Medikamente im Test
  • Über 9 000 Medikamente
  • Geprüft durch unabhängige Experten
  • Ständig aktualisiert

Gichtmittel: Benzbromaron

Wirkungsweise

Benzbromaron wird bei Gicht eingesetzt, da es die Ausscheidung von Harnsäure beschleunigt, indem der Wirkstoff in den Prozess der Harnproduktion in den Nieren eingreift.

In den Nieren entsteht zuerst eine Harnvorstufe, die unter anderem Harnsäure enthält. Noch in den Nieren wird diese Harnsäure wieder in den Blutkreislauf zurückgeschleust. Benzbromaron hemmt diese Wiederaufnahme von Harnsäure ins Blut.

Dadurch kann der Urin in den Nieren viel Harnsäure enthalten. Diese kann innerhalb der Nierenwege auskristallisieren und sie schädigen. Um das zu verhindern, muss ein erhöhter Harnsäurespiegel vor der Einnahme von Benzbromaron gesenkt werden. Das geschieht entweder mit entsprechender Ernährung oder durch die Einnahme von Allopurinol. Die Benzbromaronbehandlung sollte unbedingt von weiteren Maßnahmen begleitet werden, die das Risiko für Nierensteine verringern sollen: Medikamente sorgen dafür, dass der Urin alkalisch reagiert; in diesem Milieu bleibt mehr Harnsäure im Urin gelöst. Viel zu trinken, verbessert darüber hinaus die Durchspülung der Nieren.

Zudem kann Benzbromaron in seltenen Fällen die Leber schwer schädigen.

Die Gefahr für Nieren und Leber, die die Einnahme von Benzbromaron mit sich bringt, führt zu der Bewertung "mit Einschränkung geeignet". Die Anwendung ist nur zu vertreten, wenn weder nicht medikamentöse Maßnahmen noch Allopurinol und Febuxostat die Harnsäurewerte ausreichend gesenkt haben.

Anwendung

Die Behandlung sollte mit 20 Milligramm Benzbromaron begonnen und langsam gesteigert werden, um unerwünschte Wirkungen zu vermeiden. Die Dosierung bei Dauereinnahme liegt in der Regel bei 100 Milligramm Benzbromaron am Tag.

Zu Beginn der Behandlung wird mit dem Urin mehr Harnsäure ausgeschieden. Um die Nieren gut durchzuspülen, müssen Sie täglich mindestens zwei Liter mehr trinken als sonst. Menschen mit einer Herzschwäche oder mit deutlich eingeschränkter Nierenfunktion sollten eine solche Erhöhung ihrer sonst üblichen Trinkmenge allerdings mit dem Arzt absprechen.

Wenn der Arzt es für erforderlich hält, nehmen Sie zusätzlich noch eine Salzmischung, z. B. Kalium-Natrium-Hydrogencitrat, ein, um den Harn alkalisch zu machen. Das beugt der Entstehung von Harnsäuresteinen vor.

Benzbromaron kann die Leber schädigen. Deshalb müssen vor Therapiebeginn und danach mindestens alle drei Monate die Leberwerte kontrolliert werden. Übersteigen sie während der Behandlung den Normbereich, muss die Behandlung abgebrochen und der Patient bis zur Normalisierung der Werte beobachtet werden.

Gegenanzeigen

Unter folgenden Bedingungen dürfen Sie nicht mit Benzbromaron behandelt werden:

  • Sie haben einen akuten Gichtanfall.
  • Ihre Nierenfunktion ist gestört oder Sie hatten schon einmal Nierensteine.
  • Sie haben eine Lebererkrankung oder Symptome, die auf einer solchen Erkrankung beruhen.

Wechselwirkungen

Wechselwirkungen mit Medikamenten

Wenn Sie noch andere Medikamente einnehmen, ist zu beachten:

  • Bei längerer Einnahme von mehr als 500 Milligramm Acetylsalicylsäure täglich (bei Schmerzen, Fieber) kann die harnsäureausscheidende Wirkung von Benzbromaron vermindert sein. Dann kann sich die Gicht verschlimmern.
  • Die leberschädigende Wirkung von Benzbromaron und die von Medikamenten mit der gleichen Nebenwirkung können sich addieren. Zu diesen gehört beispielsweise Paracetamol (bei Schmerzen, Fieber).

Unbedingt beachten

Benzbromaron kann die Wirkung der gerinnungshemmenden Mittel Phenprocoumon und Warfarin, die bei erhöhter Thrombosegefahr als Tabletten eingenommen werden, verstärken. Dadurch erhöht sich das Risiko für innere Blutungen. Näheres hierzu finden Sie unter Mittel zur Blutverdünnung: verstärkte Wirkung.

Nebenwirkungen

Keine Maßnahmen erforderlich

Bei etwa 1 von 100 Behandelten treten Übelkeit, Brechreiz und Völlegefühl auf.

Muss beobachtet werden

Besonders zu Beginn der Behandlung können Gichtanfälle auftreten.

Im Laufe der Behandlung können sich Nierensteine bilden, die aus Harnsäure bestehen. Die Beschwerden hängen davon ab, wie groß die Steine sind, in welchem Bereich der Nieren sie sitzen und wie viel Harnsäure mit dem Urin ausgeschieden wird.

In Einzelfällen kann sich die Haut röten, jucken und es können sich Bläschen bilden. Dann reagieren Sie vermutlich allergisch auf das Mittel und sollten es absetzen. Sind die Hauterscheinungen einige Tage später nicht deutlich abgeklungen, sollten Sie einen Arzt aufsuchen.

Benzbromaron kann die Leber schädigen. Treten Übelkeit, Erbrechen und/oder dunkel gefärbter Urin auf und ist der Stuhl auffällig hell, sollten Sie einen Arzt aufsuchen.

Sofort zum Arzt

Benzbromaron kann die Leber auch schwer schädigen. Wenn sich die Haut gelb färbt – möglicherweise begleitet von starkem Juckreiz am ganzen Körper –, sollten Sie sofort einen Arzt aufsuchen.

Besondere Hinweise

Für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren

Über die Anwendung bei Kindern und Jugendlichen gibt es keine ausreichenden Erkenntnisse. Sie sollten nicht mit Benzbromaron behandelt werden.

Für Schwangerschaft und Stillzeit

Benzbromaron darf in der Schwangerschaft nicht angewendet werden. In Tierversuchen ergaben sich Hinweise auf Fehlbildungen. Erfahrungen beim Menschen gibt es nicht. Die Behandlung sollte auf den erwiesenermaßen sicheren Wirkstoff Probenecid umgestellt werden, der hier aber nicht beschrieben wird, weil er nicht zur Marktauswahl der Stiftung Warentest gehört.

Ob Benzbromaron in die Muttermilch übergeht, ist unklar. Es sollte daher während der Stillzeit nicht angewendet werden. Wird es dennoch eingesetzt, sollten Sie abstillen.

Sie sehen nun nur noch Informationen zu: ${filtereditemslist}.

Anwendungsgebiete dieses Wirkstoffs