Medikamente im Test

Glucocorticoide: Betamethason, Cloprednol, Dexamethason, Hydrocortison, Methylprednisolon, Prednisolon, Prednison und Triamcinolon

Wirkungsweise

Glucocorticoide sind eine Gruppe von körpereigenen Hormonen, die in den Nebennieren gebildet werden. Als Medikamente bei Allergien, Entzündungen und Immunreaktionen werden synthetische Vertreter dieser Gruppe eingesetzt. Die körpereigenen Hormone sind am Stoffwechsel von Kohlenhydraten, Fetten und Eiweißen beteiligt und sorgen dafür, dass sich der Körper auf starke, langanhaltende Belastungen einstellen kann. Darüber hinaus nehmen sie an entzündlichen, allergischen und immunbedingten Prozessen teil. Ihre Produktion wird von Drüsen im Gehirn gesteuert und kontrolliert. Das wichtigste Glucocorticoid des Körpers ist Cortisol (Hydrocortison).

Auf welche Weise genau Glucocorticoide in allergische Reaktionen, Entzündungen und die Aktivität des Immunsystems eingreifen, ist nicht völlig geklärt. Ihre Wirkung hängt vornehmlich von der Dosierung ab. Bei Allergien genügt schon eine schwache Glucocorticoidwirkung. Mit steigender Dosierung kommen auch die entzündungshemmende und die das Immunsystem unterdrückende Wirkung zum Tragen.

Die synthetischen Vertreter der Glucocorticoide wirken unterschiedlich stark und verschieden lang. Bei innerlich anzuwendenden Glucocorticoiden sind Wirkdauer und andere Eigenschaften unter anderem durch den chemischen Aufbau der Substanz bedingt. Beispielsweise wird bei der Herstellung einer Gruppe von Wirkstoffen das chemische Element Fluor in das Molekül eingefügt. Diese fluorierten Glucocorticoide verhalten sich im Körper etwas anders als die nichtfluorierten. So treten einige unerwünschte Wirkungen bei fluorierten Mitteln häufiger auf als bei nichtfluorierten; umgekehrt beeinflussen die fluorierten Glucocorticoide im Gegensatz zu den nichtfluorierten den Wasser- und Mineralhaushalt nicht. Das ist bei bestimmten Erkrankungen vorteilhaft, die sich durch diese Auswirkungen sonst verschlechtern könnten.

5 Milligramm Prednisolon entsprechen in der Wirkstärke:

  • 20 Milligramm Hydrocortison
  • 5 Milligramm Prednison
  • 4 Milligramm Methylprednisolon oder Cloprednol
  • 4 Milligramm Triamcinolon
  • 0,7 bis 0,8 Milligramm Dexamethason oder
  • 0,7 Milligramm Betamethason.

Innerlich angewendetes Hydrocortison gilt als "geeignet", wenn der Körper nicht genug eigenes Cortisol produziert. Es wirkt nur kurze Zeit, sodass sich mit ihm die natürliche tagesrhythmische Hormonproduktion des Körpers nachahmen lässt. Näheres hierzu lesen Sie unter Der natürlichen Hormonproduktion folgen.

Unter den Mitteln zum Einnehmen werden die nichtfluorierten Glucocorticoide Cloprednol, Methylprednisolon, Prednisolon und Prednison als "geeignet" bewertet, um allergische, entzündliche und immunbedingte Erkrankungen zu behandeln. Bei angemessener Dosierung eignen sie sich auch zur mehrwöchigen Behandlung, weil sie die körpereigene Cortisolproduktion nicht nennenswert beeinträchtigen. Methylprednisolon und Prednisolon gibt es auch in injizierbarer Form ohne Depotwirkung. Sie können bei hochakuten Krankheitssituationen eingesetzt werden, wenn ein rascher Wirkungseintritt erforderlich ist. Prednisolon und Prednison stehen auch als Zäpfchen zur Verfügung. Diese sind vor allem für Kinder mit Pseudokruppanfällen geeignet.

Die fluorierten Glucocorticoide Betamethason, Dexamethason und Triamcinolon werden sowohl zum Einnehmen als auch als Injektion ohne Depotwirkung nur bei lebensbedrohlichen Krankheitszuständen als "geeignet" angesehen, z. B. wenn eine lebensbedrohliche allergische Reaktion behandelt oder ein sehr schwerer Asthmaanfall unterbrochen werden muss. Dann bleibt ihre Anwendung zeitlich begrenzt. Für eine längere Therapie lautet die Bewertung "mit Einschränkung geeignet", denn diese Substanzen werden langsam ausgeschieden. Damit steigt die Gefahr, dass sie die Tätigkeit der Nebennierenrinden unterdrücken.

Diese Glucocorticoide gibt es auch als Zubereitungen mit Depotwirkung, die ins Muskelgewebe gespritzt werden und im ganzen Körper wirken. Da ihre Wirkung drei bis vier Wochen anhält, können sie die Tätigkeit der Nebennierenrinden lange Zeit und in unkontrollierbarer Weise unterdrücken. Außerdem besteht das Risiko, dass die Injektion das Gewebe, in das hineingestochen wird, schädigt. Produkte, die diese Anwendungsart als eines ihrer Anwendungsgebiete aufführen, werden als "wenig geeignet" bewertet. Bei Produkten, die ebenso eingesetzt werden könnten, bei denen der Hersteller diese Anwendungsart aber nicht nennt, wird darauf hingewiesen, dass sie "nicht zur Injektion in den Muskel" empfohlen werden.

Für die Injektion direkt in ein Gelenk werden Betamethason, Dexamethason, Triamcinolon und Prednisolon – Letzteres nur, wenn es als Kristallsuspension verabreicht wird – als "geeignet" bewertet. Solche Injektionen können sinnvoll sein, wenn nicht mehr als zwei Gelenke entzündet sind. Dann bekommt das erkrankte Gelenk die notwendige Glucocorticoidbehandlung, ohne den übrigen Körper mit unerwünschten Wirkungen zu belasten. Eine solche Injektion lindert die Beschwerden für mehrere Wochen.

Bei Kniearthrose oder Tennisarm bessern Glucocorticoidinjektionen die Beschwerden allenfalls für kurze Zeit. Ein anhaltender Nutzen ist nicht nachgewiesen. Es gibt im Gegenteil sogar Hinweise darauf, dass sie mehr schaden könnten als nützen. Das zeigte eine Studie, in der Patienten mit dem Beschwerdebild eines Tennisarms entweder Cortison oder ein Scheinmedikament in den schmerzempfindlichsten Bereich am Ellenbogen des betroffenen Arms gespritzt bekamen. Nach vier Wochen ging es denjenigen, die Cortison bekommen hatten, deutlich besser als denen ohne. Nach einem Jahr waren 83 von 100 der Cortisonpatienten immer noch beschwerdefrei. Demgegenüber waren aber 96 von 100 der Patienten, die ein Placebo gespritzt bekommen hatten, gänzlich ohne Beschwerden. Warum auf den raschen Erfolg einer Cortisoninjektion ein ungünstiges Langzeitergebnis folgen kann, ist unklar. Eine Theorie lautet, dass die schnelle Linderung die Patienten dazu verleitet, den Arm zu früh wieder voll zu belasten. Das kann schließlich die komplette Heilung behindern.

Anwendung

Innerliche Anwendung

Zu Beginn der Behandlung akuter Zustände wird meist eine starke Wirkung angestrebt, um den akuten Krankheitszustand zu durchbrechen. Anschließend wird die Dosierung innerhalb von zwei bis drei Wochen bis zur notwendigen Dosis verringert.

Grundsätzlich sollte die Dosierung – insbesondere bei längerdauernder Behandlung – so gering wie möglich sein. Sie sollte möglichst unter der Menge bleiben, deren Wirkung 7,5 Milligramm Prednisolon entspricht. Dies ist der Menge Cortisol vergleichbar, die der Körper jeden Tag selbst produziert. Viele Krankheiten lassen sich bei einer Langzeittherapie schon mit weniger als 5 Milligramm Prednisolon pro Tag in Schach halten.

Ein akuter Krankheitsschub oder ungewöhnliche Belastungen, wie eine schwere Infektion, können es notwendig machen, die Dosierung für kurze Zeit deutlich anzuheben.

Wenn Sie länger als 10 bis 14 Tage täglich mehr Glucocorticoide einnehmen, als es 7,5 bis 10 Milligramm Prednisolon entspricht, bilden die Nebennierenrinden weniger Cortisol. Um das zu verhindern, sollen Sie die gesamte Tagesdosis Glucocorticoid morgens zwischen sechs und acht Uhr einnehmen – zu der Zeit, in der die Nebennierenrinden den größten Teil ihrer Arbeit getan haben und das Blut ohnehin viel Cortisol enthält. Noch günstiger kann es sein, die Tabletten nur alle zwei Tage morgens einzunehmen; dann müssen die Nebennierenrinden immer wieder selbst aktiv werden. Ob ein solcher Rhythmus möglich ist, hängt von Art und Schwere der Erkrankung ab.

Eine mehr als zehntägige, hoch dosierte Glucocorticoidbehandlung wird "ausschleichend" beendet, indem die Dosierung schrittweise im Verlauf von fünf bis sieben Tagen verringert wird. Wurde das Mittel lange Zeit eingenommen, kann diese Phase mehrere Monate dauern.

Injektion in ein Gelenk

Die Dosierung richtet sich neben anderem nach der Größe des Gelenks.

Nach einer Glucocorticoidinjektion dürfen Sie das Gelenk nicht übermäßig belasten. Selbst wenn die Schmerzen nachlassen, bleibt es doch ein geschädigtes Gelenk. Wenn Sie das nicht berücksichtigen, verschlimmern sich die gelenkzerstörenden Prozesse der Erkrankung.

In dasselbe Gelenk darf frühestens nach vier Wochen erneut hineingespritzt werden, besser ist es, drei Monate zu warten. Die Behandlung ist auf drei- bis viermal pro Jahr zu begrenzen.

Kontrolluntersuchungen

Auf eine Vielzahl unerwünschter Wirkungen wird der Arzt nur aufmerksam, wenn er regelmäßig Kontrolluntersuchungen durchführt: bei einer Langzeitbehandlung etwa alle drei Monate, bei besonderen Risikofaktoren auch häufiger. Dazu gehört, den Blutdruck zu messen, den Gehalt an Zucker, Fettstoffen und Kalium im Blut zu bestimmen, das Blutbild und die Blutgerinnung zu kontrollieren. Augenärztliche Untersuchungen sind notwendig, um eine Linsentrübung zu erkennen.

Knochendichtemessungen, Messungen des Augeninnendrucks und Röntgenaufnahmen der Lunge können bei einer Langzeitbehandlung mit Glucocorticoiden ebenfalls notwendig werden. Sie können auch bei Personen angebracht sein, die ein besonderes Risiko für diese Probleme haben.

Bei Kindern

Bei Kindern müssen zusätzlich jeden Monat Körpergewicht und -größe kontrolliert werden. Um rechtzeitig zu bemerken, ob die Glucocorticoidtherapie das Wachstum beeinträchtigt, sollen die Ergebnisse in ein sogenanntes Somatogramm eingetragen werden, sodass die Ist-Werte mit den Soll-Werten verglichen werden können.

Achtung

Einige Präparate enthalten Parabene (siehe Tabelle). Diese Konservierungsmittel können Allergien auslösen. Wenn Sie auf Parastoffe allergisch reagieren, dürfen Sie diese Mittel nicht anwenden.

Viruserkrankungen wie Masern und insbesondere Windpocken können bei Menschen, die mit Glucocorticoiden behandelt werden, sehr schwer verlaufen. Dies gilt vor allem für nicht geimpfte Personen.

Gegenanzeigen

Bei den nachfolgend genannten Bedingungen darf keine längerdauernde Behandlung mit Glucocorticoiden erfolgen. Für eine kurzzeitige Anwendung bei akuten Beschwerden muss der Arzt Nutzen und Risiken sorgfältig abwägen. Bei einem lebensbedrohlichen Notfall treten diese Gegenanzeigen allerdings in den Hintergrund.

  • Sie leiden an bestimmten Formen von chronischer Leberentzündung.
  • Sie haben ein Magen-Darm-Geschwür.
  • Sie haben eine ausgeprägte Osteoporose.
  • Sie hatten in der Vergangenheit eine psychische Erkrankung wie Depressionen oder Schizophrenie.
  • Sie haben eine akute Virusinfektion (z. B. Herpes – auch am Auge –, Windpocken, Gürtelrose), eine Pilzinfektion im Körperinnern oder eine Erkrankung durch Parasiten (z. B. Würmer, Malaria, Amöben).
  • Sie haben grünen Star (Glaukom).
  • Acht Wochen vor und zwei Wochen nach Impfungen sollten Sie kein Glucocorticoid einnehmen. Das Hormon schwächt das Immunsystem, sodass vor allem die Injektion eines Lebendimpfstoffs zu einer "richtigen" Infektion führen kann. Außerdem wird der Impfschutz unsicher, weil das geschwächte Abwehrsystem nicht ausreichend auf den Impfstoff reagieren kann.

Unter folgenden Bedingungen darf der Wirkstoff nicht in ein Gelenk hineingespritzt werden:

  • Im Gelenk, dem zu behandelnden Bereich oder in dessen unmittelbarer Nähe besteht eine bakterielle Infektion.
  • Sie neigen verstärkt zu Blutungen. Dann kann die Injektion zu anhaltenden Blutungen führen.
  • Es handelt sich um Erkrankungen von Gelenken oder Sehnen, die nicht mit einer Entzündung verbunden sind.

Unter folgenden Bedingungen muss der Arzt Nutzen und Risiken der Behandlung sehr sorgfältig abwägen:

  • Sie haben eine schwere Herzschwäche. Diese kann sich bei der Behandlung mit Glucocorticoiden verschlimmern.
  • Sie haben eine Unterfunktion der Schilddrüse oder eine Leberzirrhose. Dann reagiert der Körper besonders empfindlich auf Glucocorticoide.
  • Bei Ihnen liegt eine Myasthenia gravis, eine Nierenfunktionsschwäche, ein Cushing-Syndrom oder eine Venenentzündung vor.
  • Bei Ihnen wurde eine Tuberkulose diagnostiziert. Diese kann bei einer längeren Behandlung mit Glucocorticoiden wieder aufflammen.

Wechselwirkungen

Wechselwirkungen mit Medikamenten

Wenn Sie noch andere Medikamente nehmen, ist zu beachten:

  • Bei gleichzeitiger Einnahme von Glucocorticoiden und Itraconazol oder Ketoconazol (innerlich bei Pilzinfektionen) werden die Glucocorticoide langsamer abgebaut. Dann können sie länger und stärker wirken. Insbesondere bei einer Langzeitbehandlung mit Glucocorticoiden ist dann eher mit Nebenwirkungen wie Akne, Gewichtszunahme und ansteigendem Blutdruck zu rechnen.
  • Durch Phenobarbital, Carbamazepin, Phenytoin, Primidon (alle bei Epilepsien) und Rifampizin (Antibiotikum, vor allem bei Tuberkulose) können Glucocorticoide schwächer wirken. Um das auszugleichen, sollte der Arzt gegebenenfalls die Glucocorticoiddosis erhöhen.
  • Glucocorticoide können die Wirkung der gerinnungshemmenden Mittel Phenprocoumon und Warfarin, die bei erhöhter Thrombosegefahr als Tabletten eingenommen werden, abschwächen. Insbesondere bei der gleichzeitigen Anwendung von Methylprednisolon in hoher Dosierung sollte die Blutgerinnung häufig kontrolliert werden.
  • Auch die Wirkung von Insulin und blutzuckersenkenden Tabletten (z. B. Metformin und Glibenclamid bei Diabetes) kann abnehmen. Darum sollte der Blutzucker zu Beginn der Behandlung mit Glucocorticoiden und nach ihrem Ende öfter als sonst kontrolliert werden. Gegebenenfalls muss der Arzt die Dosierung der Diabetesmedikamente anpassen.
  • Acetylsalicylsäure und NSAR (bei Schmerzen, Rheuma) können Magengeschwüre verursachen. Glucocorticoide verstärken diese Gefahr – besonders wenn die Mittel gespritzt werden. Diese Arzneimittel sollten daher nicht kombiniert angewendet werden.
  • Durch Hydrochlorothiazid und Schleifendiuretika wie Furosemid (beide bei hohem Blutdruck, Herzschwäche) verliert der Körper Kalium. Manche Glucocorticoide – besonders Hydrocortison, weniger die fluorierten Glucocorticoide – verstärken diesen Verlust.

Nebenwirkungen

Innerliche Anwendung

Eine kurzzeitige, hoch dosierte Anwendung von Glucocorticoiden, wie sie bei akuten lebensbedrohlichen Krankheiten erforderlich ist, ist nicht mit schwerwiegenden unerwünschten Wirkungen verbunden. Eine bis zu zehn Tage dauernde Therapie wirkt sich auf die Körperregulation nicht negativ aus. Schwerwiegende Nebenwirkungen sind erst dann zu befürchten, wenn die Medikamente monate- oder jahrelang eingenommen werden.

Wenn die Behandlung die Nebennierenrindenfunktion beeinträchtigt hat, gibt es nach dem Absetzen des Medikaments eine Phase, in der der Körper wenig oder gar kein Cortisol mehr produziert. Dann kann er auf Belastungen nicht angemessen reagieren. Als Symptome können auftreten: Kopf-, Muskel- und Gelenkschmerzen, Übelkeit, Schwindel, Benommenheit, Müdigkeit, Schwäche, Blutdruckabfall, Fieber. Diese verlieren sich in der Regel nach wenigen Tagen. Dennoch sollten Sie sich bei derartigen Beschwerdenan einen Arzt wenden, denn bei einer Dauerbelastung kann es passieren, dass der Körper in totale Erschöpfung gerät und der Kreislauf zusammenbricht.

Injektion in ein Gelenk

Die Injektion eines Glucocorticoids in ein Gelenk kann unerwünschte Wirkungen haben, die vornehmlich auf der Art der Anwendung beruhen.

Beim Spritzen ins Gelenk besteht die Gefahr, dass Bakterien in das Gelenk gelangen. Sie können vor allem deshalb leicht zu einer Entzündung führen, weil die injizierten Glucocorticoide die körpereigene Abwehr gegen Keime unterdrücken.

Auf eine Gelenkentzündung wird man normalerweise aufmerksam, weil das Gelenk anschwillt, sich rötet und sich nur noch unter Schmerzen bewegen lässt. Wurden jedoch Glucocorticoide ins Gelenk gespritzt, drängt das die Entzündungszeichen so sehr zurück, dass sie kaum noch zu spüren sind. Dennoch muss sofort eine antibiotische Behandlung einsetzen, damit die Entzündung das Gelenk nicht zerstört. Auch eine bakterielle Blutvergiftung (Sepsis) kann eintreten. Um eine solche Gelenkentzündung so sicher wie möglich zu vermeiden, findet die Injektion unter keimfreien Bedingungen statt. Der Behandelte sollte das Gelenk aufmerksam beobachten und sich im Zweifelsfall rasch mit dem Arzt in Verbindung setzen.

Keine Maßnahmen erforderlich

Die Haut kann sich heller oder dunkler färben. Das bildet sich nach dem Ende der Behandlung wieder zurück.

Die Haut wird dünner (Pergamenthaut) und verletzlicher; außerdem kann sich die Wundheilung verzögern. Eine gute Hautpflege hilft, Schäden vorzubeugen.

Da auch das Bindegewebe dünner wird, können sich rote Streifen, sogenannte Schwangerschaftsstreifen, bilden.

Eine stärkere Behaarung an einigen Stellen oder am ganzen Körper deutet darauf hin, dass sich die Konzentration an Geschlechtshormonen durch die Cortisonbehandlung verändert hat. Bei Männern kann eine weitere Folge sein, dass sie zeitweilig impotent werden, bei Frauen kann der Zyklus unregelmäßig werden und die Menstruation sogar ganz ausbleiben. All dieses normalisiert sich nach dem Ende der Behandlung wieder.

Die kleinen Blutgefäße können sich erweitern und in der Haut sichtbar werden (Teleangiektasien). Durch Einblutungen in die Haut können rote Punkte entstehen. Blaue Flecken können größer als üblich werden.

Bei Depotinjektionen kann sich an der Einstichstelle eine "Delle" bilden, weil sich dort das Fettgewebe zurückbildet.

Muss beobachtet werden

Wenn die Haut sich verstärkt rötet und juckt, reagieren Sie vermutlich allergisch auf das Mittel. Bei solchen Hauterscheinungen sollten Sie einen Arzt aufsuchen.

Es kann sich eine akneartige Erkrankung ausbilden. Auch Entzündungen um den Mund herum kommen vor. Beides sollten Sie mit dem Arzt besprechen.

Verletzte Hautstellen müssen Sie sehr genau beobachten. Durch die verzögerte Wundheilung fassen Infektionen schneller Fuß.

Cortison schwächt die Immunabwehr. Wenn Sie vermehrt Infektionen, auch Pilzinfektionen, und Entzündungen bemerken, sollten Sie den Arzt informieren.

Schlafstörungen, Nervosität, Kopfschmerzen, Schwindel, Stimmungsschwankungen, psychische Unruhe und unangemessene Hochstimmung (Euphorie), aber auch Depressionen können auftreten. Besonders häufig wirken fluorierte Glucocorticoide auf die Psyche. Sie können deutliche Gemütsveränderungen hervorrufen. Informieren Sie davon unbedingt den Arzt.

Der Appetit nimmt zu, das Gewicht steigt. Selten und dosisabhängig kann sich das zu massivem Übergewicht steigern, bei dem sich Gesicht und Körper auf typische Weise verändern. Das Gesicht rundet sich ("Vollmondgesicht"), der Hals verbreitert sich, der Körper wird stämmig. Diese Veränderungen normalisieren sich nach dem Ende der Behandlung nur ganz allmählich wieder.

Sehstörungen können darauf hinweisen, dass der Innendruck des Auges angestiegen ist (grüner Star). Dieses kann sich wieder zurückbilden.

Ein weiterer Grund für Sehstörungen kann eine Trübung der Augenlinsen (grauer Star) sein. Dafür müssen allerdings außer der Behandlung mit Glucocorticoiden noch andere Risikofaktoren vorliegen. Eine Linsentrübung wird wahrscheinlicher, wenn ein Jahr lang täglich 10 bis 16 Milligramm oder im Laufe des Lebens mehr als 2 000 Milligramm Prednisolon eingenommen wurden. Vereinzelt geht die Trübung wieder zurück, meist wird sie aber mit der Zeit stärker.

Der Blutzuckerspiegel steigt. Wenn Ihr Körper Probleme hat, den Blutzuckerspiegel zu kontrollieren (unterschwelliger Diabetes mellitus), entwickeln Sie wahrscheinlich einen Diabetes, der entsprechend behandelt werden muss. Nach dem Ende der Behandlung bildet sich dieser in der Regel wieder zurück; es kann aber auch sein, dass aus dem unterschwelligen ein bleibender Diabetes wird. Nehmen Sie bereits Medikamente gegen Diabetes ein oder spritzen Sie Insulin, müssen Sie die Dosierung anpassen.

Durch den Einfluss von Glucocorticoiden nimmt der Körper weniger Calcium aus dem Darm auf, scheidet aber mehr über die Nieren aus. Das geht zulasten der Knochen, die an Dichte und Festigkeit verlieren. Auf lange Sicht gesehen, kann das zu einer Osteoporose führen, die Wirbel- und andere Knochenbrüche zur Folge haben kann. Der Verlust an Knochenmasse ist nach dem Ende der Therapie kaum wettzumachen. Bei Knochen- oder Rückenschmerzen informieren Sie den Arzt. Er kann gegebenenfalls Ihre Knochendichte messen.

Plötzliche Beschwerden in den großen Gelenken wie Knie, Hüfte und Schulter müssen durch Röntgen- oder Ultraschalluntersuchungen abgeklärt werden. Durch Glucocorticoide kann die Knochensubstanz der Gelenkköpfe zerfallen (aseptische Knochennekrose).

Muskelschwäche und -schwund, besonders im Bereich von Schultern und Hüften, beruhen darauf, dass Eiweiß in der Muskulatur abgebaut wird (häufiger bei fluorierten Glucocorticoiden). Das kann so schlimm werden, dass sich der Betroffene ohne Hilfe der Arme nicht von einem Sitz erheben kann.

Magenbeschwerden können das erste Anzeichen für ein Magengeschwür sein. Anders als früher angenommen, können Glucocorticoide allein wohl keine Geschwüre verursachen; nicht auszuschließen ist aber, dass sie die Abheilung bestehender Geschwüre verzögern. Das Risiko einer Behandlung mit sehr hohen Dosen Glucocorticoiden ist noch nicht endgültig zu bewerten. Ein eindeutiges Risiko besteht jedoch, wenn Glucocorticoide und NSAR – ausgenommen Celecoxib und Etoricoxib – gemeinsam angewendet werden, wie das bei rheumatischen Erkrankungen manchmal der Fall ist. Bei anhaltenden Magenbeschwerden sprechen Sie mit dem Arzt.

Wenn Sie zu Nierensteinen neigen, können sich aufgrund der verstärkten Calciumausscheidung Nierensteine mit Koliken entwickeln.

Insbesondere wenn Glucocorticoide in höherer Dosierung und längere Zeit angewendet werden, verändert sich der Salzgehalt des Blutes. Dann wird mehr Kalium ausgeschieden und mehr Natrium und in der Folge auch Wasser im Körper zurückgehalten. Diese Flüssigkeit kann sich in den Geweben der Beine stauen (Ödeme). Außerdem steigt der Blutdruck an und es kann zu Herzrhythmusstörungen kommen.

Sofort zum Arzt

Wenn starker Hautausschlag, Juckreiz, Herzrasen, Atemnot, Schwäche und Schwindel auftreten, müssen Sie die Anwendung sofort abbrechen und unverzüglich den Notarzt rufen (Telefon 112), weil es sich um eine lebensbedrohliche Allergie handeln kann.

Augenschmerzen und Sehstörungen können Symptome eines akuten Engwinkelglaukoms sein, das auf einem erhöhten Augeninnendruck beruht. Suchen Sie sofort einen Arzt auf.

Kopfschmerzen, Sehstörungen, Erbrechen und Schwindel deuten auf einen lebensbedrohlich erhöhten Hirndruck durch Wasseransammlung im Gehirn hin. Rufen Sie sofort einen Arzt.

Bei starken Bauch- und Rückenschmerzen, schwarzem Stuhl und Erbrechen von Blut kann es sich um eine Magenblutung handeln. Da sich im Magen-Darm-Trakt unbemerkt viel Blut ansammeln kann, sollten Sie sofort zum Arzt gehen, wenn Sie nur geringe Blutmengen bemerken.

Sehr starke Schmerzen in der Nierengegend deuten auf eine Nierenkolik hin.

Bei Schmerzen in den Kniekehlen oder der Leiste kann es sich um eine Thrombose, also um ein Blutgerinnsel, handeln. Gehen Sie sofort zum Arzt. Wenn sich ein solches Blutgerinnsel löst, kann es Gefäße in der Lunge oder im Gehirn verstopfen. Dann kommt es zu einer Lungen- oder Hirnembolie mit Atemnot und Brustschmerzen oder zu einem Schlaganfall.

Besondere Hinweise

Für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren

Glucocorticoide beeinträchtigen den Eiweißstoffwechsel und die Einlagerung von Calcium in die Knochen. Sie können bei Kindern das Wachstum hemmen. Bei fluorierten Glucocorticoiden ist das wahrscheinlicher als bei nichtfluorierten. Wegen der Gefahr einer Wachstumshemmung sollten Kinder unter zwölf Jahren nur mit langwirkenden Glucocorticoiden behandelt werden, wenn Nutzen und Risiken einer Behandlung sorgfältig abgewogen wurden. Bei Kindern und Jugendlichen sind Wirksamkeit und Verträglichkeit von Depotpräparaten in Gelenke nicht ausreichend belegt. Sie sollten diese nicht bekommen.

Wenn die Therapie nicht allzu lange gedauert hat, kann der Körper das ausgebliebene Wachstum wieder aufholen.

Das Risiko, dass sich bei einer Glucocorticoidbehandlung eine Muskelschwäche oder ein grauer Star entwickelt, scheint bei Kindern größer zu sein als bei Erwachsenen.

Um diese Probleme einzudämmen, sollte die Dosisbegrenzung bei Kindern, die noch nicht ausgewachsen sind, genau eingehalten werden.

Kinder, die Glucocorticoide einnehmen, müssen vor Virusinfektionen, zu denen viele Kinderkrankheiten wie Masern und Windpocken gehören, geschützt werden. Während der Behandlung dürfen sie aber nicht geimpft werden. Wenn Sie das Infektionsrisiko für groß halten und der Arzt bestätigt, dass die Abwehrfähigkeit des Kindes aufgrund der Medikation eingeschränkt ist, kann ihm Immunglobulin gespritzt werden. Damit bekommt das Kind für vier bis sechs Wochen die Antikörper, die es selbst nicht ausreichend bildet.

Für Schwangerschaft und Stillzeit

Wenn es der Gesundheitszustand der Frau erfordert, ist die Anwendung von Glucocorticoiden in der Schwangerschaft vertretbar. Empfohlen werden dann die Wirkstoffe Prednisolon und Prednison. Allerdings muss bei einer langdauernden hoch dosierten Therapie geprüft werden, ob das Kind nach der Geburt genügend eigenes Cortisol produziert. Eventuell ist vorübergehend die Unterstützung durch ein Medikament notwendig. Daher wird in diesen Fällen das Neugeborene nach der Geburt in der Kinderklinik stationär betreut.

Triamcinolon: Dieses Glucocorticoid sollte in der Schwangerschaft möglichst nicht angewendet werden, da Tierversuche Hinweise auf ein höheres Risiko für Fehlbildungen im Vergleich zu dem Standardglucocorticoid Prednisolon erbracht haben.

Glucocorticoide gehen nur in geringer Menge in die Muttermilch über. Daher können Sie bei einer Behandlung mit Glucocorticoiden stillen, ohne sich um die Gesundheit des Kindes sorgen zu müssen. Als Wirkstoff sollte möglichst Methylprednisolon, Prednisolon oder Prednison gewählt werden, weil mit diesen Wirkstoffen reichlich Erfahrungen vorliegen.

Zur Verkehrstüchtigkeit

Glucocorticoide können auf das zentrale Nervensystem einwirken und das Reaktionsvermögen beeinträchtigen. Sie können darüber hinaus Sehstörungen verursachen. Dann sollten Sie kein Fahrzeug lenken, keine Maschinen bedienen und keine Arbeiten ohne sicheren Halt verrichten.

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