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Gichtmittel: Benzbromaron

Wirkungsweise

Benzbromaron wird bei Gicht eingesetzt, da es die Ausscheidung von Harnsäure beschleunigt, indem der Wirkstoff in den Prozess der Harnproduktion in den Nieren eingreift. Testergebnis Benzbromaron

In den Nieren entsteht zuerst eine Harnvorstufe, die unter anderem Harnsäure enthält. Noch in den Nieren wird diese Harnsäure wieder in den Blutkreislauf zurückgeschleust. Benzbromaron hemmt diese Wiederaufnahme von Harnsäure ins Blut.

Dadurch kann der Urin in den Nieren viel Harnsäure enthalten. Diese kann innerhalb der Nierenwege auskristallisieren und sie schädigen. Um das zu verhindern, darf die Dosierung nur schrittweise gesteigert werden und während der Behandlung sollten Lebensmittel, die den Harnsäurespiegel stark erhöhen, gemieden werden. Zudem muss eine Benzbromaronbehandlung von weiteren Maßnahmen begleitet werden, die das Risiko für Nierensteine verringern sollen: Medikamente sorgen dafür, dass der Urin alkalisch reagiert; in diesem Milieu bleibt mehr Harnsäure im Urin gelöst. Viel zu trinken, verbessert darüber hinaus die Durchspülung der Nieren.

Zudem kann Benzbromaron in seltenen Fällen die Leber schwer schädigen.

Die Gefahr für Nieren und Leber, die die Einnahme von Benzbromaron mit sich bringt, führt zu der Bewertung "mit Einschränkung geeignet". Die Anwendung ist nur zu vertreten, wenn weder nichtmedikamentöse Maßnahmen noch Allopurinol oder Febuxostat die Harnsäurewerte ausreichend gesenkt haben oder wenn die Mittel nicht eingesetzt werden können.

Anwendung

Die Behandlung sollte mit 20 Milligramm Benzbromaron begonnen und langsam gesteigert werden, um unerwünschte Wirkungen zu vermeiden. Die Dosierung bei Dauereinnahme liegt in der Regel bei 100 Milligramm Benzbromaron am Tag.

Zu Beginn der Behandlung wird mit dem Urin mehr Harnsäure ausgeschieden. Um die Nieren gut durchzuspülen, müssen Sie täglich mindestens zwei Liter mehr trinken als sonst. Menschen mit einer Herzschwäche oder mit deutlich eingeschränkter Nierenfunktion sollten eine solche Erhöhung ihrer sonst üblichen Trinkmenge allerdings mit dem Arzt absprechen.

Wenn der Arzt es für erforderlich hält, nehmen Sie zusätzlich noch eine Salzmischung, z. B. Kalium-Natrium-Hydrogencitrat, ein, um den Harn alkalisch zu machen. Das beugt der Entstehung von Harnsäuresteinen vor.

Benzbromaron kann die Leber schädigen. Deshalb müssen vor Therapiebeginn und danach mindestens alle drei Monate die Leberwerte kontrolliert werden. Übersteigen sie während der Behandlung den Normbereich, muss die Behandlung abgebrochen und der Patient bis zur Normalisierung der Werte beobachtet werden.

Gegenanzeigen

Unter folgenden Bedingungen dürfen Sie nicht mit Benzbromaron behandelt werden:

  • Sie haben einen akuten Gichtanfall.
  • Ihre Nierenfunktion ist gestört oder Sie hatten schon einmal Nierensteine.
  • Sie haben eine Lebererkrankung oder Symptome, die auf einer solchen Erkrankung beruhen.

Wechselwirkungen

Wechselwirkungen mit Medikamenten

Wenn Sie noch andere Medikamente einnehmen, ist zu beachten:

  • Bei längerer Einnahme von mehr als 500 Milligramm Acetylsalicylsäure täglich (bei Schmerzen, Fieber) kann die harnsäureausscheidende Wirkung von Benzbromaron vermindert sein. Dann kann sich die Gicht verschlimmern.
  • Die leberschädigende Wirkung von Benzbromaron und die von Medikamenten mit der gleichen Nebenwirkung können sich addieren. Zu diesen gehört beispielsweise Paracetamol (bei Schmerzen, Fieber).

Unbedingt beachten

Benzbromaron kann die Wirkung der gerinnungshemmenden Mittel Phenprocoumon und Warfarin, die bei erhöhter Thrombosegefahr als Tabletten eingenommen werden, verstärken. Dadurch erhöht sich das Risiko für innere Blutungen. Näheres hierzu finden Sie unter Mittel zur Blutverdünnung: verstärkte Wirkung.

Nebenwirkungen

Das Mittel kann Ihre Leberwerte beeinflussen, was Zeichen einer beginnenden Leberschädigung sein kann. Sie selbst bemerken in der Regel davon nichts, sondern es fällt nur bei Laborkontrollen durch den Arzt auf. Ob und welche Konsequenzen dies für Ihre Therapie hat, hängt sehr vom individuellen Fall ab. Bei einem lebensnotwendigen Medikament ohne Alternative wird man es oft tolerieren und die Leberwerte häufiger kontrollieren, in den meisten anderen Fällen wird Ihr Arzt das Medikament absetzen oder wechseln.

Keine Maßnahmen erforderlich

Bei etwa 1 von 100 Behandelten treten Übelkeit, Brechreiz und Völlegefühl auf.

Muss beobachtet werden

Besonders zu Beginn der Behandlung können Gichtanfälle auftreten.

Im Laufe der Behandlung können sich Nierensteine bilden, die aus Harnsäure bestehen. Die Beschwerden hängen davon ab, wie groß die Steine sind, in welchem Bereich der Nieren sie sitzen und wie viel Harnsäure mit dem Urin ausgeschieden wird.

Wenn die Haut sich verstärkt rötet und juckt, reagieren Sie möglicherweise allergisch auf das Mittel. Bei solchen Hauterscheinungen sollten Sie einen Arzt aufsuchen, um zu klären, ob es sich tatsächlich um eine allergische Hautreaktion handelt, Sie das Mittel ersatzlos absetzen können oder ein Alternativmedikament benötigen. Solche allergischen Erscheinungen treten nur vereinzelt auf.

Sofort zum Arzt

Das Mittel kann die Leber schwer schädigen. Typische Anzeichen dafür sind: eine dunkle Verfärbung des Urins, eine helle Verfärbung des Stuhlgangs oder es entwickelt sich eine Gelbsucht (erkennbar an einer gelb verfärbten Augenbindehaut), oft begleitet von starkem Juckreiz am ganzen Körper. Tritt eines dieser für einen Leberschaden charakteristischen Krankheitszeichen auf, müssen Sie sofort zum Arzt gehen.

Besondere Hinweise

Für Schwangerschaft und Stillzeit

Benzbromaron darf in der Schwangerschaft nicht angewendet werden. In Tierversuchen ergaben sich Hinweise auf Fehlbildungen. Erfahrungen beim Menschen gibt es nicht. Die Behandlung sollte auf den erwiesenermaßen sicheren Wirkstoff Probenecid umgestellt werden, der hier aber nicht beschrieben wird, weil er nicht zur Marktauswahl der Stiftung Warentest gehört.

Ob Benzbromaron in die Muttermilch übergeht, ist unklar. Es sollte daher während der Stillzeit nicht angewendet werden. Wird es dennoch eingesetzt, sollten Sie abstillen.

Für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren

Über die Anwendung bei Kindern unter 14 Jahren gibt es keine ausreichenden Erkenntnisse. Sie sollten nicht mit Benzbromaron behandelt werden.

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Anwendungsgebiete dieses Wirkstoffs