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Gabapentin

Wirkungsweise

Epilepsien

Gabapentin dämpft die bei Epilepsie überaktiven Nerven. Der genaue Wirkmechanismus ist noch unbekannt. Studien zur Wirksamkeit haben gezeigt, dass Gabapentin bei Anfällen, die von Anfang an das ganze Gehirn erfassen (generalisierte Anfälle), nicht wirksam ist, diese Anfälle im Gegenteil sogar verstärken kann. Es kommt daher nur bei fokalen Epilepsieformen in Betracht. Allerdings scheint es auch bei diesen weniger effektiv zu sein als z. B. Carbamazepin und Lamotrigin. Gabapentin wird daher als "mit Einschränkung geeignet" bewertet. Es kann allenfalls bei fokalen Epilepsien eingesetzt werden, die nur mäßig aktiv sind.

Der Vorteil von Gabapentin ist, dass es rasch wirkt und die Wirkung anderer Epilepsiemittel nicht beeinflusst. Der Wirkstoff wird insgesamt gut vertragen, er macht aber müde und muss mehrmals täglich eingenommen werden.

Neuropathien

Die Wirksamkeit von Gabapentin bei nervenbedingten Schmerzen ist nachgewiesen. Der Wirkstoff dockt an speziellen Bindungsstellen im zentralen Nervensystem an. In der Folge werden aus diesem weniger Botenstoffe freigesetzt, die an der Wahrnehmung und Beurteilung von Schmerzempfindungen beteiligt sind. Man geht derzeit davon aus, dass die schmerzlindernde Wirkung von Gabapentin auf diesen Veränderungen beruht.

Eine deutliche Verbesserung der neuropathischen Beschwerden dürfen 31 von 100 Patienten erwarten, die Gabapentin einnehmen. Von denen, die ein Scheinmedikament bekommen, berichten 15 bis 25 von 100 Personen von einer Besserung. Bei zwei Drittel der Behandelten zeigt sich mindestens eine unerwünschte Wirkung wie Schläfrigkeit, Schwindel und Gangunsicherheiten sowie Wasseransammlungen in den Beinen. Wegen unerwünschter Wirkungen bricht etwa jeder Zehnte die Behandlung ab.

In klinischen Studien sind die therapeutische Wirksamkeit und Verträglichkeit von Gabapentin zur Behandlung neuropathischer Beschwerden nur für fünf Monate nachgewiesen. Es ist daher unklar, ob das Nutzen-Risiko-Verhältnis über diesen Zeitraum hinaus positiv ist.

Gabapentin lindert vor allem Schmerzen aufgrund einer diabetischen Polyneuropathie und solche nach einer Gürtelrose. Ob es so effektiv wirkt wie Amitriptylin und Carbamazepin, ist bisher nicht hinreichend geklärt. Daher lautet die Bewertung von Mitteln mit Gabapentin zur Anwendung bei Neuropathien "auch geeignet". Da sich Gabapentin und andere Medikamente kaum gegenseitig beeinflussen, kann der Wirkstoff für Menschen vorteilhaft sein, die mehrere Medikamente zugleich einnehmen müssen.

Wie bei Pregabalin, einem Wirkstoff der zur gleichen Wirkstoffgruppe gehört wie Gabapentin, gibt es auch bei Gabapentin einen Hinweis, dass sich der Körper im Laufe der Zeit an Gabapentin gewöhnt. Dann muss die Dosis immer weiter gesteigert werden, damit noch eine Wirkung spürbar wird. Insbesondere bei Patienten mit Suchterkrankungen in der Vorgeschichte besteht die Gefahr einer missbräuchlichen Anwendung, in Einzelfällen mit Todesfolge.

Testergebnisse Gabapentin in allen Anwendungsgebieten.

Anwendung

Epilepsien

Allgemeine Angaben zur Anwendung finden Sie unter Epilepsiemittel gemeinsam betrachtet.

Zur Dauerbehandlung einer Epilepsie muss das Medikament dreimal täglich eingenommen werden. Die erforderliche Dosis kann zwischen 900 und 3 600 Milligramm Gabapentin liegen.

Ein gleichmäßiger Wirkstoffspiegel ist nach ein bis zwei Tagen erreicht. Ab wann man jedoch sagen kann, dass das Mittel optimal wirkt, ist individuell sehr verschieden.

Neuropathien

Die Dosierung von Gabapentin bei Neuropathie richtet sich nach den Angaben des Arztes. Üblicherweise soll Gabapentin "einschleichend" dosiert werden. Das heißt, zu Beginn der Behandlung wird eine geringe Dosis eingenommen und diese langsam gesteigert, bis die notwendige Dosis erreicht ist. In der Regel liegt die tägliche Dosis Gabapentin zwischen 1 800 und 2 400 Milligramm, höchstens aber bei 3 600 Milligramm pro Tag.

Wenn Ihre Nierenfunktion eingeschränkt ist, muss Gabapentin niedriger dosiert werden.

Wenn die Behandlung mit dem Mittel beendet werden soll, muss dies schrittweise über einen Zeitraum von einer Woche geschehen.

Gegenanzeigen

In folgenden Fällen muss der Arzt vor dem Einsatz von Gabapentin Nutzen und Risiken besonders sorgfältig abwägen:

  • Ihre Lungenfunktion ist beeinträchtigt. Das Mittel kann die Zahl der Atemzüge und die Atemtiefe (Atemdepression) verringern.
  • Sie haben oder hatten in der Vergangenheit eine Abhängigkeitserkrankung (Opiate, Kokain, Alkohol).

Wechselwirkungen

Wechselwirkungen mit Medikamenten

Wenn Sie noch andere Medikamente nehmen, ist zu beachten:

  • Magnesium- und aluminiumhaltige Mittel (bei Sodbrennen) können die Aufnahme von Gabapentin aus dem Magen-Darm-Trakt beeinträchtigen. Gabapentin sollte frühestens zwei Stunden nach dem Magenmittel eingenommen werden.

Nebenwirkungen

Das Mittel kann Ihre Leberwerte beeinflussen, was Zeichen einer beginnenden Leberschädigung sein kann. Sie selbst bemerken in der Regel davon nichts, sondern es fällt nur bei Laborkontrollen durch den Arzt auf. Ob und welche Konsequenzen dies für Ihre Therapie hat, hängt sehr vom individuellen Fall ab. Bei einem lebensnotwendigen Medikament ohne Alternative wird man es oft tolerieren und die Leberwerte häufiger kontrollieren, in den meisten anderen Fällen wird Ihr Arzt das Medikament absetzen oder wechseln.

Keine Maßnahmen erforderlich

Wird Gabapentin abrupt abgesetzt, können Ängstlichkeit, Schlaflosigkeit, Übelkeit, Schmerzen und Schwitzen auftreten. Diese Nebenwirkungen treffen 1 bis 10 von 10 000 Personen.

Vor allem zu Beginn der Behandlung kann Gabapentin die Konzentrationsfähigkeit beeinflussen. In der Regel gibt sich das innerhalb von zwei Wochen.

Bei mehr als 10 von 100 Behandelten treten Benommenheit, Schwindelgefühle und Schläfrigkeit auf.

1 bis 10 von 100 Behandelten bemerken ein Schwächegefühl, Seh-, Sprech- und Bewegungsstörungen und Händezittern. Mit der gleichen Häufigkeit kann Gabapentin den Appetit beeinflussen und zu Magen-Darm-Beschwerden wie Übelkeit und Erbrechen, Durchfall, Verstopfung und Bauchschmerzen führen. Der Mund kann sich trocken anfühlen.

Bei 1 von 100 Behandelten beeinträchtigt das Mittel die Sexualität.

Muss beobachtet werden

Bei 1 von 100 Anwendern kommen Gelenk- und Muskelschmerzen sowie Hautblutungen vor, die eine Reaktion des Immunsystems anzeigen. Diese Beschwerden treten vor allem bei Menschen mit eingeschränkter Nierenfunktion auf. Bei anhaltenden Beschwerden, die sich nicht auf andere Ursachen, wie z. B. einen Muskelkater, zurückführen lassen, oder wenn sich die Beschwerden zusätzlicher Erkrankungen, wie Gelenkentzündungen, verschlimmern, sollten Sie einen Arzt aufsuchen.

Bei etwa 1 von 100 Anwendern von Gabapentin verringert sich die Zahl der weißen Blutkörperchen. Daraus resultiert eine Abwehrschwäche, durch die Infektionen, z. B. der Atemwege und Harnwege, häufiger auftreten. Diese Blutbildungsstörung erkennt der Arzt bei einer Blutuntersuchung.

Wenn sich Denk- und Gedächtnisstörungen, bei denen Erinnerungslücken entstehen, Verwirrung und Stimmungsschwankungen wiederholen, sollten Sie mit einem Arzt das weitere Vorgehen besprechen.

Auch Halluzinationen können auftreten. Wenn Sie wiederholt befremdliche Dinge sehen und hören, die andere Menschen nicht bemerken, sollten Sie das rasch einem Arzt mitteilen.

Wenn Sie Freud- und Antriebslosigkeit quälen und Sie sehr ängstlich oder niedergeschlagen sind, kann es sich um eine Depression handeln. Auch eine allgemeine Erschöpfung und Interessenlosigkeit sowie Schlafstörungen und Appetitlosigkeit können Anzeichen einer solchen Erkrankung sein. Wenn Sie oder nahestehende Personen solche Veränderungen bemerken und diese länger als zwei Wochen anhalten, sollten Sie sich an einen Arzt wenden. Dann können Sie im Gespräch über das weitere Vorgehen beraten.

Das Mittel kann unter bestimmten Umständen die Atmung erschweren. Das ist etwa bei Menschen der Fall, die Opioide (bei starken Schmerzen), die ebenfalls die Atmung dämpfen, einnehmen müssen, oder die an einer chronisch obstruktiven Bronchialerkrankung leiden (COPD). Wenn Ihnen das Atmen unter der Behandlung mit Gabapentin schwer fällt oder Sie sich extrem müde fühlen, sollten Sie sich baldmöglichst an einen Arzt wenden. Eventuell muss der Arzt dann die Gabapentin-Dosis oder ggf. auch die Opioid-Dosis verändern.

Schwellungen im Gesicht und am ganzen Körper (Ödeme), vor allem solche an den Unterschenkeln, können ein Zeichen dafür sein, dass die Herz- oder Nierenfunktion beeinträchtigt ist. Tritt Derartiges erstmals auf oder verschlimmern sich bestehende Ödeme, sollten Sie einen Arzt aufsuchen.

Wenn die Haut sich verstärkt rötet und juckt, reagieren Sie möglicherweise allergisch auf das Mittel. Bei solchen Hauterscheinungen sollten Sie einen Arzt aufsuchen, um zu klären, ob es sich tatsächlich um eine allergische Hautreaktion handelt und Sie ein Alternativmedikament benötigen.

Sofort zum Arzt

Das Mittel kann die Leber auch schwer schädigen. Typische Anzeichen dafür sind: eine dunkle Verfärbung des Urins, eine helle Verfärbung des Stuhlgangs oder es entwickelt sich eine Gelbsucht (erkennbar an einer gelb verfärbten Augenbindehaut), oft begleitet von starkem Juckreiz am ganzen Körper. Tritt eines dieser für einen Leberschaden charakteristischen Krankheitszeichen auf, müssen Sie sofort zum Arzt gehen.

Starke Schmerzen im Oberbauch, die meist plötzlich einsetzen, gürtelförmig ausstrahlen und oft mit Übelkeit, Erbrechen und Blähungen verbunden sind, können Zeichen einer Entzündung der Bauchspeicheldrüse (Pankreatitis) sein. Auch Fieber ist möglich. Dann sollten Sie sich umgehend in ärztliche Behandlung begeben.

Die oben beschriebenen Hauterscheinungen können vereinzelt auch erste Anzeichen für sehr schwerwiegende Reaktionen auf das Arzneimittel sein. Meist entwickeln sie sich etwa drei bis fünf Wochen nach der Anwendung. Sie beginnen damit, dass sich die Haut verstärkt rötet und juckt. Typischerweise dehnen sich die Hautrötungen aus und es bilden sich Blasen. Auch die Schleimhäute des gesamten Körpers können betroffen und das Allgemeinbefinden wie bei einer fiebrigen Grippe beeinträchtigt sein. Bereits in diesem Stadium sollten Sie sich unbedingt an einen Arzt wenden, denn diese Hautreaktionen können sich rasch verschlimmern.

Die oben beschriebenen Anzeichen einer Depression können sich so weit verschlimmern, dass Betroffene kein Interesse mehr an ihrem sozialen Umfeld aufbringen können und innere Leere sowie Schuldgefühle soweit zunehmen, dass sich Selbsttötungsgedanken entwickeln. Sehen nahestehende Personen die Gefahr einer Selbsttötung, muss sofort ärztliche Hilfe gesucht werden.

Besondere Hinweise

Zur Empfängnisverhütung

Epilepsien

Wird die Epilepsie nur mit Gabapentin behandelt, bleibt die Wirksamkeit hormoneller Empfängnisverhütungsmittel unbeeinflusst. Bei einer kombinierten Behandlung mit anderen Antiepileptika kann das anders sein. Dann sollten Sie mit einem Arzt besprechen, ob Sie zu einer nichthormonellen Verhütungsmethode wechseln oder ein anderes Pillenpräparat nehmen sollten.

Für Schwangerschaft und Stillzeit

Epilepsien

Allgemeine Hinweise für die Anwendung in der Schwangerschaft finden Sie unter Epilepsiemittel gemeinsam betrachtet.

Einer neueren Untersuchung zufolge haben Kinder, deren Mutter während der Schwangerschaft Gabapentin eingenommen hat, kein erhöhtes Risiko für Fehlbildungen. Dennoch sollte das Mittel während dieser Zeit möglichst nicht eingenommen werden.

Der Wirkstoff geht in die Muttermilch über. Bei einer Behandlung mit Gabapentin sollten Sie nicht stillen.

Für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren

Epilepsien

Wird Gabapentin als einziges Epilepsiemedikament eingesetzt, eignet es sich für Kinder ab zwölf Jahre. Als Zusatztherapie mit anderen Antiepileptika kann es bereits bei Kindern ab sechs Jahre eingesetzt werden. Allerdings ist nicht ausreichend bekannt, wie es sich auf Intelligenz, Lernfähigkeit und die geistige Entwicklung auswirkt, wenn das Kind Gabapentin länger als neun Monate einnimmt.

Als zusätzliche unerwünschte Wirkungen können bei Kindern aggressives Verhalten und Überaktivität auftreten.

Neuropathien

Zur Behandlung neuropathischer Schmerzen ist Gabapentin nur für Erwachsene zugelassen. Die therapeutische Wirksamkeit und Verträglichkeit bei Kindern und Jugendlichen mit Nervenstörungen ist nicht ausreichend untersucht.

Für ältere Menschen

Ältere Menschen haben häufiger Nierenfunktionsstörungen als jüngere Personen. Ist das der Fall, muss die Dosierung von Gabapentin angepasst werden. Ansonsten können unerwünschte Wirkungen wie Schläfrigkeit und Wasseransammlungen in den Beinen häufiger auftreten.

Zur Verkehrstüchtigkeit

Gabapentin kann die Reaktionsfähigkeit beeinträchtigen. Sie sollten deshalb nicht aktiv am Verkehr teilnehmen, keine Maschinen bedienen und keine Arbeiten ohne sicheren Halt verrichten.

Epilepsien

Hinweise zur Verkehrstüchtigkeit finden Sie auch unter Epilepsiemittel gemeinsam betrachtet.

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Anwendungsgebiete dieses Wirkstoffs