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Epilepsiemittel: Sultiam

Wirkungsweise

Sultiam ist zur Behandlung der Rolando-Epilepsie, einer speziellen fokalen Epilepsieform, zugelassen. Diese kommt bei Kindern und Jugendlichen vor und hört in der Regel auf, wenn die Betroffenen älter werden. Testergebnis Sultiam

Sultiam ist ein Wirkstoff aus der Gruppe der Carboanhydrase-Hemmstoffe. Solche Arzneistoffe kommen beispielswiese bei Bluthochdruck oder erhöhtem Augeninnendruck zum Einsatz, weil sie harntreibend wirken. Wie Sultiam bei Epilepsie wirkt ist ungeklärt.

Da die Beschwerden durch eine Rolando-Epilepsie mit steigendem Alter von alleine vergehen und weil sie keinen negativen Einfluss auf die neurologische und geistige Entwicklung hat, wird diese Epilepsieform als gutartige Epilepsie bezeichnet. Nicht jedes betroffene Kind muss behandelt werden. Kindern, bei denen Anfälle nur selten auftreten und die dadurch in ihrem Alltag nur wenig beeinträchtigt sind, benötigen keine Medikamente. Sie und ihre Familien sollten aber in jedem Fall psychologisch und sozialtherapeutisch unterstützt werden.

Wenn eine medikamentöse Behandlung als erforderlich angesehen wird, stellt Sultiam ein Mittel der Wahl dar. Für die Substanz liegen bisher nur wenige Studien vor. Diese zeigen aber, dass Sultiam das Krampfrisiko bei einer Rolando-Epilepsie senkt. Nahezu alle Kinder sind während der Anwendung anfallsfrei.

Für diese Anwendung wird Sultiam als "geeignet" angesehen.

Anwendung

Allgemeine Angaben zur Anwendung finden Sie unter Epilepsiemittel gemeinsam betrachtet.

Ein gleichmäßiger Wirkstoffspiegel ist nach etwa einer Woche erreicht.

Gegenanzeigen

Unter folgenden Bedingungen darf Sultiam nicht angewendet werden:

  • Das Kind reagiert überempfindlich auf Sulfonamide (bei bakteriellen Infektionen).
  • Es leidet an einer Blutkrankheit (akute Porphyrie).
  • Es hat eine Überfunktion der Schilddrüse.
  • Sein Blutdruck ist erhöht.

Wenn das Kind eine psychische Erkrankung hat oder seine Nierenfunktion gestört ist, müssen Nutzen und Risiken sorgfältig abgewogen werden.

Wechselwirkungen

Wechselwirkungen mit Medikamenten

Wenn die Epilepsie mit mehreren Medikamenten behandelt wird, ist zu beachten:

  • Durch Sultiam kann Phenytoin (bei Epilepsien) stärker wirken. Auch die Nebenwirkungen können sich verstärken. Wird eine Epilepsiebehandlung mit Phenytoin durch Sultiam ergänzt, sollte der Phenytoinblutspiegel kontrolliert und die Dosis gegebenenfalls angepasst werden. Das Gleiche ist beim Ende der Sultiameinnahme erforderlich.
  • Primidon kann die unerwünschten Wirkungen von Sultiam verstärken.

Nebenwirkungen

Bei der Behandlung mit Sultiam können sich vermehrt Selbsttötungsgedanken einstellen. Wenn Sie bei Ihrem Kind Verhaltensveränderungen wie Lustlosigkeit, Antriebsmangel, vermehrte Ängste, Interesselosigkeit und Schuldgefühle bemerken, sollten Sie das umgehend einem Arzt mitteilen, damit er über das weitere Vorgehen entscheiden kann.

Keine Maßnahmen erforderlich

Etwa 10 von 100 behandelten Kindern klagen über Magenbeschwerden. Bei 1 bis 10 von 100 behandelten Kindern treten Missempfindungen wie Taubheit und Kribbeln auf. Auch Kopfschmerzen, Appetitlosigkeit und Gewichtsverlust kommen vor.

Muss beobachtet werden

Bei etwa einem von 100 behandelten Kindern können Atembeschwerden, Schwindel, Gelenkschmerzen, Doppelbilder, Muskelschwäche und Antriebsarmut auftreten. Je nachdem, wie stark sich das Kind dadurch beeinträchtigt fühlt, sollten Sie das mit dem Arzt besprechen.

Wenn Sie den Eindruck haben, dass Ihr Kind wiederholt befremdliche Dinge sieht und hört, die andere Menschen nicht bemerken (Halluzinationen), sollten Sie den Arzt informieren. Derartiges kommt bei 1 bis 10 von 1 000 Behandelten vor.

Sofort zum Arzt

Wenn sich schwere Hauterscheinungen mit Rötung und Quaddeln an Haut und Schleimhäuten sehr rasch (meist innerhalb von Minuten) entwickeln und zusätzlich Luftnot oder eine Kreislaufschwäche mit Schwindel und Schwarzsehen oder Durchfälle und Erbrechen auftreten, kann es sich um eine lebensbedrohliche Allergie bzw. einen lebensbedrohlichen allergischen Schock (anaphylaktischer Schock) handeln. In diesem Fall müssen Sie die Behandlung mit dem Medikament sofort stoppen und den Notarzt (Telefon 112) verständigen.

Wenn das Kind grippeartige Beschwerden hat, sich längere Zeit abgeschlagen und müde fühlt, Halsschmerzen und Fieber, Blutergüsse und blaue Flecke auftreten, kann es sich um eine Blutbildungsstörung handeln, die bedrohlich werden kann. Sie müssen dann umgehend mit dem Kind den Arzt aufsuchen und das Blutbild kontrollieren lassen.

Besondere Hinweise

In der Schwangerschaft

Grundlegende Angaben zur Behandlung in Schwangerschaft und Stillzeit finden Sie unter Epilepsiemittel gemeinsam betrachtet.

Zur Verkehrstüchtigkeit

Sultiam dämpft die Reaktionsfähigkeit. Das schränkt die Fähigkeit des Kindes ein, am Straßenverkehr teilzunehmen und bestimmte Sportarten zu betreiben.

Grundsätzliche Hinweise zur Verkehrstüchtigkeit unter Epilepsiemittel gemeinsam betrachtet.

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Anwendungsgebiete dieses Wirkstoffs