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Epilepsiemittel: Lacosamid

Wirkungsweise

Auf welchem Weg Lacosamid bei Epilepsien wirkt, ist noch nicht abschließend geklärt. Der Wirkstoff wird sowohl als Zusatzmedikament als auch als alleiniges Mittel eingesetzt – Testergebnisse zu Lacosamid.

Bei Laboruntersuchungen hat sich gezeigt, dass der Wirkstoff bestimmte Ionenströme bei der Nervenübertragung so beeinflusst, dass übererregte Nerven stabilisiert werden. Dies könnte ein Weg sein, auf dem das Mittel seine Wirkung ausübt.

Bei fokalen Anfällen ist Lacosamid nachgewiesen wirksam, wenn das Mittel als Zusatzmedikament zu anderen Epilepsiemitteln eingenommen wird. Studien zeigen, dass seltener Anfälle auftreten, wenn eine kombinierte Behandlung mit Lacosamid durchgeführt wird, als bei einer Behandlung ohne dieses Zusatzmedikament. Die Anfälle gehen bei der zusätzlichen Gabe von 400 Milligramm Lacosamid am weitesten zurück. Eine höhere Dosis bringt dagegen keinen weiteren Nutzen.

In einer wissenschaftlichen Übersicht hierzu wurden mehrere Studien zusammen ausgewertet, in denen die therapeutische Wirksamkeit einer Epilepsiebehandlung geprüft wurde, die entweder durch Lacosamid oder ein Scheinmedikament ergänzt wurde. Danach halbierte sich bei etwa 34 von 100 Betroffenen, die 200 Milligramm Lacosamid zusätzlich einnahmen, die Zahl der Krampfanfälle. Von denen, die 400 Milligramm einnahmen, erfuhren nahezu 40 von 100 eine Verbesserung. Einen solchen Erfolg konnten nur etwa 23 von 100 derjenigen aufweisen, die neben den bisherigen Antiepileptika lediglich ein Scheinmedikament erhielten.

Studien, in denen der Effekt verschiedener Zusatzmedikamente direkt mit dem von Lacosamid verglichen wurde, gibt es derzeit nicht. Für die therapeutische Wirksamkeit der verschiedenen Zusatztherapeutika werden lediglich indirekte vergleichende Analysen angestellt, mit durchaus unterschiedlichen Ergebnissen. Derartige indirekte Vergleiche sind mit großen Unsicherheiten verbunden, verlässliche Empfehlungen lassen sich daraus nicht ableiten.

Auch für den Einsatz als alleiniges Mittel bei Erwachsenen ist die therapeutische Wirksamkeit von Lacosamid belegt. Der Wirkstoff senkt die Rate an Krampfanfällen in ähnlicher Weise wie das Standardtherapeutikum Carbamazepin und ist ähnlich verträglich. Allerdings ist es im Gegensatz zu diesem für den Einsatz als Einzelmittel noch wenig erprobt.

Insgesamt wird das Mittel für die Behandlung fokaler Epilepsien mit „auch geeignet“ bewertet.

Anwendung

Allgemeine Angaben zur Anwendung finden Sie unter Epilepsiemittel gemeinsam betrachtet.

Wird Lacosamid als einziges Epilepsiemittel angewendet, liegt die Anfangsdosis bei Erwachsenen zwischen 100 und 200 Milligramm pro Tag. Diese Menge wird in Einzeldosen von 50 bzw. 100 Milligramm morgens und abends eingenommen. In wöchentlichen Abständen steigert der Arzt die Lacosamidmenge auf die individuell erforderliche Dosis. Ansonsten gesunden Menschen mit Epilepsie wird empfohlen, pro Tag nicht mehr als 600 Milligramm Lacosamid einzunehmen.

Wenn Lacosamid zusammen mit anderen Epilepsiemitteln eingesetzt wird, beginnt die Behandlung mit zweimal 50 Milligramm Lacosamid täglich für acht Tage. In wöchentlichen Abständen kann die Dosis dann schrittweise auf maximal 400 Milligramm pro Tag gesteigert werden.

Bei Menschen mit schwerer Nierenfunktionsstörung soll zu Beginn der Behandlung die Dosissteigerung nur mit Vorsicht vorgenommen werden. Als Maximaldosis dürfen 250 Milligramm Lacosamid pro Tag eingenommen werden. Ist die Leberfunktion leicht bis moderat eingeschränkt liegt die Höchstdosis von Lacosamid bei 300 Milligramm pro Tag.

Achtung

Vimpat Sirup enthält als Konservierungsmittel Parabene. Wenn Sie auf Parastoffe allergisch reagieren, dürfen Sie dieses Mittel nicht einnehmen.

Gegenanzeigen

Bei schweren Herzrhythmusstörungen (AV-Block 2. oder 3. Grades) dürfen Sie nicht mit Lacosamid behandelt werden.

Unter folgenden Umständen muss der Arzt Nutzen und Risiken einer Behandlung mit Lacosamid besonders sorgfältig abwägen:

  • Sie leiden an einer anderen Art von Herzrhythmusstörung oder haben eine schwere Herzerkrankung, z. B. eine Herzschwäche, oder Sie hatten bereits einen Herzinfarkt, wodurch das Risiko für Herzrhythmusstörungen erhöht ist. Vorsicht ist auch geboten bei Patienten, die mit Arzneimitteln behandelt werden, die selbst Auswirkungen auf den Herzrhythmus haben können (siehe Wechselwirkungen). Vor einer Behandlung mit Lacosamid sollte der Arzt bei diesen Patienten die Herzfunktion mit einem Elektrokardiogramm überprüfen.
  • Sie leiden an einer schweren Leberfunktionsstörung. Es liegen keine ausreichenden Erfahrungen zur Verträglichkeit von Lacosamid bei diesen Patienten vor.

Wechselwirkungen

Wechselwirkungen mit Medikamenten

Man geht davon aus, dass es zwischen Lacosamid und anderen Arzneimitteln kaum Wechselwirkungen gibt.

Aufgrund theoretischer Erwägungen ist aber nicht auszuschließen, dass Lacosamid stärker wirkt und mehr Nebenwirkungen wie Übelkeit, Schwindel, Doppelt- oder Verschwommensehen verursacht, wenn es gleichzeitig mit Fluconazol, Itraconazol und Ketoconazol (innerlich bei Pilzinfektionen) sowie mit Ritonavir (bei HIV-Infektion) oder Clarithromycin (bei bakteriellen Infektionen) eingenommen wird. Außerdem ist denkbar, dass Lacosamid bei gleichzeitiger Anwendung mit Rifampicin (bei Tuberkulose) oder Johanniskraut (bei Depressionen) schwächer wirkt.

Unbedingt beachten

Lacosamid kann Herzrhythmusstörungen hervorrufen. Bei der gleichzeitigen Anwendung von Medikamenten, die ebenfalls den Herzrhythmus beeinflussen, kann der Effekt auf den Herzrhythmus verstärkt werden. Zu diesen Arzneimitteln gehören Carbamazepin, Lamotrigin und Pregabalin (bei Epilepsien) sowie Flecainid (bei Herzrhythmusstörungen).

Nebenwirkungen

Keine Maßnahmen erforderlich

Mehr als 10 von 100 Behandelten bekommen Kopfschmerzen und ihnen wird übel.

Bei 1 bis 10 von 100 Behandelten können Mundtrockenheit und Magen-Darm-Beschwerden wie Erbrechen, Blähungen, Durchfall und Verstopfung auftreten.

Diese Beschwerden vergehen in der Regel im Laufe der Behandlung von alleine.

Muss beobachtet werden

1 bis 10 von 100 mit Lacosamid Behandelte sehen verschwommen. Mehr als 10 von 100 Behandelten sehen Doppelbilder. Ebenso häufig kann Schwindel auftreten. Mit diesen Beschwerden können Schwierigkeiten beim Bewegen, Gleichgewichtsstörungen und Kraftlosigkeit einhergehen. Dadurch steigt das Risiko für Stürze und andere Verletzungen. Solche Beschwerden sollten Sie daher mit einem Arzt besprechen.

Es können sich Schwierigkeiten beim Denken und Erinnerungs- und Aufmerksamkeitsstörungen bis hin zu Verwirrtheitszuständen einstellen. Bei etwa 1 von 100 Behandelten können sich aggressives Verhalten und Unruhe entwickeln, bei 1 bis 10 von 100 Personen Depressionen, Schlaflosigkeit sowie Missempfindungen an Armen und Beinen. Berichten Sie derartige Beschwerden Ihrem Arzt.

Wenn Sie Freud- und Antriebslosigkeit quälen und Sie sehr ängstlich oder niedergeschlagen sind, kann es sich um eine Depression handeln. Auch eine allgemeine Erschöpfung und Interessenlosigkeit sowie Schlafstörungen und Appetitlosigkeit können Anzeichen einer solchen Erkrankung sein. Wenn Sie oder nahestehende Personen solche Veränderungen bemerken und diese länger als zwei Wochen anhalten, sollten Sie sich an einen Arzt wenden. Dann können Sie im Gespräch über das weitere Vorgehen beraten.

Wenn die Haut sich verstärkt rötet und juckt, reagieren Sie möglicherweise allergisch auf das Mittel. Bei solchen Hauterscheinungen sollten Sie einen Arzt aufsuchen, um zu klären, ob es sich tatsächlich um eine allergische Hautreaktion handelt und Sie ein Alternativmedikament benötigen.

Sofort zum Arzt

Lacosamid kann die Reizleitung im Herzen beeinträchtigen. Bei 1 bis 10 von 1 000 Behandelten verlangsamt sich dadurch der Herzrhythmus deutlich. Das kann zu Ohnmachten führen. Ähnlich häufig wird der Puls sehr schnell und unregelmäßig. Auffällige Veränderungen der Pulsfrequenz sollten Sie dringend mit einem Arzt besprechen.

Bei 1 bis 10 von 1 000 Anwendern kann das Unterhautgewebe anschwellen. Sind davon das Gesicht und der Hals betroffen, droht Atemnot (Angioödem). Dann dürfen Sie das Mittel nicht mehr einnehmen und müssen unverzüglich den Notarzt (Telefon 112) rufen.

Wenn sich schwere Hauterscheinungen mit Rötung und Quaddeln an Haut und Schleimhäuten sehr rasch (meist innerhalb von Minuten) entwickeln und zusätzlich Luftnot oder eine Kreislaufschwäche mit Schwindel und Schwarzsehen oder Durchfälle und Erbrechen auftreten, kann es sich um eine lebensbedrohliche Allergie bzw. einen lebensbedrohlichen allergischen Schock (anaphylaktischer Schock) handeln. In diesem Fall müssen Sie die Behandlung mit dem Medikament sofort stoppen und den Notarzt (Telefon 112) verständigen.

Die oben beschriebenen Hauterscheinungen können in sehr seltenen Fällen auch erste Anzeichen für andere sehr schwerwiegende Reaktionen auf das Arzneimittel sein. Meist entwickeln diese sich während der Anwendung des Mittels nach Tagen bis Wochen. Typischerweise dehnen sich die Hautrötungen aus, und es bilden sich Blasen ("Syndrom der verbrühten Haut"). Auch die Schleimhäute des gesamten Körpers können betroffen und das Allgemeinbefinden wie bei einer fiebrigen Grippe beeinträchtigt sein. Bereits in diesem Stadium sollten Sie sich sofort an einen Arzt wenden, denn diese Hautreaktionen können sich rasch lebensbedrohlich verschlimmern.

Die oben beschriebenen Anzeichen einer Depression können sich so weit verschlimmern, dass Betroffene kein Interesse mehr an ihrem sozialen Umfeld aufbringen können und innere Leere sowie Schuldgefühle soweit zunehmen, dass sich Selbsttötungsgedanken entwickeln. Sehen nahestehende Personen die Gefahr einer Selbsttötung, muss sofort ärztliche Hilfe gesucht werden.

Besondere Hinweise

Zur Empfängnisverhütung

Lacosamid selbst beeinflusst die Wirksamkeit hormoneller Empfängnisverhütungsmittel nicht. Wenn Sie Lacosamid zusammen mit anderen Antiepileptika einnehmen, kann das aber anders sein. Dann sollten Sie mit einem Arzt besprechen, ob Sie zu einer nichthormonellen Verhütungsmethode wechseln oder ein anderes Pillenpräparat nehmen sollten.

Für Schwangerschaft und Stillzeit

Allgemeine Hinweise für die medikamentöse Behandlung der Epilepsie in der Schwangerschaft finden Sie unter Epilepsiemittel gemeinsam betrachtet.

Über die Anwendung von Lacosamid in der Schwangerschaft gibt es noch keine ausreichenden Erkenntnisse. Lacosamid sollte in der Schwangerschaft nur eingenommen werden, wenn der Arzt es für unverzichtbar hält.

Ob Lacosamid in die Muttermilch übertritt, ist unklar. Sicherheitshalber sollten Sie bei einer entsprechenden Behandlung nicht stillen.

Für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren

Die therapeutische Wirksamkeit und die Verträglichkeit von Lacosamid wurde in klinischen Studien für Kinder ab vier Jahren untersucht. Für jüngere Kinder liegen noch keine ausreichenden Erkenntnisse vor.

Kinder können Lacosamid als alleiniges Medikament bekommen. Allerdings liegen bislang nur wenige Erkenntnisse aus hochwertigen Studien vor, die die Wirksamkeit und Verträglichkeit des Mittels bei Kindern nachweisen.

Eine therapeutische Wirksamkeit bei Kindern ist auch für die Zusatzbehandlung nachgewiesen, bei denen trotz einer Behandlung mit anderen Epilepsiemitteln noch Krampfanfälle auftraten. Hier konnte die zusätzliche Gabe von Lacosamid die Anzahl fokaler Krämpfe weiter senken.

Bei Kindern wird die Dosierung an das Körpergewicht angepasst. Für die Anfangsphase der Behandlung, in der die individuell erforderliche Dosis gefunden werden muss, steht zur genauen Einstellung der passenden Lacosamiddosis ein Sirup zur Verfügung. Je nachdem kann der Arzt dann später auf die Tabletten umstellen.

Für ältere Menschen

Möglicherweise treten bei älteren Menschen unerwünschte Wirkungen von Lacosamid häufiger auf als bei jüngeren Personen. So wurden Stürze bei älteren Menschen häufiger beobachtet. Auch Auswirkungen auf den Herzrhythmus können im höheren Alter häufiger auftreten.

Zur Verkehrstüchtigkeit

Hinweise zur Verkehrstüchtigkeit finden Sie unter Epilepsiemittel gemeinsam betrachtet.

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Anwendungsgebiete dieses Wirkstoffs