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Epilepsiemittel: Zonisamid

Wirkungsweise

Zonisamid greift an verschiedenen Stellen der Nervensteuerung an und beeinflusst so eine Epilepsie. Sein genauer Wirkungsmechanismus ist aber nicht vollständig geklärt. Testergebnis Zonisamid

Zonisamid wird sowohl als zusätzliches Mittel eingesetzt, wenn mit der bisherigen Behandlung die Anfallhäufigkeit nicht mehr ausreichend gesenkt werden kann. Das Mittel kann aber auch als alleiniges Epilepsiemittel genommen werden.

Es ist allerdings noch unklar, wie die Wirksamkeit einer Epilepsiebehandlung allein mit Zonisamid zu beurteilen ist. Derzeit scheint es, als sei es nicht ganz so wirksam wie das Standardmittel Carbamazepin, mit dem es verglichen wurde. Bei fokalen Epilepsieformen scheint die Behandlung mit einem Standardmittel plus Zonisamid nicht wirksamer zu sein als die mit einem anderen Zusatzmedikament.

Ein Vorteil von Zonisamid gegenüber manchen anderen Antiepileptika besteht darin, dass es nur wenig Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten gibt. Nachteilig ist sein Nebenwirkungsprofil. So kann Zonisamid unter anderem schwerwiegende allergische Hautreaktionen, Störungen im Mineralstoffgehalt des Blutes mit bedrohlichen Folgen auslösen sowie insbesondere bei Kindern zum Anstieg der Körpertemperatur führen, weil die Wärmeregulation gestört wird. Zudem kann Zonisamid die geistige Leistungsfähigkeit und die psychische Ausgeglichenheit beeinträchtigen.

Zonisamid wird daher sowohl als alleiniges Epilepsiemedikament wie auch als Zusatzmedikament als "mit Einschränkung geeignet" bewertet. Es sollte nur bei Personen angewendet werden, die auf bewährte Mittel nicht ausreichend angesprochen haben.

Anwendung

Allgemeine Angaben zur Anwendung finden Sie unter Epilepsiemittel gemeinsam betrachtet.

Wird die Epilepsiebehandlung allein mit Zonisamid durchgeführt, beginnt man mit 100 Milligramm Zonisamid am Tag. Nach jeweils zwei Wochen kann die Tagesdosis um 100 Milligramm erhöht werden. Üblicherweise sind täglich 300 Milligramm Zonisamid ausreichend. Mehr als 500 Milligramm pro Tag sollten nicht angewendet werden.

Als Zusatz zu anderen Epilepsiemitteln nehmen Sie von Zonisamid zunächst zweimal 25 Milligramm am Tag ein. Nach einer oder zwei Wochen können Sie die Tagesdosis verdoppeln. Die weitere Dosissteigerung erfolgt im Wochenabstand um jeweils 100 Milligramm. Üblicherweise sind auch hier täglich 300 bis 500 Milligramm Zonisamid notwendig.

Soll die Dosierung von Zonisamid verringert oder das Mittel ganz abgesetzt werden, muss dies ebenfalls in wöchentlichen Schritten von 100 Milligramm geschehen. Andernfalls drohen vermehrt Krampfanfälle.

Bei einer Funktionsstörung der Nieren und einer leichten oder mäßigen Funktionsstörung der Leber muss die Dosierung in besonders kleinen Schritten und über längere Zeit gesteigert werden.

Achtung

Bei Personen, die zu Nierensteinen neigen, können während der Behandlung mit Zonisamid Steine entstehen. Um dieses Risiko gering zu halten, sollten Sie möglichst viel trinken. Das gilt besonders, wenn Sie Sport treiben, in die Sauna gehen oder sich der Sonne aussetzen. Für Menschen mit einer Herzschwäche oder deutlich eingeschränkter Nierenfunktion sollten es aber nicht mehr als zwei Liter am Tag sein, da ihnen eine erheblich gesteigerte Trinkmenge gefährlich werden kann.

Zonisamid schränkt die Fähigkeit des Körpers, reichlich zu schwitzen, ein. Darum sollten Sie Sport bei sehr warmem Wetter, ausgedehnte Saunabesuche und Sonnenbäder während der Behandlung mit Zonisamid vermeiden. Bei Fieber müssen Sie die Körpertemperatur z. B. mit Wadenwickeln senken. Auch Medikamente sind angebracht. Steigt die Temperatur über 38 °C, sollten Sie einen Arzt zurate ziehen.

Gegenanzeigen

Unter folgenden Bedingungen dürfen Sie Zonisamid nicht anwenden:

  • Sie reagieren überempfindlich auf Arzneistoffe vom Sulfonamidtyp; beispielsweise auf bestimmte Antibiotika, mit denen Harnweginfektionen häufig behandelt werden sowie auf Diuretika (bei hohem Blutdruck, Nierenfunktionsstörungen).
  • Die Funktion Ihrer Leber ist erheblich eingeschränkt.

Unter folgenden Bedingungen muss der Arzt Nutzen und Risiken einer Anwendung von Zonisamid sehr sorgfältig abwägen:

  • Sie hatten schon einmal Nierensteine, scheiden mit dem Urin viel Calcium aus oder es gibt in Ihrer Familie eine Anlage zur Bildung von Nierensteinen. Dann erhöht Zonisamid das Risiko, dass Nierensteine entstehen.
  • Sie haben eine Erkrankung, bei der sich im Blut zu viel Säure ansammeln kann. Dazu gehören schwere Nieren- und Atemwegserkrankungen, Fisteln im Magen-Darm-Trakt und starker Durchfall. Auch bei Operationen kann sich die Blutzusammensetzung so verändern. Wird in diesen Situationen Zonisamid eingenommen, steigt das Risiko für Störungen im Salz-Wasser-Haushalt.
  • Sie sind untergewichtig. Dann sollte das Gewicht mit geeigneten Maßnahmen aufgebaut werden. Verlieren Sie jedoch bei der Behandlung mit Zonisamid weiter an Gewicht, sollte der Arzt überlegen, ob er Zonisamid nicht besser absetzt.

Wechselwirkungen

Wechselwirkungen mit Medikamenten

Wenn Sie noch andere Medikamente nehmen, ist zu beachten:

  • Bei gleichzeitiger Anwendung von Zonisamid und Acetazolamid (bei grünem Star) oder Topiramat (bei Epilepsien) können sich die unerwünschten Wirkungen der Substanzen, wie Überhitzung des Körpers und Bildung von Nierensteinen, verstärken. Aus diesem Grund ist insbesondere bei Kindern zu beachten, dass weder Diphenhydramin (bei Erbrechen und Übelkeit), Oxybutynin (bei Bettnässen, Inkontinenz) oder Clomipramin (bei Bettnässen) gemeinsam mit Topiramat angewendet werden dürfen.
  • Wenn Sie bei einer kombinierten Epilepsiebehandlung mit Carbamazepin, Phenobarbital oder Phenytoin plus Zonisamid eines der erstgenannten Epilepsiemittel absetzen, sollte der Arzt den Blutspiegel von Zonisamid überprüfen und die Dosis danach gegebenenfalls anpassen.

Unbedingt beachten

Kinder dürfen nicht mit einer Kombination aus Topiramat und Zonisamid behandelt werden, da das die unerwünschten Wirkungen von Zonisamid wie Übersäuerung des Blutes, Hitzestau und Nierensteine verstärken kann. Dieses könnte insbesondere für Kinder gefährliche Folgen haben.

Nebenwirkungen

Keine Maßnahmen erforderlich

Bei bis zu 10 von 100 Menschen verursacht Zonisamid kleinflächige Hautblutungen.

Muss beobachtet werden

Wenn Ihre Körpertemperatur während der Behandlung mit Zonisamid über 38 °C ansteigt, sollten Sie unbedingt einen Arzt kontaktieren. Da der Körper durch Schwitzen nicht genügend Wärme abgeben kann, muss ärztlich eingegriffen werden.

Wenn folgende unerwünschte Wirkungen länger als eine Woche andauern oder Sie sehr stark beeinträchtigen, sollten Sie mit dem Arzt das weitere Vorgehen besprechen:

Mehr als 10 von 100 Behandelten sehen Doppelbilder, können ihre Bewegungen nicht mehr gut koordinieren und sind dadurch unsicher beim Gehen oder leiden unter Gedächtnisstörungen und Konzentrationsschwierigkeiten. Mit der gleichen Häufigkeit berichten Zonisamidanwender von einem kribbelnden, tauben, schmerzenden Gefühl im Körper. Auch Augenzittern und Sprachstörungen treten auf.

Manche Behandelte sehen oder hören wiederholt befremdliche Dinge, die andere Menschen nicht bemerken (Halluzinationen). Dieses können Anzeichen einer Psychose sein.

Wenn Sie Freud- und Antriebslosigkeit quälen und Sie sehr ängstlich oder niedergeschlagen sind, kann es sich um eine Depression handeln. Auch eine allgemeine Erschöpfung und Interessenlosigkeit sowie Schlafstörungen und Appetitlosigkeit können Anzeichen einer solchen Erkrankung sein. Wenn Sie oder nahestehende Personen solche Veränderungen bemerken und diese länger als zwei Wochen anhalten, sollten Sie sich an einen Arzt wenden. Dann können Sie im Gespräch über das weitere Vorgehen beraten.

Bis zu 10 von 100 Behandelten klagen über Bauchschmerzen, Übelkeit, Verdauungsbeschwerden, Durchfall, Appetitlosigkeit und zum Teil deutlichen Gewichtsverlust.

Wenn Sie sich längere Zeit abgeschlagen fühlen und häufig Infektionen oder Fieber haben, kann eine Blutbildungsstörung vorliegen, bei der zu wenig weiße Blutkörperchen gebildet werden.

Wenn die Haut sich verstärkt rötet und juckt, reagieren Sie möglicherweise allergisch auf das Mittel. Bei solchen Hauterscheinungen sollten Sie einen Arzt aufsuchen, um zu klären, ob es sich tatsächlich um eine allergische Hautreaktion handelt und Sie ein Alternativmedikament benötigen. Solche Reaktionen zeigen sich bei bis zu 10 von 100 Behandelten.

Die Nierenfunktion kann sich verschlechtern, insbesondere, wenn sie bereits eingeschränkt ist. Dieses erkennt der Arzt, wenn er im Blut den Gehalt von Kreatinin und Harnstoff bestimmt. Dann muss er die Dosis von Zonisamid anpassen; bei stark eingeschränkter Nierenfunktion muss das Mittel abgesetzt werden.

Bei 1 bis 10 von 100 Behandelten bilden sich Nierensteine. Personen mit der Veranlagung zu Nierensteinen – erkennbar z. B. daran, dass andere nahe Verwandte Nierensteine haben – sollten während der Behandlung viel trinken. Bei Schmerzen in der Nierengegend sollte ein Arzt abklären, ob sich Nierensteine gebildet haben.

Sofort zum Arzt

Wenn sich schwere Hauterscheinungen mit Rötung und Quaddeln an Haut und Schleimhäuten sehr rasch (meist innerhalb von Minuten) entwickeln und zusätzlich Luftnot oder eine Kreislaufschwäche mit Schwindel und Schwarzsehen oder Durchfälle und Erbrechen auftreten, kann es sich um eine lebensbedrohliche Allergie bzw. einen lebensbedrohlichen allergischen Schock (anaphylaktischer Schock) handeln. In diesem Fall müssen Sie die Behandlung mit dem Medikament sofort stoppen und den Notarzt (Telefon 112) verständigen.

Die oben beschriebenen Hauterscheinungen können in sehr seltenen Fällen auch erste Anzeichen für andere sehr schwerwiegende Reaktionen auf das Arzneimittel sein. Meist entwickeln diese sich während der Anwendung des Mittels nach Tagen bis Wochen. Typischerweise dehnen sich die Hautrötungen aus, und es bilden sich Blasen ("Syndrom der verbrühten Haut"). Auch die Schleimhäute des gesamten Körpers können betroffen und das Allgemeinbefinden wie bei einer fiebrigen Grippe beeinträchtigt sein. Bereits in diesem Stadium sollten Sie sich sofort an einen Arzt wenden, denn diese Hautreaktionen können sich rasch lebensbedrohlich verschlimmern.

Zonisamid kann zu einer Übersäuerung des Blutes führen. Einige Umstände erhöhen das Risiko für eine solche Störung: Durchfall, Nieren- und schwere Atemwegserkrankungen, chirurgische Eingriffe, Fasten oder eine Ernährung ohne Kohlenhydrate (Atkins-Diät) und bestimmte Medikamente. Eine ausgeprägte Übersäuerung des Blutes äußert sich durch Schwäche, Antriebslosigkeit und verstärkte Atmung. Dann muss sofort ein Arzt gerufen werden.

Sehr selten kann das Mittel die Muskelzellen so schwer schädigen, dass sie zerfallen. Erkennbar wird das an einer bräunlich-roten Färbung des Urins. Weiteres Symptom ist ein ausgeprägtes Schwächegefühl, vor allem in den Oberschenkeln. Dann müssen Sie das Medikament sofort absetzen und den Arzt aufsuchen.

Die oben beschriebenen Anzeichen einer Depression können sich so weit verschlimmern, dass Betroffenen kein Interesse mehr an ihrem sozialen Umfeld aufbringen können und innere Leere sowie Schuldgefühle soweit zunehmen, dass sich Selbsttötungsgedanken entwickeln. Sehen nahestehende Personen die Gefahr einer Selbsttötung, muss sofort ärztliche Hilfe gesucht werden.

Besondere Hinweise

Zur Empfängnisverhütung

Während der Behandlung mit Zonisamid und noch einen Monat nach deren Ende sollen Frauen aus Sicherheitsgründen für eine sichere Empfängnisverhütung sorgen. Zonisamid beeinträchtigt die Wirksamkeit der "Pille" nicht. Sie kann daher zur Empfängnisverhütung eingesetzt werden.

Für Schwangerschaft und Stillzeit

Allgemeine Hinweise für die Anwendung in der Schwangerschaft finden Sie unter Epilepsiemittel gemeinsam betrachtet.

Wegen unzureichender Erkenntnisse zur Sicherheit der Anwendung von Zonisamid während Schwangerschaft und Stillzeit sollte das Mittel in dieser Zeit möglichst nicht eingesetzt werden.

Für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren

Zur Behandlung von fokalen Epilepsieformen können Kinder ab sechs Jahre Zonisamid als zusätzliches Mittel bekommen, wenn die Behandlung mit einem Epilepsiemittel allein die Anfallshäufigkeit nicht ausreichend verringert hat.

Zonisamid wird gemäß dem Körpergewicht dosiert und wie bei Erwachsenen langsam gesteigert.

Bei Kindern können die gleichen Nebenwirkungen auftreten wie bei Erwachsenen, allerdings ist bei ihnen das Risiko für eine Überwärmung, eine Übersäuerung des Blutes und erheblichen Gewichtsverlust größer als bei Erwachsenen.

Kindern, die mit Zonisamid behandelt werden, darf es nicht zu warm werden. Sie sollten sich körperlich nicht verausgaben und viel kaltes Wasser trinken. Wenn sich die Haut des Kindes sehr heiß anfühlt und es kaum schwitzt, wenn das Kind verwirrt wirkt, Muskelkrämpfe und einen sehr schnellen Puls hat oder beschleunigt atmet, müssen Sie rasch mit ihm einen Arzt aufsuchen.

Der Mineralstoffgehalt im Blut sollte regelmäßig kontrolliert werden, um eine Übersäuerung frühzeitig feststellen zu können.

Eine deutliche Gewichtsabnahme kann die körperliche Entwicklung erheblich verzögern. Daher muss das Gewicht eines mit Zonisamid behandelten Kindes regelmäßig kontrolliert werden. Kinder über sechs Jahre, die weniger als 20 Kilogramm wiegen, sollten nicht mit Zonisamid behandelt werden.

Für ältere Menschen

Da ältere Menschen häufig eine beeinträchtigte Nierenfunktion haben, ist für sie die langsame Dosissteigerung zu Beginn besonders wichtig. Außerdem scheinen Menschen über 65 Jahre ein höheres Risiko zu haben, auf Zonisamid mit Wasseransammlungen in den Gliedmaßen und Juckreiz sowie einer schweren allergischen Hauterkrankung zu reagieren.

Zur Verkehrstüchtigkeit

Hinweise zur Verkehrstüchtigkeit finden Sie unter Epilepsiemittel gemeinsam betrachtet.

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Anwendungsgebiete dieses Wirkstoffs