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Epilepsiemittel: Phenytoin

Wirkungsweise

Phenytoin stabilisiert die äußere Wand der Nervenzellen, sodass sie Impulse nicht mehr so schnell weiterleiten können. Bei allen Epilepsieformen und beim Status epilepticus gilt es als "auch geeignet", wenn andere Mittel nicht eingesetzt werden können oder nicht ausreichend wirksam sind.

Obwohl Phenytoin nicht besonders gut verträglich ist und mit vielen anderen Arzneimitteln nicht gleichzeitig eingenommen werden darf, gehörte es lange Zeit zu den Standardmedikamenten der Epilepsiebehandlung. Wegen seiner Nachteile wird es mittlerweile aber nach Möglichkeit durch andere Mittel ersetzt. Bei der Behandlung bestimmter Erkrankungsformen hat Phenytoin allerdings nach wie vor seinen Stellenwert.

Anwendung

Allgemeine Angaben zur Anwendung finden Sie unter Antiepileptika gemeinsam betrachtet.

Bei Phenytoin ist schwer abzuschätzen, ab wann der Wirkstoffspiegel gleichmäßig ist, weil die Substanz unterschiedlich schnell abgebaut wird, je nachdem, wie viel von ihr im Körper ist. Deshalb kann es unerwartet stark wirken, obwohl die Dosis nur geringfügig erhöht wurde.

Bis der Wirkstoffspiegel einigermaßen gleich bleibt, dauert es zwischen 5 und 15 Tage. Frühestens dann lässt sich die Wirksamkeit beurteilen.

Um eine Leberschädigung rechtzeitig zu bemerken, sollten regelmäßig die Leberwerte im Blut bestimmt werden.

Bei Kindern

Die Schilddrüsenfunktion sollte regelmäßig überwacht werden.

Gegenanzeigen

Unter folgenden Bedingungen dürfen Sie nicht mit Phenytoin behandelt werden:

  • Ihr Herzrhythmus ist erheblich gestört, sodass die Überleitung der elektrischen Impulse von den Vorhöfen zu den Herzkammern nicht mehr problemlos funktioniert (AV-Block Grad II oder III, Sick-Sinus-Syndrom).
  • Sie hatten in den vergangenen drei Monaten einen Herzinfarkt.
  • Die Blutbildung ist gestört.

Unter folgenden Bedingungen sollte der Arzt Nutzen und Risiken der Anwendung besonders sorgfältig abwägen:

  • Sie haben eine Herzschwäche.
  • Ihre Lungenfunktion ist deutlich eingeschränkt.
  • Sie haben anhaltend niedrigen Blutdruck, wobei der erste Messwert unter 90 mmHg liegt.
  • Ihr Herz schlägt auffallend langsam (unter 50 Schläge pro Minute).

Wechselwirkungen

Wechselwirkungen mit Medikamenten

Im Folgenden werden die wichtigsten Wechselwirkungen von Phenytoin aufgeführt. Die Substanz beeinflusst aber die Wirkung noch zahlreicher anderer Arzneimittel. Bevor Sie während einer Phenytoinbehandlung noch weitere Medikamente anwenden, sollten Sie mit Arzt oder Apotheker besprechen, ob die gemeinsame Anwendung zu Problemen führen kann.

Wenn Sie noch andere Medikamente nehmen, ist zu beachten:

  • Esomeprazol und Omeprazol (bei Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüren) hemmen die Enzyme in der Leber, die Phenytoin abbauen. Dadurch kann es länger wirken.
  • Sultiam (bei Epilepsien) kann die Wirkung und Nebenwirkungen von Phenytoin verstärken. Zu Beginn einer Behandlung mit Sultiam und nach ihrem Ende sollte der Phenytoinblutspiegel kontrolliert und die Dosis gegebenenfalls angepasst werden.
  • Phenytoin verstärkt die Wirkung von Methotrexat (bei rheumatoider Arthritis).
  • Phenytoin schwächt die Wirksamkeit von Vitamin D3 (bei Osteoporose) und von Schilddrüsenhormonen. Bei gleichzeitiger Anwendung müssen diese Mittel gegebenenfalls höher dosiert werden.
  • Durch Phenytoin werden auch Glucocorticoide (bei Entzündungen, Immunreaktionen) und Ciclosporin (nach Organtransplantationen, bei Schuppenflechte, rheumatoider Arthritis) schneller abgebaut. Dann verringert sich deren Wirkung. Eine Dosiserhöhung kann das auffangen.
  • Sowohl Barbiturate als auch Glucocorticoide (bei Entzündungen, Immunreaktionen) können das Risiko erhöhen, dass sich die Knochendichte verringert und eine Osteoporose entsteht. Die gleichzeitige Anwendung beider Substanzen lässt dieses Risiko weiter ansteigen.
  • Wird eine Phenytoinbehandlung mit Valproinsäure ergänzt, können sich die das Gehirn betreffenden unerwünschten Wirkungen von Phenytoin verstärken.
  • Durch Fluconazol und Voriconazol (innerlich bei Pilzerkrankungen) sowie Phenylbutazon (bei Gicht) kann die Konzentration von Phenytoin im Blut deutlich ansteigen. Die gemeinsame Anwendung sollte unterbleiben. Ist das nicht möglich, muss Phenytoin geringer dosiert werden.
  • Phenytoin kann die Konzentration von Itraconazol (innerlich bei Pilzerkrankungen) im Blut so weit verringern, dass dessen Wirkung unsicher wird. Die beiden Medikamente sollten nicht gemeinsam angewendet werden.
  • Die Kombination von Phenytoin mit den gerinnungshemmenden Mitteln Phenprocoumon und Warfarin, die bei erhöhter Thrombosegefahr als Tabletten eingenommen werden, führt zu vielfältigen Wechselwirkungen. Die Konzentration der Gerinnungshemmer im Blut kann sowohl ansteigen als auch abfallen. Auch die von Phenytoin kann ansteigen. Bei einer solchen Kombination muss die Blutgerinnung und gegebenenfalls auch die Konzentration von Phenytoin kontrolliert werden.

Unbedingt beachten

Carbamazepin, Phenobarbital, Primidon und Vigabatrin (alle bei Epilepsien), Rifampicin (bei Tuberkulose) sowie Ciprofloxacin (bei bakteriellen Infektionen) können Enzyme aktivieren, die Phenytoin abbauen. Auf diese Weise wirkt Phenytoin schwächer. Wenn zur Behandlung mit Phenytoin einer der anderen Wirkstoffe hinzukommt, muss die Dosierung jeweils angepasst werden. Näheres hierzu finden Sie unter Mittel bei Epilepsien: verringerte Wirkung.

Phenytoin senkt den Folsäurespiegel. Dann kann sich ein Folsäuremangel einstellen. Wird bei der Phenytoinbehandlung zusätzlich Folsäure eingenommen, wirkt das Epilepsiemittel schwächer. Näheres hierzu finden Sie unter Mittel bei Epilepsien: verringerte Wirkung.

Bei einer Behandlung mit Phenytoin können Mittel mit Digitalis (bei Herzschwäche) schwächer wirken. Näheres hierzu finden Sie unter Mittel bei Herzschwäche: verringerte Wirkung.

In der Kombination mit Phenytoin wirkt Verapamil (bei Herzrhythmusstörungen) weniger gut. Damit steigt das Risiko für Herzrhythmusstörungen. Näheres hierzu finden Sie unter Mittel bei Herzrhythmusstörungen: verringerte Wirkung.

Durch Phenytoin verringert sich die Wirksamkeit von Tetracyclinen, vor allem Doxycyclin (bei bakteriellen Infektionen) und Virusmitteln (bei Leberentzündung, HIV-Infektion). Näheres hierzu finden Sie unter Antibiotika/Virustatika: verringerte Wirkung.

Wechselwirkungen mit Speisen und Getränken

Alkohol verstärkt die unerwünschten Wirkungen von Phenytoin auf das Gehirn. Dann kann die Reaktionsfähigkeit erheblich beeinträchtigt sein. Bei regelmäßigem Alkoholkonsum wird Phenytoin schneller abgebaut, sodass es schwächer wirkt.

Nebenwirkungen

Bei höherer Dosierung bemerkt etwa ein Drittel der Behandelten das Sehen von Doppelbildern, Augenzucken, eine gestörte Bewegungskoordination, Zittern, Abgeschlagenheit, Merk- und Sprachstörungen. Wird lange in sehr hoher Dosierung behandelt, wird der Blick starr und es treten Appetitlosigkeit, Erbrechen, Teilnahmslosigkeit, Müdigkeit und Störungen der Wahrnehmung und des Bewusstseins auf. Diese Symptome sind für den Arzt ein Appell, die Behandlung wenn irgend möglich zu verändern.

Durch eine jahrelange Behandlung kann das Kleinhirn irreversibel geschädigt werden.

Bei der Behandlung mit Phenytoin können sich vermehrt Selbsttötungsgedanken einstellen. Wenn Sie Schlafstörungen, Lustlosigkeit, Antriebsmangel, das Empfinden einer inneren Leere, Interesselosigkeit und Schuldgefühle bemerken oder wenn Angehörige solche Gemütsveränderungen registrieren, sollten Sie das umgehend einem Arzt mitteilen, damit er über das weitere Vorgehen entscheiden kann.

Keine Maßnahmen erforderlich

Über eine Zahnfleischverdickung berichten 30 bis 70 von 100 Behandelten. Bei Kindern ist diese Nebenwirkung besonders häufig. Eine gute Mundhygiene hilft, Schäden am Zahnfleisch zu vermeiden.

Bei bis zu 10 von 100 Frauen kann sich die Körperbehaarung verstärken (Hirsutismus). Üblicherweise bildet sich das nach dem Ende der Behandlung wieder zurück.

Muss beobachtet werden

Bei mehr als 1 von 100 Behandelten erscheint auf der Haut ein masernförmiger Ausschlag. Je nachdem wie stark diese Hauterscheinungen sind, sollten Sie den Arzt davon umgehend oder im Laufe des nächsten Tages informieren.

Die Mittel können Leberschäden hervorrufen. Treten Übelkeit, Erbrechen und/oder dunkel gefärbter Urin auf und ist der Stuhl auffällig hell, sollten Sie einen Arzt aufsuchen.

Die Schilddrüsenfunktion kann vor allem bei Kindern gestört werden und dann ihr Wachstum beeinträchtigen. Auf diese Veränderung sollte der Arzt bei den regelmäßigen Untersuchungen aufmerksam werden.

Phenytoin kann den Calciumstoffwechsel so sehr stören, dass die Knochen bei einer Langzeitbehandlung an Dichte und Festigkeit verlieren. Das kann zu einer Osteoporose führen, in deren Folge Rückenwirbel und Knochen brechen können. Über anhaltende Knochen- und Rückenschmerzen sollten Sie den Arzt informieren. Mit einer Knochendichtemessung lässt sich feststellen, ob eine Osteoporose vorliegt.

Bei 1 bis 10 von 1 000 Behandelten beginnt das Zahnfleisch zu wuchern. Dies sollten Sie einem Zahnarzt zeigen. Eine intensivere Zahnhygiene kann helfen.

Sofort zum Arzt

Herzrhythmusstörungen können sich als störend oder unangenehm empfundene einzelne Herzschläge oder unregelmäßiger und verlangsamter Herzschlag bemerkbar machen. Dann liegt der Puls deutlich unter 60 pro Minute. Tritt Derartiges wiederholt auf, sollten Sie im Laufe des nächsten Tages den Arzt informieren. Ist Ihr Herz bereits geschädigt, sollten Sie sich umgehend an einen Arzt wenden. Infolge der Herzrhythmusstörungen können Schwindel, Ohnmacht und Krampfanfälle auftreten. Dann ist sofort ärztliche Behandlung notwendig.

Wenn Sie grippeartige Beschwerden haben, sich längere Zeit abgeschlagen und müde fühlen und Halsschmerzen und Fieber auftreten, wenn Sie Blutergüsse und blaue Flecke bemerken, kann es sich um eine Blutbildungsstörung handeln, die bedrohlich werden kann. Sie müssen dann umgehend den Arzt aufsuchen und das Blutbild kontrollieren lassen.

Phenytoin kann die Leber schwer schädigen. Wenn sich die Haut gelb färbt – möglicherweise begleitet von starkem Juckreiz am ganzen Körper –, sollten Sie sofort einen Arzt aufsuchen.

Die oben beschriebenen Hauterscheinungen können in Einzelfällen auch erste Anzeichen für sehr schwerwiegende Reaktionen auf das Arzneimittel sein. Meist entwickeln sie sich etwa drei bis fünf Wochen nach der Anwendung. Sie beginnen damit, dass sich die Haut verstärkt rötet und juckt. Typischerweise dehnen sich die Hautrötungen aus und es bilden sich Blasen. Auch die Schleimhäute des gesamten Körpers können betroffen und das Allgemeinbefinden wie bei einer fiebrigen Grippe beeinträchtigt sein. Bereits in diesem Stadium sollten Sie sich unbedingt an einen Arzt wenden, denn diese Hautreaktionen können sich rasch verschlimmern.

Besondere Hinweise

Für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren

Phenytoin kann bereits bei Säuglingen angewendet werden. Allerdings treten schwerwiegende unerwünschte Wirkungen, aufgrund derer die Behandlung abgebrochen werden muss, mehr als doppelt so häufig auf wie bei Carbamazepin oder Valproinsäure.

Bei Kinderwunsch

Durch Phenytoin kann sich ein Mangel an Folsäure entwickeln. Bei einer ungenügenden Versorgung mit diesem Vitamin treten beim sich entwickelnden Kind bestimmte Fehlbildungen häufiger auf. Frauen, die schwanger werden wollen und mit Phenytoin behandelt werden, sollten möglichst schon drei Monate vor Eintritt einer Schwangerschaft täglich fünf Milligramm Folsäure einnehmen und diese Medikation bis zur zwölften Schwangerschaftswoche beibehalten. Damit wird diesen Fehlbildungen vorgebeugt.

Da das Epilepsiemittel durch Folsäure aber schwächer wirkt, sollte der Arzt dessen Konzentration im Blut bestimmen und die Epilepsiebehandlung dem Ergebnis entsprechend anpassen.

Zur Empfängnisverhütung

Phenytoin veranlasst die Leber, mehr von den Enzymen zu produzieren, die unter anderem die Hormone abbauen, die in der Pille enthalten sind. Dann wirkt diese nicht mehr sicher und Sie sollten mit dem Arzt besprechen, ob Sie zu einer nichthormonellen Verhütungsmethode wechseln müssen oder ob Sie ein Pillenpräparat einnehmen können, das mehr Östrogen enthält. Beenden Sie die Behandlung mit Phenytoin, sollten Sie wieder zu einer Pille mit geringerem Östrogengehalt wechseln, um das Risiko für Nebenwirkungen gering zu halten.

Für Schwangerschaft und Stillzeit

Allgemeine Hinweise für die Anwendung in der Schwangerschaft finden Sie unter Epilepsiemittel.

Die Einnahme von Phenytoin während der Schwangerschaft bedeutet für das Kind ein erhöhtes Risiko für Fehlbildungen. Wenn diese Behandlung dennoch unvermeidlich war, sollte Ihr Kind unmittelbar nach der Geburt sicherheitshalber Vitamin K gespritzt bekommen. Durch eine Behandlung der Frau mit Phenytoin kann sich beim ungeborenen Kind ein Vitamin-K-Mangel entwickeln, der unbehandelt beim Säugling zu Gehirnblutungen führen kann.

Phenytoin geht zwar in geringer Menge in die Muttermilch über; wenn der Säugling aber nicht übermäßig müde wirkt und normal zunimmt, können Sie trotzdem stillen.

Für ältere Menschen

Ältere Menschen haben ohnehin eine geringere Knochendichte als jüngere. Daher nimmt ihr Osteoporoserisiko besonders zu, wenn sie über lange Zeit Phenytoin einnehmen.

Zur Verkehrstüchtigkeit

Hinweise zur Verkehrstüchtigkeit finden Sie unter Epilepsiemittel.

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Anwendungsgebiete dieses Wirkstoffs