Medikamente im Test
  • Über 9 000 Medikamente
  • Geprüft durch unabhängige Experten
  • Ständig aktualisiert

Gerinnungshemmer: Apixaban

Wirkungsweise

Apixaban hemmt den Blutgerinnungsfaktor Xa selektiv, direkt und reversibel. Damit verhindert der Wirkstoff die Bildung des Gerinnungsstoffs Thrombin und somit das Entstehen von Blutgerinnseln. Die Wirkung ist dosisabhängig: Je höher die Konzentration des Wirkstoffs im Blutplasma, umso stärker wird die Blutgerinnung gehemmt. Anders als bei Cumarinen ist eine regelmäßige Überwachung der Blutgerinnung (z. B. mit einer INR-Messung) nicht erforderlich.

Die therapeutische Wirksamkeit von Apixaban ist mit der von Standardmitteln wie Warfarin vergleichbar, wenn damit Schlaganfällen bei Menschen mit Vorhofflimmern vorgebeugt werden soll oder Thrombosen behandelt werden. Das haben zahlreiche Untersuchungen gezeigt. Blutungen werden dabei als Nebenwirkungen seltener bei der Behandlung mit Apixaban beobachtet als bei anderen blutgerinnungshemmenden Mitteln. Vergleicht man Apixaban indirekt mit den beiden weiteren Hemmstoffen des Gerinnungsfaxtors Xa (Edoxaban, Rivaroxaban), scheint dies ebenfalls zu gelten.

In einer Studie konnte auch die Rate der Schlaganfälle und Embolien mit Apixaban im Vergleich zu Warfarin deutlicher gemindert werden. Apixaban kann daher in diesem Anwendungsgebiet als Alternative zu den bisherigen Standardmitteln eingesetzt werden. Auch zur Vorbeugung von Thrombosen und Embolien nach Knie- oder Hüftoperationen ist Apixaban wirksam und eine Alternative zu niedermolekularen Heparinen.

Weil das Mittel in der breiten Anwendung noch nicht erprobt ist und bisher kaum Erfahrungen mit Notfallsituationen vorliegen, in denen die gerinnungshemmende Wirkung schnell aufgehoben werden muss, gilt Apixaban als "auch geeignet".

Kommt es aufgrund einer Überdosierung zu Blutungen, kann im Notfall mit einem spezifischen Gegenmittel (Andexanet Alfa) die gerinnungshemmende Wirkung wieder rückgängig gemacht werden. Dieses Mittel ist aber noch wenig erprobt. Auch gibt es noch keine zuverlässigen Labortests, um die Blutgerinnung zu überprüfen. Beachten Sie hierzu auch die Angaben bei Schwierige Blutgerinnungskontrolle.

Anwendung

Apixaban müssen Sie immer zweimal täglich einnehmen. Personen, die weniger als 60 Kilogramm wiegen, nehmen von Apixaban zur Prophylaxe von Schlaganfällen nur die halbe Dosis.

Das Mittel wird zu etwa einem Drittel unverändert über die Niere ausgeschieden. Bei sehr starken Einschränkungen der Nierenfunktion dürfen Sie das Mittel deshalb nicht anwenden. Bei schweren Nierenfunktionsstörungen sollte der Arzt die Nierenwerte regelmäßig kontrollieren und die Dosis von Apixaban verringern. Bei leichter Einschränkung der Nierenfunktion ist keine Dosisreduktion erforderlich.

Vor der Behandlung sollte der Arzt die Leberfunktion prüfen.

Achtung

Während Sie das Mittel einnehmen, sollten Sie sicherheitshalber einen Notfallausweis mit sich führen, in dem verzeichnet ist, dass Sie ein gerinnungshemmendes Medikament anwenden.

Mit der Einnahme des Mittels erhöht sich das Risiko von länger andauernden Blutungen nach Verletzungen. Dies muss bei operativen Eingriffen vom Arzt bedacht werden. Vor geplanten operativen Eingriffen ist es häufig erforderlich Apixaban zumindest kurzzeitig abzusetzen.

Anders als bei Cumarinen ist bei der Einnahme von Apixaban zwar keine regelmäßige Kontrolle des INR-Wertes zur Bestimmung der Gerinnungsfähigkeit des Blutes erforderlich. Besteht bei Ihnen jedoch ein erhöhtes Blutungsrisiko, muss während der gesamten Behandlungszeit auf Anzeichen unerwünschter Blutungen oder eine Blutarmut als Zeichen erhöhten Blutverlustes (z. B. im Magen-Darm-Trakt) geachtet werden. Dies gilt insbesondere für ältere Personen, bei eingeschränkter Nieren- oder Leberfunktion, Blutungen in der Vorgeschichte oder bei gleichzeitiger Anwendung bestimmter Arzneimittel.

Gegenanzeigen

Unter folgenden Bedingungen dürfen Sie nicht mit Apixaban behandelt werden:

  • Es besteht eine akute Blutung.
  • Sie haben sich vor kurzer Zeit am Gehirn, Rückenmark oder an den Augen verletzt oder wurden daran operiert.
  • Sie haben oder hatten vor Kurzem ein Magengeschwür. Dann besteht latent die Gefahr, dass das Geschwür zu bluten beginnt.
  • Es besteht eine Erweiterung an einem Blutgefäß (Aneurysma), die plötzlich aufplatzen kann.
  • Sie haben Krampfadern in der Speiseröhre (Ösophagusvarizen).
  • Sie haben einen Tumor, der aufbrechen und bluten kann.
  • Die Funktion der Niere ist sehr stark eingeschränkt (Kreatinin-Clearance unter 15 ml/min).
  • Die Funktion der Leber ist sehr stark beeinträchtigt, dann ist auch die Blutgerinnung gestört.
  • Sie werden zugleich mit anderen gerinnungshemmenden Medikamenten behandelt (z. B. Heparine, Cumarine, Dabigatran, Rivaroxaban). Diese Einschränkung gilt nicht, wenn von diesen Mitteln auf eine Behandlung mit Apixaban umgestellt werden soll.
  • Sie leiden an der Autoimmungerkrankung Antiphopholidpid-(APS)-Syndrom. Dann sollten Sie scherheitshalber nicht mit Apixaban behandelt werden. Bei Ihnen besteht möglicherweise ein höheres Thromboserisiko als unter Vitamin-K-Antagonisten wie Warfarin und Phenprocoumon.*

Unter folgenden Bedingungen sollte der Arzt Nutzen und Risiken der Anwendung von Apixaban sorgfältig abwägen, weil dann das Risiko für Blutungen erhöht ist:

  • Sie haben eine angeborene Blutgerinnungsstörung.
  • Ihr Blutdruck ist zu hoch und kann medikamentös nicht ausreichend gesenkt werden.
  • Sie haben eine chronisch-entzündliche Darmerkrankung (Morbus Crohn, Colitis ulcerosa).
  • Sie haben eine Speiseröhren- oder Magenschleimhautentzündung.
  • Die Blutgefäße in der Netzhaut am Auge haben sich so verändert, dass ein erhöhtes Blutungsrisiko besteht (Retinopathie).
  • Bei Ihnen wurde eine künstliche Herzklappe eingesetzt. Für die Anwendung von Apixaban in diesem Indikationsbereich liegen noch keine ausreichenden Erfahrungen vor.
  • Bei Ihnen ist die Funktion von Leber oder Nieren stark bis mittelgradig eingeschränkt.
  • Sie haben infolge einer Krebserkrankung eine Thrombose entwickelt. Die Wirksamkeit und Sicherheit bei Krebspatienten wurden nicht untersucht.

Wechselwirkungen

Wechselwirkungen mit Medikamenten

Wenn Sie Apixaban zusammen mit Arzneimitteln anwenden, die ebenso die Blutgerinnung beeinflussen können, kann sich die Gefahr für Blutungen erhöhen. Dann muss der Arzt Nutzen und Risiken einer gleichzeitigen Anwendung besonders sorgfältig abwägen. Zu diesen Arzneimitteln gehören:

  • Thrombozytenfunktionshemmer (niedrig dosierte Acetylsalicylsäure, Clopidogrel, Prasugrel, Ticagrelor, Dipyridamol, Ticlopidin)
  • Nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR), darunter die Wirkstoffe Acetylsalicylsäure in hoher Dosierung, Ibuprofen, Diclofenac und Naproxen (bei Schmerzen, rheumatoider Arthritis, Arthrose) insbesondere bei dauerhafter Anwendung.

Mittel, die den Abbau von Apixaban beschleunigen, verringern seine blutgerinnungshemmende Wirksamkeit. Zu diesen Mitteln zählen Rifampicin (bei Tuberkulose), Phenytoin, Carbamazepin, Phenobarbital (alle bei Epilepsien) und Johanniskraut (bei depressiven Störungen).

Unbedingt beachten

Apixaban dürfen Sie nicht gleichzeitig mit Rivaroxaban anwenden und auch nicht zusammen mit anderen Blutgerinnungshemmern wie Cumarinen (Phenprocoumon, Warfarin), Heparinen (z. B. Enoxaparin) und Dagibatran, weil dann das Risiko für innere Blutungen steigt. Ausgenommen hiervon sind die kurzen Zeiträume, wenn die Therapie von anderen Gerinnungshemmern auf Apixaban umgestellt wird.

Medikamente, die den Blutspiegel von Apixaban erhöhen, indem sie Enzyme hemmen, die maßgeblich am Abbau von Apixaban beteiligt sind, erhöhen das Risiko für innere Blutungen. Mit solchen Mitteln dürfen Sie Apixaban nicht gleichzeitig einnehmen. Dazu gehören Pilzmittel aus der Gruppe der Azole (z. B. Ketoconazol, Itraconazol und Voriconazol, innerlich bei Pilzinfektionen) und HIV-Mittel wie z. B. Ritonavir.

Näheres zu beiden Wechselwirkungen lesen Sie unter Mittel zur Blutverdünnung: verstärkte Wirkung.

Nebenwirkungen

Aufgrund der Wirkweise des Mittels erhöht sich das Risiko für eine Blutung grundsätzlich. Sollten Sie sich unerklärlicherweise besonders matt oder müde fühlen oder Ihr Blutdruck stark absinken, kann das ein Hinweis auf eine unbemerkte Blutung und einem dadurch bedingten Blutverlust sein. Achten Sie deshalb besonders auf diese Anzeichen. Das Absinken des Blutdrucks macht sich mit Schwindel, Schweißausbrüchen, Kältegefühl oder Herzrasen bemerkbar; auch kann Ihnen kurz schwarz vor den Augen werden, wenn Sie aus dem Sitzen oder Liegen aufstehen.

Muss beobachtet werden

Bei etwa 5 von 100 Behandelten kann es zu Nasen- oder Zahnfleischbluten kommen. Wenn Sie Blutungen feststellen, die sich nur schwer stillen lassen, sollten Sie einen Arzt aufsuchen.

Das Auge kann sich stark röten, weil es an der Bindehaut oder im Auge zu Blutungen kommt.

Schon bei geringen Stößen können vermehrt Blutergüsse vorkommen. Wenn Sie das bemerken, sollten Sie sich an einen Arzt wenden.

Bei 1 bis 10 von 100 Behandelten kommt es zu Blutungen im Magen-Darm-Trakt oder in der Blase. Aufgrund dessen und insbesondere bei längerer Anwendung kann bei 1 bis 10 von 100 eine Blutarmut auftreten, die sich durch Blässe, Müdigkeit und Schlappheit bemerkbar macht. Bei solchen Anzeichen sollten Sie einen Arzt aufsuchen. Das gilt auch, wenn sich Ihr Urin rot oder Ihr Stuhlgang schwarz verfärbt. Beides deutet auf Schleimhautblutungen hin.

Juckreiz mit oder ohne Hautrötungen tritt bei 1 bis 10 von 1 000 Behandelten auf. Bei 1 bis 10 von 1 000 bilden sich zusätzlich auf der Hautoberfläche Bläschen aus. Solche Hauterscheinungen deuten darauf hin, dass Sie vermutlich allergisch auf den Wirkstoff reagieren. Dann sollten Sie sich an einen Arzt wenden.

Sofort zum Arzt

Wenn ein starker Hautausschlag mit Juckreiz, Herzrasen, Atemnot, Schwäche und Schwindel auftritt, müssen Sie die Anwendung sofort abbrechen und einen Notarzt (Telefon 112) verständigen, da es sich um eine lebensbedrohliche Allergie handeln kann. Das gilt auch, wenn sich Schwellungen im Kopf-Hals-Bereich mit Atemnot einstellen (Angioödem).

Das Risiko für Blutungen im Gehirn steigt mit dem Alter, nachlassender Nierenfunktion, mit der eingenommenen Dosis und Anwendungsdauer. Anzeichen hierfür sind unter anderem eine Halbseitenlähmung von Arm und Bein, ein einseitig herabhängender Mundwinkel, plötzlich auftretende starke Kopfschmerzen und/oder Schwindel, Sprachstörungen, Sehstörungen bis hin zu Bewusstseinstrübung oder gar Bewusstlosigkeit. Dann muss sofort ein Notarzt (Telefon 112) gerufen werden. *

Besondere Hinweise

Für Schwangerschaft und Stillzeit

Das Mittel dürfen Sie während der Schwangerschaft und Stillzeit nicht anwenden. Es liegen noch keine ausreichenden Erfahrungen zur Sicherheit vor.

Tierexperimentelle Untersuchungen weisen darauf hin, dass Apixaban in die Muttermilch übergeht. Welche Auswirkungen dies hat, ist unbekannt. Frauen, die Apixaban einnehmen, müssen für diesen Zeitraum das Stillen unterbrechen.

Für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren

Für Kinder liegen noch keine ausreichenden Erfahrungen zu Wirksamkeit und Verträglichkeit vor. Kinder und Jugendliche sollten die Mittel deshalb nicht einnehmen.

Für ältere Menschen

Bei älteren Menschen ist das Blutungsrisiko generell leicht erhöht, weil bei ihnen die Nierenfunktion oft bereits etwas eingeschränkt ist. Bei ihnen ist daher verstärkt auf Blutungszeichen zu achten. Auch empfiehlt es sich, die Nierenfunktion regelmäßig zu kontrollieren. Personen über 80 Jahre sollten nur mit der Hälfte der üblichen Dosierung behandelt werden.

*Textaktualisierung 30.01.2020

Sie sehen nun nur noch Informationen zu: ${filtereditemslist}.

Anwendungsgebiete dieses Wirkstoffs