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Epilepsiemittel: Levetiracetam

Wirkungsweise

Levetiracetam wirkt auf bisher nicht vollständig geklärte Weise bei generalisierten und fokalen Epilepsieformen. Für Erwachsene ist die Substanz als alleiniges Behandlungsmittel von Epilepsie und als Zusatz zu anderen Mitteln zugelassen, bei Kindern nur als Zusatzbehandlung. Die Wirksamkeit ist für beide Einsatzbereiche ausreichend nachgewiesen.

Das Standardmedikament zur Behandlung von fokalen Epilepsieformen ist Carbamazepin. Diesem ist Levetiracetam in seiner Wirksamkeit gleichwertig. Ein besonderer Vorteil von Levetiracetam ist, dass es kaum Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten gibt. Damit bietet es sich für Personen an, die mehrere Medikamente benötigen, um anfallfrei zu werden, und für solche, die aufgrund anderer Erkrankungen noch weitere Mittel einnehmen müssen. Insgesamt wird Levetiracetam bei Epilepsien als "geeignet" bewertet.

Anwendung

Allgemeine Angaben zur Anwendung finden Sie unter Antiepileptika gemeinsam betrachtet.

Üblicherweise beginnt die Behandlung mit zweimal 250 Milligramm Levetiracetam. Nach zwei Wochen kann die Menge verdoppelt werden. Die Dosis kann im Abstand von jeweils zwei Wochen bis zur wirksamen Dosis auf höchstens zweimal 1 500 Milligramm am Tag gesteigert werden. Bereits nach relativ kurzer Zeit lässt sich beurteilen, wie es die Anfallhäufigkeit beeinflusst. Soll die Dosis des Medikaments später wieder verringert werden, muss das in kleinen Schritten über längere Zeit geschehen.

Wird Levetiracetam zusätzlich zu einem anderen Epilepsiemittel eingenommen, kann die Behandlung mit zweimal 500 Milligramm beginnen.

Wenn Sie eine Nierenfunktionsstörung oder eine schwere Leberfunktionsstörung haben, sollte der Arzt prüfen, ob die Dosierung von Levetiracetam verringert werden muss.

Nebenwirkungen

Bei manchen Personen kann sich der Körper nach einigen Wochen oder Monaten an die Behandlung mit Levetiracetam gewöhnen. Dann wirkt es schwächer.

Levetiracetam kann bei einigen Menschen zu Haarausfall führen. Dieser lässt meist wieder nach, sobald das Mittel abgesetzt wird.

Bei der Behandlung mit Levetiracetam können sich vermehrt Selbsttötungsgedanken einstellen. Wenn Sie Schlafstörungen, Lustlosigkeit, Antriebsmangel, das Empfinden einer inneren Leere, Interesselosigkeit und Schuldgefühle bemerken oder wenn Angehörige solche Gemütsveränderungen registrieren, sollten Sie das umgehend einem Arzt mitteilen, damit er über das weitere Vorgehen entscheiden kann.

Keine Maßnahmen erforderlich

Über Schwäche und Müdigkeit klagen mehr als 10 von 100 Anwendern. 1 bis 10 von 100 sind benommen und berichten über Kopfschmerzen, Durchfall, Magen-Darm-Beschwerden, Übelkeit und Nervosität.

Muss beobachtet werden

Wenn die Haut sich verstärkt rötet und juckt, reagieren Sie vermutlich allergisch auf Levetiracetam. Solche Hauterscheinungen treten bei 1 bis 10 von 100 Behandelten auf. Sie sollten dann einen Arzt aufsuchen.

Levetiracetam löst bei 1 bis 10 von 100 Anwendern psychische Störungen aus. Diese können sich in Form von Nervosität, Reizbarkeit, Aggressionen, Wut, Angst, Schlaflosigkeit, Verwirrtheit und Erinnerungsstörungen äußern; auch psychotische Störungen sind vorgekommen. Wenn Sie wiederholt befremdliche Dinge sehen oder hören, die andere Menschen nicht bemerken (Halluzinationen), oder wenn Sie Wahnvorstellungen entwickeln, sollte der Arzt informiert werden.

Mit der gleichen Häufigkeit können Gewichtsabnahme, Unsicherheit beim Gehen, Zittern, Schwindel und Doppeltsehen auftreten. Wenn diese Störungen länger als fünf bis sieben Tage anhalten, sollten Sie einen Arzt aufsuchen.

Wenn Sie sich längere Zeit abgeschlagen fühlen und häufig Infektionen oder Fieber haben, sollte der Arzt Ihr Blut untersuchen. Es könnte eine Blutbildungsstörung vorliegen.

Besondere Hinweise

Für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren

Zur Behandlung fokaler Epilepsien können bereits einen Monat alte Säuglinge und alle älteren Kinder Levetiracetam als zusätzliches Medikament zu anderen Epilepsiemitteln erhalten. Bei primär generalisierten Anfallformen kommt diese Zusatztherapie erst infrage, wenn die Kinder mindestens zwölf Jahre alt sind. Mit Levetiracetam allein dürfen erst Jugendliche ab 16 Jahre behandelt werden, wenn bei ihnen eine fokale Anfallform neu festgestellt wurde.

Achten Sie vor allem bei der Behandlung von Säuglingen und Kleinkindern darauf, dass Sie die passende Dosierhilfe benutzen, um Überdosierungen zu vermeiden.

Für Schwangerschaft und Stillzeit

Allgemeine Hinweise für die Anwendung in der Schwangerschaft finden Sie unter Epilepsiemittel.

Neueren Untersuchungen zufolge haben Kinder, deren Mutter während der Schwangerschaft Levetiracetam eingenommen hat, kein erhöhtes Risiko für Fehlbildungen. Dennoch sollte es nur eingesetzt werden, wenn Lamotrigin, das in der Schwangerschaft derzeit als das sicherste Epilepsiemittel gilt, nicht angewendet werden kann und der Nutzen eindeutig größer ist als das mögliche Risiko. Wird die Therapie beibehalten, kann die Entwicklung des Kindes durch spezielle Ultraschalluntersuchungen verfolgt werden.

Levetiracetam geht in die Muttermilch über. Daher sollten Sie bei einer Epilepsiebehandlung mit diesem Medikament möglichst nicht stillen.

Für ältere Menschen

Da die Nierenfunktion bei älteren Menschen nachlässt, kann Levetiracetam bei ihnen beinahe doppelt so lange wirken wie bei jüngeren Menschen.

Zur Verkehrstüchtigkeit

Hinweise zur Verkehrstüchtigkeit finden Sie unter Epilepsiemittel.

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Anwendungsgebiete dieses Wirkstoffs