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Guanfacin

Wirkungsweise

Guanfacin wird bei Kindern und Jugendlichen mit ADHS eingesetzt. Wie es genau wirkt, ist noch nicht abschließend geklärt. Ursprünglich wurde es als blutdrucksenkendes Mittel zugelassen. Es gehört zu der Gruppe der Alpha‐2 Agonisten.

Es wird angenommen, dass Guanfacin die Signalübertragung in bestimmten Hirnregionen verändert. In klinischen Studien konnte das Mittel bei Kindern mit ADHS das Beschwerdebild im Vergleich zu einer Scheinbehandlung deutlicher verbessern. Nach den bisher vorliegenden Daten wirkt es aber schwächer bei ADHS als stimulierend wirkende Stoffe wie Methylphenidat oder Lisdexamfetamin.

Betreuungspersonen schätzen allerdings die Effekte von Guanfacin nicht so positiv ein. Sie konnten nicht immer bestätigen, dass Guanfacin auch das Verhalten in Familie, Schule und in Gemeinschaften verbesserte. Hierfür bedarf es weiterer Untersuchungen.

Aufgrund seiner Wirkungen auf das Zentralnervensystem hat Guanfacin gegebenenfalls auch unerwünschte Auswirkungen auf Herz und Kreislauf. Zu Behandlungsbeginn sind daher zahlreiche Kontrollen des Gesundheitszustandes erforderlich. Die Dosierung muss individuell vorgenommen werden. Da das Mittel den Blutdruck senkt, werden viele Kinder dadurch müde und schläfrig. Wie verträglich eine Dauerbehandlung mit Guanfacin ist und wie sie sich auf die Entwicklung des Kindes auswirkt, ist nicht hinreichend bekannt.

Insgesamt scheint die Behandlung mit Guanfacin häufiger wegen unerwünschter Wirkungen beendet zu werden als eine Behandlung mit Methylphenidat oder Atomoxetin. Guanfacin wird daher als "wenig geeignet bewertet.

Es sollte erst zum Einsatz kommen, wenn Stimulanzien oder auch Atomoxetin in Kombination mit pädagogischen Maßnahmen, Verhaltens- oder Psychotherapie die Beschwerden nicht hinreichend bessern konnten oder nicht eingesetzt werden können. Das Mittel kann an Kinder und Jugendliche über sechs Jahre verabreicht werden. Für Erwachsene besitzt das Mittel keine Zulassung und wird nicht empfohlen.

Anwendung

Das Mittel darf nur an Kinder im Alter zwischen 6 und 17 Jahren verabreicht werden. Für keine andere Altersgruppe liegen ausreichenden Erkenntnisse zu Wirksamkeit und Verträglichkeit vor.

Guanfacin wird aus den Tabletten verzögert freigesetzt. Die Tabletten dürfen daher nicht gekaut oder zerteilt werden. Das Kind muss in der Lage sein, die Tabletten im Ganzen zu Schlucken.

Es genügt eine einmal tägliche Anwendung, morgens oder abends, je nachdem wie es sich am besten in den Tagesablauf einplanen lässt. Die Anfangsdosis liegt bei einem Milligramm Guanfacin und wird nachfolgend alle sieben Tage in kleinen Schritten bis auf die individuell erforderliche Dosis erhöht.

Bei Kindern unter 12 Jahren mit einem Körpergewicht von mindestens 25 Kilogramm liegt die Höchstdosis bei 4 Milligramm Guanfacin. Es können einige Wochen vergehen bis die individuell passende Dosierung gefunden ist.

Während der Behandlung sollte darauf geachtet werden, dass das Kind bzw. der Jugendliche ausreichend trinkt. Damit lassen sich die negativen Auswirkungen auf den Kreislauf und die Herzaktivität abmildern.

Keinesfalls darf das Mittel ohne Rücksprache mit einem Arzt abgesetzt werden, weil ansonsten eine schwere Blutdruckerhöhung und Herzrhythmusstörungen drohen. Wenn das Mittel abgesetzt werden soll, muss die Dosis langsam reduziert werden.

Die Behandlungsdauer hängt davon ab, wie das Kind auf das Medikament anspricht. Dosierung und Einnahmenotwendigkeit sollten vom Spezialisten in etwa halbjährlichem Abstand überprüft werden. Außerdem sollte das Medikament immer wieder längere Zeit, z. B. in den Schulferien, abgesetzt werden. So lässt sich auch feststellen, ob es noch notwendig ist.

Achtung

Aufgrund der möglichen Nebenwirkungen von Guanfacin, muss der Arzt vor Behandlungsbeginn Herz- und Kreislauffunktionen Ihres Kindes überprüfen. Darüber hinaus wird er Sie nach Vorerkrankungen am Herzen und der Psyche befragen und Körpergewicht und -größe des Kindes notieren.

Während der Dosissteigerung zu Beginn der Behandlung sind wöchentliche Kontrollen der Herz-Kreislauffunktionen erforderlich, danach genügen diese in dreimonatigen Abständen. Dauert die Behandlung länger als ein Jahr an, sind Blutdruck und Herzfunktion jedes halbe Jahr zu kontrollieren.

Gegenanzeigen

Unter folgenden Bedingungen muss der Arzt Nutzen und Risiken von Guanfacin sorgfältig gegeneinander abwägen:

  • Ihr Kind hat schon zu Behandlungsbeginn einen niedrigen Blutdruck, sein Herz schlägt langsam. Guanfacin kann diese Beschwerden verschlimmern und der Kreislauf infolge zusammenbrechen.
  • Es liegen schon Herzrhythmusstörungen (QT-Veränderungen oder Überleitungsstörungen am Herzen) vor. Da Guanfacin selbst Auswirkungen auf den Herzrhythmus besitzt, steigt das Risiko für schwerwiegende Arrhythmien. Vor Therapiebeginn muss der Arzt daher bei allen Kindern, bei denen Guanfacin eingesetzt werden soll, die Herz-Kreislauf-Funktionen einschließlich Blutdruck und Herzfrequenz überprüfen.
  • Das Kind leidet an einer Leberfunktionsstörung oder hat eine schwere Nierenerkrankung. Dann muss der Arzt gegebenenfalls eine geringere Dosis verschreiben.

Wechselwirkungen

Wechselwirkungen mit Medikamenten

Wenn Ihr Kind noch andere Medikamente einnimmt, sollte Folgendes beachtet werden:

  • Schlafmittel oder auch müdemachende Wirkstoffe wie Diphenhydramin oder Scopolamin (bei Übelkeit und Erbrechen) können die dämpfende Wirkung von Guanfacin verstärken.
  • Carbamazepin, Phenytoin, Phenobarbital oder Primidon (alle bei Epilepsie) oder Rifampicin (bei Tuberkulose) beschleunigen den Abbau von Guanfacin und können so seine Wirkung herabsetzen. Bei gleichzeitiger Behandlung mit den genannten Mitteln muss der Arzt die Guanfacindosis gegebenenfalls erhöhen. Wird eines der genannten Mittel wieder abgesetzt, ist die Guanfacin-Dosis wieder entsprechend herabzusetzen.
  • Werden gleichzeitig Mittel eingenommen, die den Abbau von Guanfacin behindern, wie Antibiotika aus der Gruppe der Makrolide (z. B. Erythromycin, Clarithromycin bei bakteriellen Infektionen), Pilzmittel (z. B. Fluconazol), Aprepitant (bei Übelkeit und Erbrechen) können unerwünschte Wirkungen von Guanfacin häufiger auftreten. Dann sollte der Arzt die Guanfacin-Dosis verringern.
  • Bei gleichzeitiger Anwendung mit Valproinsäure (bei Epilepsie) muss der Arzt die Valproinsäurekonzentration im Blut überwachen und die Dosis der beiden Mittel aufeinander abstimmen, um unerwünschte Wirkungen im zentralen Nervensystem zu verhindern.
  • Bei der gleichzeitigen Anwendung von Guanfacin mit blutdrucksenkenden Mitteln, wie Betablockern (z. B. Metoprolol bei Bluthochdruck, Herzrhythmusstörungen oder Herzschwäche), steigt das Risiko für Ohnmacht mit Stürzen oder Unfällen.

Unbedingt beachten

Guanfacin kann Auswirkungen auf den Herzrhythmus haben und soll daher sicherheitshalber nicht gemeinsam mit Mitteln angewendet werden, die ebenfalls den Herzrhythmus beeinflussen können, wie Haloperidol oder Ziprasidon (bei Schizophrenie und anderen Psychosen) oder Erythromycin (bei bakteriellen Infektionen). Näheres hierzu finden Sie unter Mittel bei Herzrhythmusstörungen: verstärkte Wirkung.

Wechselwirkungen mit Speisen und Getränken

Grapefruit und Grapefruitsaft erhöhen die Konzentration von Guanfacin im Blut und können Wirkung wie auch Nebenwirkungen des Mittels verstärken. Ihr Kind darf deshalb keine Grapefruit essen und keinen Grapefruitsaft trinken, solange es das Mittel anwendet.

Sehr fetthaltige Mahlzeiten (z. B. frittierte Nahrung, Gerichte mit viel Sahne, Öl oder Butter) führen dazu, dass Guanfacin verstärkt in den Körper aufgenommen wird. Damit steigen Wirkungen aber auch das Nebenwirkungen dieses Wirkstoff an. Aus diesem Grund sollte auf solche Nahrungsmittel bei der Einnahme verzichtet werden.

Das Mittel darf nicht zusammen mit Alkohol eingenommen werden. Alkohol verstärkt die dämpfenden Effekte von Guanfacin.

Nebenwirkungen

Keine Maßnahmen erforderlich

Am häufigsten treten unter der Behandlung mit Guanfacin Benommenheit (bei 40 von 100 Behandelten) und Schläfrigkeit (bei 10 von 100 Behandelten) auf. Diese unerwünschten Wirkungen sind vor allem zu Beginn der Behandlung spürbar und vergehen in aller Regel innerhalb von zwei bis drei Wochen.

Häufig können zu Behandlungsbeginn auch Kopfschmerzen (bei 27 von 100 Behandelten) und Müdigkeit (bei 18 von 100) vorkommen.

Bauchschmerzen erleben 12 von 100 Kindern vor allem zu Beginn der Einnahme. Ebenso berichtet etwa 1 von 100 Behandelten über Mundtrockenheit, Übelkeit und Erbrechen, sowie Verstopfung.

Zirka 3 von 100 behandelten Kindern nehmen an Gewicht zu. Der Arzt soll daher im ersten Behandlungsjahr die altersgerechte Zunahme von Körpergröße und -gewicht alle drei Monate kontrollieren.

Muss beobachtet werden

Das Mittel vermindert den Blutdruck bei 10 bis 100 von 1 000 Behandelten. Besonders zu Beginn der Behandlung kann es häufig vorkommen, dass beim Aufstehen aus dem Sitzen oder Liegen der Blutdruck kurzzeitig stark absinkt und Schwindelanfälle, Übelkeit oder eine kurze Ohnmacht auftreten. Das Kind sollte Lageveränderungen deshalb immer nur langsam und nicht abrupt vornehmen. Sind die Beschwerden im Alltag sehr beeinträchtigend, sollte ein Arzt zu Rate gezogen werden.

Bei 10 bis 100 von 1 000 Kindern kann sich der Herzschlag verlangsamen. Bei 1 bis 10 von 1 000 können Herzrhythmusstörungen auftreten, bei denen die Überleitung der elektrischen Impulse vom Herzvorhof auf die Herzkammer mehr oder weniger blockiert ist oder die Reizleitung über die Herzkammer verändert. Diese Art von Herzrhythmusstörungen (AV-Block, QT-Verlängerung) ist nur im EKG zu erkennen. Wenn Ihr Kind sich häufig müde, schwach und nur bedingt leistungsfähig fühlt, sollten Sie einen Arzt aufsuchen.

Das Mittel kann auch Auswirkungen auf die Psyche haben. 1 bis 10 von 1 000 Kinder, die mit Guanfacin behandelt wurden, bemerkten depressive Verstimmungen. Wenn Sie feststellen, dass Ihr Kind während der Behandlung auffallend traurig und in sich gekehrt wirkt und diese Stimmung über mehrere Wochen anhält, sollten Sie dazu einen Arzt befragen.

Ebenso häufig können Wahrnehmungsstörungen und Sinnestäuschungen oder auch Alpträume vorkommen. Wenn Ihr Kind davon berichtet, dass es wiederholt befremdliche Dinge sieht oder hört, die andere Personen nicht wahrnehmen, sollten Sie mit ihm einen Arzt aufsuchen.

Besondere Hinweise

Zur Empfängnisverhütung

Mädchen, die Guanfacin einnehmen und schwanger werden können, sollen während der Behandlung eine sichere Verhütungsmethode wählen. Es ist nicht ausreichend gesichert, dass Guanfacin während der Schwangerschaft keine Auswirkungen auf das Ungeborene hat.

Für Schwangerschaft und Stillzeit

Dass Guanfacin während Schwangerschaft und Stillzeit keinen Einfluss auf das Ungeborene oder den Säugling hat, ist nicht ausreichend gesichert. In diesen Zeiten sollte daher auf die Anwendung des Mittels verzichtet werden.

Für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren

Bei Kindern unter sechs Jahren darf das Mittel nicht zum Einsatz kommen.

Für ältere Menschen

Das Mittel ist nicht für die Anwendung bei Menschen über 18 Jahren gedacht.

Zur Verkehrstüchtigkeit

Guanfacin hat neben der Psyche auch Auswirkungen auf den Blutdruck und den Herzschlag. Da es den Blutdruck senkt, kann es während der Behandlung zu Schwindel und Müdigkeit kommen. Das Herz schlägt langsamer. Es kann – insbesondere zu Beginn der Behandlung – zu kurzen Ohnmachtsanfällen kommen. In diesen Fällen ist die Reaktionsfähigkeit beeinträchtigt und das Risiko für Stürze und Unfälle steigt. Vor allem zu Behandlungsbeginn sollte das Kind daher nicht aktiv am Straßenverkehr teilnehmen z. B. mit Roller, Fahrrad oder Moped, keine Maschinen bedienen und auch keinen Aktivitäten ohne sicheren Halt nachgehen.

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