Medikamente im Test

Gallensäure: Ursodeoxycholsäure

Wirkungsweise

Ursodeoxycholsäure ist ein Bestandteil der Gallenflüssigkeit.

Gallenbeschwerden und -steine

Sie trägt dazu bei, cholesterinhaltige Gallensteine aufzulösen. Der Wirkstoff hemmt die Aufnahme von Cholesterin aus dem Darm und vermindert seine Bildung in der Leber. Damit verringert sich die Cholesterinsättigung der Gallenflüssigkeit, was zur Steinauflösung führt. Gelingt dies, ist der Erfolg jedoch in einigen Fällen nur vorübergehend: Bei 25 von 100 Betroffenen bilden sich nach Absetzen des Mittels erneut Steine.

Voraussetzung für eine Behandlung von Gallensteinen mit Ursodeoxycholsäure ist, dass die Steine klein sind (maximal 10 Millimeter), möglichst kein Calcium enthalten und die Gallenblase trotz der Steine noch funktionstüchtig ist. Dann ist das Mittel zur Auflösung der Steine geeignet. Wenn die Gallensteinchen nicht größer sind als 5 Millimeter, werden 60 von 100 Behandelten die Steine innerhalb von sechs Monaten damit los. Bei größeren Steinen (5-10 Millimeter Durchmesser) sinkt die Erfolgsrate auf etwa 40 von 100 Behandelten ab. Steine, die größer sind als 10 Millimeter, sollten operativ entfernt werden.

Sonstige Lebererkrankungen

Der Wirkstoff wird bei einer primären biliären Leberzirrhose gegeben, um die mit der Krankheit verbundenen Beschwerden zu lindern (Juckreiz, Müdigkeit). Ursodeoxycholsäure kann die Leberwerte verbessern und das Risiko für eine Gelbsucht sowie für Bauchwassersucht (Aszites) verringern. Hierfür ist das Mittel geeignet. Bislang gibt es jedoch keine Belege dafür, dass Ursodeoxycholsäure eine Lebertransplantation erübrigen oder die Sterberate verringern könnte.

Anwendung

Gallenbeschwerden und -steine

Tabletten, Kapseln oder Suspension nehmen Sie bei Gallensteinen unzerkaut abends vor dem Schlafengehen mit etwas Flüssigkeit ein. Weil Sie nachts nichts essen und die Gallenblase deshalb auch nicht entleert wird, reichert sich das Mittel besonders gut in der Gallenblase an. Da die Gallensteine sich nur sehr langsam auflösen, müssen Sie das Mittel lange Zeit anwenden – sechs Monate bis zwei Jahre. Alle sechs Monate sollte der Arzt mit Ultraschall kontrollieren, ob die Gallenblase noch Steine enthält und wie groß sie sind. Falls sie nach einem Jahr nicht kleiner geworden sind, sollte die Therapie abgebrochen werden.

Sind die Gallensteine aufgrund der Therapie verschwunden, sollten Sie das Mittel noch weitere drei Monate einnehmen, um einer erneuten Steinbildung vorzubeugen.

Sonstige Lebererkrankungen

Bei primärer biliärer Leberzirrhose nehmen Sie das Mittel über den Tag verteilt ein. Für die Behandlung dieser Krankheit gibt es keine zeitliche Beschränkung.

Achtung

Es ist nicht auszuschließen, dass während der Behandlung die Leberwerte ansteigen. Der Arzt sollte deshalb in den ersten drei Monaten der Therapie in monatlichen Abständen, im Anschluss viertel- und schließlich halbjährlich die Blutwerte kontrollieren.

Gegenanzeigen

Wenn Ihre Gallenwege verstopft sind oder die Gallenblase entzündet ist, dürfen Sie das Mittel nicht anwenden.

Wenn Sie häufig Gallenkoliken bekommen oder Ihre Galle sich nicht mehr richtig zusammenziehen kann, sollte der Arzt Nutzen und Risiken des Einsatzes dieses Mittels sorgfältig abwägen.

Wechselwirkungen

Wechselwirkungen mit Medikamenten

Wenn Sie noch andere Medikamente nehmen, ist zu beachten:

  • Antazida mit Aluminiumsalzen (bei Sodbrennen) und Colestyramin (bei hohen Blutfettwerten) binden Ursodeoxycholsäure und verhindern so deren Wirkung. Wenn Sie diese Mittel anwenden müssen, sollten Sie Ursodeoxycholsäure im Abstand von mindestens zwei Stunden dazu einnehmen.
  • Ursodeoxycholsäure kann die Aufnahme von Ciclosporin (nach Organtransplantationen, bei Schuppenflechte) erhöhen. Der Arzt sollte dann den Blutspiegel von Ciclosporin häufiger kontrollieren.

Nebenwirkungen

Keine Maßnahmen erforderlich

Der Stuhl kann breiig werden (bei 1 bis 10 von 1 000 Behandelten).

Muss beobachtet werden

Gallenbeschwerden und -steine

In Einzelfällen kann es sein, dass sich in den Gallensteinen Kalk einlagert. Der Arzt kann dies gegebenenfalls bei den regelmäßigen Ultraschalluntersuchungen erkennen. Da verkalkte Gallensteine mit Ursodeoxycholsäure nicht mehr aufgelöst werden können, sollte das Mittel dann abgesetzt und eine Operation erwogen werden. Wenn Sie ein erhöhtes Operationsrisiko haben, sollten Sie mit dem Arzt die Möglichkeit einer Stoßwellenbehandlung besprechen.

Besondere Hinweise

Zur Empfängnisverhütung

Vor Beginn einer Behandlung sollte der Arzt eine Schwangerschaft ausschließen. Frauen im gebärfähigen Alter dürfen das Mittel nur einnehmen, wenn sie während der Behandlung eine Schwangerschaft zuverlässig verhüten, da es im Tierversuch Hinweise auf Schädigungen der Nachkommenschaft gab.

Für Schwangerschaft und Stillzeit

Ursodeoxycholsäure dürfen Sie in der Schwangerschaft nur anwenden, wenn es unbedingt erforderlich ist. Wenn Sie schwanger geworden sind, während Sie das Mittel eingenommen haben, sollten Sie das Mittel sicherheitshalber absetzen.

Für die Anwendung während der Stillzeit liegen nur wenige Erfahrungen vor. Da das Mittel nur in geringem Umfang in die Muttermilch übergeht, sind Wirkungen im Körper des Kindes aber unwahrscheinlich. Daher ist das Stillen akzeptabel, wenn die Behandlung der Mutter unbedingt erforderlich ist.

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