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Herzmittel: Ivabradin

Wirkungsweise

Ivabradin kann die mit Angina Pectoris verbundenen Beschwerden lindern. Es ist ein vergleichsweise neuer Wirkstoff, der den Sauerstoffbedarf des Herzens senkt. Damit verringert sich die Anzahl der Herzschläge in Ruhe und unter Belastung um ungefähr zehn Schläge pro Minute. Es ist allerdings noch nicht ausreichend untersucht, ob Ivabradin Angina-Pectoris-Beschwerden ebenso gut lindern kann wie die besser erprobten Betablocker (z. B. Bisoprolol, Carvedilol, Metoprolol) und Calciumantagonisten (z. B. Amlodipin, Verapamil, Diltiazem). Bisher ließ sich auch nicht nachweisen, dass Ivabradin allein genauso gut wie Betablocker einen Herzinfarkt verhindern oder das Risiko, daran zu sterben, senken kann.

In Studien finden sich bei Personen mit Angina Pectoris, deren Aktivität aufgrund von Krankheitsbeschwerden eingeschränkt ist, sogar Hinweise auf ein erhöhtes Risiko für einen Herztod oder einen nichttödlichen Herzinfarkt. Insgesamt nimmt das Risiko für einen sehr langsamen Herzschlag und für Vorhofflimmern zu. Seit Januar 2015 sind die Fachinformation und die Packungsbeilage von Procoralan daher auch mit einem schwarzen Dreieck markiert. Das zeigt an, dass das Mittel einer zusätzlichen Überwachung unterliegt.

Ivabradin ist deshalb bei stabiler Angina Pectoris wenig geeignet. Es sollte nur eingesetzt werden, wenn besser bewertete Mittel nicht angewendet werden können oder nicht vertragen werden.

Anwendung

Sie nehmen das Mittel morgens und abends ein, vorzugsweise zum Essen. Vor der Behandlung sowie bei einer Änderung der Dosis sollte der Arzt die Herzfrequenz überwachen, z. B. mit einem Langzeit-EKG über 24 Stunden, da ein erhöhtes Risiko für Vorhofflimmern besteht. Eine Behandlung mit Ivabradin sollte nur beginnen, wenn die Herzfrequenz in Ruhe über 70 Schläge pro Minute beträgt. Während der Einnahme sollte der Arzt den Herzschlag regelmäßig kontrollieren.

Die Einnahme beginnt mit einer niedrigen Dosierung und kann schrittweise erhöht werden, wenn der Herzschlag nicht unter 60 Schläge pro Minute absinkt. Mehr als zweimal täglich 7,5 Milligramm Ivabradin sollten Sie nicht einnehmen.

Sinkt während der Behandlung mit Ivabradin die Herzfrequenz unter 50 Schläge pro Minute oder treten verstärkt Müdigkeit oder Schwindel auf, sollte der Arzt die Dosis schrittweise reduzieren. Bleibt die Herzfrequenz trotzdem unter 50 Schlägen pro Minute, müssen Sie das Mittel absetzen. Auch wenn sich die Beschwerden nach drei Monaten nicht deutlich gebessert haben, sollten Sie die Therapie beenden.

Gegenanzeigen

Unter folgenden Bedingungen dürfen Sie Ivabradin nicht einnehmen:

  • Es besteht eine instabile Angina Pectoris.
  • Ihr Herz schlägt im Ruhezustand mit weniger als 70 Schlägen pro Minute.
  • Es besteht eine ausgeprägte Reizleitungsstörung vom Vorhof des Herzens zur Herzkammer (AV-Block 3. Grades).
  • Der Blutdruck ist stark erniedrigt (Werte unter 90/50 mmHg).
  • Sie haben Herzrhythmusstörungen, die durch eine Fehlfunktion des Sinusknotens bedingt sind (Sinus-Arrythmien).
  • Sie haben eine Herzschwäche und diese verschlimmert sich akut.
  • Sie müssen dauerhaft einen Herzschrittmacher tragen.
  • Die Funktion Ihrer Leber ist stark eingeschränkt.
  • Sie haben eine Herz-Kreislauf-Erkrankung und werden deshalb mit Calciumantagonisten wie Verapamil oder Diltiazem behandelt. Dann kann sich der Herzschlag zu stark verlangsamen.
  • Sie haben eine Pilzinfektion und nehmen dagegen Tabletten mit Ketoconazol oder Itraconazol ein.
  • Sie haben eine bakterielle Infektion und werden mit den Antibiotika Clarithromycin oder Erythromycin behandelt.
  • Sie sind mit HIV infiziert und werden mit antiviralen Mitteln wie Nelfinavir oder Ritonavir behandelt.

Unter folgenden Bedingungen sollte der Arzt Nutzen und Risiken der Anwendung von Ivabradin sorgfältig abwägen:

  • Sie haben eine ausgeprägte Herzschwäche (NYHA-Klasse IV).
  • Sie haben eine spezielle Form der Entzündung der Netzhaut im Auge (Retinitis pigmentosa).
  • Das EKG ist auffällig verändert (Verlängerung der QT-Strecke).
  • Die Nierenfunktion ist sehr stark beeinträchtigt.
  • Sie hatten vor Kurzem einen Schlaganfall.

Wechselwirkungen

Wechselwirkungen mit Medikamenten

Folgende Wirkstoffe schwächen die Wirkung von Ivabradin: Rifampicin (bei Tuberkulose), Barbiturate und Phenytoin (beide bei Epilepsien), Johanniskraut (bei Depressionen). Dann muss die Dosierung gegebenenfalls angepasst werden.

Die gleichzeitige Anwendung von Fingolimod (bei multipler Sklerose) trägt dazu bei, dass sich der Herzschlag noch mehr verlangsamt.

Unbedingt beachten

Wenn Sie gleichzeitig Arzneimittel einnehmen, die die Erregungsleitung am Herzen verändern (Verlängerung der QT-Strecke), muss Ihre Herzfunktion sorgfältig überwacht werden. Es besteht ein erhöhtes Risiko für seltene, aber gefährliche Herzrhythmusstörungen (Torsade de pointes). Zu diesen Mitteln gehören Antiarrhythmika wie Chinidin, Sotalol, Amiodaron (alle bei Herzrhythmusstörungen), Malariamittel wie Halofantrin und Mefloquin, Erythromycin (bei bakteriellen Infektionen), Citalopram und Escitalopram (bei Depressionen) sowie Neuroleptika wie Pimozid und Sertindol (bei Schizophrenien und anderen Psychosen).

Folgende Wirkstoffe dürfen Sie nicht gleichzeitig mit Ivabradin einnehmen, da es ansonsten zu stark wirkt und sich der Herzschlag gefährlich verlangsamen kann:

  • Verapamil und Diltiazem (bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen)
  • Ketoconazol und Itraconazol in Tablettenform (bei Pilzinfektionen)
  • Clarithromycin, Erythromycin und Telithromycin (bei bakteriellen Infektionen)
  • Nelfinavir und Ritonavir (bei HIV-Infektionen, Aids).

Wechselwirkungen mit Speisen und Getränken

Grapefruit und Grapefruitsaft erhöhen die Konzentration des Wirkstoffs im Blut. Solange Sie Ivabradin einnehmen, sollten Sie deshalb keine Grapefruit essen und keinen Grapefruitsaft trinken, weil sich sonst das Risiko für unerwünschte Wirkungen deutlich erhöht.

Nebenwirkungen

Keine Maßnahmen erforderlich

Bei mehr als einem von zehn Behandelten treten Sehstörungen wie z. B. eine verstärkte Lichtempfindlichkeit auf, vor allem, wenn die Lichtstärke plötzlich wechselt (z. B. durch entgegenkommende Scheinwerfer beim Autofahren in der Nacht). Auch kann es sein, dass Sie Ihre Umgebung nur noch verschwommen wahrnehmen. Diese Symptome beginnen meist in den ersten beiden Behandlungsmonaten und sind umso ausgeprägter, je höher das Mittel dosiert ist. Mit der Zeit bessern sich die Beschwerden, nach dem Absetzen von Ivabradin verschwinden sie vollständig.

1 bis 10 von 100 Behandelten können nur noch verschwommen sehen, bei 1 bis 10 von 1 000 kommen andere Sehstörungen vor (z. B. Doppeltsehen).

Insbesondere in den ersten Behandlungswochen leiden 1 bis 10 von 100 Behandelten unter Kopfschmerzen und Schwindel oder der Blutdruck schwankt.

1 bis 10 von 1 000 Behandelten haben Verdauungsbeschwerden wie Übelkeit, Verstopfung oder Durchfall.

Muss beobachtet werden

Bei 1 bis 10 von 1 000 Behandelten können Atembeschwerden auftreten. Wenn Sie diese im Alltag stark beeinträchtigen, sollten Sie mit dem Arzt sprechen.

Wenn Ihr Alltag durch die Sehstörungen stark beeinträchtigt ist, sollten Sie dies dem Arzt mitteilen.

Ivabradin beeinflusst den Herzschlag und die Reizleitung am Herzen, wodurch Herzrhythmusstörungen wie Vorhofflimmern entstehen können. Bei mehr als einem von zehn Behandelten kann sich der Herzschlag verlangsamen. Anzeichen dafür sind Unwohlsein, Schwindel, Müdigkeit oder kurze Ohnmachtsanfälle. Dann muss der Arzt anhand eines EKGs feststellen, ob die Dosis reduziert oder das Mittel abgesetzt werden muss.

Bei 1 bis 10 von 1 000 Behandelten erhöht sich der Harnsäurespiegel im Blut, was Gichtanfälle auslösen kann. Dann sollten Sie mit dem Arzt sprechen.

Bei 1 bis 10 von 1 000 Behandelten kann die Haut anschwellen und es können sich rote Flecken, Bläschen, Quaddeln oder Schuppen bilden. Dann reagieren Sie vermutlich allergisch auf das Mittel. Bei solchen Hauterscheinungen sollten Sie einen Arzt aufsuchen.

Besondere Hinweise

Für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren

Mangels Erfahrung sollen Kinder und Jugendliche nicht mit Ivabradin behandelt werden.

Zur Empfängnisverhütung

Tierexperimentelle Untersuchungen weisen darauf hin, dass Ivabradin das Ungeborene schädigen kann. Frauen im gebärfähigen Alter sollten deshalb für eine sichere Empfängnisverhütung sorgen.

Für Schwangerschaft und Stillzeit

In Schwangerschaft und Stillzeit dürfen Sie das Mittel nicht anwenden, da es Hinweise aus tierexperimentellen Untersuchungen gibt, dass Ivabradin das Ungeborene schädigen kann. Auch geht es in die Muttermilch über, sodass Schäden beim Säugling nicht ausgeschlossen werden können.

Für ältere Menschen

Wenn Sie älter sind als 75 Jahre, sollten Sie das Mittel anfangs besonders niedrig dosieren (zweimal täglich 2,5 Milligramm, die 5-Milligramm-Tabletten dafür mit einem Tablettenteiler halbieren). Mehr als zweimal 5 Milligramm täglich sollten Sie nicht einnehmen.

Zur Verkehrstüchtigkeit

Wenn Sehstörungen auftreten, sollten Sie kein Fahrzeug lenken, keine Maschinen bedienen und keine Arbeiten ohne sicheren Halt verrichten. Auch sollten Sie insbesondere zu Beginn der Behandlung nicht in der Dämmerung oder nachts Auto fahren, weil die entgegenkommenden Scheinwerfer oder andere Lichtquellen Sie dann leicht blenden.

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Anwendungsgebiete dieses Wirkstoffs