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Epilepsiemittel: Oxcarbazepin

Wirkungsweise

Das Antiepileptikum Oxcarbazepin ist in seinen Eigenschaften dem bewährten Carbamazepin vergleichbar. Da es aber anders abgebaut wird, unterscheidet es sich in seinen unerwünschten Wirkungen. Oxcarbazepin wird bei allen Epilepsieformen als "geeignet" bewertet.

Anwendung

Allgemeine Angaben zur Anwendung finden Sie unter Antiepileptika gemeinsam betrachtet.

Anders als die meisten Antiepileptika kann Oxcarbazepin bereits von Anfang an in der notwendigen Dosierung eingenommen werden.

Bei Menschen mit einer Nierenfunktionsstörung sollte die Behandlung mit der Hälfte der üblichen Dosis begonnen und erst im Abstand von mindestens einer Woche gesteigert werden.

Da durch Oxcarbazepin der Natriumgehalt des Blutes absinken kann, müssen diejenigen besonders überwacht werden, deren Natriumgehalt im Blut ohnehin gering ist. Dazu gehören Menschen mit Nierenerkrankungen und solche, die entwässernde Medikamente (Diuretika, bei hohem Blutdruck, Nierenerkrankungen) und nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR, bei Rheuma, Schmerzen) einnehmen. Bei ihnen soll vor der Behandlung, zwei Wochen nach dem Beginn und dann dreimal monatlich der Natriumgehalt des Blutes bestimmt werden.

Gewichtskontrollen sind bei Menschen mit Herzschwäche (Herzinsuffizienz) regelmäßig notwendig. Sie decken auf, wenn im Körpergewebe Flüssigkeit eingelagert wird.

Achtung

Einige Präparate (siehe Tabelle) enthalten als Konservierungsmittel Parabene. Wenn Sie auf  Parastoffe allergisch reagieren, dürfen Sie diese Mittel nicht anwenden.

Gegenanzeigen

Unter folgenden Bedingungen muss der Arzt Nutzen und Risiken besonders sorgfältig abwägen:

  • Sie leiden unter Herzrhythmusstörungen, weil das System gestört ist, das im Herzen die Erregung weiterleitet und so für einen regelmäßigen Herzschlag sorgt (AV-Block).
  • Sie haben eine schwere Leberfunktionsstörung.
  • Sie haben auf das Epilepsiemittel Carbamazepin allergisch reagiert. Bis zu 30 von 100 dieser Personen vertragen dann auch Oxcarbazepin nicht.

Wechselwirkungen

Wechselwirkungen mit Medikamenten

Wenn Sie noch andere Medikamente nehmen, ist zu beachten:

  • Oxcarbazepin sollte nicht zusammen mit MAO-Hemmern (Moclobemid und Tranylcypromin bei Depressionen, Selegilin bei Parkinsonkrankheit) eingenommen werden.
  • Sowohl Barbiturate als auch Glucocorticoide (bei Entzündungen, Immunreaktionen) können das Risiko erhöhen, dass sich die Knochendichte verringert und eine Osteoporose entsteht. Die gleichzeitige Anwendung beider Substanzen lässt dieses Risiko weiter ansteigen.

Wechselwirkungen mit Speisen und Getränken

Alkohol kann die müdemachende Wirkung von Oxcarbazepin verstärken.

Nebenwirkungen

Bei der Behandlung mit Oxcarbazepin können sich vermehrt Selbsttötungsgedanken einstellen. Wenn Sie Schlafstörungen, Lustlosigkeit, Antriebsmangel, das Empfinden einer inneren Leere, Interesselosigkeit und Schuldgefühle bemerken oder wenn Angehörige solche Gemütsveränderungen registrieren, sollten Sie das umgehend einem Arzt mitteilen, damit er über das weitere Vorgehen entscheiden kann.

Die Behandlung mit Oxcarbazepin scheint relativ häufig den Salz-Wasser-Haushalt zu stören, sodass das Blut nur wenig Natriumsalze enthält (Hyponatriämie). Diese unerwünschte Wirkung kann gering ausgeprägt sein und keinerlei Beschwerden machen, sie kann aber auch schwer verlaufen.

Keine Maßnahmen erforderlich

Bei 1 bis 10 von 100 bringt die Behandlung Verstopfung, Durchfall, Bauchschmerzen, Haarausfall und Akne mit sich.

Muss beobachtet werden

Mehr als 10 von 100 Behandelten klagen über Übelkeit, Erbrechen, Schwindel, Kopfschmerzen, Schläfrigkeit und Müdigkeit. Diese Beschwerden können mit der beschriebenen Störung im Salz-Wasser-Haushalt zusammenhängen. Sie sollten diese mit dem Arzt besprechen, der dann entscheidet, ob Oxcarbazepin geringer dosiert werden soll oder ob das Mittel abgesetzt werden muss.

Eine Reihe unangenehmer Erscheinungen tritt besonders in der Anfangsphase der Behandlung auf. Wenn sie länger als eine Woche anhalten oder Sie stark beeinträchtigen, sollten Sie mit dem Arzt das weitere Vorgehen besprechen. Hierzu gehören:

Unruhe, Verwirrtheit, Konzentrationsschwäche, Gedächtnisstörungen mit Erinnerungslücken, Teilnahmslosigkeit, depressive Stimmung, Schwächegefühl, gestörter Bewegungsablauf, der als Unsicherheit beim Gehen auffällt, und Zittern.

1 bis 10 von 100 Behandelten bekommen Hautausschlag, 1 bis 10 von 1 000 einen juckenden Ausschlag am ganzen Körper (Nesselsucht). Je nachdem, wie schwer die Hauterscheinungen sind, sollten Sie sich bald oder sofort mit dem Arzt in Verbindung setzen.

1 bis 10 von 100 Personen sehen verschwommen, mehr als 10 von 100 klagen über Doppelbilder. Wiederholen sich diese Sehstörungen, nehmen sie zu oder halten sie an, sollten Sie den Arzt informieren. Möglicherweise muss die Medikamentendosis verringert werden.

Wenn Sie sich längere Zeit abgeschlagen fühlen und häufig Infektionen oder Fieber haben, sollte der Arzt Ihr Blut untersuchen. Es könnte eine Blutbildungsstörung vorliegen, bei der zu wenig weiße Blutkörperchen gebildet werden. Damit muss bei 1 bis 10 von 1 000 Personen gerechnet werden.

Herzrhythmusstörungen gibt es in Einzelfällen. Manche Menschen bemerken sie als störende oder unangenehm empfundene Herzschläge oder als unregelmäßigen Herzschlag. Die meisten merken jedoch nichts von dieser Nebenwirkung. Registrieren Sie wiederholt auffällige Herztätigkeiten, sollten Sie sich im Laufe des nächsten Tages an den Arzt wenden.

In Einzelfällen entwickelt sich eine Störung, bei der sich das Immunsystem gegen eigene Körpergewebe wendet; diese spezielle Autoimmunerkrankung heißt Lupus erythematodes. Zu ihren Symptomen gehören Rötungen im Gesicht, Haarausfall, Entzündung der Mundschleimhaut, Durchblutungsstörungen der Finger und Gelenkschmerzen. Treten diese auf, sollten Sie den Arzt aufsuchen.

Die Mittel können Leberschäden hervorrufen. Treten Übelkeit, Erbrechen und/oder dunkel gefärbter Urin auf und ist der Stuhl auffällig hell, sollten Sie einen Arzt aufsuchen.

Oxcarbazepin kann den Calciumstoffwechsel so sehr stören, dass die Knochen bei einer Langzeitbehandlung an Dichte und Festigkeit verlieren. Das kann zu einer Osteoporose führen, in deren Folge Rückenwirbel und Knochen brechen können. Über anhaltende Knochen- und Rückenschmerzen sollten Sie den Arzt informieren. Mit einer Knochendichtemessung lässt sich feststellen, ob eine Osteoporose vorliegt.

Sofort zum Arzt

Treten aufgrund eines gestörten Salz-Wasser-Haushalts Verwirrtheit, vermehrte Krampfanfälle und Bewusstseinstrübung auf, ist sofort ein Arzt zu rufen.

Oxcarbazepin kann die Leber auch schwer schädigen. Wenn sich die Haut gelb färbt – möglicherweise begleitet von starkem Juckreiz am ganzen Körper –, sollten Sie sofort einen Arzt aufsuchen.

Eine schmerzhafte, mehrere Tage anhaltende Schwellung von Haut und Schleimhaut (Angioödem) tritt in Einzelfällen auf.

Ebenso häufig weisen Ausschlag, Fieber, Lymphknotenschwellung und Gelenkschmerzen auf eine Überempfindlichkeitsreaktion hin. Benachrichtigen Sie dann umgehend den Arzt. Eventuell muss das Mittel abgesetzt werden.

Die oben beschriebenen Hauterscheinungen können in Einzelfällen auch erste Anzeichen für sehr schwerwiegende Reaktionen auf das Arzneimittel sein. Meist entwickeln sie sich etwa drei bis fünf Wochen nach der Anwendung. Sie beginnen damit, dass sich die Haut verstärkt rötet und juckt. Typischerweise dehnen sich die Hautrötungen aus und es bilden sich Blasen. Auch die Schleimhäute des gesamten Körpers können betroffen und das Allgemeinbefinden wie bei einer fiebrigen Grippe beeinträchtigt sein. Bereits in diesem Stadium sollten Sie sich unbedingt an einen Arzt wenden, denn diese Hautreaktionen können sich rasch verschlimmern.

Ist Ihr Herz bereits geschädigt und es treten Herzrhythmusstörungen mit Schwindel, Ohnmacht oder Krampfanfällen auf, ist sofort ärztliche Behandlung notwendig.

Besondere Hinweise

Für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren

Oxcarbazepin kann bei Kindern ab sechs Jahre angewendet werden.

Bei Kinderwunsch

Durch Oxcarbazepin kann sich ein Mangel an Folsäure entwickeln. Bei einer ungenügenden Versorgung mit diesem Vitamin treten beim sich entwickelnden Kind bestimmte Fehlbildungen häufiger auf. Frauen, die schwanger werden wollen und mit Oxcarbazepin behandelt werden, sollten möglichst schon drei Monate vor Eintritt einer Schwangerschaft täglich fünf Milligramm Folsäure einnehmen und diese Medikation bis zur zwölften Schwangerschaftswoche beibehalten. Damit wird diesen Fehlbildungen vorgebeugt.

Zur Empfängnisverhütung

Oxcarbazepin veranlasst die Leber, mehr von den Enzymen zu produzieren, die unter anderem die Hormone abbauen, die in der Pille enthalten sind. Dann wirkt diese nicht mehr sicher und Sie sollten mit dem Arzt besprechen, ob Sie zu einer nichthormonellen Verhütungsmethode wechseln müssen oder ob Sie ein Pillenpräparat einnehmen können, das mehr Östrogen enthält. Beenden Sie die Behandlung mit Oxcarbazepin, sollten Sie wieder zu einer Pille mit geringerem Östrogengehalt wechseln, um das Risiko für Nebenwirkungen zu reduzieren.

Für Schwangerschaft und Stillzeit

Allgemeine Hinweise für die Anwendung in der Schwangerschaft finden Sie unter Epilepsiemittel.

Einer neueren Untersuchung zufolge haben Kinder, deren Mutter während der Schwangerschaft Oxcarbazepin eingenommen hat, kein erhöhtes Risiko für Fehlbildungen. Dennoch sollte es nur eingesetzt werden, wenn Lamotrigin, das in der Schwangerschaft derzeit als das sicherste Epilepsiemittel gilt, nicht angewendet werden kann und der Nutzen eindeutig größer ist als das mögliche Risiko. Wird die Therapie beibehalten, sollte die Dosis so gering wie möglich gewählt werden. Eltern, die über die Entwicklung ihres Kindes vor der Geburt möglichst genau informiert sein wollen, können dazu spezielle Ultraschalluntersuchungen machen lassen.

Wenn Sie während der Schwangerschaft Oxcarbazepin eingenommen haben, sollte Ihr Kind unmittelbar nach der Geburt sicherheitshalber Vitamin K gespritzt bekommen. Dieses Vitamin ist – neben anderem – für die Blutgerinnung notwendig. Durch eine Oxcarbazepinbehandlung der Frau kann sich beim ungeborenen Kind ein Vitamin-K-Mangel entwickeln, der unbehandelt beim Säugling zu Gehirnblutungen führen kann.

Oxcarbazepin geht in die Muttermilch über. Daher sollten Sie bei einer Behandlung mit diesem Medikament möglichst nicht stillen.

Für ältere Menschen

Eine Langzeitbehandlung mit Oxcarbazepin kann das Osteoporoserisiko erhöhen. Das trifft ältere Menschen besonders, da sie ohnehin eine geringere Knochendichte haben als jüngere.

Zur Verkehrstüchtigkeit

Hinweise zur Verkehrstüchtigkeit finden Sie unter Epilepsiemittel.

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Anwendungsgebiete dieses Wirkstoffs