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Entwöhnungsmittel: Naltrexon

Wirkungsweise

Naltrexon wird als Entwöhnungsmittel bei Alkoholabhängigen eingesetzt. Es blockiert im Körper Opioidrezeptoren. Dadurch soll die durch Botenstoffe im Gehirn vermittelte „Belohnung“, die ein Alkoholabhängiger beim Alkoholkonsum verspürt, ausbleiben. Testergebnis Naltrexon

Ziel der Behandlung einer Alkoholabhängigkeit ist normalerweise der komplette und dauerhafte Verzicht auf Alkohol. Dass das Mittel Alkoholabhängigen nach dem Entzug im Rahmen eines langfristigen Entwöhnungsprogramms hilft, dauerhaft keinen Alkohol zu trinken, ist jedoch nicht ausreichend nachgewiesen. Das Mittel ist somit für die Erreichung dieses wichtigsten Therapieziels wenig geeignet.

Im Rahmen eines psychosozialen Entwöhnungsprogramms kann die Einnahme von Naltrexon aber einen Entzug unterstützen. Das Mittel kann das unkontrollierte Verlangen nach Alkohol, wenn noch keine komplette Abstinenz erreicht ist, vermindern. Allerdings ist der Effekt des Mittels auch hierfür eher gering. So konnten es rund 61 von 100 Alkoholabhängigen, die Naltrexon eingenommen haben, während der Behandlungszeit vermeiden, in ein unkontrolliertes Rauschtrinken zurückzufallen. Doch auch diejenigen, die ein Scheinmedikament erhalten haben, erzielten recht gute Ergebnisse, 51 von 100 verfielen nicht in ein unkontrolliertes Rauschtrinken. Durchschnittlich ist das ein Tag weniger pro Monat, wenn Naltrexon angewendet wird.Bislang wurde Naltrexon in Studien bis maximal 12 Monaten eingesetzt.

Ob dieser geringe Effekt die Lebenssituation des Alkoholabhängigen spürbar verbessert, ist unklar.

Innerhalb der gesetzlichen Krankenversicherung ist der Einsatz des Wirkstoffs bei Nicht-Abstinenten reglementiert: Das Mittel darf nur drei Monate (in Ausnahmefällen auch sechs Monate) zur Unterstützung eingesetzt werden, um den Alkoholkonsum während der Wartezeit auf einen Therapieplatz in einer Suchtklinik zu verringern.

Anwendung

Die Behandlung mit Naltrexon muss in ein umfassendes psychosoziales Therapieprogramm zur Behandlung der Alkoholabhängigkeit eingebettet sein.

Die übliche Dosis beträgt eine Tablette (50 mg) pro Tag.

Wie lange behandelt wird, hängt von der individuellen Situation ab. Es wird aber empfohlen, die Therapie mindestens drei Monate lang durchzuführen.

Wenn Ihre Nieren- oder Leberfunktion eingeschränkt ist, sollte der Arzt die Dosis von Naltrexon anpassen.

Achtung

Naltrexon darf nur eingesetzt werden, wenn keine Opiate (z. B. Heroin, Methadon) konsumiert werden. Vor Anwendung von Naltrexon werden daher spezielle Tests (Urin- und Provokationstests) durchgeführt, um dies sicherzustellen.

Werden während oder in den Tagen direkt vor der Behandlung opioidhaltige Drogen konsumiert, können schwere Entzugserscheinungen (Herzrasen, Angst, Schüttelfrost, Übelkeit, Erbrechen, Halluzinationen) oder – wenn die Naltrexonwirkung endet – lebensbedrohliche Opioidüberdosierungen (Atemstillstand) auftreten.

Gegenanzeigen

Unter folgenden Bedingungen dürfen Sie Naltrexon nicht anwenden:

  • Sie haben eine schwere oder akute Lebererkrankung (z. B. Hepatitis).
  • Sie haben eine schwere Nierenerkrankung.
  • Sie werden mit einem opioidhaltigen Arzneimittel (z. B. bei starken Schmerzen oder zur Substitution bei Opiatsucht) behandelt. Vorsicht ist auch geboten, wenn Sie Medikamente mit opioidhaltigen Mitteln gegen Husten (Codein) oder Durchfall (Loperamid) vor oder während der Therapie einsetzen.

Unter folgenden Bedingungen muss der Arzt Nutzen und Risiken der Anwendung von Naltrexon besonders sorgfältig abwägen:

  • Die Funktion ihrer Nieren ist leicht bis mäßig eingeschränkt.
  • Die Funktion ihrer Leber ist leicht bis mäßig eingeschränkt, was bei einer Alkoholabhängigkeit häufig der Fall ist. Dann muss vor der Behandlung und in regelmäßigen Abständen während der Behandlung die Leberfunktion überwacht werden.

Wechselwirkungen

Wechselwirkungen mit Medikamenten

Nach Abschluss einer Behandlung mit Naltrexon können Sie auf opioidhaltige Arzneimittel (gegen Schmerzen, Husten) empfindlicher reagieren.

Unbedingt beachten

Naltrexon dürfen Sie nicht anwenden, wenn Sie Opioide (bei starken Schmerzen, zur Hustenstillung), oder opioidähnliche Mittel, wie Dextromethorphan (bei Husten), Loperamid (bei Durchfall) oder Methadon (zur Substitution bei Opioidabhängigkeit) einnehmen.

Die gleichzeitige Anwendung von Naltrexon bei einer Opioidabhängigkeit kann innerhalb von Minuten Entzugserscheinungen, wie Angst oder Verlangen nach der Substanz auslösen, und es können Herzrasen, Übelkeit und Erbrechen sowie Schüttelfrost und Fieber auftreten.

Nebenwirkungen

Da das Medikament im Rahmen des Entzuges bei Opiat- oder Alkoholabhängigkeit eingesetzt wird, kann es zu Entzugssymptomen kommen, die möglicherweise auch einen Teil der weiter unten beschriebenen unerwünschten Wirkungen wie Herzrasen, Kopfschmerz, Übelkeit, Erbrechen und Unruhe erklären.

Das Mittel kann Ihre Leberwerte beeinflussen, was Zeichen einer beginnenden Leberschädigung sein kann. Sie selbst bemerken in der Regel davon nichts, sondern es fällt nur bei Laborkontrollen durch den Arzt auf. Ob und welche Konsequenzen dies für Ihre Therapie hat, hängt sehr vom individuellen Fall ab. Bei einem lebensnotwendigen Medikament ohne Alternative wird man es oft tolerieren und die Leberwerte häufiger kontrollieren, in den meisten anderen Fällen wird Ihr Arzt das Medikament absetzen oder wechseln.

Bei der Entscheidungsfindung im Hinblick auf die Einnahme von Naltrexon ist zu bedenken: Auch ein fortgesetzter Alkoholkonsum kann die Leber schädigen.

Keine Maßnahmen erforderlich

Mehr als 10 von 100 Behandelten klagen zu Beginn der Einnahme unter Kopf-, Muskel- oder Gelenkschmerzen, fühlen sich nervös, unruhig oder kraftlos oder leiden unter Magen-Darm-Beschwerden wie Übelkeit oder Erbrechen. 1 bis 10 von 100 wird schwindelig.

Sexuelle Funktionsstörungen einschließlich Impotenz bemerken 1 bis 10 von 100 Behandelten. Allerdings ist oft nicht sicher auszumachen, ob diese Beschwerden durch die Alkoholkrankheit oder die Behandlung mit Naltrexon bedingt sind. Beruht es auf der Medikamenteneinnahme, normalisiert sich das nach dem Ende der Behandlung wieder.

Es kann verstärktes Schwitzen auftreten und die Augen können tränen.

Muss beobachtet werden

Wenn sich Magen-Darm-Beschwerden wie Übelkeit, Erbrechen oder Durchfall nach drei Tagen nicht normalisieren oder wenn Sie sich zunehmend geschwächt fühlen, wenden Sie sich an den Arzt.

Wenn sich Ihr psychisches Befinden verschlechtert, Sie beispielsweise unter Angstzuständen oder Schlafstörungen leiden oder sich sehr niedergeschlagen fühlen, sollten Sie mit dem Arzt oder der Ärztin besprechen, ob Sie das Mittel weiter einnehmen sollen.

Wenn Sie Herzklopfen, Herzrasen oder Schmerzen in der Brust bemerken, sollten Sie einen Arzt aufsuchen, damit er Ihre Herzfunktion anhand eines Elektrokardiogramms (EKG) überprüft.

Wenn die Haut sich verstärkt rötet und juckt, reagieren Sie vermutlich allergisch auf das Mittel. Bei solchen Hauterscheinungen sollten Sie einen Arzt aufsuchen, um zu klären, ob es sich tatsächlich um eine allergische Hautreaktion handelt und Sie ein Alternativmedikament benötigen.

Sofort zum Arzt

Im Einzelfall kann das Mittel die Leber schwer schädigen. Typische Anzeichen dafür sind: eine dunkle Verfärbung des Urins, eine helle Verfärbung des Stuhlgangs oder es entwickelt sich eine Gelbsucht (erkennbar an einer gelb verfärbten Augenbindehaut), oft begleitet von starkem Juckreiz am ganzen Körper. Tritt eines dieser für einen Leberschaden charakteristischen Krankheitszeichen auf, müssen Sie sofort zum Arzt gehen.

Besondere Hinweise

Für Schwangerschaft und Stillzeit

Zur therapeutischen Wirksamkeit und Sicherheit von Naltrexon während der Schwangerschaft gibt es keine ausreichenden Erkenntnisse. Ob das Mittel das Ungeborene schädigen kann, ist unklar. Naltrexon sollte daher nur angewendet werden, wenn die Frau ohne das Mittel nicht abstinent bleiben kann, sodass für das Kind das Risiko besteht, durch Alkohol geschädigt zu werden.

Wegen mangelnder Erfahrungen ist auch während der Stillzeit die Einnahme nicht empfohlen.

Für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren

Kinder und Jugendliche sollten nicht mit dem Mittel behandelt werden. Die therapeutische Wirksamkeit und Verträglichkeit von Naltrexon zur Unterstützung der Alkoholentwöhnung wurde in dieser Altersgruppe nicht untersucht.

Für ältere Menschen

Über die Risiken von Naltrexon zur Unterstützung der Alkoholentwöhnung bei Älteren gibt es keine Erkenntnisse. Sicherheitshalber sollten sie mit diesem Mittel nicht behandelt werden.

Zur Verkehrstüchtigkeit

Das Mittel kann die Konzentrationsfähigkeit beeinträchtigen und Schwindel verursachen. Die Augen können tränen und die Sicht beeinträchtigen. Das kann die Fähigkeit, aktiv am Verkehr teilzunehmen, Maschinen zu bedienen und Arbeiten ohne sicheren Halt zu verrichten, beeinträchtigen. Das ist insbesondere zu Beginn der Behandlung zu erwarten.

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