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Pregabalin

Wirkungsweise

Epilepsien

Pregabalin ist ein vergleichsweise neuer Wirkstoff in der Epilepsiebehandlung, dessen Eigenschaften denen von Gabapentin ähneln. Seine Wirksamkeit als Zusatztherapeutikum bei fokalen Epilepsien wurde in Studien gegenüber einer Scheinbehandlung nachgewiesen – Testergebnis Pregabalin.

Auf Basis der bislang vorliegenden Untersuchungsdaten ergeben sich für Pregabalin im Vergleich zu Gabapentin und Levetiracetam als Zusatztherapeutikum keine deutlichen Unterschiede. Wird es mit Lamotrigin als Zusatztherapeutikum verglichen, lassen die Studien eine etwas bessere Wirksamkeit von Pregabalin erkennen. Mehr Patienten können mit Pregabalin eine deutliche Verminderung der Anfälle erreichen, allerdings werden vergleichbar viele Patienten mit den beiden Mitteln anfallfrei. Wird dagegen Levetiracetam als Zusatztherapeutikum verabreicht, werden mit dieser Behandlung im Vergleich zu Pregabalin mehr Patienten anfallfrei.

Als alleiniges Mittel zur Behandlung einer Epilepsie ist Pregabalin nicht zugelassen. Im Vergleich zu anderen Antiepileptika, z. B. Lamotrigin, wirkt es weniger gut.

Ein Vorteil von Pregabalin gegenüber anderen Epilepsiemitteln ist, dass es kaum Wechselwirkungen mit weiteren Medikamenten gibt. Allerdings sind seine unerwünschten Wirkungen noch nicht gut bekannt und über die Auswirkungen seiner Anwendung über lange Zeit weiß man ebenfalls erst wenig. Inzwischen ist jedoch aufgefallen, dass sich der Körper im Laufe der Zeit an Pregabalin zu gewöhnen scheint. Dann muss die Dosis immer weiter gesteigert werden, damit noch eine Wirkung spürbar wird. Diese Toleranzentwicklung hat vor allem bei Personen mit Suchterkrankungen oder Abhängigkeiten in der Vorgeschichte zu massiven Dosissteigerungen geführt.

Pregabalin wird als Zusatzbehandlung mit anderen Epilepsiemitteln als "auch geeignet" bewertet.

Neuropathien

Pregabalin beeinflusst die Schmerzempfindungen. Es ähnelt in seiner chemischen Struktur Gabapentin und dockt wie dieses an speziellen Bindungsstellen der Nerven des Zentralnervensystems an. Durch den Einfluss von Pregabalin werden weniger Nervenbotenstoffe freigesetzt, die an der Wahrnehmung und Beurteilung von Schmerzempfindungen beteiligt sind. Derzeit geht man davon aus, dass dies die Grundlage für die schmerzlindernde Wirkung von Pregabalin bei chronischen Schmerzen ist.

In Studien zeigte sich, dass Menschen, die mit Pregabalin behandelt werden, weniger Schmerzen empfinden und besser schlafen können. Der Effekt ist aber nur bei einem Teil der Behandelten zufriedenstellend. Besonders gut wirksam war es bei Schmerzen nach einer Gürtelrose und aufgrund diabetischer Neuropathie. Allerdings muss die Dosierung dann über 150 Milligramm Pregabalin am Tag liegen. Eigentlich ist der Wirkstoff gut verträglich. Doch bei einer täglichen Dosis von 600 Milligramm Pregabalin stellt sich bei bis zu jedem Vierten Müdigkeit ein und fast jedem Zweiten wird schwindlig. Rund ein Viertel der Behandelten bricht die Behandlung wegen Nebenwirkungen ab. Für Pregabalin ist noch nicht hinreichend geklärt, wie der Wirkstoff im Vergleich zu den bisher gebräuchlichen Wirkstoffen Amitriptylin und Carbamazepin abschneidet. Im Vergleich zu diesen ist das Mittel noch weniger gut erprobt.

Zudem ist aufgefallen: Der Körper scheint sich im Laufe der Zeit an Pregabalin zu gewöhnen. Dann muss die Dosis immer weiter gesteigert werden, damit noch eine Wirkung spürbar wird. Diese Toleranzentwicklung hat vor allem bei Personen mit Suchterkrankungen oder Abhängigkeiten in der Vorgeschichte zu massiven Dosissteigerungen geführt.

Aus diesen Gründen wird Pregabalin bei Neuropathien als "auch geeignet" bewertet.

Alle Testergebnisse Pregabalin.

Anwendung

Die Behandlung von Epilepsien oder Neuropathien mit Pregabalin beginnt mit 150 Milligramm täglich. Nach drei bis sieben Tagen kann die Dosis auf 300 Milligramm täglich gesteigert werden. Bei Bedarf kann nach einer weiteren Woche stufenweise bis zur Höchstdosis von 600 Milligramm täglich weiter erhöht werden.

Bei eingeschränkter Nierenfunktion muss die Dosierung angepasst werden.

Wenn Pregabalin abgesetzt werden muss, sollte dies schrittweise über mindestens eine Woche geschehen, unabhängig ob es sich um eine Behandlung von Epilepsie oder Neuropathie handelt.

Epilepsien

Allgemeine Angaben zur Anwendung finden Sie unter Epilepsiemittel gemeinsam betrachtet.

Achtung

Bei Personen mit einem erhöhten Risiko für die Entwicklung einer Suchterkrankung sollte keine Behandlung mit Pregabalin durchgeführt werden. Grundsätzlich sollten Sie oder Ihre Angehörigen während der Anwendung von Pregabalin darauf achten, ob sich bei Ihnen Anzeichen einer Abhängigkeit wie etwa Gewöhnung und Dosiserhöhung oder Beschwerden wie Schwitzen, Nervosität und Benommenheit bemerkbar machen.

Einige Lösungen zum Einnehmen enthalten Parabene (siehe Übersicht). Diese Konservierungsmittel können Allergien auslösen. Wenn Sie auf Parastoffe allergisch reagieren, dürfen Sie die Lösung nicht anwenden.

Gegenanzeigen

In folgenden Fällen muss der Arzt vor dem Einsatz von Pregabalin Nutzen und Risiken besonders sorgfältig abwägen:

  • Ihre Lungenfunktion ist beeinträchtigt. Das Mittel kann die Zahl der Atemzüge und die Atemtiefe (Atemdepression) verringern.
  • Sie haben oder hatten in der Vergangenheit eine Abhängigkeitserkrankung (Opiate, Kokain, Alkohol).

Wechselwirkungen

Wechselwirkungen mit Medikamenten

Durch Pregabalin kann sich die Wirkung von Oxycodon (bei starken Schmerzen) auf das Gehirn verstärken. Das kann sich durch Denk- und Bewegungsstörungen äußern.

Bei gemeinsamer Anwendung mit Lorazepam (bei Angststörungen) kann Pregabalin dessen Wirkung verstärken. Infolge können Schläfrigkeit und Müdigkeit zunehmen, die Reaktionsfähigkeit ist eingeschränkt.

Wechselwirkungen mit Speisen und Getränken

Alkohol verstärkt die dämpfende Wirkung von Pregabalin. Dann kann vor allem die Reaktionsfähigkeit beeinträchtigt sein.

Nebenwirkungen

Nach dem Absetzen können Entzugssymptome auftreten. Berichtet wurde von Schlafstörungen, Kopfschmerzen, Übelkeit, Angst, Durchfall, Grippesymptomen, Benommenheit, depressiver Verstimmung, übermäßigem Schwitzen und Schmerzen.

Keine Maßnahmen erforderlich

Bei 1 von 100 Personen verändert sich das Geschmacksempfinden. Es können Magen-Darm-Beschwerden mit Erbrechen oder Verstopfung auftreten. Mit der gleichen Häufigkeit wird über Störungen von Aufmerksamkeit, Beweglichkeit, Sehen und Sprechen berichtet. Wenn diese Beschwerden einmalig auftreten, brauchen Sie zwar nichts zu unternehmen, sollten aber dem Arzt beim nächsten Besuch davon berichten.

Pregabalin kann die Sexualfunktion einschränken. Bei Männern kann es zu Erektions- und Ejakulationsstörungen führen, bei Frauen kann die Regel ausbleiben. Über diese Symptome sollten Sie den Arzt informieren.

Muss beobachtet werden

Pregabalin kann den Appetit anregen. Jeder zehnte Behandelte nimmt an Gewicht zu. Bei Menschen mit Diabetes muss dann gegebenenfalls die Dosierung der Diabetesmedikamente angepasst werden.

10 von 100 Personen werden durch die Behandlung mit Pregabalin müde sowie benommen und fühlen sich abgeschlagen. 1 von 100 empfindet Schwindel. Aufgrund dieser unerwünschten Wirkungen kann der Gang unsicher werden. Damit steigt die Gefahr zu stürzen.

Pregabalin kann Stimmung und Wahrnehmung verändern. Das trifft etwa 1 von 100 Behandelten. Die Betroffenen werden entweder euphorisch oder im Gegenteil reizbar, depressiv, traurig oder sind von Panikreaktionen geplagt. Auch Verwirrtheit, Ruhelosigkeit sowie Denk- und Gedächtnisstörungen können sich einstellen. Wenn Derartiges anhält oder sich wiederholt, sollten Sie das weitere Vorgehen mit einem Arzt besprechen.

Wenn Sie Freud- und Antriebslosigkeit quälen und Sie sehr ängstlich oder niedergeschlagen sind, kann es sich um eine Depression handeln. Auch eine allgemeine Erschöpfung und Interessenlosigkeit sowie Schlafstörungen und Appetitlosigkeit können Anzeichen einer solchen Erkrankung sein. Wenn Sie oder nahestehende Personen solche Veränderungen bemerken und diese länger als zwei Wochen anhalten, sollten Sie sich an einen Arzt wenden. Dann können Sie im Gespräch über das weitere Vorgehen beraten.

Es können sich Sehstörungen einstellen, bei denen das Sehen unscharf wird oder wie durch einen Tunnel erscheint oder Doppelbilder gesehen werden. Gegebenenfalls kann sich auch das Farbensehen verändern. Bleiben diese Störungen bestehen, sollten Sie einen Arzt aufsuchen.

Das Mittel kann unter bestimmten Umständen die Atmung erschweren. Das ist etwa bei Menschen der Fall, die Opioide (bei starken Schmerzen), die ebenfalls die Atmung dämpfen, einnehmen müssen, oder die an einer chronisch obstruktiven Bronchialerkrankung leiden (COPD). Wenn Ihnen das Atmen unter der Behandlung mit Pregabalin schwer fällt oder Sie sich extrem müde fühlen, sollten Sie sich baldmöglichst an einen Arzt wenden. Eventuell muss der Arzt dann die Pregabalin-Dosis oder ggf. auch die Opioid-Dosis verändern.

Gelenk- und Muskelschmerzen können eine Reaktion des Immunsystems anzeigen. Bei anhaltenden Beschwerden, die sich nicht auf andere Ursachen, wie z. B. einen Muskelkater, zurückführen lassen oder wenn sich die Beschwerden zusätzlicher Erkrankungen wie Gelenkentzündungen verschlimmern, sollten Sie einen Arzt aufsuchen.

Schwellungen im Gesicht oder am Körper (Ödeme), vor allem solche an den Unterschenkeln, können ein Zeichen dafür sein, dass die Herz- oder Nierenfunktion beeinträchtigt ist. Bemerken Sie solche Ödeme erstmals oder verschlimmern sich bestehende, sollten Sie einen Arzt aufsuchen.

Wenn die Haut sich verstärkt rötet und juckt, reagieren Sie möglicherweise allergisch auf das Mittel. Bei solchen Hauterscheinungen sollten Sie einen Arzt aufsuchen, um zu klären, ob es sich tatsächlich um eine allergische Hautreaktion handelt und Sie ein Alternativmedikament benötigen.

Sofort zum Arzt

Wenn sich schwere Hauterscheinungen mit Rötung und Quaddeln an Haut und Schleimhäuten sehr rasch (meist innerhalb von Minuten) entwickeln und zusätzlich Luftnot oder eine Kreislaufschwäche mit Schwindel und Schwarzsehen oder Durchfälle und Erbrechen auftreten, kann es sich um eine lebensbedrohliche Allergie bzw. einen lebensbedrohlichen allergischen Schock (anaphylaktischer Schock) handeln. In diesem Fall müssen Sie die Behandlung mit dem Medikament sofort stoppen und den Notarzt (Telefon 112) verständigen.

Auch bei Schwellungen im Bereich des Gesichts, der Lippen und der Zunge (Angioödem, Quincke-Ödem), die von Atemnot und Erstickungsanfällen begleitet sind, muss sofort der Notarzt gerufen werden.

Wenn Sie wiederholt befremdliche Dinge sehen und hören, die andere Menschen nicht bemerken, sollte der Arzt informiert werden. Solche Halluzinationen erlebt höchstens 1 von 100 Behandelten.

Die oben beschriebenen Anzeichen einer Depression können sich so weit verschlimmern, dass Betroffenen kein Interesse mehr an ihrem sozialen Umfeld aufbringen können und innere Leere sowie Schuldgefühle soweit zunehmen, dass sich Selbsttötungsgedanken entwickeln. Sehen nahestehende Personen die Gefahr einer Selbsttötung, muss sofort ärztliche Hilfe gesucht werden.

Besondere Hinweise

Zur Empfängnisverhütung

Frauen, die schwanger werden können, sollten für eine sichere Empfängnisverhütung sorgen, wenn sie Pregabalin einnehmen. Nach den bisherigen Erfahrungen beeinträchtigt Pregabalin die Wirkung der Pille nicht.

Für Schwangerschaft und Stillzeit

Epilepsien

Allgemeine Hinweise für die Anwendung in der Schwangerschaft finden Sie unter Epilepsiemittel gemeinsam betrachtet.

Über die Anwendung von Pregabalin in der Schwangerschaft gibt es widersprüchliche Erkenntnisse. Sie sollten das Medikament daher möglichst nicht anwenden.

Epilepsien

Als Alternativen sind zur Epilepsiebehandlung Lamotrigin oder Levetiracetam vorzuziehen. Ist eine Behandlung mit Pregabalin im Einzelfall aber erforderlich, kann der Arzt während der Schwangerschaft mit einer speziellen Ultraschalluntersuchung die Entwicklung des Ungeborenen überprüfen.

Neuropathien

Zur Behandlung neuropathischer Beschwerden während der Schwangerschaft ist Amitriptylin besser untersucht und gilt als Mittel der Wahl. Wenn möglich sollten Sie mit diesem Mittel behandelt werden.

Pregabalin tritt in die Muttermilch über. Es ist nicht bekannt, wie sich dies auf die Entwicklung des Neugeborenen auswirkt. Während einer hochdosierten Pregabalinbehandlung sollten Sie daher nicht stillen.

Das Stillen kann im Einzelfall aufrecht erhalten bleiben, wenn Pregabalin nur in niedriger Dosierung eingenommen wird und das Kind sorgfältig beobachtet wird. Wenn sich bei ihm Beschwerden einstellen wie auffallende Dämpfung, Trinkunlust oder Unruhe, die anders nicht zu erklären sind, sollten Sie sich an einen Arzt wenden.

Für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren

Kinder und Jugendliche sollten nicht mit Pregabalin behandelt werden, weil über seine Auswirkungen in diesem Alter erst wenig bekannt ist: Weder die therapeutische Wirksamkeit noch die Verträglichkeit von Pregabalin ist für Kinder und Jugendliche nachgewiesen.

Für ältere Menschen

Bei Menschen dieses Alters ist die Nierenfunktion oft eingeschränkt. Dann muss der Arzt die Dosierung von Pregabalin dem anpassen. Dass Pregabalin benommen und müde macht, kann bei älteren Menschen die Gefahr zu stürzen vergrößern.

Zur Verkehrstüchtigkeit

Pregabalin kann die Reaktionsfähigkeit beeinträchtigen. Sie sollten deshalb nicht aktiv am Verkehr teilnehmen, keine Maschinen bedienen und keine Arbeiten ohne sicheren Halt verrichten.

Epilepsien

Hinweise zur Verkehrstüchtigkeit finden Sie auch unter Epilepsiemittel gemeinsam betrachtet.

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Anwendungsgebiete dieses Wirkstoffs