Medikamente im Test
  • Über 9 000 Medikamente
  • Geprüft durch unabhängige Experten
  • Ständig aktualisiert

Gliptin: Saxagliptin

Wirkungsweise

Saxagliptin aus der Gruppe der Gliptine wird bei Diabetes eingesetzt. Es wirkt auf eine Gruppe von Hormonen, die Inkretine, die an der Regulation des Zuckerstoffwechsels beteiligt sind. Inkretine werden von Zellen der Darmschleimhaut gebildet. Sie regen die entsprechenden Zellen in der Bauchspeicheldrüse zur Produktion und Freisetzung von Insulin an. Außerdem bewirken Inkretine, dass die Leber weniger Zucker an das Blut abgibt. Weil sie auch die Magenentleerung drosseln, gelangt der Zucker, der mit der Nahrung aufgenommen wurde, nur langsam ins Blut.

Eines dieser Inkretine trägt den Namen GLP-1 (Glucagon-like-Peptid 1). Der Abbau von GLP-1 wird durch Gliptine wie Saxagliptin gehemmt. Dadurch kann das Hormon die oben beschriebenen Wirkungen länger entfalten. Studien haben gezeigt, dass Gliptine den Blutzucker tatsächlich senken können. Auch der HbA1c-Wert, der Langzeitzucker, bessert sich, wenn auch nicht in gleichem Ausmaß wie mit Metformin oder einem Sulfonylharnstoff (z. B. Glibenclamid, Glimepirid, Gliquidon). Positiv wurde registriert, dass Gliptine als alleinige Antidiabetika kaum Unterzuckerungen hervorrufen und die Behandelten nicht an Gewicht zulegen.

Saxagliptin kann als alleiniges Diabetesmedikament eingesetzt werden, allerdings nur, wenn sich der Blutzucker mit nichtmedikamentösen Maßnahmen nicht ausreichend senken lässt und Metformin nicht angewendet werden kann. Da eine Behandlung mit Gliptinen allein den HbA1c-Wert meistens nicht ausreichend senkt, werden sie in aller Regel zusammen mit anderen Diabetesmedikamenten eingesetzt. Saxagliptin ist auch für die Kombinationsbehandlung mit Metformin, einem Sulfonylharnstoff, Pioglitazon oder Insulin zugelassen. Die Kombination eines Gliptins mit Metformin senkt den Langzeitzucker in ähnlichem Maße wie die bisher gebräuchliche Kombination aus Metformin und einem Sulfonylharnstoff. Wird ein Sulfonylharnstoff zur Senkung des Blutzuckers eingesetzt, besteht aber ein geringfügig erhöhtes Risiko für Unterzuckerungen und eine Gewichtszunahme. Dieser Nachteil ist auch zu erwarten, wenn Gliptine mit Insulin kombiniert werden.

Allerdings fehlen Untersuchungen, die nachweisen, dass die Behandlung mit Saxagliptin alleine oder in Kombination mit einem anderen blutzuckersenkenden Mittel wie Metformin oder einem Sulfonylharnstoff die Gefahr für Langzeitfolgen eines Diabetes, insbesondere Herzinfarkt, Schlaganfall und Gefäßschäden an Augen und Nieren, verringern kann.

Zudem gibt es noch keine zufriedenstellende Antwort auf die Frage, was der Dauergebrauch von Saxagliptin im Organismus, insbesondere im Immunsystem, nach sich zieht. Denn das durch Gliptine in seiner Wirkung gehemmte Hormon spielt nicht nur im Zuckerstoffwechsel eine Rolle, sondern auch im Immunsystem.

All diese Faktoren haben für Saxagliptin zur Bewertung "mit Einschränkung geeignet" geführt.

Informationen zu einer Dreifachkombination aus Sitagliptin plus Metformin plus Sulfonylharnstoff lesen Sie unter Kombination mehrerer Tablettensorten zur Diabetesbehandlung.

Anwendung

Saxagliptin wird häufig mit anderen blutzuckersenkenden Mitteln kombiniert. Wurde der Diabetes zuvor mit Metformin behandelt, wird dessen Dosierung beibehalten und zusätzlich Saxagliptin eingenommen. Wurde als erstes Medikament ein Sulfonylharnstoff angewendet, sollte bei der Zugabe des Gliptins geprüft werden, ob das erste Medikament geringer dosiert werden kann. Das kann die Gefahr von Unterzuckerungen verringern.

Wenn Ihre Nierenfunktion mäßig bis schwer eingeschränkt ist, werden die Mittel in verringerter Dosierung eingesetzt.

Gegenanzeigen

Der Arzt muss Nutzen und Risiken einer Anwendung von Saxagliptin besonders sorgfältig abwägen, wenn Sie schon einmal eine Entzündung der Bauchspeicheldrüse hatten.

Bei Patienten, die bereits an einer Herzschwäche oder an einer Nierenfunktionsstörung leiden, muss der Arzt ebenfalls Nutzen und Risiken einer Anwendung besonders sorgfältig abwägen. Studienergebnisse deuten darauf hin, dass Saxagliptin das Risiko erhöhen kann, dass sich die Beschwerden einer Herzschwäche entwickeln oder verschlimmern.

Ist die Funktion der Leber schwer eingeschränkt, müssen Nutzen und Risiken ebenfalls sorgfältig gegeneinander abgewogen werden.

Wechselwirkungen

Wechselwirkungen mit Medikamenten

Wenn Sie außer dem Diabetesmedikament noch Glucocorticoide zum Einnehmen oder Inhalieren (bei Entzündungen, Immunreaktionen, Asthma, COPD) nutzen, kann das Diabetesmittel schwächer wirken. Zu Beginn der Behandlung mit den genannten Medikamenten sollte der Blutzucker häufiger kontrolliert und die blutzuckersenkende Therapie, wenn notwendig, angeglichen werden.

Saxagliptin kann bei gleichzeitiger Anwendung mit Carbamazepin, Phenobarbital oder Phenytoin (bei Epilepsien) oder Rifampicin (bei Tuberkulose) schwächer wirken. Dann sollte der Blutzucker häufiger kontrolliert werden.

Gemeinsam mit Azolantimykotika wie Ketoconazol (bei Pilzinfektionen) eingenommen, können sich die Wirkungen und Nebenwirkungen von Saxagliptin verstärken. Wenn die beiden Mittel gemeinsam verabreicht werden müssen, sollten die Blutzuckerwerte häufiger kontrolliert werden. Gegebenenfalls muss der Arzt die Dosierung von Saxagliptin anpassen.

Nebenwirkungen

Keine Maßnahmen erforderlich

Bei bis zu 10 von 1 000 Behandelten kommt es zu Magen-Darm-Beschwerden. In Kombination mit Metformin sind bis zu 10 von 100 Behandelten von Übelkeit und Erbrechen betroffen.

1 bis 10 von 100 Behandelten bekommen Kopfschmerzen oder fühlen sich schläfrig oder schwindlig. Die Beschwerden vergehen in der Regel nach einiger Zeit von alleine.

Muss beobachtet werden

Bei der Behandlung mit Saxagliptin können vermehrt Infektionen der oberen Atemwege mit Halsschmerzen, Husten und Schnupfen sowie Harnwegsinfektionen auftreten. Dann sollten Sie mit dem Arzt das weitere Vorgehen besprechen.

Wenn die Haut sich verstärkt rötet und juckt, reagieren Sie möglicherweise allergisch auf das Mittel. Bei solchen Hauterscheinungen sollten Sie einen Arzt aufsuchen, um zu klären, ob es sich tatsächlich um eine allergische Hautreaktion handelt und Sie ein Alternativmedikament benötigen.

1 bis 10 von 1 000 Behandelten entwickeln Gelenkschmerzen. Diese sind teilweise so stark, dass sie die alltäglichen Aktivitäten beeinträchtigen. Solche Beschwerden sollten Sie dem Arzt mitteilen. Wahrscheinlich muss das Mittel abgesetzt werden.

Wenn sich Wasser in den Beinen ansammelt, Sie sich müde und schwach fühlen und sich Kurzatmigkeit einstellt, sollten Sie einen Arzt aufsuchen und die Beschwerden mit ihm besprechen.

Sofort zum Arzt

Die oben beschriebenen Hauterscheinungen können in sehr seltenen Fällen auch erste Anzeichen für andere sehr schwerwiegende Reaktionen auf das Arzneimittel sein. Meist entwickeln diese sich während der Anwendung des Mittels nach Tagen bis Wochen. Typischerweise dehnen sich die Hautrötungen aus und es bilden sich Blasen ("Syndrom der verbrühten Haut"). Auch die Schleimhäute des gesamten Körpers können betroffen und das Allgemeinbefinden wie bei einer fiebrigen Grippe beeinträchtigt sein. Bereits in diesem Stadium sollten Sie sich sofort an einen Arzt wenden, denn diese Hautreaktionen können sich rasch lebensbedrohlich verschlimmern.

Wenn sich schwere Hauterscheinungen mit Rötung und Quaddeln an Haut und Schleimhäuten sehr rasch (meist innerhalb von Minuten) entwickeln und zusätzlich Luftnot oder eine Kreislaufschwäche mit Schwindel und Schwarzsehen oder Durchfälle und Erbrechen auftreten, kann es sich um eine lebensbedrohliche Allergie bzw. einen lebensbedrohlichen allergischen Schock (anaphylaktischer Schock) handeln. In diesem Fall müssen Sie die Behandlung mit dem Medikament sofort stoppen und den Notarzt (Telefon 112) verständigen.

Bei anhaltenden, schweren, oftmals stechenden Schmerzen im Bauchraum, die gürtelförmig in den Rücken ausstrahlen können und in der Regel von Übelkeit und Erbrechen und/oder fettigem Stuhlgang begleitet sind, kann es sich um eine Bauchspeicheldrüsenentzündung handeln. Dann dürfen Sie die Mittel nicht mehr anwenden und müssen dringend einen Arzt aufsuchen.

Besondere Hinweise

Für Schwangerschaft und Stillzeit

Über die Anwendung von Saxagliptin in Schwangerschaft und Stillzeit gibt es keine ausreichenden Erkenntnisse.

Bereits vor einer geplanten Schwangerschaft sollte der Blutzucker mit Insulin statt mit Tabletten eingestellt werden. Spätestens nachdem die Schwangerschaft festgestellt wurde, sollten Sie aber zu Insulin wechseln, um Ihre Gesundheit und die des Kindes zu schützen. Auch wenn sich im Laufe einer Schwangerschaft ein Diabetes zeigt (Gestationsdiabetes), ist Insulin in der Regel das Mittel der Wahl.

Im Einzelfall, z. B. wenn es sich um eine übergewichtige Patientin handelt, kann Metformin als Alternative in Erwägung gezogen werden. Das gilt auch für die Stillzeit.

Für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren

Wirksamkeit und Unbedenklichkeit von Saxagliptin ist für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren nicht untersucht. Sie dürfen damit nicht behandelt werden.

Zur Verkehrstüchtigkeit

Saxagliptin kann Schwindel und Schläfrigkeit verursachen. Bei diesen Reaktionen sollten Sie nicht aktiv am Verkehr teilnehmen, keine Maschinen bedienen und keine Arbeiten ohne sicheren Halt verrichten.

Hinweise für Menschen mit Diabetes zur Teilnahme am Straßenverkehr finden Sie unter Diabetes und Straßenverkehr.

Sie sehen nun nur noch Informationen zu: ${filtereditemslist}.