Medikamente im Test

Grippemittel: Oseltamivir

Wirkungsweise

Oseltamivir gehört zur Gruppe der Neuraminidasehemmer. Es kann die Vermehrung von Grippeviren verhindern, da es dafür notwendige Enzyme (Neuraminidasen) blockiert. Dies gelingt allerdings nur bei der Virusgrippe ("echte Grippe"), die durch Influenzaviren ausgelöst wird, und auch hier nur für die Virusstämme Influenza A und Influenza B. Bei den wesentlich häufiger vorkommenden Erkältungsviren, die einen grippalen Infekt auslösen, bleibt Oseltamivir wirkungslos. Darüber hinaus werden auch weniger spezifische Effekte von Oseltamivir auf das Immunsystem und die Körpertemperatur diskutiert.

Damit das Mittel überhaupt eine spürbare Wirkung entfalten kann, muss es möglichst frühzeitig eingenommen werden, spätestens jedoch innerhalb von 36 bis 48 Stunden nach Beginn der ersten Grippesymptome (schlagartig einsetzendes hohes Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen, starkes Krankheitsgefühl). Erfolgt die erste Anwendung später, ist ein therapeutischer Effekt ungewiss. Da sich die Symptome einer echten Grippe oft nicht von denen eines harmlosen grippalen Infekts unterscheiden lassen, ist es im Allgemeinen schwierig, eine Influenza in diesem für eine wirksame Behandlung engen Zeitfenster korrekt festzustellen. Die Wahrscheinlichkeit, dass es sich um einen Infekt mit echten Grippeviren handelt, ist höher, wenn eine Virusgrippeepidemie in der Bevölkerung grassiert oder Kontakt zu einer Person bestand, bei der eine Influenza bereits diagnostiziert wurde.

Aber selbst wenn es gelingt, Oseltamivir schon früh genug anzuwenden, ist der therapeutische Effekt gering. Das Mittel kann die Krankheit nicht komplett verhindern oder unterdrücken, sondern lediglich die Beschwerden abmildern und um durchschnittlich einen Tag verkürzen. Ob es die Komplikationen, die eine Influenza hervorrufen kann (Infektionen mit anderen Keimen, Herz-Kreislauf-Schwäche und Nervenschädigungen), sowie die Zahl der Krankenhausaufenthalte oder Todesfälle verringern oder verhindern kann, ist nicht ausreichend nachgewiesen, auch nicht bei den Hochrisikogruppen (Personen mit Herz-Kreislauf- oder Lungenerkrankungen oder geschwächtem Immunsystem sowie chronisch kranke Erwachsene und Kinder).

Bevor der Arzt Oseltamivir verordnet, muss er den geringen therapeutischen Effekt gegen die nicht unerheblichen Nebenwirkungen des Mittels und die Gefahr der Resistenzbildung sorgfältig abwägen. Selbst bei einer Infektion mit Influenzaviren ist das Mittel nur selten notwendig, weil die Grippe bei ansonsten gesunden Menschen im Allgemeinen innerhalb von zwei bis drei Wochen ausheilt.

Auch während der Behandlung mit Tamiflu werden über die Nasenschleimhaut Influenzaviren ausgeschieden, sodass die damit behandelten Personen weiterhin ansteckend sind. Die bislang vorliegenden Studien lassen keine klare Empfehlung zu, ob Angehörige oder Kontaktpersonen vor einer Ansteckung geschützt werden können, wenn sie Tamiflu vorbeugend einnehmen. Es gibt aber Hinweise darauf, dass Oseltamivir bei diesen Personen die typischen Grippesymptome zu Beginn der Erkrankung verhindern kann.

Oseltamivir kann eine Grippeschutzimpfung nicht ersetzen und ist allenfalls bei Schwerstkranken angezeigt, wenn eine Impfung nicht möglich oder nicht effektiv ist (z. B. bei überraschendem Auftreten einer Grippeepidemie). Bei unkritischem und breitem Einsatz des Mittels besteht die Gefahr, dass sich Resistenzen entwickeln und der Wirkstoff seine virushemmende Wirkung verliert. Nehmen Sie das Mittel deshalb nicht auf Verdacht ein, nur weil zur Zeit eine Grippewelle grassiert. Zur generellen Vorbeugung gegen eine Influenzainfektion ist die Grippeschutzimpfung die wirksamere Maßnahme.

Zur Vorbeugung und Behandlung einer Infektion mit Influenzaviren ist Oseltamivir mit Einschränkung geeignet.

Ob Tamiflu einer Vogel- oder Schweinegrippe vorbeugen kann oder ob sich diese damit wirksam behandeln lässt, ist völlig unklar. Bisher wurde das Mittel an Menschen lediglich bei Infektionen mit Grippeviren (Influenzaviren) untersucht. Nach bisherigen Erkenntnissen kann sich der Verlauf einer Vogel- oder Schweinegrippe von dem einer "normalen" Grippe unterscheiden, sodass man hinsichtlich der therapeutischen Wirksamkeit des Medikaments nicht von einem auf das andere schließen kann.

Anwendung

Bei einer akuten Influenza nehmen Sie Tabletten oder Lösung fünf Tage lang zweimal täglich ein. Die erste Dosis müssen Sie möglichst frühzeitig, spätestens aber innerhalb von 36 bis 48 Stunden nach Auftreten der ersten Krankheitszeichen einnehmen, damit das Mittel seine Wirkung entfalten kann.

Zur Vorbeugung einer drohenden Influenzainfektion nehmen Sie Tamiflu einmal täglich über mindestens zehn Tage ein, und zwar möglichst innerhalb der ersten beiden Tage nach Kontakt mit einer mit Influenzaviren infizierten Person. Liegt eine Grippeepidemie vor, kann die Einnahme auf bis zu sechs Wochen ausgedehnt werden.

Achtung

Wenn Ihre Nieren nur noch sehr eingeschränkt funktionieren, sollte der Arzt die Dosis anpassen. Das gilt sowohl für die akute wie für die vorbeugende Behandlung.

Nebenwirkungen

Keine Maßnahmen erforderlich

Anfangs kann es bei mehr als 1, aber bei weniger als 10 von 100 Behandelten zu Bauchschmerzen, Übelkeit und Erbrechen kommen. Erbrechen tritt besonders bei Kindern auf. Im Allgemeinen vergehen diese Beschwerden innerhalb der ersten zwei Behandlungstage. Auch Kopfschmerzen können auftreten (bei 2 bis 20 von 100 Behandelten).

Muss beobachtet werden

Das Mittel kann vor allem bei Kindern und Jugendlichen sowie bei jungen Erwachsenen neurologische Nebenwirkungen wie Krampfanfälle, Halluzinationen, Bewusstseinstrübungen, Verwirrtheit und Verhaltensauffälligkeiten auslösen. Sollten Sie selbst oder Ihre Angehörigen entsprechende Gemütsveränderungen feststellen, sollten Sie das Mittel nicht weiter anwenden und einen Arzt kontaktieren.

Wenn die Haut sich verstärkt rötet und juckt, reagieren Sie vermutlich allergisch auf das Mittel. Bei solchen Hauterscheinungen sollten Sie einen Arzt aufsuchen.

Sofort zum Arzt

In Einzelfällen sind schwerste allergische Hautreaktionen vorgekommen. Wenn sich am ganzen Körper Blasen bilden und die Haut sich ablöst, müssen Sie sofort den Notarzt (Telefon 112) rufen.

Besondere Hinweise

Für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren

Verschiedentlich wurde berichtet, dass Kinder und Jugendliche auf das Mittel mit Verwirrung reagierten, verhaltensauffällig wurden und sich selbst gefährdeten bis hin zur Selbsttötung. Ihnen sollte Oseltamivir deshalb nur gegeben werden, wenn der Arzt dies ausdrücklich befürwortet. Während der Anwendung sollte beobachtet werden, ob das Kind verhaltensauffällig wird.

Das Mittel kann bereits Neugeborenen gegeben werden. Für Säuglinge unter einem Jahr steht eine Lösung zur Verfügung, die eine gewichtsangepasste Dosierung ermöglicht. Kinder ab dem vollendeten ersten Lebensjahr erhalten Oseltamivir als Lösung oder als Kapseln in verringerter Dosierung (30 Milligramm, 45 Milligramm) entsprechend ihrem Körpergewicht. Kleinkinder unter 15 Kilogramm bekommen zweimal täglich eine Kapsel mit 30 Milligramm, Kinder zwischen 15 und 23 Kilogramm zweimal täglich eine Kapsel mit 45 Milligramm, und Kinder und Jugendliche mit einem Gewicht von 23 bis 40 Kilogramm zweimal täglich zwei Kapseln mit 30 Milligramm.

Für Schwangerschaft und Stillzeit

Während Schwangerschaft und Stillzeit dürfen Sie das Mittel nur einnehmen, wenn der erwartete Nutzen das mögliche Risiko für das Ungeborene beziehungsweise den Säugling rechtfertigt. Dies könnte beispielsweise während einer Grippeepidemie der Fall sein, wenn das Erkrankungsrisiko sehr hoch ist. Dann gelten Schwangere als Hochrisikogruppe.

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Anwendungsgebiete dieses Wirkstoffs