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Monoklonaler Antikörper: Erenumab

Wirkungsweise

Mit dem monoklonalen Antikörper Erenumab steht ein neuer Therapieansatz für die vorbeugende Behandlung von Migränepatienten zur Verfügung. Testergebnis Erenumab

Die Endsilbe "mab" beim Wirkstoffnamen macht deutlich, dass die Substanz Erenumab zur Gruppe der gentechnisch hergestellten monoklonalen Antikörper gehört. "Mab" steht für "monoclonal antibody".

Das Mittel soll gezielt in den Krankheitsprozess der Migräneentstehung eingreifen. Erenumab blockiert die Bindungsstelle eines Entzündungsmediators namens CGRP (Calcitonin gene-related peptide), der bei einem Migräneanfall ausgeschüttet wird und eine wichtige Rolle bei der Weiterleitung von Schmerzsignalen im Bereich des Gesichtsnervs (Trigeminus) und im Gehirn spielt.

Das Mittel muss zur Vorbeugung von Migräneattacken alle vier Wochen unter die Haut gespritzt werden. Es darf nur dann eingesetzt werden, wenn der Betroffene an mindestens vier Tagen pro Monat von Migräneattacken betroffen ist. Die Patienten und Patientinnen, die in Studien mit Erenumab behandelt wurden, litten im Schnitt an acht Tagen pro Monat an Migräne und die meisten hatten bereits ein oder mehrere Vorbeugemittel ohne Erfolg ausprobiert. Untersucht wurden also besonders schwer betroffene Migränepatienten, für die bewährte Mittel nicht ausreichten.

Nach sechs Behandlungsmonaten konnte Erenumab bei diesen die Zahl der monatlichen Migränetage um 1 bis 2 Tage deutlicher vermindern als ein Scheinmedikament. Bei etwa 43 von 100, die mit Erenumab behandelt werden, nahm die Migränehäufigkeit im Monatsdurchschnitt um mehr als die Hälfte ab, im Vergleich zu 27 von 100, die ein Scheinmedikament bekamen.Es fehlen aber Studien, in denen Erenumab direkt mit den als Vorbeugemittel geeigneten Betablockern verglichen wurde.

Die Verträglichkeit von Erenumab bei Langzeitanwendung ist derzeit nicht ausreichend bekannt. Dies wiegt insbesondere schwer, da es aufgrund des Wirkungsmechanismus möglich sein könnte, dass schwerwiegende Ereignisse wie Herzinfarkt und Schlaganfall gefördert werden. Dies wird aktuell in einer von der europäischen Arzneimittelbehörde (EMA) geforderten Sicherheitsstudie erforscht. Auch ist derzeit nicht ausreichend abzuschätzen, ob bei Langzeitanwendung von Erenumab die Wirksamkeit dadurch begrenzt wird, dass der Organismus nach wiederholter Anwendung selbst Antikörper gegen das Mittel bildet und es damit unwirksam macht. Aus diesen Gründen ist das Mittel nur mit Einschränkung geeignet. Es sollte erst eingesetzt werden, wenn andere Vorbeugemittel nicht ausreichend wirken oder nicht eingesetzt werden können.

Anwendung

Erenumab können Sie sich nach einer entsprechenden Schulung selbst unter die Haut spritzen. Ein Arzt sollte Ihnen die Anwendung zeigen. Dann spritzen Sie sich das Mittel einmal monatlich in die Bauchdecke oder den Oberschenkel. Die übliche Dosis beträgt 70 Milligramm pro Anwendung. Bleibt der Behandlungserfolg aus, ist eine Dosiserhöhung auf 140 Milligramm möglich.Die bisherigen Erfahrungen zeigen, dass innerhalb von drei Monaten deutlich wird, ob Ihnen die Behandlung mit Erenumab hilft. Bei Patienten, die während dieser Zeit keine Verbesserung der Anfallshäufigkeit zeigen, sollte die Anwendung nicht fortgesetzt werden. Aber auch wenn Erenumab die Beschwerden verbessern konnte, sollte der Arzt alle 6 bis 9 Monate überprüfen, ob die weitere Anwendung noch erforderlich ist.

Achtung

Unter folgenden Bedingungen sollte der Arzt Nutzen und Risiken der Anwendung besonders sorgfältig abwägen:

  • Sie hatten einen Herzinfarkt oder Schlaganfall oder leiden unter Angina pectoris. Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass Erenumab das Risiko für ein erneutes Auftreten erhöht.
  • Sie haben hohen Blutdruck, der mit Medikamenten nicht ausreichend kontrolliert werden kann. Erenumab kann den Blutdruck weiter erhöhen.
  • Sie leiden an Verstopfung. Das kann sich durch Erenumab verschlimmern.

Wechselwirkungen

Wechselwirkungen mit Medikamenten

Bei der Kombination mit Medikamenten, die die Magen-Darm-Tätigkeit hemmen wie Opioide (bei starken Schmerzen), Clozapin (bei Psychosen), Rifaximin (bei Reisedurchfall) vergrößert sich das Risiko, dass sich eine schwere Verstopfung entwickelt.

Nebenwirkungen

Bei Erenumab handelt es sich um einen neuen Wirkstoff mit einem bisher noch wenig erprobtem Wirkmechanismus. Daher ist unklar, ob bereits alle unerwünschten Wirkungen bekannt sind, wie bedeutsam diese sind und welche Folgen sie haben können.

Keine Maßnahmen erforderlich

Bei einem von 10 rötet sich die Injektionsstelle, juckt oder schmerzt. Die Schmerzen bessern sich meist innerhalb einer Stunde nach der Verabreichung.

Nach der Markteinführung ist das Mittel vereinzelt mit Haarausfall in Verbindung gebracht worden.

Bei 2 von 100 Behandelten kann es bei der 140 mg-Dosierung vorkommen, dass sich bestimmte Muskeln plötzlich zusammenziehen und verhärten. Diese Muskelkrämpfe halten meist nur Sekunden bis wenige Minuten an und vergehen in der Regel nach einiger Zeit von selbst.

Muss beobachtet werden

Bei 1 bis 10 von 100 Behandelten tritt gleich zu Beginn der Behandlung Verstopfung auf. In der Regel vergehen diese Beschwerden in den ersten Behandlungsmonaten. Ballaststoffreiche Kost oder osmotische Abführmittel wie Macrogol oder Lactulose können dann helfen. Wenn sich die Beschwerden aber in dieser Zeit nicht bessern oder gar verschlimmern und sich eine hartnäckige Verstopfung entwickelt, sollten Sie mit Ihrem Arzt besprechen, wie sich diese beheben lässt. Gelingt auch mit ärztlichem Rat keine Verbesserung, muss die Behandlung abgebrochen werden.

Der Blutdruck kann ansteigen.Wie häufig das vorkommt, ist derzeit noch nicht ausreichend abzuschätzen. Sie sollten daher während der Behandlung regelmäßig Ihren Blutdruck kontrollieren oder kontrollieren lassen.

Die Mundschleimhaut kann sich entzünden oder es bilden sich Blasen oder offene Stellen im Mund. Wie häufig das vorkommt, ist derzeit noch nicht ausreichend abzuschätzen. Wenn diese Wunden nicht innerhalb einiger Tage abheilen, sollten Sie dies Ihrem Arzt mitteilen.

Wenn die Haut sich verstärkt rötet und juckt, reagieren Sie möglicherweise allergisch auf das Mittel. Bei solchen Hauterscheinungen sollten Sie einen Arzt aufsuchen, um zu klären, ob es sich tatsächlich um eine allergische Hautreaktion handelt und Sie ein Alternativmedikament benötigen.

Sofort zum Arzt

Wenn sich schwere Hauterscheinungen mit Rötung und Quaddeln an Haut und Schleimhäuten sehr rasch (meist innerhalb von Minuten) entwickeln und zusätzlich Luftnot oder eine Kreislaufschwäche mit Schwindel und Schwarzsehen oder Durchfälle und Erbrechen auftreten, kann es sich um eine lebensbedrohliche Allergie bzw. einen lebensbedrohlichen allergischen Schock (anaphylaktischer Schock) handeln. In diesem Fall müssen Sie die Behandlung mit dem Medikament sofort stoppen und den Notarzt (Telefon 112) verständigen.

Das gilt auch, wenn Unterhautgewebe im Kopf- und Rachenbereich anschwillt. Geschieht dies im Gesicht an Lippen und Zunge, drohen Atemnot und Erstickungsanfälle (Angioödem).

Besondere Hinweise

Für Schwangerschaft und Stillzeit

Zur Anwendung von Erenumab in Schwangerschaft gibt es derzeit kaum Erfahrungen. Sicherheitshalber sollten Sie das Mittel nicht anwenden.

Auch für die Anwendung während der Stillzeit liegen noch keine ausreichenden Erfahrungen vor. Auf eine Anwendung von Erenumab in den ersten Tagen nach der Geburt sollte sicherheitshalber verzichtet werden. In dieser Zeit könnte das Mittel über die Muttermilch noch in den Körper des Säuglings gelangen. Da sich die Zusammensetzung der Muttermilch nach dieser Zeit verändert, kann Erenumab aber anschließend angewendet werden, wenn dies ein Arzt für erforderlich hält. Der Antikörper wird dann aufgrund seiner Molekülgröße nur noch in sehr geringen Mengen in die Muttermilch übergehen.

Für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren

Sicherheit und Verträglichkeit von Erenumab wurden bei Kindern und Jugendlichen nicht untersucht. Das Mittel ist für die Anwendung bei Kindern nicht zugelassen. Sie sollten deshalb nicht mit dem Mittel behandelt werden.

Für ältere Menschen

Das Mittel wurde in den Studien nicht an Patienten über 65 Jahre untersucht. Es gibt daher keine keine verlässlichen Erkenntnisse zu Wirksamkeit und Verträglichkeit von Erenumab in dieser Altersgruppe.

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Anwendungsgebiete dieses Wirkstoffs