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Gichtmittel: Allopurinol

Wirkungsweise

Durch Allopurinol entsteht aus der Nahrung weniger Harnsäure. Daher wirkt es bei Gicht. Beim Abbau von Purinen aus der Nahrung zu Harnsäure entstehen mehrere Zwischenprodukte, unter anderem auch eines mit dem Namen Xanthin. Allopurinol hemmt das Enzym, das notwendig ist, damit aus Xanthin Harnsäure wird. Damit entsteht weniger Harnsäure. Da Xanthin außerdem dreimal besser wasserlöslich ist als Harnsäure, kann mit dem Urin viel von dieser Substanz ausgeschieden werden. Testergebnis Allopurinol

Allopurinol wird zur Langzeitbehandlung von Gicht als "geeignet" bewertet. Allerdings kann es schwere, unter Umständen lebensbedrohliche allergische Hautreaktionen hervorrufen. Unter allen Arzneimitteln, die derartige Hautreaktionen auslösen können, ist in Europa Allopurinol am häufigsten die Ursache. Um dieses Risiko möglichst nicht eingehen zu müssen, sollten zunächst alle nichtmedikamentösen Maßnahmen ausgeschöpft werden, um den Harnsäurespiegel zu senken.

Anwendung

Allopurinol sollte zu Beginn mit 100 Milligramm dosiert werden. So wird das Risiko von unerwünschten Wirkungen möglichst gering gehalten. Zur besseren Verträglichkeit sollte eine Tagesmenge von 300 Milligramm Allopurinol nicht überschritten werden. 24 bis 48 Stunden nach der ersten Einnahme beginnen die Harnsäurewerte zu sinken. Nach etwa 14 Tagen kann anhand der Harnsäurewerte entschieden werden, ob die Dosierung angepasst werden muss. Bei Menschen ohne Nierenfunktionsstörungen beträgt die höchste Tagesdosis 800 Milligramm Allopurinol. Sie ist aber nur selten nötig.

Eine Tagesmenge bis 300 Milligramm Allopurinol können Sie auf einmal einnehmen, denn der wichtigste Abbaustoff von Allopurinol wirkt mehr als 24 Stunden. Eine höhere Tagesdosierung sollten Sie auf mehrere Portionen verteilen. So wird Allopurinol besser vertragen.

Trotzdem können noch drei bis sechs Monate lang Gichtanfälle auftreten, weil der Körper die in den Geweben abgelagerte Harnsäure wieder mobilisiert und ins Blut schickt. Um das Risiko von Gichtanfällen zu reduzieren, sollten Sie möglichst viel trinken. Menschen mit einer Herzschwäche und mit deutlich eingeschränkter Nierenfunktion sollten eine nennenswerte Erhöhung der sonst üblichen Trinkmenge allerdings vorher mit dem Arzt absprechen. Um einen Gichtanfall abzublocken, kann außerdem im ersten Halbjahr zusätzlich ein nichtsteroidales Antirheumatikum oder Colchicin eingenommen werden. Mit der Zeit werden solche Anfälle dann weniger wahrscheinlich und sie fallen milder aus.

Im ersten Monat muss der Arzt den Harnsäurespiegel einmal wöchentlich kontrollieren. Später genügt das einmal im Jahr.

Wenn Ihre Leber- oder Nierenfunktion eingeschränkt ist, muss der Arzt die Dosierung von Allopurinol anpassen.

Gegenanzeigen

Wenn Ihre Nierenfunktion oder die Blutbildung gestört ist, dürfen Sie das Mittel nur einnehmen, wenn der Arzt Nutzen und Risiken besonders sorgfältig abgewogen hat.

Wechselwirkungen

Wechselwirkungen mit Medikamenten

Wenn Sie noch andere Medikamente nehmen, ist zu beachten:

  • Allopurinol kann den Abbau von Theophyllin (bei Asthma) hemmen. Kopfschmerzen, Übelkeit und Zittern sind Zeichen einer verstärkten Theophyllinwirkung. Sicherheitshalber sollte der Arzt bei Behandlungsbeginn den Blutspiegel von Theophyllin kontrollieren und das Medikament dann gegebenenfalls niedriger dosieren.
  • Azathioprin (bei rheumatoider Arthritis), Cyclophosphamid und Mercaptopurin (beide bei Krebserkrankungen) sowie Ciclosporin (nach Organtransplantationen, bei rheumatoider Arthritis, Schuppenflechte) werden auf demselben Weg abgebaut und ausgeschieden wie Harnsäure. Da Allopurinol in diesen Abbauweg bremsend eingreift, werden auch diese Medikamente langsamer abgebaut. Sie müssen darum deutlich geringer dosiert werden.
  • Bei der gemeinsamen Anwendung von Allopurinol und ACE-Hemmern (bei hohem Blutdruck) kann sich die Zahl der weißen Blutkörperchen verringern. Wenn Sie häufig Infektionen haben, beispielsweise der Atemwege, oder Entzündungen an der Schleimhaut länger nicht verheilen, sollte der Arzt das Blutbild kontrollieren.
  • Bei gemeinsamer Anwendung von Allopurinol mit Amoxicillin oder Ampicillin (beide bei bakteriellen Infektionen) können unerwünschte Wirkungen, insbesondere allergische Reaktionen der Haut häufiger auftreten. Kommt es während einer Behandlung mit Allopurinol zu einer bakteriellen Infektion, sollten andere Antibiotika eingesetzt werden.

Nebenwirkungen

Allopurinolnebenwirkungen treten häufiger auf, wenn eine Funktionsstörung von Nieren oder Leber vorliegt.

Das Mittel kann Ihre Leberwerte beeinflussen, was Zeichen einer beginnenden Leberschädigung sein kann. Sie selbst bemerken in der Regel davon nichts, sondern es fällt nur bei Laborkontrollen durch den Arzt auf. Ob und welche Konsequenzen dies für Ihre Therapie hat, hängt sehr vom individuellen Fall ab. Bei einem lebensnotwendigen Medikament ohne Alternative wird man es oft tolerieren und die Leberwerte häufiger kontrollieren, in den meisten anderen Fällen wird Ihr Arzt das Medikament absetzen oder wechseln.

Keine Maßnahmen erforderlich

Bei 1 von 100 Menschen, die Allopurinol einnehmen, treten Übelkeit und Durchfall auf. Das Mittel ist magenverträglicher, wenn es mit ausreichend Flüssigkeit und nach den Mahlzeiten eingenommen wird.

Selten kann es zu Schwindel oder Benommenheit kommen.

Muss beobachtet werden

Bei etwa 4 von 100 Behandelten beginnt zwei bis sechs Wochen nach der Medikamenteneinnahme die Haut zu jucken und es zeigen sich Rötungen und Quaddeln. Diese Hautreaktion ist häufig harmlos. Sie sollte aber beobachtet werden, da sie auch den Beginn einer schwerwiegenden allergischen Reaktion anzeigen kann. Gegebenenfalls muss das Mittel abgesetzt werden. Wird die Behandlung nach dem Abklingen der Hauterscheinungen fortgesetzt, sollte die Dosierung verringert werden.

Sofort zum Arzt

Wenn sich schwere Hauterscheinungen mit Rötung und Quaddeln an Haut und Schleimhäuten sehr rasch (meist innerhalb von Minuten) entwickeln und zusätzlich Luftnot oder eine Kreislaufschwäche mit Schwindel und Schwarzsehen oder Durchfälle und Erbrechen auftreten, kann es sich um eine lebensbedrohliche Allergie bzw. einen lebensbedrohlichen allergischen Schock (anaphylaktischer Schock) handeln. In diesem Fall müssen Sie die Behandlung mit dem Medikament sofort stoppen und den Notarzt (Telefon 112) verständigen. Derartiges geschieht nur in Einzelfällen.

Die oben beschriebenen Hauterscheinungen können in sehr seltenen Fällen auch erste Anzeichen für andere sehr schwerwiegende Reaktionen auf das Arzneimittel sein. Meist entwickeln diese sich während der Anwendung des Mittels nach Tagen bis Wochen. Typischerweise dehnen sich die Hautrötungen aus und es bilden sich Blasen ("Syndrom der verbrühten Haut"). Auch die Schleimhäute des gesamten Körpers können betroffen und das Allgemeinbefinden wie bei einer fiebrigen Grippe beeinträchtigt sein. Bereits in diesem Stadium sollten Sie sich sofort an einen Arzt wenden, denn diese Hauterscheinungen können sich rasch lebensbedrohlich verschlimmern.

Gefährdet sind insbesondere Menschen mit asiatischer Abstammung sowie ältere Personen mit eingeschränkter Nieren- oder Leberfunktion.

Das Mittel kann die Leber schwer schädigen. Typische Anzeichen dafür sind: eine dunkle Verfärbung des Urins, eine helle Verfärbung des Stuhlgangs oder es entwickelt sich eine Gelbsucht (erkennbar an einer gelb verfärbten Augenbindehaut), oft begleitet von starkem Juckreiz am ganzen Körper. Tritt eines dieser für einen Leberschaden charakteristischen Krankheitszeichen auf, müssen Sie sofort zum Arzt gehen.

Wenn Sie grippeartige Beschwerden haben, sich bereits seit Längerem abgeschlagen und müde fühlen und zusätzlich Halsschmerzen und Fieber auftreten, sollte der Arzt Ihr Blut untersuchen. In Einzelfällen kann das auf einer Blutbildungsstörung beruhen, die bedrohlich werden kann.

Besondere Hinweise

Für Schwangerschaft und Stillzeit

Es ist nicht belegt, dass die Anwendung von Allopurinol in der Schwangerschaft sicher ist. Vorsichtshalber sollte die Behandlung auf den erwiesenermaßen sicheren Wirkstoff Probenecid umgestellt werden, der hier aber nicht beschrieben wird, weil er nicht zur Marktauswahl der Stiftung Warentest gehört.

Allopurinol geht in die Muttermilch über. Daher sollte während der Stillzeit das Mittel nicht angewendet werden.

Für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren

Allopurinol kann auch bei Kindern eingesetzt werden, wenn ein erhöhter Harnsäurespiegel gesenkt werden muss. Die Dosierung beträgt in der Regel zehn Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht, verteilt auf drei Portionen am Tag. Die Allopurinol-Präparate enthalten aber mindestens 100 Milligramm Allopurinol in einer Tablette und sind nur halbierbar. Damit sind sie zu hoch dosiert, um sie bei kleinen Kindern einsetzen zu können.

Für ältere Menschen

Bei älteren Menschen sollte die Allopurinoldosierung so niedrig wie möglich gehalten werden. Sie haben häufig eine eingeschränkte Nieren- oder Leberfunktion oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Diese begünstigen das Auftreten von schwerwiegenden unerwünschten Wirkungen an der Haut.

Zur Verkehrstüchtigkeit

Selten treten bei der Behandlung Müdigkeit, Benommenheit, Schwindel und verschwommenes Sehen auf. Dann sollten Sie nicht aktiv am Verkehr teilnehmen, keine Maschinen bedienen und keine Arbeiten ohne sicheren Halt verrichten.

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Anwendungsgebiete dieses Wirkstoffs