich ein. Bei Bedarf kann die Dosis allmählich erhöht werden (maximal 1,5 Gramm pro Tag). Sie dürfen die Tabletten nicht zerkleinern oder kauen.

Achtung

Wegen der vielen möglichen Wechselwirkungen erhalten Sie mit dem Arzneimittel eine Patienteninformationskarte. Diese müssen Sie ebenso wie eine Liste mit allen Medikamenten, die Sie anwenden (auch die, die Sie selbst besorgen und Ihrem Arzt bisher nicht genannt haben), bei jedem Arztbesuch vorlegen.

Gegenanzeigen

Unter folgenden Bedingungen dürfen Sie nicht mit Ranolazin behandelt werden:

  • Es besteht eine schwere Nierenfunktionsstörung.
  • Die Funktion der Leber ist mäßig bis stark eingeschränkt.
  • Sie haben eine Pilzerkrankung und werden dagegen mit Anti-Pilzmitteln zum Einnehmen behandelt (Wirkstoffe z. B. Itraconazol, Ketoconazol).
  • Sie sind HIV-infiziert und werden mit antiviralen Medikamenten behandelt (z. B. Indinavir, Ritonavir).
  • Sie haben eine bakterielle Infektion und werden mit Antibiotika wie Clarithromycin oder Telithromycin behandelt.
  • Sie haben Herzrhythmusstörungen und erhalten als Medikamente dagegen Wirkstoffe wie Chinidin, Dofetilid oder Sotalol.

Der Arzt sollte Nutzen und Risiken einer Anwendung von Ranolazin unter folgenden Bedingungen besonders sorgfältig abwägen:

  • Die Funktion Ihrer Leber ist leicht beeinträchtigt und Sie haben erhöhte Leberwerte.
  • Die Nierenfunktion ist leicht bis mäßig gestört (Kreatinin-Clearance 30-80 ml/min).
  • Sie sind über 60 Jahre alt.
  • Sie wiegen weniger als 60 Kilogramm.
  • Es besteht eine mäßige bis schwere Herzschwäche (NYHA-Klasse III oder IV).
  • Sie haben eine Veranlagung für eine bestimmte Störung des Herzrhythmus (Verlängerung des QT-Intervalls im EKG).

Wechselwirkungen

Wechselwirkungen mit Medikamenten

Wenn Sie noch andere Medikamente anwenden, muss der Arzt sehr sorgfältig prüfen, ob sich daraus Komplikationen und schwerwiegende Wechselwirkungen ergeben können oder ob die Dosis der Medikamente verändert werden muss. Deshalb sollten Sie unbedingt alle Mittel angeben, die Sie einnehmen. Folgendes ist zu beachten:

  • Wenn Sie Mittel wie Diltiazem oder Verapamil (bei hohem Blutdruck), Erythromycin (Antibiotikum bei bakteriellen Infektionen), Fluconazol (bei Pilzinfektionen) oder Ciclosporin (nach Organtransplantationen, bei Schuppenflechte) einnehmen, kann es sein, dass der Arzt die Dosis von Ranolazin verringern muss, weil diese Mittel dessen Wirkung und Nebenwirkungen verstärken.
  • Wenn Sie Phenytoin, Phenobarbital oder Carbamazepin (bei Epilepsien), Johanniskraut (bei depressiven Verstimmungen) oder Rifampicin (bei Tuberkulose) einnehmen, sollten Sie nicht mit Ranolazin behandelt werden, da dieses dann nicht richtig wirken kann.
  • Ranolazin verstärkt die unerwünschten Wirkungen von Simvastatin (bei erhöhten Blutfetten). Bei gleichzeitiger Anwendung sollte der Arzt die Dosis von Simvastatin verringern.
  • Wenn Sie Arzneimittel einnehmen, die sich auf den Herzrhythmus auswirken, besteht ein höheres Risiko, dass Herzrhythmusstörungen auftreten. Dazu gehören unter anderem Antihistaminika wie Mizolastin (beide bei Allergien), Antiarrhythmika wie Amiodaron, Chinidin, Procainamid (bei Herzhrythmusstörungen), das Antibiotikum Erythromycin (bei bakteriellen Infektionen), trizyklische Antidepressiva wie Imipramin, Doxepin, Amitryptilin sowie die SSRI Citalopram und Escitalopram (alle bei Depressionen).

Unbedingt beachten

Weil sich das Risiko für unerwünschte Wirkungen von Ranolazin drastisch erhöht, dürfen Sie es nicht einnehmen, wenn Sie mit folgenden Mitteln behandelt werden:

  • Itraconazol, Ketoconazol, Voriconazol, Posaconazol (bei Pilzinfektionen)
  • antivirale Mittel wie Indinavir, Nelfinavir, Ritonavir, Saquinavir (bei HIV-Infektionen, Aids)
  • Clarithromycin, Telithromycin (Antibiotika, bei bakteriellen Infektionen).

Ranolazin verstärkt die Wirkung von Digoxin (bei Herzschwäche). Wenn Sie beide Mittel gleichzeitig einnehmen, muss der Arzt die Digoxinspiegel im Blut kontrollieren und die Dosis gegebenenfalls anpassen.

Wechselwirkungen mit Speisen und Getränken

Vermeiden Sie es, Grapefruits zu essen oder Grapefruitsaft zu trinken, weil beides die Wirkung von Ranolazin verstärkt und die Gefahr für unerwünschte Wirkungen deutlich zunimmt.

Nebenwirkungen

Wenn die Nierenfunktion beeinträchtigt ist, besteht ein höheres Risiko für unerwünschte Wirkungen.

Keine Maßnahmen erforderlich

Bei 1 bis 10 von 100 Behandelten kommt es zu Verstopfung, Erbrechen und Übelkeit. Auch Mundtrockenheit, Appetitlosigkeit, Bauchschmerzen, Verdauungsstörungen und Blähungen können auftreten.

Bei 1 bis 10 von 1 000 Behandelten kommt es zu Nasenbluten oder auch zu übermäßigem Schwitzen beziehungsweise Hitzewallungen.

Muss beobachtet werden

Der Blutdruck kann absinken. Mehr als 1 von 100 Behandelten wird deshalb schwindlig, wenn der Körper den Blutdruck abrupt erhöhen muss, z. B. beim Aufstehen aus dem Liegen. Auch Kraftlosigkeit und Kopfschmerzen können vorkommen. Dann sollte der Arzt prüfen, ob andere Medikamente, die Sie zusätzlich zu Ranolazin einnehmen, ebenfalls den Blutdruck senken und deren Dosierung gegebenenfalls anpassen. Wenn der Blutdruck zu stark absinkt, ist nicht sicher, dass die Herzkranzgefäße ausreichend durchblutet werden.

Wenn Sie nur noch verschwommen sehen oder Pfeifgeräusche im Ohr bemerken oder wenn Sie nachts nicht schlafen können, sollten Sie dem Arzt davon berichten.

Fällt Ihnen oder Ihren Angehörigen auf, dass Sie verwirrt oder desorientiert sind, sollte ebenfalls der Arzt informiert werden.

Wenn Ihnen beim Aufstehen oder bei anderen Gelegenheiten kurz schwarz vor Augen wird oder wenn Sie sich tagsüber sehr schläfrig fühlen, sollten Sie dies ebenfalls dem Arzt mitteilen.

Wenn sich auf der Haut ein Ausschlag bildet, oder wenn die Haut juckt oder anschwillt, reagieren Sie vermutlich allergisch auf das Mittel. Bei solchen Hauterscheinungen sollten Sie das Mittel nicht weiter einnehmen und den Arzt aufsuchen. Auch wenn die Haut druck- oder schmerzempfindlicher wird, sollten Sie das dem Arzt mitteilen.

Nehmen Sie während der Behandlung stark ab, sollte der Arzt das ebenfalls wissen.

Wenn Sie Probleme beim Wasserlassen haben, die vor Beginn der Behandlung nicht bestanden, wenn sich die Farbe des Urins verändert oder wenn Sie auffällig weniger Urin ausscheiden, sollten Sie dies dem Arzt mitteilen. Er sollte dann die Nierenfunktion überprüfen.

Sofort zum Arzt

Wenn Sie heftige Schmerzen im Oberbauch zusammen mit Übelkeit, Erbrechen und Fieber haben, kann es sich um eine Entzündung der Bauchspeicheldrüse (Pankreatitis) handeln. Dann dürfen Sie das Mittel nicht mehr einnehmen und müssen sich sofort in ärztliche Behandlung begeben.

Bei etwa 1 von 1 000 Behandelten kommt es als Zeichen einer allergischen Reaktion vor, dass das Unterhautgewebe anschwillt. Geschieht dies im Gesicht an Lippen und Zunge, drohen Atemnot und Erstickungsanfälle. Dann müssen Sie umgehend den Notarzt (Telefon 112) rufen.

Besondere Hinweise

Für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren

Mangels Erfahrung sollte Ranolazin bei Kindern nicht eingesetzt werden.

Für Schwangerschaft und Stillzeit

Es liegen keine ausreichenden Erfahrungen über die Anwendung in Schwangerschaft und Stillzeit vor. Sicherheitshalber sollten Sie das Mittel dann nicht anwenden.

Für ältere Menschen

Bei älteren Menschen besteht ein höheres Risiko für unerwünschte Wirkungen, insbesondere für Übelkeit, Erbrechen, Schwindel, Absinken des Blutdrucks und Verstopfung.

Zur Verkehrstüchtigkeit

Wenn Sie während der Behandlung mit Ranolazin Sehstörungen bekommen oder wenn Sie auffällig müde und schläfrig werden, sollten Sie kein Fahrzeug lenken, keine Maschinen bedienen und keine Arbeiten ohne festen Halt verrichten.

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Anwendungsgebiete dieses Wirkstoffs