Medikamente im Test

Gerinnungshemmer: Prasugrel

Wirkungsweise

Der Wirkstoff Prasugrel wird zur Gerinnungshemmung eingesetzt, um einem zweiten Herzinfarkt oder Schlaganfall vorzubeugen. Er ähnelt in seiner chemischen Struktur dem Wirkstoff Clopidogrel, wird aber im Körper anders verstoffwechselt. Das hat vor allem bei ungeplanten Eingriffen den Vorteil, dass das Mittel die Blutgerinnung schneller hemmt als Clopidogrel. Bei einem akuten Koronarsyndrom, das sofort mit einer Stenteinlage im Rahmen eines Herzkatheter-Eingriffs mit Ballondilatation behandelt wird, kommt es unter Prasugrel im Vergleich zu Clopidogrel gereingfügig seltener zu einem erneuten Infarkt oder zu einer Gerinnselbildung am Stent. Im besten Fall wird bei einem von 48 Patienten ein erneuter Herzinfarkt verhindert, wenn diese über 15 Monate nach dem Eingriff mit Prasugrel und nicht mit Clopidogrel behandelt werden. Dieser Vorteil wird aber mit einem erhöhten Risiko für schwere Blutungen erkauft, die in seltenen Fällen auch tödlich verlaufen können.

Tödliche Herzinfarkte oder Schlaganfälle treten unter Prasugrel dagegen nicht seltener auf, auch senkt das Mittel die Sterberate nicht besser als Clopidogrel. Wenn Sie früher bereits einen Schlaganfall erlitten haben, über 75 Jahre alt sind oder weniger als 60 Kilogramm wiegen, profitieren Sie nicht von der Gabe von Prasugrel. In diesen Fällen darf der Wirkstoff nicht, nur ausnahmsweise oder in niedriger Dosierung eingesetzt werden. Prasugrel ist erst seit 2009 im Handel und immer noch vergleichsweise wenig erprobt. Es wird in Kombination mit Acetylsalicylsäure als "auch geeignet" erachtet, wenn bei oder nach einem akuten Herzinfarkt eine Ballondilatation mit oder ohne Stenteinlage notwendig ist.

Um die Magenschleimhaut zu schützen, verordnen Ärzte zusätzlich zu Acetylsalicylsäure (ASS) und/oder Prasugrel häufig ein säureblockierendes Mittel (z. B. Omeprazol, Pantoprazol, auch "Protonenpumpenhemmer" genannt). Das kann aber auch problematisch sein. Zurzeit ist unklar, ob der Zusatz der säureblockierenden Mittel die Wirksamkeit von ASS abschwächt, sodass möglicherweise Herzinfarkte und Schlaganfälle häufiger auftreten können. Wenn Sie mit Prasugrel und ASS behandelt werden, sollten Sie deshalb auch nicht eigenmächtig säureblockierende Mittel einnehmen. Sicherheitshalber kann der Arzt erwägen, statt eines säureblockierenden ein etwas schwächer wirkendes säurehemmendes Mittel zu verordnen (z. B. Ranitidin, Famotidin). Ein solcher "Magenschutz" ist aber nicht bei jedem erforderlich, unter folgenden Bedingungen können Sie darauf verzichten:

  • Sie hatten bisher noch kein Magengeschwür und auch noch keine Magenblutung.
  • Sie haben keine Magenbeschwerden und auch kein Sodbrennen oder eine Refluxerkrankung.
  • Sie erhalten keine anderen blutverdünnenden Medikamente (z. B. Marcumar).
  • Sie bekommen nur ASS oder Clopidogrel beziehungsweise Prasugrel und nicht beides zusammen und auch nicht zwei andere Wirkstoffe aus dieser Gruppe gleichzeitig.
  • Sie werden nicht mit cortisonhaltigen Mitteln behandelt.

Die zusätzliche Gabe von säureblockierenden Mitteln ist nur in folgenden Situationen sinnvoll:

  • Die Schleimhaut Ihrer Speiseröhre ist aufgrund von zurückfließendem Magensaft entzündet (Reflux-Krankheit).
  • Sie nehmen nichtsteroidale Antirheumatika ein (z. B. Diclofenac, Ibuprofen, bei Gelenkerkrankungen, Schmerzen, Fieber). Dann besteht ein höheres Risiko, dass sich ein Magen- oder Zwölffingerdarmgeschwür entwickelt.
  • Sie haben einen Tumor in der Bauchspeicheldrüse oder im oberen Abschnitt des Dünndarmes, der zu einer erhöhten Magensäureproduktion führt (Zollinger-Ellison-Syndrom).
  • Sie haben eine Infektion mit Helicobacter pylori (Erreger von Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüren) und erhalten deshalb als Bestandteil einer 10- bis 14-tägigen Therapie zur Beseitigung des Magenkeims auch ein säureblockierendes Mittel.

Anwendung

Prasugrel wird immer mit Acetylsalicylsäure kombiniert gegeben. Die Wirkung tritt schon nach 30 Minuten ein. Zu Beginn nehmen Sie 60 Milligramm Prasugrel ein, später wird die Dosis auf 10 Milligramm gesenkt. Wenn Sie älter als 75 Jahre sind oder weniger als 60 Kilogramm wiegen, dürfen Sie das Mittel nur in verringerter Dosierung bekommen (5 Milligramm).

Achtung

Das Mittel hemmt die Blutgerinnung. Bei Verletzungen kann es daher länger dauern, bis sich die Wunde schließt. Wenn aus unklarer Ursache Blutungen auftreten, sollten Sie baldmöglichst einen Arzt aufsuchen.

Vor einer geplanten Operation oder einem zahnärztlichen Eingriff kann es notwendig sein, das Mittel etwa sieben Tage vorher abzusetzen. Besprechen Sie das mit dem Arzt. Wenn er es für zu riskant hält, die Blutgerinnung nicht mehr zu hemmen, kann es sinnvoll sein, den operativen Eingriff so lange zu verschieben, bis Sie das Mittel absetzen können, ohne dass die Gefahr für ein Blutgerinnsel steigt.

Gegenanzeigen

Prasugrel dürfen Sie nicht anwenden, wenn Ihre Leberfunktion stark beeinträchtigt ist oder wenn Sie akute Blutungen haben, zum Beispiel im Gehirn oder aufgrund eines Magen- oder Zwölffingerdarmgeschwürs. Außerdem dürfen Sie Prasugrel nicht bekommen, wenn Sie bereits einen Schlaganfall hatten oder an vorübergehenden Durchblutungsstörungen im Gehirn leiden (sogenannte transitorische ischämische Attacken, TIA).

Unter folgenden Bedingungen sollte der Arzt Nutzen und Risiken einer Behandlung mit Prasugrel sorgfältig abwägen:

  • Sie haben gegenüber Clopidogrel bereits eine Allergie entwickelt. Dann sollten Sie besonders sorgfältig auf Anzeichen einer allergischen Reaktion achten (Hautrötungen und Juckreiz oder Schwellungen im Bereich des Gesichts). Wenn derartige Beschwerden auftreten, sollten Sie sich an einen Arzt wenden.
  • Die Funktion Ihrer Nieren oder Leber ist gestört. Dann kann es sein, dass Prasugrel langsamer abgebaut wird, was das Blutungsrisiko erhöht.
  • Sie sind älter als 75 Jahre, weil dann das Risiko für Blutungen bei Behandlung mit Prasugrel erhöht ist.
  • Sie haben eine erhöhte Neigung zu Blutungen, z. B. aufgrund einer vor kurzem erlittenen Verletzung, Operation oder Blutungen im Bauchraum aufgrund eines Magen- oder Zwölffingerdarmgeschwürs.
  • Sie wiegen weniger als 60 Kilogramm. Dann reichert sich Prasugrel zu sehr im Blut an, was ebenfalls das Risiko für Blutungen erhöht.

Wechselwirkungen

Wechselwirkungen mit Medikamenten

Wenn Sie noch andere Medikamente nehmen, ist zu beachten:

  • Wenn Sie gleichzeitig mit nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAR, bei Gelenkerkrankungen, Schmerzen, Fieber) behandelt werden oder Heparinspritzen bekommen, um die Blutgerinnung zu hemmen, erhöht sich das Risiko für Blutungen.
  • Wenn Sie gleichzeitig mit Medikamenten behandelt werden, die über einen bestimmten Stoffwechselweg abgebaut werden, können sich die Nebenwirkungen dieser Mittel verstärken. Dazu gehören z. B. Wirkstoffe wie Cyclophosphamid (bei Krebs) oder antivirale Medikamente wie Efavirenz (bei HIV-Infektionen).

Unbedingt beachten

In Kombination mit Mitteln zur Blutverdünnung wie Phenprocoumon und Warfarin (bei erhöhter Thrombosegefahr) verstärkt sich die gerinnungshemmende Wirkung. Dadurch erhöht sich das Risiko für innere Blutungen. Dies gilt auch, wenn die Mittel gemeinsam mit einem anderen gerinnungshemmenden Mittel wie Dabigatran, Rivaroxaban und Apixaban oder zusammen mit Heparinen (z. B. Enoxaparin), NSAR (z. B. Ibuprofen und Diclofenac, bei rheumatischen Erkrankungen, Schmerzen) angewendet werden. Näheres hierzu lesen Sie unter Mittel zur Blutverdünnung: verstärkte Wirkung.

Auch pflanzliche Mittel können die Blutgerinnung beeinflussen, vor allem Mittel mit Knoblauch- und Ginkgoextrakt. Wenn Sie solche Mittel gleichzeitig einnehmen, sollte die Blutgerinnung kontrolliert werden.

Nebenwirkungen

Clopidogrel und Prasugrel haben ähnliche Nebenwirkungen. Da Prasugrel besonders bei Personen über 75 Jahre und mit weniger als 60 Kilogramm Körpergewicht stärker wirkt als Clopidogrel, ist auch das Risiko für Nebenwirkungen, wie z. B. Blutungen, erhöht. Auch Personen, die vorher einen Schlaganfall hatten, erleiden zu einem höheren Anteil Blutungen, wenn sie mit Prasugrel anstatt mit Clopidogrel behandelt werden. Insgesamt wird die Behandlung mit Prasugrel etwas häufiger aufgrund von Blutungen abgebrochen als bei der Gabe von Clopidogrel.

Keine Maßnahmen erforderlich

Bei 1 bis 10 von 100 Behandelten kann die verstärkte Blutungsneigung dazu führen, dass bei Stößen und Prellungen leicht blaue Flecken entstehen, dass es aus Einstichstellen (bei Injektionen), bei Verletzungen oder nach operativen Eingriffen länger blutet.

Mehr als 1 von 100 Behandelten klagt über Magen-Darm-Beschwerden wie Bauchschmerzen, Übelkeit oder Erbrechen.

Muss beobachtet werden

Wenn die Haut sich verstärkt rötet und juckt, reagieren Sie vermutlich allergisch auf das Mittel. Bei solchen Hauterscheinungen sollten Sie einen Arzt aufsuchen. Solche Unverträglichkeitsreaktionen kommen bei Ticlopidin häufig vor (bei mehr als 2 von 100 Behandelten), bei den anderen Mitteln nur gelegentlich (bei 1 bis 10 von 1 000).

Bei Prasugrel können Blutungen auch an der Nasenschleimhaut, am Zahnfleisch, im Auge, in den Bronchien oder den Harnwegen auftreten. Blutungen im Magen-Darm-Trakt können bei 1 bis 10 von 100 Behandelten zu einer Blutarmut führen. Typische Anzeichen dafür sind schnelle Ermüdbarkeit, raue und rissige Haut, brüchige Nägel sowie Konzentrationsschwäche, begleitet von Kopfschmerzen.

Sofort zum Arzt

Wenn plötzlich heftige Bauchschmerzen einsetzen, die bis in den Rücken ausstrahlen, oder wenn Sie gar Blut erbrechen müssen, ist davon auszugehen, dass es aus einem Magengeschwür stark blutet, möglicherweise hat es sogar schon die Magenwand durchbrochen. Dann müssen Sie sofort den Notarzt (Telefon 112) rufen. Solche schweren Nebenwirkungen können auch auftreten, wenn Sie täglich nur 100 Milligramm ASS einnehmen (z. B. um einem erneuten Herzinfarkt vorzubeugen).

Besonders wenn Sie zwei Thrombozytenfunktionshemmer gleichzeitig einnehmen, in der Regel ASS plus Clopidogrel, Prasugrel (oder auch den neuen Wirkstoff Ticagrelor), kann es zu Einblutungen in das Gehirn kommen. Anzeichen dafür sind unter anderem eine halbseitige Lähmung von Arm und Bein, ein einseitig herabhängender Mundwinkel, plötzlich auftretende Kopfschmerzen und/oder Schwindel, Sprachstörungen, Sehstörungen bis hin zu Bewusstseinstrübung oder gar Bewusstlosigkeit. Dann muss sofort ein Notarzt (Telefon 112) gerufen werden.

Wenn starker Hautausschlag, Juckreiz, Herzrasen, Atemnot, Schwäche und Schwindel oder Schleimhautschwellungen im Gesicht auftreten, müssen Sie die Einnahme sofort stoppen und unverzüglich den Notarzt (Telefon 112) rufen, weil es sich um eine lebensbedrohliche Allergie handeln kann.

Sehr selten kommt es zu Schäden an den Blutplättchen und Zerstörung der roten Blutkörperchen. Das zeigt sich typischerweise an punktförmigen Hauteinblutungen. Sie sollten diese rasch einem Arzt zeigen.

Besondere Hinweise

Für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren

Für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren ist die therapeutische Wirksamkeit von Prasugrel und seine Verträglichkeit nicht nachgewiesen.

Für ältere Menschen

Wenn Sie älter als 75 Jahre sind, dürfen Sie dieses Mittel nur in verringerter Dosierung erhalten (fünf statt zehn Milligramm täglich), weil dann aufgrund des Alters ohnehin ein erhöhtes Risiko für Blutungen besteht. Personen in dieser Altersgruppe profitieren womöglich nur von der Gabe von Prasugrel, wenn sie ein besonders hohes Risiko für Herzinfarkt, Schlaganfall oder Thrombosen haben, wenn gleichzeitig Diabetes besteht oder bereits einmal ein Herzinfarkt aufgetreten ist.

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Anwendungsgebiete dieses Wirkstoffs