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Gichtmittel: Colchicin

Wirkungsweise

Colchicin unterbricht einen Gichtanfall zuverlässig, indem es verhindert, dass weiße Blutkörperchen Harnsäurekristalle aufnehmen. Infolgedessen zerfallen keine Blutkörperchen mehr, die die Entzündungsreaktion in Gang halten. Das Geschehen kommt zum Stillstand. Colchicin senkt jedoch nicht den Harnsäurespiegel und wirkt nicht unmittelbar schmerzlindernd oder entzündungshemmend.

Colchicin ist ein Inhaltsstoff der Herbstzeitlose (Colchicum autumnale). Die hier besprochenen Fertigpräparate enthalten den Extrakt aus den Samen beziehungsweise den Blüten der Pflanze und sind auf eine genau definierte Menge Colchicin eingestellt (standardisiert).

Um einen akuten Gichtanfall zu unterbrechen, gilt Colchicin als "mit Einschränkung geeignet". Es soll nur angewendet werden, wenn als "geeignet" bewertete Mittel zur Schmerz- und Entzündungshemmung nicht angewendet werden können oder nicht ausreichend wirken. Diese Einschränkung beruht darauf, dass Colchicin fast immer heftigen Durchfall auslöst. Schwerer aber wiegt, dass es giftig ist und nur in eng begrenzter Dosierung angewendet werden darf. Wird das nicht eingehalten, kann der Durchfall lebensgefährlich werden. Außerdem können Blutungen und Herzversagen das Leben bedrohen.

In niedriger Dosierung ist Colchicin geeignet, um die Behandlung mit Allopurinol in der Anfangszeit zu begleiten. Da der Harnsäurespiegel nach der Einnahme von Allopurinol nicht abrupt sinkt, können in den ersten Monaten noch Gichtanfälle auftreten. Das kann durch Colchicin verhindert werden.

Anwendung

Beim akuten Gichtanfall nehmen Sie zu Beginn ein Milligramm Colchicin, das entspricht zwei Dragees oder 50 Tropfen. Spätestens nach zwei Stunden sollten die Schmerzen nachlassen. Falls dies nicht der Fall ist, können Sie am ersten Behandlungstag noch zweimal je 0,5 Milligramm Colchicin im Abstand von jeweils zwei Stunden einnehmen. Dabei dürfen Sie aber die Gesamtmenge von zwei Milligramm am ersten Tag nicht überschreiten. Am zweiten und dritten Behandlungstag können Sie jeweils bis zu 1,5 Milligramm Colchicin einnehmen; am vierten Tag bis zu vier Milligramm.

Beachten Sie aber, dass Sie pro Gichtanfall nicht mehr als insgesamt 6 Milligramm Colchicin einnehmen dürfen. Diese Menge darf keinesfalls überschritten werden. Danach dürfen Sie mindestens drei Tage lang kein Colchicumpräparat mehr einnehmen.

In den ersten Monaten einer Behandlung mit Allopurinol kann Colchicin begleitend eingesetzt werden. Die Dosierung liegt dann bei 1 bis 1,5 Milligramm pro Tag.

Bei einer Behandlung über längere Zeit muss regelmäßig das Blutbild kontrolliert werden.

Achtung

Colchysat Bürger: Dieses Mittel enthält Alkohol. Personen mit Alkoholproblemen dürfen es nicht einnehmen. Auch Leberkranke und Menschen mit Anfallleiden sollten den Alkoholgehalt berücksichtigen. Darüber hinaus kann Alkohol die Wirkung vieler Arzneimittel (z. B. Schlaf- und Beruhigungsmittel, Psychopharmaka, starke Schmerzmittel, einige Mittel bei hohem Blutdruck) verstärken.

Gegenanzeigen

Unter folgenden Bedingungen dürfen Sie kein Colchicin einnehmen:

  • Ihre Nierenfunktion ist gestört.
  • Sie haben eine Blutbildungsstörung.
  • Bei Ihnen liegt eine Magen-Darm- oder Lebererkrankung vor.
  • Herz und Kreislauf arbeiten nur eingeschränkt.
  • Sie werden zeitgleich mit einem der folgenden Medikamente behandelt: Clarithromycin, Erythromycin, Telithromycin oder ähnliche Antibiotika (bei bakteriellen Infektionen), Fluconazol, Itraconazol oder Ketoconazol (innerlich bei Pilzinfektionen), einige Mittel bei HIV-Infektion und Verapamil (bei koronarer Herzkrankheit).

Wechselwirkungen

Wechselwirkungen mit Medikamenten

Wenn Sie noch andere Medikamente nehmen, ist zu beachten:

  • Bei der Kombination von Colchicin und Ciclosporin (nach Organtransplantationen, bei rheumatoider Arthritis, Schuppenflechte) können die Nebenwirkungen beider Wirkstoffe häufiger auftreten. Es handelt sich dabei vor allem um Muskelschmerzen sowie Leber- und Nierenfunktionsstörungen.
  • Wird Colchicin zugleich mit Statinen oder Fibraten (bei hohen Blutfettwerten) eingenommen, können schwere Muskelerkrankungen mit Nierenversagen eintreten. Besonders gefährdet sind Menschen, deren Nierenfunktion ohnehin schon erheblich eingeschränkt ist. Treten bei der gemeinsamen Anwendung dieser beiden Wirkstoffe Muskelschmerzen auf und ist der Urin dunkel gefärbt, sollten Sie sofort zum Arzt gehen.

Unbedingt beachten

Eine Reihe von Medikamenten darf nicht gleichzeitig mit Colchicin angewendet werden. Hierzu gehören Antibiotika aus der Gruppe der Makrolide wie Clarithromycin und Erythromycin (bei bakteriellen Infektionen), Imidazole wie Itraconazol und Ketoconazol (innerlich bei Pilzinfektionen), Mittel wie Indinavir und Ritonavir (bei HIV-Infektion) und Verapamil (bei koronarer Herzkrankheit). Bei Kombination besteht die Gefahr einer Colchicinvergiftung. Sie macht sich durch Fieber, Erbrechen, Durchfall, Bauchschmerzen und Muskelschmerzen bemerkbar. Auch Blutbildschäden können nicht ausgeschlossen werden.

Wechselwirkungen mit Speisen und Getränken

Wenn Sie Colchicin einnehmen, dürfen Sie keine Grapefruit essen und keinen Grapefruitsaft trinken, weil beides die Wirkung und die Nebenwirkungen von Colchicin verstärkt.

Nebenwirkungen

Keine Maßnahmen erforderlich

Colchicin kann Haarausfall auslösen. Dieser lässt meist wieder nach, sobald das Mittel abgesetzt wird.

Mit steigender Dosierung treten immer häufiger Übelkeit, Erbrechen und Durchfall auf.

Bei einer Anwendung über längere Zeit wird häufig über Benommenheit geklagt.

Sofort zum Arzt

Wenn Sie grippeartige Beschwerden haben, sich seit längerer Zeit abgeschlagen und müde fühlen und zusätzlich Halsschmerzen sowie Fieber auftreten, kann es sich um eine Blutbildungsstörung handeln, die bedrohlich werden kann. Sie müssen dann umgehend den Arzt aufsuchen, damit er das Blutbild kontrollieren kann.

Besondere Hinweise

Für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren

Kinder und Jugendliche dürfen die Mittel bei Gicht nicht einnehmen.

Bei Kinderwunsch

Der Wirkungsmechanismus legt nahe, dass Colchicin die Samenzellen schädigen kann. Darum sollten Männer sicherheitshalber während der Behandlung und noch sechs Monate danach dafür sorgen, dass sie kein Kind zeugen.

Zur Empfängnisverhütung

Frauen, die schwanger werden können, wird empfohlen, während der Behandlung mit Colchicin und noch drei Monate danach für eine sichere Verhütung zu sorgen.

Für Schwangerschaft und Stillzeit

Mehr als 1 000 Frauen wurden im ersten Schwangerschaftsdrittel mit Colchicin behandelt. Bei ihren Kindern waren keine Fehlbildungen erkennbar. Der Wirkungsmechanismus von Colchicin und Versuche an Tieren lassen allerdings vermuten, dass der Embryo geschädigt werden kann. Colchicin darf daher zur Behandlung von Gicht während der Schwangerschaft und Stillzeit nicht angewendet werden.

Für ältere Menschen

Da bei älteren und geschwächten Menschen die Gefahr besteht, dass Colchicin zu stark wirkt, muss der Arzt Nutzen und Risiken einer solchen Behandlung sehr sorgfältig gegeneinander abwägen.

Sie selbst müssen sich unbedingt an die vorgegebene Dosierung halten und sich aufmerksam hinsichtlich der Zeichen einer Überdosierung beobachten. Diese sind Übelkeit und Erbrechen sowie vor allem vermehrt auftretende Durchfälle. Die lebensgefährlichen Überdosierungen, die bei der Behandlung mit Colchicin aufgetreten sind, betrafen vornehmlich ältere Menschen.

Zur Verkehrstüchtigkeit

Wenn Colchicin Benommenheit oder Schwindel hervorruft, sollten Sie kein Fahrzeug lenken, keine Maschinen bedienen und keine Arbeiten ohne sicheren Halt verrichten.

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Anwendungsgebiete dieses Wirkstoffs