Medikamente im Test
  • Über 9 000 Medikamente
  • Geprüft durch unabhängige Experten
  • Ständig aktualisiert

Plättchenhemmer: Ticlopidin

Wirkungsweise

Ticlopidin behindert das Verkleben der Blutplättchen (Thrombozyten) und wird daher eingesetzt, um einen erneuten Herzinfarkt oder einen Schlaganfall zu verhindern. Testergebnis Ticlopidin

Der Wirkstoff hemmt die Bindung von Adenosindiphosphat (ADP) an die Oberfläche der Blutplättchen und damit deren Zusammenklumpen und blockiert zusätzlich eine Substanz, den "von-Willebrand-Faktor", die die Klebrigkeit der Blutplättchen erhöht. Dieser Gerinnungshemmer gehört zur Gruppe der Plättchenhemmer (Thrombozytenfunktionshemmer). Da Ticlopidin nicht besser wirkt als Acetylsalicylsäure und Clopidogrel, aber die Blutbildung stören kann (siehe auch Unerwünschte Wirkungen), sollte es nur eingesetzt werden, wenn ASS und Clopidogrel nicht anwendbar sind. Es ist deshalb bei arteriellen Durchblutungsstörungen nur mit Einschränkung geeignet.

Anwendung

Sie nehmen zweimal täglich eine Tablette zu je 250 Milligramm zum Essen ein. Es dauert circa drei bis sieben Tage bis die Wirkung voll zum Tragen kommt.

Die gerinnungshemmende Wirkung hält nach dem Absetzen des Mittels noch ein bis zwei Wochen an.

Wegen des Risikos einer Blutbildungsstörung sollte der Arzt vor Beginn der Behandlung sowie in den ersten drei Anwendungsmonaten alle 14 Tage das Blutbild prüfen.

Achtung

Ticlopidin hemmt die Blutgerinnung. Bei Verletzungen kann es daher länger dauern, bis sich die Wunde schließt. Wenn aus unklarer Ursache Blutungen auftreten, sollten Sie baldmöglichst einen Arzt aufsuchen.

Vor einer geplanten Operation oder einem zahnärztlichen Eingriff kann es notwendig sein, das Mittel etwa zehn Tage vorher abzusetzen. Besprechen Sie das mit dem Arzt. Wenn er es für zu riskant hält, die Blutgerinnung nicht mehr zu hemmen, kann es sinnvoll sein, den operativen Eingriff so lange zu verschieben, bis Sie das Mittel absetzen können, ohne dass die Gefahr für ein Blutgerinnsel steigt.

Gegenanzeigen

Dieses Mittel dürfen Sie nicht anwenden, wenn Sie akute Blutungen haben, z. B. im Gehirn oder aufgrund eines Magen- oder Zwölffingerdarmgeschwürs, oder wenn Ihre blutbildenden Zellen geschädigt wurden. Wenn Sie eine Lebererkrankung haben, sollte der Arzt Nutzen und Risiken der Anwendung von Ticlopidin sorgfältig abwägen.

Wechselwirkungen

Wechselwirkungen mit Medikamenten

Wenn Sie noch andere Medikamente nehmen, ist zu beachten:

  • Ticlopidin verstärkt die Wirkung von Theophyllin (bei Asthma) und Phenytoin (bei Epilepsien).
  • Ticlopidin kann die Wirkung von Ciclosporin (nach Transplantationen) abschwächen.

Unbedingt beachten

In Kombination mit Mitteln zur Blutverdünnung wie Phenprocoumon und Warfarin (bei erhöhter Thrombosegefahr) verstärkt sich die gerinnungshemmende Wirkung. Dadurch erhöht sich das Risiko für innere Blutungen. Dies gilt auch, wenn Ticlopidin gemeinsam mit einem direkten Gerinnungshemmer zum Einnehmen (Apixaban, Dabigatran, Edoxaban, Rivaroxaban) oder zusammen mit Heparinen (z. B. Enoxaparin), NSAR (z. B. Ibuprofen und Diclofenac, bei rheumatischen Erkrankungen, Schmerzen) angewendet wird. Näheres hierzu lesen Sie unter Mittel zur Blutverdünnung: verstärkte Wirkung.

Auch pflanzliche Mittel können die Blutgerinnung beeinflussen, vor allem Mittel mit Knoblauch- und Ginkgoextrakt. Wenn Sie solche Mittel gleichzeitig einnehmen, sollte die Blutgerinnung kontrolliert werden.

Nebenwirkungen

Dieses Mittel kann in den ersten ein bis vier Anwendungsmonaten die Blutfette um acht bis zehn Prozent erhöhen. Damit ist nach den bisherigen Erkenntnissen jedoch kein erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen verbunden.

Das Mittel kann Ihre Leberwerte beeinflussen, was Zeichen einer beginnenden Leberschädigung sein kann. Sie selbst bemerken in der Regel davon nichts, sondern es fällt nur bei Laborkontrollen durch den Arzt auf. Ob und welche Konsequenzen dies für Ihre Therapie hat, hängt sehr vom individuellen Fall ab. Bei einem lebensnotwendigen Medikament ohne Alternative wird man es oft tolerieren und die Leberwerte häufiger kontrollieren, in den meisten anderen Fällen wird Ihr Arzt das Medikament absetzen oder wechseln.

Keine Maßnahmen erforderlich

Bei 1 bis 10 von 100 Behandelten kann die verstärkte Blutungsneigung dazu führen, dass bei Stößen und Prellungen leicht blaue Flecken entstehen und dass es aus Einstichstellen (bei Injektionen), bei Verletzungen oder nach operativen Eingriffen länger blutet.

Etwa 10 von 100 Behandelten klagen über Magen-Darm-Beschwerden wie Durchfall, Übelkeit oder Erbrechen.

Bei etwa 1 von 100 Behandelten können Kopfschmerzen und Schwindelgefühl auftreten.

Muss beobachtet werden

Wenn die Haut sich verstärkt rötet und juckt, reagieren Sie möglicherweise allergisch auf das Mittel. Bei solchen Hauterscheinungen sollten Sie einen Arzt aufsuchen, um zu klären, ob es sich tatsächlich um eine allergische Hautreaktion handelt und Sie ein Alternativmedikament benötigen.

Wenn Sie punktförmige Hauteinblutungen bemerken, sollten Sie diese rasch einem Arzt zeigen. In seltenen Fällen sind diese durch Schäden an den Blutplättchen und Zerstörung der roten Blutkörperchen verursacht.

Sofort zum Arzt

Wenn plötzlich heftige Bauchschmerzen einsetzen, die bis in den Rücken ausstrahlen, oder wenn Sie gar Blut erbrechen müssen, ist davon auszugehen, dass es aus einem Magengeschwür stark blutet, möglicherweise hat es sogar schon die Magenwand durchbrochen. Dann müssen Sie sofort den Notruf (Telefon 112) wählen.

Besonders wenn Sie zwei Plättchenhemmer, z. B. Ticlopidin plus ASS, gleichzeitig einnehmen, kann es zu Einblutungen in das Gehirn kommen. Anzeichen dafür sind unter anderem eine halbseitige Lähmung von Arm und Bein, ein einseitig herabhängender Mundwinkel, plötzlich auftretende Kopfschmerzen und/oder Schwindel, Sprachstörungen, Sehstörungen bis hin zu Bewusstseinstrübung oder gar Bewusstlosigkeit. Dann muss sofort ein Notarzt (Telefon 112) gerufen werden.

Wenn Sie grippeartige Beschwerden haben, sich längere Zeit abgeschlagen und müde fühlen und Halsschmerzen und Fieber auftreten, kann es sich um eine Störung der Blutbildung handeln, die bedrohlich werden kann. Sie müssen dann umgehend den Arzt aufsuchen, damit er das Blutbild kontrollieren kann. Diese Blutbildungsstörungen treten am ehesten in den ersten drei Behandlungsmonaten auf (bei mehr als einem von 100 Behandelten). Anfangs muss der Arzt deshalb das Blutbild alle 14 Tage kontrollieren.

Wenn sich schwere Hauterscheinungen mit Rötung und Quaddeln an Haut und Schleimhäuten sehr rasch (meist innerhalb von Minuten) entwickeln und zusätzlich Luftnot oder eine Kreislaufschwäche mit Schwindel und Schwarzsehen oder Durchfälle und Erbrechen auftreten, kann es sich um eine lebensbedrohliche Allergie bzw. einen lebensbedrohlichen allergischen Schock (anaphylaktischer Schock) handeln. In diesem Fall müssen Sie die Behandlung mit dem Medikament sofort stoppen und den Notarzt (Telefon 112) verständigen.

Die oben beschriebenen Hauterscheinungen können in sehr seltenen Fällen auch erste Anzeichen für andere sehr schwerwiegende Reaktionen auf das Arzneimittel sein. Meist entwickeln diese sich während der Anwendung des Mittels nach Tagen bis Wochen. Typischerweise dehnen sich die Hautrötungen aus und es bilden sich Blasen ("Syndrom der verbrühten Haut"). Auch die Schleimhäute des gesamten Körpers können betroffen und das Allgemeinbefinden wie bei einer fiebrigen Grippe beeinträchtigt sein. Bereits in diesem Stadium sollten Sie sich sofort an einen Arzt wenden, denn diese Hautreaktionen können sich rasch lebensbedrohlich verschlimmern.

Das Mittel kann die Leber schwer schädigen. Typische Anzeichen dafür sind: eine dunkle Verfärbung des Urins, eine helle Verfärbung des Stuhlgangs oder es entwickelt sich eine Gelbsucht (erkennbar an einer gelb verfärbten Augenbindehaut), oft begleitet von starkem Juckreiz am ganzen Körper. Tritt eines dieser für einen Leberschaden charakteristischen Krankheitszeichen auf, müssen Sie sofort zum Arzt gehen.

Besondere Hinweise

Für Schwangerschaft und Stillzeit

Mangels Erfahrungen sollten Sie dieses Mittel während Schwangerschaft und Stillzeit nicht anwenden.

Für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren

Es liegen keine Erfahrungen für die Anwendung von Ticlopidin bei Kindern und Jugendlichen vor. Sie sollten das Mittel nicht bekommen.

Für ältere Menschen

Das Mittel ist für ältere Menschen eher unangebracht. Näheres hierzu lesen Sie in der Einleitung unter Hinweise für ältere Menschen.

Frauen über 75 Jahre sind besonders anfällig für Schäden an den Blutzellen durch Ticlopidin. Falls sich die Anwendung nicht vermeiden lässt, sollte das Mittel möglichst niedrig dosiert werden und der Arzt sollte das Blutbild alle zwei Wochen kontrollieren.

Sie sehen nun nur noch Informationen zu: ${filtereditemslist}.

Anwendungsgebiete dieses Wirkstoffs