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Glinid: Nateglinid

Wirkungsweise

Nateglinid wird bei Typ-2-Diabetes eingesetzt, wenn die Bauchspeicheldrüse ihr gespeichertes Insulin erst verspätet und relativ langsam nach dem Essen abgibt. Diese Situation kann durch Nateglinid verbessert werden. Es wirkt aber – ähnlich wie die Sulfonylharnstoffe – nur, wenn die Bauchspeicheldrüse noch selbst Insulin produzieren kann. Dann veranlasst Nateglinid das Organ, das Insulin bereits etwa 15 Minuten nach dem Blutzuckeranstieg freizusetzen. Sinkt infolge dessen der Blutzuckerspiegel, lässt auch die Wirkung wieder nach.

Nateglinid hat in klinischen Studien den Blutzuckerspiegel tendenziell schlechter gesenkt als Metformin. In der Kombination mit Metformin lassen sich jedoch beim HbA1c-Wert, dem Langzeitblutzucker, ähnlich gute Ergebnisse erzielen wie mit den herkömmlichen Diabetesmitteln. Darum ist Nateglinid derzeit nur in Kombination mit Metformin zugelassen – und nur dann, wenn mit der höchsten individuell verträglichen Dosis Metformin keine zufriedenstellende Diabeteseinstellung möglich war.

Während Metformin und die Sulfonylharnstoffe hinsichtlich ihres Einflusses auf die Folgeerkrankungen des Diabetes relativ gut untersucht sind, mangelt es an solchen Studien für die Glinide. Es ist noch nicht geklärt, ob sie diabetesbedingte Spätfolgen verhindern können. Weil entsprechende Untersuchungen fehlen, ist auch ein mögliches Risiko von Nateglinid für unerwünschte Wirkungen am Herzen noch nicht abzuschätzen. Daher wird die Diabetesbehandlung mit Nateglinid in Kombination mit Metformin als "mit Einschränkung geeignet" bewertet.

Da keine Studien vorliegen, die die Auswirkungen einer Dauerbehandlung mit Gliniden auf Diabetesspätfolgen aufzeigen, bewertet auch das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen den Nutzen dieser Mittel kritisch. Seit Juli 2016 werden die Kosten für Nateglinid von den gesetzlichen Krankenversicherungen nicht mehr übernommen.

Anwendung

Die Tabletten werden nur angewendet, wenn etwas Kohlenhydrathaltiges gegessen wird. Fällt das Essen aus, wird auch das Medikament nicht eingenommen. Die Tabletten müssen bis zu einer halben Stunde vor jeder Hauptmahlzeit eingenommen werden.

Als Startdosis werden 60 Milligramm Nateglinid vor jeder Hauptmahlzeit empfohlen. Die Dosis kann auf 120 Milligramm pro Mahlzeit gesteigert werden.

Gegenanzeigen

Nateglinid dürfen Sie nicht einnehmen, wenn Sie eine schwere Leberfunktionsstörung haben.

Wechselwirkungen

Wechselwirkungen mit Medikamenten

Wenn Sie noch andere Medikamente nehmen, ist zu beachten, dass das Mittel durch Glucocorticoide zum Einnehmen und Inhalieren (bei Entzündungen, Immunreaktionen, Asthma, COPD), durch Beta-2-Sympathomimetika (bei Asthma, COPD) und Rifampicin (bei Tuberkulose) schwächer wirken kann. Zu Beginn und nach dem Ende der Behandlung mit den genannten Medikamenten sollte der Blutzucker häufiger kontrolliert und die blutzuckersenkende Therapie, wenn notwendig, angeglichen werden.

Unbedingt beachten

Näheres zu allen nachfolgend aufgeführten Wechselwirkungen finden Sie unter Mittel zur Blutzuckersenkung: verstärkte Wirkung.

Durch ACE-Hemmer (bei Herzerkrankungen, hohem Blutdruck) können Glinide wie Nateglinid stärker wirken. Dann können leichter Unterzuckerungen auftreten.

Betablocker – insbesondere nichtselektiv wirkende wie Propranolol (bei hohem Blutdruck, zur Migränevorbeugung) – können in hoher Dosierung eine durch Nateglinid verursachte Unterzuckerung verschlimmern und verlängern. Außerdem können Betablocker die Warnsignale einer Unterzuckerung verschleiern.

Wechselwirkungen mit Speisen und Getränken

Alkohol unterdrückt die Zuckerneubildung in der Leber und kann so den Blutzuckerspiegel senken. Wenn Sie Alkohol trinken wollen, sollten Sie das vorzugsweise im Rahmen einer Mahlzeit tun und sich mit einer geringen Menge begnügen.

Nach erheblichem Alkoholkonsum kann es zu schweren Unterzuckerungen kommen.

Nebenwirkungen

Keine Maßnahmen erforderlich

Übelkeit, Brechreiz, Durchfall und Verstopfung treten bei bis zu 5 von 100 Behandelten auf. Diese Verdauungsbeschwerden sind zu Beginn der Behandlung häufig und vergehen oftmals mit der Zeit.

Kopfschmerzen beklagen bis zu 11 von 100 Personen.

Sehstörungen können vor allem zu Beginn der Behandlung auf schwankenden Blutzuckerwerten beruhen.

Muss beobachtet werden

Es können Unterzuckerungen auftreten.

Bei etwa 1 von 10 000 Behandelten steigen die Leberwerte leicht an. Ist das vorübergehend, braucht die Behandlung nicht geändert zu werden.

Das Mittel kann die Leber schädigen. Treten Übelkeit, Erbrechen und/oder dunkel gefärbter Urin auf und ist der Stuhl auffällig hell, sollten Sie einen Arzt aufsuchen.

Wenn die Haut sich verstärkt rötet und juckt, reagieren Sie vermutlich allergisch auf das Mittel. Bei solchen Hauterscheinungen sollten Sie einen Arzt aufsuchen.

Besondere Hinweise

Allgemein

Bei Menschen mit Diabetes, die erhebliche Gedächtnisschwächen aufweisen, verwirrt oder aus anderen Gründen zu einer verlässlichen Tabletteneinnahme nicht in der Lage sind, sollten Pflegende die Anwendung überwachen. Bei Anwendungsfehlern können die Kranken sonst durch Unterzuckerungen in Gefahr geraten.

Für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren

Über eine Anwendung von Nateglinid bei Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren gibt es keine ausreichenden Erkenntnisse. Sie sollten daher nicht mit diesem Mittel behandelt werden.

Bei Kinderwunsch

Bereits vor einer geplanten Schwangerschaft sollte der Blutzucker mit Insulin statt mit Tabletten eingestellt werden. Spätestens nachdem die Schwangerschaft festgestellt wurde, müssen Sie unbedingt zu Insulin wechseln, um Ihre Gesundheit und die des Kindes zu schützen.

Für Schwangerschaft und Stillzeit

Über die Auswirkungen einer Anwendung von Nateglinid in Schwangerschaft und Stillzeit liegen keine ausreichenden Erfahrungen vor. In dieser Zeit sollten Sie den Diabetes mit Insulin behandeln.

Bei älteren Menschen

Es liegen nur wenige Daten zur Wirksamkeit und Verträglichkeit von Nateglinid für über 75-Jährige vor. Sie sollten das Mittel in diesem Alter daher nur einnehmen, wenn Sie gemeinsam mit dem Arzt Nutzen und Risiken sehr sorgfältig gegeneinander abgewogen haben.

Zur Verkehrstüchtigkeit

Bei Gliniden wie Nateglinid sind Unterzuckerungen denkbar. Hinweise für Menschen mit Diabetes zur Teilnahme am Straßenverkehr finden Sie unter Diabetes und Straßenverkehr.

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