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Epilepsiemittel: Phenobarbital und Primidon

Wirkungsweise

Barbiturate wie Phenobarbital und Primidon verringern die krankhafte Übererregbarkeit der Nervenzellen, die den Krampfanfällen bei Epilepsie zugrunde liegt. Diese Mittel machen deutlich müde und schränken die geistige Leistungsfähigkeit ein. Aufgrund dieser nachteiligen Wirkungen werden Barbiturate nach Möglichkeit durch andere Mittel ersetzt. Bei der Behandlung bestimmter Erkrankungsformen haben sie allerdings nach wie vor ihren Stellenwert. Barbiturate kommen infrage, wenn besser verträgliche Epilepsiemedikamente nicht ausreichend wirksam sind.

Die Substanz, die bei diesen Barbituraten als Epilepsiemittel wirkt, ist Phenobarbital. Primidon ist eine zusammengesetzte Verbindung, die im Körper so zerlegt wird, dass als eigentliche Wirksubstanz Phenobarbital entsteht.

Phenobarbital und Primidon gelten als "auch geeignet" zur Behandlung von generalisierten und fokalen Epilepsieformen. Bei Absencen – sekundenlang anhaltende Bewusstseinstrübungen – sind sie nicht wirksam.

Anwendung

Allgemeine Angaben zur Anwendung finden Sie unter Antiepileptika gemeinsam betrachtet.

Bei Personen mit einer schweren Funktionsstörung der Leber oder der Nieren müssen diese Medikamente geringer dosiert werden.

Nach zwei bis vier Wochen hat sich im Körper ein gleichbleibender Wirkstoffpegel eingestellt. Erst dann lässt sich die Wirksamkeit beurteilen.

Regelmäßige Kontrolluntersuchungen sollen rechtzeitig aufdecken, ob die Behandlung den Calciumstoffwechsel, die Bildung der roten Blutkörperchen und die Leberfunktion stört.

Achtung

Phenobarbital kann die Haut empfindlicher gegenüber UV-Strahlung machen. Solange Sie das Medikament einnehmen, sollten Sie sich keiner intensiven UV-Bestrahlung aussetzen – weder der des natürlichen Lichts noch der eines Solariums.

Liskantin Saft: Das Produkt enthält als Konservierungsmittel Parabene. Wenn Sie auf  Parastoffe allergisch reagieren, dürfen Sie es nicht anwenden.

Gegenanzeigen

Unter folgenden Bedingungen dürfen Sie Barbiturate nicht oder nur nach besonders sorgfältiger Abwägung von Nutzen und Risiken anwenden:

  • Sie haben einen schweren Herzmuskelschaden.
  • Sie haben schon einmal eine Erkrankung gehabt, bei der die Atemwege verengt waren.

Wechselwirkungen

Wechselwirkungen mit Medikamenten

Im Folgenden werden die wichtigsten Wechselwirkungen von Barbituraten aufgeführt. Die Substanzen beeinflussen aber die Wirkung noch zahlreicher anderer Arzneimittel. Bevor Sie während einer Barbituratbehandlung weitere Medikamente anwenden, sollten Sie mit Arzt oder Apotheker besprechen, ob die gemeinsame Anwendung zu Problemen führen kann.

Wenn Sie noch andere Medikamente nehmen, ist zu beachten:

  • Starke Schmerzmittel (Opioide), Schlaf- und Beruhigungsmittel verstärken die dämpfende Wirkung der Barbiturate. Daraus kann eine lebensbedrohliche Atemlähmung resultieren, bei der Ersticken droht.
  • Chinin (bei nächtlichen Wadenkrämpfen) hemmt den Abbau von Barbituraten. Sie können daher länger und stärker wirken.
  • Barbiturate verstärken die Wirkung der abbauenden Enzyme in der Leber. Dadurch können Glucocorticoide (bei Entzündungen, Immunreaktionen), Ciclosporin (nach Organtransplantationen, bei rheumatoider Arthritis, Schuppenflechte), Griseofulvin, Itraconazol und Ketoconazol (innerlich bei Pilzinfektionen), Bupropion (bei Depressionen, zur Raucherentwöhnung), Theophyllin (bei Asthma) sowie Phenprocoumon und Warfarin (bei erhöhter Thrombosegefahr) schwächer wirken. Werden Barbiturate zusätzlich zur Behandlung mit einem der genannten Mittel eingenommen, muss die Dosis dieses Medikaments gegebenenfalls angepasst werden. Das Gleiche gilt, wenn bei einer kombinierten Behandlung das Barbiturat abgesetzt wird. Bei einer unbedingt erforderlichen Behandlung mit Griseofulvin sollte die Epilepsiebehandlung geändert werden.
  • Barbiturate vermindern die Wirksamkeit von Vitamin D3 (bei Osteoporose) und Schilddrüsenhormonen. Bei gleichzeitiger Anwendung müssen diese Mittel gegebenenfalls höher dosiert werden.
  • Sowohl Barbiturate als auch Glucocorticoide (bei Entzündungen, Immunreaktionen) können das Risiko erhöhen, dass sich die Knochendichte verringert und eine Osteoporose entsteht. Die gleichzeitige Anwendung beider Substanzen lässt dieses Risiko weiter ansteigen.

Unbedingt beachten

Bei einer Behandlung mit Barbituraten können Mittel mit Digitalis (bei Herzschwäche) schwächer wirken. Näheres hierzu finden Sie unter Mittel bei Herzschwäche: verringerte Wirkung.

Werden Barbiturate zugleich mit Calciumantagonisten wie Nifedipin und Verapamil (bei hohem Blutdruck) oder Chinidin (bei Herzrhythmusstörungen) eingesetzt, wirken die Herzmittel weniger gut. Damit steigt das Risiko für Herzrhythmusstörungen. Näheres hierzu finden Sie unter Mittel bei Herzrhythmusstörungen: verringerte Wirkung.

Durch Barbiturate verringert sich die Wirksamkeit von Tetracyclinen, vor allem bei Doxycyclin (bei bakteriellen Infektionen) und Virusmitteln (bei Leberentzündung, HIV-Infektion). Näheres hierzu finden Sie unter Antibiotika/Virustatika: verringerte Wirkung.

Barbiturate senken den Folsäurespiegel. Dann kann sich ein Folsäuremangel einstellen. Wird bei der Behandlung mit Barbituraten zusätzlich Folsäure eingenommen, wirken die Epilepsiemittel schwächer. Näheres hierzu finden Sie unter Mittel bei Epilepsien: verringerte Wirkung.

Carbamazepin, Felbamat, Lamotrigin, Phenytoin und Valproinsäure (alle bei Epilepsien) sowie Barbiturate beeinträchtigen sich gegenseitig in ihrer Wirksamkeit. Wenn zur Behandlung mit einem dieser Wirkstoffe einer der anderen hinzukommt, muss die Dosierung jeweils angepasst werden. Näheres finden Sie unter Mittel bei Epilepsien: verringerte Wirkung.

Wechselwirkungen mit Speisen und Getränken

Alkohol verstärkt die dämpfende Wirkung der Barbiturate. Das kann zum Beispiel im Straßenverkehr gefährlich werden. Da die Kombination Barbiturate und Alkohol zudem den Antrieb zum Luftholen verringert, droht Atemstillstand.

Nebenwirkungen

Nach einer Langzeiteinnahme dürfen Barbiturate keinesfalls abrupt abgesetzt werden. Es können Entzugserscheinungen auftreten, zu denen neben Schweißausbrüchen, Unruhe und Reizbarkeit auch vermehrte Krampfanfälle gehören.

Bei der Behandlung mit Barbituraten können sich vermehrt Selbsttötungsgedanken einstellen. Wenn Sie Schlafstörungen, Lustlosigkeit, Antriebsmangel, das Empfinden einer inneren Leere, Interesselosigkeit und Schuldgefühle bemerken oder wenn Angehörige solche Gemütsveränderungen registrieren, sollten Sie das umgehend einem Arzt mitteilen, damit er über das weitere Vorgehen entscheiden kann.

Keine Maßnahmen erforderlich

Häufig stellen sich Müdigkeit, Schwindel, Konzentrationsstörungen und ein beeinträchtigtes Reaktionsvermögen ein. Auch die Koordination von Bewegungsabläufen ist bei mehr als 1 von 100 Personen gestört. Diese Nebenwirkungen sind stärker, je höher das Mittel dosiert wird, und bessern sich in der Regel nach einiger Zeit. Sie lassen sich abmildern, indem die Dosis des Mittels langsam gesteigert wird.

Primidon kann zu Beginn der Behandlung das Sehen in der Nähe erschweren.

Muss beobachtet werden

Selten bis gelegentlich kann auf der Haut ein masernförmiger Ausschlag erscheinen. Je nachdem, wie stark diese Hauterscheinungen sind, sollten Sie den Arzt darüber umgehend oder im Laufe des nächsten Tages informieren.

Wenn die Haut sich verstärkt rötet und juckt, reagieren Sie vermutlich allergisch auf das Mittel. Bei solchen Hauterscheinungen sollten Sie das Mittel nicht weiter einnehmen und einen Arzt aufsuchen.

Barbiturate können den Calciumstoffwechsel so sehr stören, dass die Knochen bei einer Langzeitbehandlung an Dichte und Festigkeit verlieren. Das kann zu einer Osteoporose führen, in deren Folge Rückenwirbel und Knochen brechen können. Über anhaltende Knochen- und Rückenschmerzen sollten Sie den Arzt informieren. Mit einer Knochendichtemessung lässt sich feststellen, ob eine Osteoporose vorliegt.

Barbiturate können eine Blutbildungsstörung verursachen. Dann kommt es zur Blutarmut (Anämie), auf die der Arzt bei den regelmäßigen Kontrolluntersuchungen aufmerksam wird. Behandelt wird diese Erkrankung gegebenenfalls mit Folsäure und Vitamin B12.

Es sind Leberschäden möglich. Treten Übelkeit, Erbrechen und/oder dunkel gefärbter Urin auf und ist der Stuhl auffällig hell, sollten Sie einen Arzt aufsuchen.

Durch eine Vermehrung des Bindegewebes, die sich meist durch Ablagerungen in der Hand als Knoten oder Stränge zeigt, lassen sich die Finger nur noch schlecht strecken. Sie bleiben dann verkrümmt (Dupuytrenkontraktur). Derartiges sollten Sie mit dem Arzt besprechen.

Sofort zum Arzt

Als Reaktion auf das Arzneimittel können in Einzelfällen sehr schwerwiegende Hauterscheinungen auftreten. Meist entwickeln sie sich etwa drei bis fünf Wochen nach der Anwendung. Sie beginnen damit, dass sich die Haut verstärkt rötet und juckt. Typischerweise dehnen sich die Hautrötungen aus und es bilden sich Blasen. Auch die Schleimhäute des gesamten Körpers können betroffen und das Allgemeinbefinden wie bei einer fiebrigen Grippe beeinträchtigt sein. Bereits in diesem Stadium sollten Sie sich unbedingt an einen Arzt wenden, denn diese Hautreaktionen können sich rasch verschlimmern.

Besondere Hinweise

Für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren

Die Mittel sind bei Kindern ebenso wirksam wie bei Erwachsenen und können, wenn nötig, schon beim Säugling angewendet werden.

Bei Kindern kann es gelegentlich vorkommen, dass die üblicherweise relativ stark dämpfenden Barbiturate sie stattdessen in einen Erregungszustand versetzen.

Bei Kinderwunsch

Durch Barbiturate kann sich ein Mangel an Folsäure entwickeln. Bei einer ungenügenden Versorgung mit diesem Vitamin treten beim sich entwickelnden Kind bestimmte Fehlbildungen häufiger auf. Frauen, die schwanger werden wollen und mit Barbituraten behandelt werden, sollten möglichst schon drei Monate vor Eintritt einer Schwangerschaft täglich fünf Milligramm Folsäure einnehmen und diese Medikation bis zur zwölften Schwangerschaftswoche beibehalten. Damit wird diesen Fehlbildungen vorgebeugt.

Da das Epilepsiemittel durch Folsäure aber schwächer wirkt, sollte der Arzt dessen Konzentration im Blut bestimmen und die Epilepsiebehandlung dem Ergebnis anpassen.

Zur Empfängnisverhütung

Barbiturate veranlassen die Leber, mehr von den Enzymen zu produzieren, die unter anderem die Hormone abbauen, die in der Pille enthalten sind. Dann wirkt diese nicht mehr sicher und Sie sollten mit dem Arzt besprechen, ob Sie zu einer nichthormonellen Verhütungsmethode wechseln müssen oder ob Sie ein Pillenpräparat einnehmen können, das mehr Östrogen enthält. Beenden Sie die Behandlung mit den Epilepsiemitteln, sollten Sie wieder zu einer Pille mit geringerem Östrogengehalt wechseln, um das Risiko für Nebenwirkungen zu reduzieren.

Für Schwangerschaft und Stillzeit

Allgemeine Hinweise für die Anwendung in der Schwangerschaft finden Sie unter Epilepsiemittel

Die Einnahme von Phenobarbital oder Primidon während der Schwangerschaft bedeutet für das Kind ein erhöhtes Risiko für Fehlbildungen. Wenn diese Behandlung dennoch unvermeidlich war, sollte Ihr Kind unmittelbar nach der Geburt sicherheitshalber Vitamin K gespritzt bekommen. Dieses Vitamin ist – neben anderem – für die Blutgerinnung notwendig. Durch eine Barbituratbehandlung der Frau kann sich beim ungeborenen Kind ein Vitamin-K-Mangel entwickeln, der unbehandelt beim Säugling zu Gehirnblutungen führen kann.

Müssen Sie Barbiturate in hoher Dosierung einnehmen, sollten Sie nicht stillen. Bei geringer Dosierung müssen Nutzen und Risiken des Stillens sorgfältig abgewogen werden. Nehmen Sie in der Stillzeit Barbiturate ein, muss beim Säugling auf Atemstörungen geachtet werden. Das Abstillen muss sehr langsam geschehen, damit sich der Körper des Babys an die nachlassende Medikamentenwirkung gewöhnen kann.

Für ältere Menschen

Ältere Menschen haben ohnehin eine geringere Knochendichte als jüngere. Daher nimmt ihr Osteoporoserisiko besonders zu, wenn sie über lange Zeit Barbiturate einnehmen.

Üblicherweise dämpfen Barbiturate relativ stark. Bei älteren Menschen kann es aber gelegentlich sein, dass sie stattdessen in einen Erregungszustand geraten. Nach Möglichkeit sollten ältere Menschen mit besser verträglichen Medikamenten wie Lamotrigin oder Valproinsäure behandelt werden. Wenn dennoch Barbiturate eingesetzt werden müssen, muss bei älteren Menschen gegebenenfalls die Dosierung verringert werden. Näheres hierzu lesen Sie in der Einleitung unter Hinweise für ältere Menschen.

Zur Verkehrstüchtigkeit

Hinweise zur Verkehrstüchtigkeit finden Sie unter Epilepsiemittel.

Wenn Sie bei der Behandlung mit Barbituraten Alkohol trinken, kann es sein, dass Sie selbst als Fußgänger nicht mehr verkehrstüchtig sind.

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Anwendungsgebiete dieses Wirkstoffs