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Gliflozin: Empagliflozin

Wirkungsweise

Empagliflozin wird bei Diabetes eingesetzt. Es senkt den Blutzucker, unabhängig davon, ob die Bauchspeicheldrüse noch Insulin produziert oder nicht. Der Wirkstoff beeinflusst eine Funktion in den Nieren und sorgt dadurch für eine vermehrte Ausscheidung von Glucose über den Urin. Der Wirkmechanismus von Empagliflozin setzt also voraus, dass die Nierenfunktion intakt oder höchstens leicht eingeschränkt ist.

Die Nieren filtern normalerweise Glucose aus dem Blut heraus, sodass diese in den Urin gelangt. Noch während sich der Urin in den Nieren befindet, schleust ein Eiweißstoff den größten Teil der Glucose wieder ins Blut zurück. Dieses Transporteiweiß wird von Empagliflozin an seiner Wirkung gehindert. In der Folge wird mit dem Urin also mehr Glucose ausgeschieden, als es ohne das Medikament der Fall wäre. Der Wirkeffekt hängt vom Blutglucosespiegel ab. Daher wird niemals so viel Glucose ausgeschieden, dass es zu einer Unterzuckerung kommt, wenn Empagliflozin als einziges Antidiabetikum eingesetzt wird.

Die blutzuckersenkende Wirkung von Empagliflozin ist belegt. Außerdem verringert sich das Körpergewicht bei der Behandlung um zwei bis drei Kilogramm und der Blutdruck sinkt um durchschnittlich 4 mmHg beim ersten (systolischen) Wert und 2 mmHg beim zweiten (diastolischen) Wert.

Das Mittel ist sowohl für die Behandlung von Typ-2-Diabetes als alleiniges Mittel zugelassen als auch als Bestandteil einer Kombinationstherapie mit anderen blutzuckersenkenden Mitteln.

Für Empagliflozin in der Kombinationstherapie mit anderen Diabetesmitteln zum Einnehmen oder Spritzen konnte eine Studie zeigen, dass innerhalb von drei Jahren 1 bis 2 von 100 an Typ-2-Diabetes Erkrankte, bei denen bereits Herz- oder Gefäßerkrankungen festgestellt worden waren, von der Behandlung mit Empagliflozin profitieren. Im Zeitraum von drei Jahren erlitten 10 bis 11 von 100 Behandelten einen Herzinfarkt, einen Schlaganfall oder starben daran. Bei Menschen mit Typ-2-Diabetes, die eine Kombination ohne Empagliflozin bekamen, waren es 12 von 100.

Eine unbehandelte oder unzureichend eingestellte Diabeteserkrankung kann die Nierenfunktion schädigen. Die bislang vorliegenden Studien geben Hinweise darauf, dass Gliflozine dies verhindern können. So kann der Zusatz von Empagliflozin zur bisherigen antidiabetischen Behandlung bei Patienten mit einem erhöhten Risiko für Nierenerkrankungen bei einigen Menschen eine Verschlechterung der Nierenfunktion verhindern. Es konnte gezeigt werden, dass sich innerhalb von 3 Jahren die Nierenfunktion bei etwa 13 von 100 Patienten verschlechterte, wenn sie zusätzlich mit Empagliflozin behandelt wurden. Ohne diesen Zusatz verschlechterte sie sich bei 19 von 100 Patienten.

Eine zusätzliche Behandlung mit Empagliflozin ist bei Menschen mit Typ-2-Diabetes, die bereits eine Herz- oder Gefäßerkrankung haben, geeignet, wenn sich der Blutzucker durch eine alleinige oder kombinierte Behandlung mit Metformin, Sulfonylharnstoff, einem Inkretinanalogon oder Insulin nicht ausreichend senken lässt. Dass Patienten mit einem geringeren Herz-Kreislauf-Risiko profitieren, ist dagegen nicht nachgewiesen.

Zudem ist das Mittel unter denselben Bedingungen als zusätzliche Behandlung geeignet, wenn bei Menschen mit Typ-2-Diabetes bereits Nierenfunktionsstörungen bestehen.

Empagliflozin wird demgegenüber als alleiniges Mittel zur Blutzuckersenkung bei Typ-2-Diabetes als "mit Einschränkung geeignet" bewertet. Es kommt zum Einsatz, wenn Metformin nicht eingesetzt werden kann. Für diese Art der Anwendung ist unklar, ob Folgeerkrankungen oder Todesfälle aufgrund von Diabetes verhindert werden können.

Bei den unerwünschten Wirkungen fallen vermehrte Genital- und Harnwegsinfektionen auf, wenn eine Behandlung mit Empagliflozin erfolgt. Die Infektionen erklären sich durch den hohen Zuckergehalt im Urin. Sie treten bei 1 bis 10 von 100 Behandelten auf, wobei Frauen häufiger betroffen sind als Männer. Vor allem ältere Personen können zusätzlich durch die vermehrte Zuckerausscheidung einen Flüssigkeitsmangel erleiden.

Ferner gibt es Hinweise darauf, dass sich während der Therapie das Risiko für Amputationen von Zehen erhöhen kann und vermehrt Knochenbrüche auftreten.

Anwendung

Empagliflozin wird einmal täglich eingenommen, in der Regel beträgt die Dosierung 10 Milligramm. Mehr als 25 Milligramm pro Tag dürfen nicht eingenommen werden. Zu welcher Tageszeit Sie das Mittel einnehmen und ob Sie die Tabletten zu einer Mahlzeit oder unabhängig davon nehmen, bleibt Ihnen überlassen.

Vor der Behandlung und in ihrem Verlauf muss die Nierenfunktion überprüft werden. Verschlechtert sich die Nierenfunktion unter einen bestimmten Wert – erkennbar wird dies durch Laboruntersuchungen –, sollte die Dosis nicht mehr als 10 Milligramm betragen. Lässt die Nierenfunktion deutlich nach, sollte die Behandlung mit Empagliflozin abgebrochen werden.

Achtung

Den Harnzucker zu kontrollieren, ist bei diesem Medikament nicht sinnvoll, da es zur Wirkung von Empagliflozin gehört, dass der Zuckergehalt des Urins steigt.

Es ist nicht auszuschließen, dass das Mittel das Risiko von Zehenamputationen erhöht. Sie sollten daher regelmäßig Ihre Füße pflegen oder durch eine medizinische Fußpflege pflegen lassen und auf kleine Verletzungen oder Hautveränderungen hin untersuchen. Treten an den Füßen Wunden oder Schmerzen auf, sollten Sie diese sofort behandeln lassen.

Wenn Sie aufgrund einer akuten Erkrankung kaum Flüssigkeit oder Nahrung zu sich nehmen können oder wenn Sie starken Durchfall und Erbrechen haben, besteht die Gefahr einer Stoffwechselentgleisung (Ketoazidose). Dann sollten Sie mit Ihrem Arzt Rücksprache halten. In diesen Situationen wird empfohlen, die Ketonkörperkonzentration im Blut zu überwachen.

Gegenanzeigen

Unter folgenden Bedingungen muss der Arzt Nutzen und Risiken einer Behandlung mit Empagliflozin besonders sorgfältig abwägen:

  • Ihre Nierenfunktion ist eingeschränkt. Dann kann das Mittel nicht so gut wirken und es können vermehrt unerwünschte Wirkungen auftreten.
  • Ihre Leberfunktion ist deutlich beeinträchtigt.
  • Sie haben eine akute Erkrankung, bei der Sie viel Flüssigkeit verlieren (z. B. Durchfall, Erbrechen). Dabei kann der Blutdruck stark abfallen. Dann kann es notwendig sein, die Einnahme auszusetzen, bis sich der Flüssigkeitshaushalt normalisiert hat.
  • Sie haben niedrigen Blutdruck oder werden mit blutdrucksenkenden Mitteln behandelt. Dann besteht das Risiko, dass durch das Gliflozin der Blutdruck zu stark absinkt. In dem Fall steigt die Gefahr zu stürzen.
  • Ihr Flüssigkeitshaushalt ist nicht ausgeglichen, beispielsweise weil Sie viel schwitzen oder an einer akuten Erkrankung mit Erbrechen und Durchfall leiden und nicht genug trinken. Das könnte sich gefährlich verstärken, da bei Einnahme von Empagliflozin vermehrt Wasser ausgeschieden wird.
  • Sie haben ein erhöhtes Risiko für eine Stoffwechselentgleisung (Ketoazidose), z. B. weil Sie schon einmal eine Entzündung der Bauchspeicheldrüse hatten oder weil Sie alkoholkrank sind.

Wechselwirkungen

Wechselwirkungen mit Medikamenten

Wenn Sie noch andere Medikamente nehmen, ist zu beachten, dass Empagliflozin die Wirkung von wasserausschwemmenden Mitteln verstärken kann. Mittel aus der Gruppe der Schleifendiuretika (z. B. Furosemid, bei Herzschwäche) sollten Sie nicht gleichzeitig anwenden. Durch die vermehrte Ausscheidung von Wasser steigt das Risiko eines Flüssigkeitsmangels. Er macht sich durch Schwindel und deutlichen Blutdruckabfall bemerkbar. Wenn Sie diese Mittel dennoch gleichzeitig anwenden müssen, sollten Sie besonders darauf achten, viel zu trinken.

Empagliflozin verstärkt die Wirkung von Mitteln bei Bluthochdruck. Das ist besonders ausgeprägt, wenn der Blutzuckerspiegel zu Behandlungsbeginn sehr hoch war.

Nebenwirkungen

Wird Empagliflozin in Kombination mit Sulfonylharnstoffe oder Insulinen angewendet, kann das Risiko für Unterzuckerungen ansteigen. Zu Beginn einer Kombinationsbehandlung ist dies bei der Dosierung der Einzelmittel zu beachten.

Gliflozine sind vergleichsweise neue Diabetesmedikamente, deren Auswirkungen bei Einnahme über lange Zeit und durch sehr viele Menschen noch nicht verlässlich bekannt sind. Insbesondere müssen Hinweise auf ein erhöhtes Risiko für Tumoren der Blase, Zehenamputationen und Knochenbrüche weiter abgeklärt werden.

Keine Maßnahmen erforderlich

Empagliflozin schwemmt Wasser aus. Deshalb ist es naheliegend, dass Sie häufiger als bisher zur Toilette gehen müssen, auch in der Nacht. Dies kann besonders ausgeprägt sein, wenn der Blutzuckerspiegel sehr hoch liegt.

Bei 1 bis 10 von 100 Behandelten juckt die Haut.

Muss beobachtet werden

Bei 1 bis 10 von 100 Behandelten können sich Bereiche des Genitalbereichs entzünden, bei Frauen die Scheide, bei Männern die Eichel oder die Vorhaut. Sie sollten sich an einen Arzt wenden, wenn Sie Juckreiz, Schmerzen und/oder eine Rötung im Genitalbereich bemerken. Das gilt auch, wenn Frauen vermehrt Ausfluss aus der Scheide bemerken.

Bei sehr häufigem Harndrang und Schmerzen beim Wasserlassen sollten Sie sich ebenfalls an einen Arzt wenden. Dieses sind Symptome einer Harnwegsinfektion, wie sie bei 1 bis 10 von 100 Behandelten (überwiegend Frauen) vorkommt.

Durst und Mundtrockenheit können auf einen Flüssigkeitsmangel hindeuten. Auch der Blutdruck kann durch einen Flüssigkeitsmangel insbesondere zu Beginn der Behandlung stark abfallen. Möglicherweise wird Ihnen dadurch schwindelig. Dann sollten Sie ausreichend trinken und dies mit dem Arzt besprechen. Gegebenenfalls sind weiterführende Untersuchungen notwendig.

Sofort zum Arzt

Durch die Einnahme von Empagliflozin kann es zu einer Stoffwechselentgleisung kommen (Ketoazidose). Typische Symptome sind sehr schnelle Atmung auch in Ruhe, ein Geruch der Ausatemluft nach Azeton, Bauchschmerzen, Übelkeit, Benommenheit, Schläfrigkeit und starker Durst. Bei einer Ketoazidose durch das Mittel können diese Symptome allerdings auch anders ausfallen und es kann sein, dass der Blutzucker nicht sonderlich stark erhöht ist (unter 14 mmol/l bzw. 250 mg/dl). Bei einer Ketoazidose dürfen Sie das Mittel nicht weiter einnehmen und müssen sofort ins Krankenhaus eingeliefert werden.

Durch die Einnahme von Empagliflozin kann sich in Einzelfällen eine schwerwiegende bakterielle Infektion des Genitalbereichs oder des Bereichs zwischen After und Geschlechtsorganen entwickeln, bei der das Gewebe in diesem Bereich abzusterben beginnt (Fournier-Gangrän). Erste Anzeichen können eine erhöhte Druckempfindlichkeit, Rötung oder Schwellung dieses Bereichs sein, meist zusammen mit Fieber oder allgemeinem Unwohlsein. Bei diesen Anzeichen müssen Sie sich sofort an einen Arzt wenden, damit Sie mit einem Antibiotikum behandelt werden können. Häufig ist auch eine Operation notwendig.

Besondere Hinweise

Für Schwangerschaft und Stillzeit

Über die Anwendung von Empagliflozin während Schwangerschaft und Stillzeit liegen keine ausreichenden Erkenntnisse vor. Das Mittel sollte in dieser Zeit nicht eingesetzt werden.

Bereits vor einer geplanten Schwangerschaft sollte der Blutzucker daher möglichst mit Insulin statt Tabletten eingestellt werden und während der Schwangerschaft mit Insulin behandelt werden.

Auch wenn sich erst im Laufe einer Schwangerschaft ein Diabetes zeigt (Gestationsdiabetes), ist Insulin in der Regel das Mittel der Wahl.

Im Einzelfall, z. B. wenn es sich um eine übergewichtige Patientin handelt, kann Metformin als Alternative in Erwägung gezogen werden. Das gilt auch für die Stillzeit.

Für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren

Da die Wirksamkeit und Sicherheit des Mittels bei Kindern und Jugendlichen bisher nicht untersucht wurde, sollte es bei ihnen nicht angewendet werden.

Für Frauen

Frauen sind von Genital- und Harnwegsinfektionen häufiger betroffen als Männer.

Für ältere Menschen

Altersbedingt lässt die Nierenfunktion nach. Dann kann Empagliflozin nicht richtig wirken. Deshalb sollte die Nierenfunktion bei Älteren häufiger kontrolliert werden. Das ist bei Menschen im Alter über 75 Jahren insbesondere dann zu beachten, wenn eine hohe Dosis Empagliflozin eingenommen wird. Außerdem steigt mit zunehmendem Lebensalter die Gefahr eines Flüssigkeitsmangels, in dessen Folge der Blutdruck absinken kann. Dann erhöht sich die Gefahr zu stürzen. Bei Menschen über 85 Jahre sollte keine Behandlung mit Empagliflozin mehr begonnen werden, da keine Erfahrungen vorliegen.

Zur Verkehrstüchtigkeit

Wenn ein Gliflozin in Kombination mit einem Sulfonylharnstoff oder Insulin angewendet wird, kann es zu einer Unterzuckerung kommen. Näheres hierzu lesen Sie unter Diabetes und Straßenverkehr.

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