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Antivirales Mittel: Glecaprevir + Pibrentasvir

Wirkungsweise

Die Fixkombination enthält zwei antivirale Wirkstoffe. Glecaprevir und Pibrentasvir hemmen auf zwei unterschiedlichen Wegen den Vermehrungsprozess der Hepatitis-Viren. So verhindert das Mittel die Produktion neuer Viren in den Körperzellen. Resistenzen gegen diese Wirkstoffkombination wurden bisher nur sehr selten beobachtet. Testergebnis Glecaprevir + Pibrentasvir

Maviret ist für die Behandlung einer chronischen Hepatitis C geeignet. Das Mittel kann gegen die verschiedenen Genotypen des Hepatitis-C-Virus eingesetzt werden – auch wenn die Nierenfunktion eingeschränkt ist. Die Fixkombination ist gut verträglich und zeigt hohe Heilungsraten nach zwei- bis dreimonatiger Therapie: 95 von 100 nicht vorbehandelten Patienten sind nach Behandlungsende virusfrei. Allerdings darf Maviret nur angewendet werden, wenn die Leberfunktion noch weitgehend intakt ist. Ist die Funktion der Leber bereits eingeschränkt, kann das Organ durch die Einnahme des Mittels schwer geschädigt werden.

Ob Maviret besser wirkt oder verträglicher ist, als andere moderne virushemmende Kombinationsmittel, ist nicht ausreichend untersucht. Im individuellen Fall könnte es aber von Vorteil sein, dass bei allen nicht vorbehandelten Hepatitis-C-Patienten – unabhängig vom Genotyp des Virus – eine achtwöchige Therapie ausreicht.

Beobachtende Untersuchungen legen nahe, dass durch die Behandlung mit den neuen antiviralen Mitteln nicht nur die Viruslast im Körper deutlich gesenkt wird, sondern auch Lebertransplantationen vermieden werden können. Danach ist seit Einführung dieser Mittel der Anteil der Menschen, die aufgrund einer Hepatitis-C-Infektion eine Lebertransplantation erhalten mussten, von 15 auf 6 Prozent gesunken.

Anwendung

Nehmen Sie einmal täglich drei Tabletten des Mittels unzerkaut und zu einer Mahlzeit ein. So wird es besser in den Körper aufgenommen. Achten Sie darauf, die Tabletten jeden Tag zur gleichen Uhrzeit einzunehmen.

Wenn Sie vergessen haben das Mittel einzunehmen und der übliche Zeitpunkt weniger als 18 Stunden zurückliegt, holen Sie dies so rasch wie möglich nach. Nehmen Sie die nächsten Tabletten wieder wie gewohnt ein. Holen Sie die Einnahme nicht nach, wenn seit dem versäumten Einnahmezeitpunkt mehr als 18 Stunden vergangen sind. Schlucken Sie stattdessen die nächste Tablette zum gewohnten Zeitpunkt.

Wenn zum ersten Mal eine antivirale Therapie durchgeführt wird, dauert die Behandlung mit der Fixkombination für alle Genotypen in der Regel acht Wochen. Dies gilt ebenso für Betroffene, die an einer Hepatitis C der Genotypen 1, 2, 4 - 6 leiden und bereits vorbehandelt wurden. Bereits vorbehandelte Infektionen mit Hepatitis-C-Viren vom Genotyp 3 machen eine 16-wöchige Therapiedauer erforderlich.

Bei Patienten mit einer Leber- oder Nierentransplantation beträgt die Behandlungsdauer in der Regel zwölf Wochen.

Achtung

Wenn diese Fixkombination bei chronischer Hepatitis C eingesetzt wird, steigt möglicherweise das Risiko, dass eine vorhandene oder bereits vergangene Hepatitis B aktiviert wird. Vor Beginn einer Behandlung mit dem Mittel sollen daher alle Patienten auf eine aktuelle oder zurückliegende Hepatitis-B-Infektion untersucht werden. Patienten, die sowohl an einer Hepatitis-B- als auch an einer Hepatitis-C-Infektion leiden, müssen besonders sorgfältig beobachtet werden.

Gegenanzeigen

Unter folgenden Bedingungen dürfen Sie die Fixkombination nicht anwenden:

  • Die Funktion Ihrer Leber ist stark beeinträchtigt. Dann besteht die Gefahr, dass das Mittel die Leber noch weiter schädigt. Auch wenn die Leberfunktion nur moderat beeinträchtigt ist, wird eine Behandlung mit Maviret nicht empfohlen.
  • Sie leiden an Epilepsie und müssen Carbamazepin, Phenytoin oder Phenobarbital einnehmen.
  • Sie verhüten mit der Pille oder einem anderen ethinylestradiolhaltigen Verhütungsmittel (z. B. Vaginalring).
  • Erhöhte Blutfettwerte werden bei Ihnen mit Simvastatin oder Atorvastatin behandelt.
  • Sie leiden an einer Depression und werden mit Johanniskraut behandelt.
  • Sie haben Tuberkulose und müssen das Antibiotikum Rifampicin einnehmen.
  • Sie sind an HIV erkrankt und werden mit Atazanavir behandelt.
  • Aufgrund von Vorerkrankungen ist bei Ihnen das Thromboserisiko erhöht und Sie werden mit Dabigatran behandelt.

Unter folgenden Bedingungen muss die Ärztin oder der Arzt Nutzen und Risiken einer Anwendung besonders sorgfältig abwägen:

  • Sie leiden an Diabetes. Da das Mittel positive Auswirkungen auf den Blutzuckerspiegel hat, kann Maviret die Blutzuckerwerte verbessern. Insbesondere zu Behandlungsbeginn könnte es daher notwendig werden, die Dosierung der Antidiabetika anzupassen, da sonst vermehrt Unterzuckerungen auftreten können. Der Blutzuckerwert sollte in dieser Zeit regelmäßig überprüft werden.
  • Sie wurden bereits mit einem Vertreter der Wirkstoffklassen, die auch in Maviret enthalten sind, behandelt. Dann steigt das Risiko für Resistenzen und das Mittel sollte nicht zum Einsatz kommen.

Wechselwirkungen

Wechselwirkungen mit Medikamenten

Wenn Sie das HIV-Mittel Efavirenz einnehmen, kann kein ausreichend hoher Blutspiegel von Maviret erreicht werden, um die Virusvermehrung zu verhindern.

Wenn Sie Ciclosporin in hoher Dosierung (z. B. 400 Milligramm bei rheumatoider Arthritis, Schuppenflechte) bekommen, sollte der Arzt den Nutzen gegenüber den Risiken besonders sorgfältig abwägen. Das Risiko von unerwünschten Arzneimittelwirkungen durch Maviret wird erhöht. Ist eine gleichzeitige Behandlung sinnvoll, sollte der Arzt diese engmaschig überwachen.

Unbedingt beachten

Maviret kann die Wirkung bestimmter Arzneimittel verstärken. Damit erhöht sich auch das Risiko für deren Nebenwirkungen. Deshalb dürfen Sie Maviret nicht gleichzeitig mit folgenden Mitteln anwenden:

  • Atazanavir (bei HIV-Infektion)
  • Dabigatran (bei Venenerkrankungen, Thrombosen)
  • Ethinylestradiol (in Kombination mit Gestagenen zur Empfängnisverhütung)
  • die Statine Atorvastatin und Simvastatin (bei erhöhten Blutfetten).

Andere Vertreter aus der Wirkstoffgruppe der Statine müssen niedriger dosiert werden, oder es gelten Höchstdosen. Von Lovastatin und Pravastatin etwa dürfen Sie nur maximal 20 Milligramm pro Tag einnehmen, von Rosuvastatin maximal 5 Milligramm pro Tag.

Maviret kann die Wirkung und Nebenwirkungen von Digoxin (bei Herzschwäche) verstärken. Anzeichen dafür sind Herzrhythmusstörungen und Ohnmachtsanfälle. Bei gleichzeitiger Anwendung muss der Arzt den Blutspiegel von Digoxin zu Beginn und während der Behandlung kontrollieren und bei Bedarf dessen Dosis reduzieren. Näheres hierzu lesen Sie unter Mittel bei Herzschwäche: verstärkte Wirkung.

Außerdem dürfen sie Maviret nicht gleichzeitig mit Mitteln anwenden, die dessen Abbau beschleunigen. Das Mittel kann sonst nicht mehr ausreichend wirken. Dazu zählen:

  • Rifampicin (bei Tuberkulose)
  • Carbamazepin, Phenobarbital, Phenytoin oder Primidon (bei Epilepsie)
  • Johanniskraut (bei depressiver Verstimmung).

Nebenwirkungen

Da die Wirkstoffkombination noch neu ist, ist derzeit unklar, ob bereits alle unerwünschten Wirkungen bekannt sind, wie bedeutsam diese sind und welche Folgen sie haben können.

Neben der zugrundeliegenden Erkrankung kann auch das Mittel Ihre Leberwerte beeinflussen, was Zeichen einer beginnenden Leberschädigung sein kann. Sie selbst bemerken in der Regel davon nichts, sondern es fällt nur bei Laborkontrollen durch den Arzt auf. Ob und welche Konsequenzen dies für Ihre Therapie hat, hängt sehr vom individuellen Fall ab. Bei einem lebensnotwendigen Medikament ohne Alternative wird man es oft tolerieren und die Leberwerte häufiger kontrollieren, in den meisten anderen Fällen wird Ihr Arzt das Medikament absetzen oder wechseln.

Keine Maßnahmen erforderlich

Bei mehr als 10 von 100 Behandelten kommt es zu Kopfschmerzen. Ebenso viele fühlen sich erschöpft.

Bei 1 bis 10 von 100 Behandelten kommt es zu Übelkeit oder Durchfall.

Auch Juckreiz kann auftreten, insbesondere wenn die Funktion Ihrer Nieren eingeschränkt ist.

Es ist bisher nicht ganz klar welcher Anteil dieser Beschwerden dem Medikament, und welcher anderen Grundkrankheiten zuzuordnen ist.

Sofort zum Arzt

Bei 1 bis 10 von 1 000 Behandelten kann das Unterhautgewebe im Kopf- und Rachenbereich anschwellen. Geschieht dies im Gesicht an Lippen und Zunge, drohen Atemnot und Erstickungsanfälle (Angioödem). In diesem Fall müssen Sie die Behandlung mit dem Medikament sofort stoppen und den Notarzt (Telefon 112) verständigen.

Besondere Hinweise

Zur Empfängnisverhütung

Hepatitis-C-Viren werden durch den Kontakt mit infiziertem Blut weitergegeben. Dass dies auch bei ungeschütztem Sex passieren kann, ist sowohl für homosexuelle wie auch für heterosexuelle Kontakte bekannt. Solange sich Hepatitis-C-Viren im Blut nachweisen lassen, müssen Sie Ihre Partnerin oder Ihren Partner vor einer Ansteckung schützen, indem Sie konsequent Kondome benutzen.

Für Schwangerschaft und Stillzeit

Da bislang nur begrenzte Erfahrungen vorliegen, sollten Sie dieses Mittel während Schwangerschaft möglichst nicht anwenden.

Ob das Mittel beim Menschen in die Muttermilch übergeht, ist nicht bekannt. Aufgrund der Eigenschaften der Wirkstoffe wird vermutet, dass lediglich sehr geringe Mengen in die Muttermilch gelangen können. Wenn Sie das Mittel einnehmen müssen, sollten Sie gemeinsam mit dem Arzt beraten, ob Sie stillen können.

Für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren

Das Mittel kann Kindern ab einem Alter von drei Jahren, die mindestens zwölf Kilogramm wiegen, zur Behandlung einer chronischen Hepatitis C gegeben werden. Zur Einschätzung von Wirksamkeit und Verträglichkeit liegen Studien mit wenigen Teilnehmern vor. Danach ist Maviret auch bei Kindern hochwirksam gegen Hepatitis-C-Viren.

Kinder von drei bis zwölf Jahren nehmen das Mittel einmal täglich als Granulat zusammen mit einer Mahlzeit ein. Ältere Kinder und Jugendliche können auch mit den Filmtabletten behandelt werden. Die Dosierung richtet sich nach dem Körpergewicht. Die mit der Therapie einhergehenden unerwünschten Wirkungen entsprechen denen bei Erwachsenen.

Für Kinder unter drei Jahren liegen keine Daten zur therapeutischen Wirksamkeit und Verträglichkeit vor.

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Anwendungsgebiete dieses Wirkstoffs