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Epilepsiemittel: Levetiracetam

Wirkungsweise

Levetiracetam wirkt auf bisher nicht vollständig geklärte Weise bei generalisierten und fokalen Epilepsieformen. Die Substanz ist als alleiniges Behandlungsmittel von Epilepsie und als Zusatz zu anderen Antiepileptika für Patienten ab 16 Jahren zugelassen. Bei Jüngeren darf Levetiracetam nur als Zusatzbehandlung verordnet werden. Die Wirksamkeit ist für beide Einsatzbereiche ausreichend nachgewiesen – Testergebnisse.

Das Standardmedikament zur Behandlung von fokalen Epilepsieformen ist Carbamazepin. Levetiracetam ist in seiner Wirksamkeit gleichwertig. Ein besonderer Vorteil von Levetiracetam ist, dass es kaum Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten hervorruft. Damit bietet es sich für Personen an, die mehrere Medikamente benötigen, um anfallfrei zu werden, und für solche, die aufgrund anderer Erkrankungen noch weitere Mittel einnehmen müssen. Zudem kann es, ebenso wie Lamotrigin, Frauen, die schwanger werden können, verordnet werden, da es nur ein geringes Risiko für Fehlbildungen beim Ungeborenen birgt. Insgesamt wird Levetiracetam bei Epilepsien als "geeignet" bewertet.

Anwendung

Allgemeine Angaben zur Anwendung finden Sie unter Epilepsiemittel gemeinsam betrachtet.

Üblicherweise beginnt die Behandlung mit zweimal 250 Milligramm Levetiracetam. Nach zwei Wochen kann die Menge verdoppelt werden. Die Dosis kann im Abstand von jeweils zwei Wochen bis zur wirksamen Dosis auf höchstens zweimal 1 500 Milligramm am Tag gesteigert werden. Bereits nach relativ kurzer Zeit lässt sich beurteilen, wie es die Anfallhäufigkeit beeinflusst. Soll die Dosis des Medikaments später wieder verringert werden, muss das in kleinen Schritten über längere Zeit geschehen.

Wird Levetiracetam zusätzlich zu einem anderen Epilepsiemittel eingenommen, kann die Behandlung mit zweimal 500 Milligramm beginnen.

Wenn Sie eine Nierenfunktionsstörung oder eine schwere Leberfunktionsstörung haben, sollte der Arzt prüfen, ob die Dosierung von Levetiracetam verringert werden muss.

Achtung

Einige Produkte (siehe Übersicht) enthalten als Konservierungsmittel Parabene. Wenn Sie auf Parastoffe allergisch reagieren, dürfen Sie sie nicht anwenden.

Nebenwirkungen

Bei manchen Personen kann sich der Körper nach einigen Wochen oder Monaten an die Behandlung mit Levetiracetam gewöhnen. Dann wirkt es schwächer.

Levetiracetam kann bei einigen Menschen zu Haarausfall führen. Dieser lässt meist wieder nach, sobald das Mittel abgesetzt wird.

Keine Maßnahmen erforderlich

Über Schwäche und Müdigkeit klagen mehr als 10 von 100 Anwendern. 1 bis 10 von 100 sind benommen und berichten über Kopfschmerzen, Magen-Darm-Beschwerden einschließlich Erbrechen und Durchfall, Übelkeit und Nervosität.

Muss beobachtet werden

Wenn die Haut sich verstärkt rötet und juckt, reagieren Sie möglicherweise allergisch auf das Mittel. Bei solchen Hauterscheinungen sollten Sie einen Arzt aufsuchen, um zu klären, ob es sich tatsächlich um eine allergische Hautreaktion handelt und Sie ein Alternativmedikament benötigen. Solche Hauterscheinungen treten bei 1 bis 10 von 100 Behandelten auf.

Levetiracetam löst bei 1 bis 10 von 100 Anwendern psychische Störungen aus. Diese können sich in Form von Nervosität, Reizbarkeit, Aggressionen, Wut, Angst, Schlaflosigkeit, Verwirrtheit und Erinnerungsstörungen äußern; auch psychotische Störungen sind vorgekommen. Wenn Sie wiederholt befremdliche Dinge sehen oder hören, die andere Menschen nicht bemerken (Halluzinationen), oder wenn Sie Wahnvorstellungen entwickeln, sollte der Arzt informiert werden. Kinder scheinen davon etwas häufiger betroffen zu sein als Erwachsene. Insbesondere Aggressionen wurden bei ihnen vermehrt beobachtet. Dieser Effekt wirkt sich aber auch bei dauerhafter Anwendung insgesamt nicht negativ auf die Psyche des Kindes aus.

Wenn Sie Freud- und Antriebslosigkeit quälen und Sie sehr ängstlich oder niedergeschlagen sind, kann es sich um eine Depression handeln. Auch eine allgemeine Erschöpfung und Interessenlosigkeit sowie Schlafstörungen und Appetitlosigkeit können Anzeichen einer solchen Erkrankung sein. Wenn Sie oder nahestehende Personen solche Veränderungen bemerken und diese länger als zwei Wochen anhalten, sollten Sie sich an einen Arzt wenden. Dann können Sie im Gespräch über das weitere Vorgehen beraten.

Mit der gleichen Häufigkeit können Gewichtsabnahme, Unsicherheit beim Gehen, Zittern, Schwindel und Doppelt- und Verschwommensehen auftreten. Wenn diese Störungen länger als fünf bis sieben Tage anhalten, sollten Sie einen Arzt aufsuchen.

Wenn Sie sich längere Zeit abgeschlagen fühlen und häufig Infektionen oder Fieber haben, sollte der Arzt Ihr Blut untersuchen. Es könnte eine Blutbildungsstörung vorliegen.

Sofort zum Arzt

Wenn sich schwere Hauterscheinungen mit Rötung und Quaddeln an Haut und Schleimhäuten sehr rasch (meist innerhalb von Minuten) entwickeln und zusätzlich Luftnot oder eine Kreislaufschwäche mit Schwindel und Schwarzsehen oder Durchfälle und Erbrechen auftreten, kann es sich um eine lebensbedrohliche Allergie bzw. einen lebensbedrohlichen allergischen Schock (anaphylaktischer Schock) handeln. In diesem Fall müssen Sie die Behandlung mit dem Medikament sofort stoppen und den Notarzt (Telefon 112) verständigen.

Die oben beschriebenen Hauterscheinungen können in sehr seltenen Fällen auch erste Anzeichen für andere sehr schwerwiegende Reaktionen auf das Arzneimittel sein. Meist entwickeln diese sich während der Anwendung des Mittels nach Tagen bis Wochen. Typischerweise dehnen sich die Hautrötungen aus, und es bilden sich Blasen ("Syndrom der verbrühten Haut"). Auch die Schleimhäute des gesamten Körpers können betroffen und das Allgemeinbefinden wie bei einer fiebrigen Grippe beeinträchtigt sein. Bereits in diesem Stadium sollten Sie sich sofort an einen Arzt wenden, denn diese Hautreaktionen können sich rasch lebensbedrohlich verschlimmern.

Die oben beschriebenen Anzeichen einer Depression können sich so weit verschlimmern, dass Betroffene kein Interesse mehr an ihrem sozialen Umfeld aufbringen können und innere Leere sowie Schuldgefühle soweit zunehmen, dass sich Selbsttötungsgedanken entwickeln. Sehen nahestehende Personen die Gefahr einer Selbsttötung, muss sofort ärztliche Hilfe gesucht werden.

Besondere Hinweise

Für Schwangerschaft und Stillzeit

Allgemeine Hinweise für die Anwendung in der Schwangerschaft finden Sie unter Epilepsiemittel gemeinsam betrachtet.

Neueren Untersuchungen zufolge haben Kinder, deren Mutter während der Schwangerschaft Levetiracetam eingenommen hat, kein erhöhtes Risiko für Fehlbildungen. Es gilt – neben Lamotrigin – mittlerweile als Antiepileptikum der Wahl während der Schwangerschaft.

Für die Anwendung von Levetiracetam während der Stillzeit liegen einige Erfahrungen vor. Das Mittel geht in die Muttermilch über. Bislang wurden aber keine unerwünschten Wirkungen bei den gestillten Kindern festgestellt. Die Anwendung von Levetiracetam als alleiniges Epilepsiemittel während der Stillzeit wird daher als vertretbar angesehen. In diesem Fall sollte ein Arzt die Entwicklung des Säuglings sorgfältig beobachten.

Für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren

Zur Behandlung fokaler Epilepsien können bereits einen Monat alte Säuglinge und alle älteren Kinder Levetiracetam als zusätzliches Medikament zu anderen Epilepsiemitteln erhalten. Bei primär generalisierten Anfallformen kommt diese Zusatztherapie erst infrage, wenn die Kinder mindestens zwölf Jahre alt sind. Mit Levetiracetam allein dürfen erst Jugendliche ab 16 Jahre behandelt werden, wenn bei ihnen eine fokale Anfallform neu festgestellt wurde.

Achten Sie vor allem bei der Behandlung von Säuglingen und Kleinkindern darauf, dass Sie die passende Dosierhilfe benutzen, um Überdosierungen zu vermeiden.

Die Dosierung richtet sich nach dem Alter und dem Körpergewicht des Kindes. Bei Kindern über 6 Monate werden zu Anfang pro Tag zweimal täglich 10 Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht verabreicht. Über einen Zeitraum von mehreren Wochen wird die Dosis schrittweise erhöht, bis die individuell erforderliche Erhaltungsdosis erreicht ist. Mehr als 30 Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht zweimal täglich dürfen es nicht sein.

Bei Säuglingen unter 6 Monaten und Kindern mit deutlichen Funktionseinschränkungen von Nieren oder Leber muss niedriger dosiert werden.

Für ältere Menschen

Da die Nierenfunktion bei älteren Menschen nachlässt, kann Levetiracetam bei ihnen beinahe doppelt so lange wirken wie bei jüngeren Menschen.

Zur Verkehrstüchtigkeit

Hinweise zur Verkehrstüchtigkeit finden Sie unter Epilepsiemittel gemeinsam betrachtet.

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Anwendungsgebiete dieses Wirkstoffs