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Gerinnungshemmer: Ticlopidin

Wirkungsweise

Ticlopidin senkt die Blutgerinnung und wird daher eingesetzt, um einem erneuten Herzinfarkt oder einen Schlaganfall zu verhindern. Der Wirkstoff hemmt die Bindung von Adenosindiphosphat (ADP) an die Oberfläche der Blutplättchen und damit deren Zusammenklumpen und blockiert zusätzlich eine Substanz, den "von-Willebrand-Faktor", die die Klebrigkeit der Blutplättchen erhöht. Da Ticlopidin nicht besser wirkt als ASS und Clopidogrel, aber die Blutbildung stören kann (siehe auch Unerwünschte Wirkungen), sollte es nur eingesetzt werden, wenn ASS und Clopidogrel nicht anwendbar sind. Es ist deshalb bei arteriellen Durchblutungsstörungen nur mit Einschränkung geeignet.

Anwendung

Sie nehmen zweimal täglich eine Tablette zu je 250 Milligramm zum Essen ein. Es dauert zirka drei bis sieben Tage bis die Wirkung voll zum Tragen kommt.

Die gerinnungshemmende Wirkung hält nach dem Absetzen des Mittels noch ein bis zwei Wochen an.

Wegen des Risikos einer Blutbildungsstörung sollte der Arzt vor Beginn der Behandlung sowie in den ersten drei Anwendungsmonaten alle 14 Tage das Blutbild prüfen.

Achtung

Ticlopidin hemmt die Blutgerinnung. Bei Verletzungen kann es daher länger dauern, bis sich die Wunde schließt. Wenn aus unklarer Ursache Blutungen auftreten, sollten Sie baldmöglichst einen Arzt aufsuchen.

Vor einer geplanten Operation oder einem zahnärztlichen Eingriff kann es notwendig sein, das Mittel etwa zehn Tage vorher abzusetzen. Besprechen Sie das mit dem Arzt. Wenn er es für zu riskant hält, die Blutgerinnung nicht mehr zu hemmen, kann es sinnvoll sein, den operativen Eingriff so lange zu verschieben, bis Sie das Mittel absetzen können, ohne dass die Gefahr für ein Blutgerinnsel steigt.

Gegenanzeigen

Dieses Mittel dürfen Sie nicht anwenden, wenn Sie akute Blutungen haben, z. B. im Gehirn oder aufgrund eines Magen- oder Zwölffingerdarmgeschwürs, oder wenn Ihre blutbildenden Zellen geschädigt wurden. Wenn Sie eine Lebererkrankung haben, sollte der Arzt Nutzen und Risiken der Anwendung von Ticlopidin sorgfältig abwägen.

Wechselwirkungen

Wechselwirkungen mit Medikamenten

Wenn Sie noch andere Medikamente nehmen, ist zu beachten:

  • Wenn Sie Ticlopidin zusammen mit Acetylsalicylsäure einnehmen oder wenn Ihnen Heparin gespritzt wird, verstärkt sich die Blutungsneigung.
  • Ticlopidin verstärkt die Wirkung von Theophyllin (bei Asthma) und Phenytoin (bei Epilepsien).
  • Ticlopidin kann die Wirkung von Ciclosporin (nach Transplantationen) abschwächen.

Unbedingt beachten

In Kombination mit Mitteln zur Blutverdünnung wie Phenprocoumon und Warfarin (bei erhöhter Thrombosegefahr) verstärkt sich die gerinnungshemmende Wirkung. Dadurch erhöht sich das Risiko für innere Blutungen. Dies gilt auch, wenn die Mittel gemeinsam mit einem anderen gerinnungshemmenden Mittel wie Dabigatran, Rivaroxaban und Apixaban oder zusammen mit Heparinen (z. B. Enoxaparin), NSAR (z. B. Ibuprofen und Diclofenac, bei rheumatischen Erkrankungen, Schmerzen) angewendet werden. Näheres hierzu lesen Sie unter Mittel zur Blutverdünnung: verstärkte Wirkung.

Auch pflanzliche Mittel können die Blutgerinnung beeinflussen, vor allem Mittel mit Knoblauch- und Ginkgoextrakt. Wenn Sie solche Mittel gleichzeitig einnehmen, sollte die Blutgerinnung kontrolliert werden.

Nebenwirkungen

Dieses Mittel kann in den ersten ein bis vier Anwendungsmonaten die Blutfette um acht bis zehn Prozent erhöhen. Damit ist nach den bisherigen Erkenntnissen jedoch kein erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen verbunden.

Keine Maßnahmen erforderlich

Bei 1 bis 10 von 100 Behandelten kann die verstärkte Blutungsneigung dazu führen, dass bei Stößen und Prellungen leicht blaue Flecken entstehen und dass es aus Einstichstellen (bei Injektionen), bei Verletzungen oder nach operativen Eingriffen länger blutet.

Mehr als 1 von 100 Behandelten klagt über Magen-Darm-Beschwerden wie Bauchschmerzen, Übelkeit oder Erbrechen.

Bei etwa 1 von 100 Behandelten können Kopfschmerzen und Schwindelgefühl auftreten.

Muss beobachtet werden

Wenn die Haut sich verstärkt rötet und juckt, reagieren Sie vermutlich allergisch auf das Mittel. Bei solchen Hauterscheinungen sollten Sie einen Arzt aufsuchen. Solche Unverträglichkeitsreaktionen kommen bei Ticlopidin häufig vor (bei mehr als 2 von 100 Behandelten), bei den anderen Mitteln nur gelegentlich (bei 1 bis 10 von 1 000).

Das Mittel kann die Leber schädigen. Treten Übelkeit, Erbrechen und/oder dunkel gefärbter Urin auf und ist der Stuhl auffällig hell, sollten Sie einen Arzt aufsuchen.

Sofort zum Arzt

Wenn plötzlich heftige Bauchschmerzen einsetzen, die bis in den Rücken ausstrahlen, oder wenn Sie gar Blut erbrechen müssen, ist davon auszugehen, dass es aus einem Magengeschwür stark blutet, möglicherweise hat es sogar schon die Magenwand durchbrochen. Dann müssen Sie sofort den Notarzt (Telefon 112) rufen. Solche schweren Nebenwirkungen können auch auftreten, wenn Sie täglich nur 100 Milligramm ASS einnehmen (z. B. um einem erneuten Herzinfarkt vorzubeugen).

Besonders wenn Sie zwei Thrombozytenfunktionshemmer gleichzeitig einnehmen, kann es zu Einblutungen in das Gehirn kommen. Anzeichen dafür sind unter anderem eine halbseitige Lähmung von Arm und Bein, ein einseitig herabhängender Mundwinkel, plötzlich auftretende Kopfschmerzen und/oder Schwindel, Sprachstörungen, Sehstörungen bis hin zu Bewusstseinstrübung oder gar Bewusstlosigkeit. Dann muss sofort ein Notarzt (Telefon 112) gerufen werden.

Wenn starker Hautausschlag, Juckreiz, Herzrasen, Atemnot, Schwäche und Schwindel oder Schleimhautschwellungen im Gesicht auftreten, müssen Sie die Einnahme sofort stoppen und unverzüglich den Notarzt (Telefon 112) rufen, weil es sich um eine lebensbedrohliche Allergie handeln kann.

Wenn Sie grippeartige Beschwerden haben, sich längere Zeit abgeschlagen und müde fühlen und Halsschmerzen und Fieber auftreten, kann es sich um eine Störung der Blutbildung handeln, die bedrohlich werden kann. Sie müssen dann umgehend den Arzt aufsuchen, damit er das Blutbild kontrollieren kann. Diese Blutbildungsstörungen treten am ehesten in den ersten drei Behandlungsmonaten auf, bei Ticlopidin wesentlich häufiger (bei über 1 von 100 Behandelten) und schwerwiegender als bei Clopidogrel (bei etwa 1 von 1 000). Anfangs muss der Arzt deshalb das Blutbild alle 14 Tage kontrollieren.

Das Mittel kann in Einzelfällen zu vereinzelt auftretende, schwerwiegenden, teilweise auch tödlichen Hautreaktionen führen. Meist entwickeln sie sich etwa drei bis fünf Wochen nach der Anwendung. Typischerweise dehnen sich die Hautrötungen aus und es bilden sich Blasen. Auch die Schleimhäute des gesamten Körpers können betroffen sein und das Allgemeinbefinden wie bei einer fiebrigen Grippe beeinträchtigt. Bereits in diesem Stadium sollten Sie sich unbedingt an einen Arzt wenden, denn diese Hautreaktionen können sich rasch verschlimmern.

Der Wirkstoffe kann die Leber schwer schädigen und eine Gelbsucht auslösen. Wenn sich die Haut gelb färbt – möglicherweise begleitet von starkem Juckreiz am ganzen Körper –, sollten Sie sofort einen Arzt aufsuchen.

Sehr selten kommt es zu Schäden an den Blutplättchen und Zerstörung der roten Blutkörperchen. Das zeigt sich typischerweise an punktförmigen Hauteinblutungen. Sie sollten diese rasch einem Arzt zeigen.

Besondere Hinweise

Für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren

Es liegen keine Erfahrungen für die Anwendung von Ticlopidin bei Kindern und Jugendlichen vor. Sie sollten das Mittel nicht bekommen.

Für Schwangerschaft und Stillzeit

Mangels Erfahrungen sollten Sie dieses Mittel während Schwangerschaft und Stillzeit nicht anwenden.

Für ältere Menschen

Das Mittel ist für ältere Menschen eher unangebracht. Näheres hierzu lesen Sie in der Einleitung unter Hinweise für ältere Menschen.

Frauen über 75 Jahre sind besonders anfällig für Schäden an den Blutzellen durch Ticlopidin. Falls sich die Anwendung nicht vermeiden lässt, sollte das Mittel möglichst niedrig dosiert werden und der Arzt sollte das Blutbild alle zwei Wochen kontrollieren.

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Anwendungsgebiete dieses Wirkstoffs